Manuskripte 1948-51

Inhalt: 430 Manuskripte zu 151 Gedichten (50 Endfassungen)
Datierung: Mai 1948 - 4. 3.1951
Textträger: 280 Einzelblätter (A4-Format)
Umfang: 174 Dossiers, 436 beschriebene Seiten
Publikation: Gesicht im Mittag (14 Gedichte), Verstreutes (6 Gedichte)
Signatur: A-5-b/02 (Schachteln 30/31) / pdf-Liste
Herkunft: Nr. 1-113: gräulich-grünliche Mappe EG 1 (1948/49/50); Nr. 114-174: grüne Mappe EG 2 (1951)

Kommentar: Willkürlich geordnete Konvolute, Zusammengehörendes oft in verschiedenen Dossiers
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen; diplomatische Umschriften  nur bei Texten, die in Gesicht im Mittag publiziert wurden.

1948 * (nicht datiert)       )

Heimkehr am Abend / I (A*)

Grüner Schein des Gewölbes
dreht über blattlosen Bäumen.
Sie klirren im Wehn, das hereinfährt.
Der Knabe achtet es nicht.
05 Ihn sättigt am Flussrand sein Spiel:
Fische bläst er aus Glas,
blaue, hellviolette
mit  zackigen Flossen, mit Schleiern und Schweifen.
Schimmernde Ruhe¿ ziehn sie im Wasser.
10 Klares belebet die Klarheit.
Gläserne Vögel wirft er empor
und klatscht in die Hände,
wenn sie unhörbar gleiten,
sich fangen im kahlen Geäst.
15 Er hört die Musik. 

1948 * (nicht datiert)       )

Heimkehr am Abend / 1. (B*)

Grün und leuchtend aus rötlichen Adern
dreht das Gewölb
über blattlos klirrenden Bäumen.
Der Knabe achtet es nicht.
05 Ihn sättigt am Flusse sein Spiel:
Fische bläst er aus Glas, mit blauen, zackigen Flossen,
Schimmernde Ruhe¿ ziehn sie im Wasser.
Klares belebet die Klarheit.
Er bildet gläserne Vögel,
10 wirft sie empor und klatscht in die Hände,
wenn unhörbar sie gleiten, sich fangen im kahlen Geäst.
Er hört die Musik.

1948 * (nicht datiert)       )

Heimkehr am Abend / I (C*)

Leuchtend aus rötlichen Adern
dreht das Gewölb<.>
Der Knabe achtet es nicht.
Ihn sättigt am Flusse sein Spiel:
05 Fische bläst er aus Glas,
und setzt sie ins Wasser.
Klares belebet die Klarheit.
Er bildet gläserne Vögel,
wirft sie empor und schaut,
10 wie unhörbar sie gleiten,
sich fangen im kahlen Geäst.
Er hört die Musik.

1948 * (nicht datiert)       )

Leuchtend aus rötlichen Adern …* (D*)

Leuchtend aus rötlichen Adern
dreht das Gewölb.
Der Knabe achtet es nicht.
Ihn sättigt sein Spiel:
05 er bildet gläserne Vögel,
die unhörbar entgleiten:
über kahlem Geäst
belebet Klares die Klarheit<.>
Er aber lauscht der Musik.

1948 * (nicht datiert)       )

Leuchtend aus rötlichen Adern …* / I (E*)

Leuchtend aus rötlichen Adern
dreht das Gewölb.
Der Knabe achtet es nicht.
Ihn sättigt sein Spiel:
05 empor wirft er gläserne Vögel.
Über kahlem Geäst
belebet Klares die Klarheit.
Er lauscht der Musik

1948 * (nicht datiert)       )

Heimkehr am Abend. / 1. (F*)

Leuchtend aus rötlichen Adern
dreht das Gewölb.
Der Knabe achtet es nicht.
Ihn sättigt sein Spiel:
05 empor wirft er gläserne Vögel,
dass über kahlem Geäst
Klares belebe die Klarheit.

1948 * (nicht datiert)       )

Heimkehr am Abend / II (A*)

Im Zwielicht erkennt er die Stadt 
den Platz, der zuerst sich ihm öffnet,
da er vom Berge herabkommt.
Wolken schieben sich stumm an die vertrockneten Hügel, jenseits der Kuppeln
05 Dies im Brunnen hier eine uralte Säule,
eine Nadel, wider die Düsternis strebend.
Es droht wohl Gewitter.
Die Strasse zieht ihn nach innen:
Menschen, dichtergedrängt,
10 Strom ohne Scheidung
treiben ins Becken der Lust. // 03
Jagd der Masken im Kreise:
Schwindel der schnellen Bewegung
Bänder bunt zu Netzen verwirrt schaukeln über der Menge.
15 Singsang zahlloser Lieder. Gelächter und Rufe.
Aus dem stummen Gewölk
kreisen die gläsernen Vögel hernieder.
Zecher greifen und werfen sie lachend in Scherben
Nicht hört er das Klirren im überlauten Gebraus.

Mittwoch, 26 Mai 1948       )

Heimkehr am Abend / 2. (B*)

Im Zwielicht erkennt er die Stadt,
den Platz, der zuerst ihm sich öffnet,
da er vom Berge herabkommt. // 05v
Jenseits der Kuppeln
05 schieben Wolken sich stumm an vertrocknete Hügel.
Dies am Brunnen hier eine uralte Säule,
Nadel, wider die Düsternis strebend.
Es droht wohl Gewitter.
Die Strasse zieht ihn nach innen:
10 Menschen, dichter gedrängt, Strom ohne Scheidung,
treiben ins Becken der Lust.
Jagd der Masken im Kreise,
Schwindel schneller Bewegung.
Bänder schaukeln, bunt zu Netzen verwirrt.
15 Singsang zahlloser Lieder, Gelächter und Rufe.
Herab aus dem starren Gewölk
kreisen gläserne Vögel.
Zecher greifen und werfen sie lachend in Scherben.
Nicht hört er das Klirren im überlauten Gebraus.

Samstag, 03 Juli 1948       )

Heimkehr am Abend / II (C*)

Im Zwielicht erkennt er die Stadt,
da er vom Berge herabkommt.
Jenseits der Kuppeln
schieben Wolken sich stumm
05 an vertrocknete Hügel.
Uralt am Brunnen hier diese Säule,
Nadel, wider die Düsternis strebend, // 06v
Es droht wohl Gewitter.
Die Strasse zieht ihn nach innen:
10 Menschen, Strom ohne Scheidung,
treiben ins Becken der Lust.
Jagd der Masken im Kreise,
Gelächter und Rufe.
Herab aus dem starren Gewölk
15 kreisen gläserne Vögel.
Zecher greifen und werfen
sie lachend in Scherben.
Nicht hört er das Klirren
im überlauten Gebraus.

1948 * (nicht datiert)       )

Im Zwielicht erkennt er die Stadt …* (D*)

Im Zwielicht erkennt er die Stadt,
da er vom Berge herabkommt:
Jenseits der Kuppeln
schieben Wolken sich stumm
05 an vertrocknete Hügel.
Es droht wohl Gewitter.
Nach innen zieht ihn die Strasse, 
Strom ohne Scheidung 
treibt ins Becken der Lust.
10 Gelächter und Rufe.
Herab aus dem starren Gewölk
kreisen gläserne Vögel.
Zecher greifen und werfen
sie lachend in Scherben.
15 Nicht hört er das Klirren
im überlauten Gebraus.

1948 * (nicht datiert)       )

Heimkehr am Abend / 2. (E*)

Noch erkennt er im Zwielicht die Stadt
da er vom Berge herabkommt.
Jenseits der Kuppeln
schieben Wolken sich stumm
05 an vertrocknete Hügel.
Es droht wohl Gewitter.
Nach innen zieht ihn die Strasse:
Strom ohne Scheidung  
treibt ins Becken der Lust.
10 Gelächter und Rufe.
Herab aus dem starren Gewölk
kreisen gläserne Vögel. // 01v
Zecher greifen und werfen
sie lachend in Scherben.
15 Nicht hört er das Klirren
im überlauten Gebraus.

1948 * (nicht datiert)       )

Heimkehr am Abend. 2.* (F*)

Da er vom Berge herabkommt,
erkennt er im Zwielicht die Stadt.
Jenseits der Kuppeln
schieben Wolken sich stumm
05 an vertrocknete Hügel:
es droht wohl Gewitter.
Nach innen zieht ihn die Strasse:
Strom ohne Scheidung
treibt ins Becken der Lust.
10 Gelächter und Rufe.
Herab aus dem starren Gewölk
kreisen gläserne Vögel.
Zecher greifen und werfen
sie lachend in Scherben.
15 Nicht hört er das Klirren
im überlauten Gebraus.

1948 * (nicht datiert)       )

So schlägst, so raubst du …* / II (1*)

So schlägst, so raubst du. Wie ich dich hasse.
Noch als Verwesender hasse ich dich. Wo sich mir alles löst von allem.
Ausspeien will ich dich, was in mir ist von dir. Zu viel hab’ ich getrunken von dir, zu viel. Ich müsste mich selber umwenden, mein Inneres nach aussen. Und selbst dann gelänge es mir nicht, das meine reinlich zu scheiden vom deinen. Ich bin nicht. Des werde ich inne. Ich glaubte zu sein. Doch das gibt es gar nicht: ich. Was bleibt, wenn die Lichter löschen, die grossen Scheinwerfer mit den farbigen Wechselscheiben? Was bleibt von der Bühne ohne das Licht, ohne die Musik? Alte, schäbige Leinwand über Holzrahmen gespannt, klappernde Vorsatzstücke. Vom Balett ein paar geile Mädchen, frech und dumm (dass sie dumm sind macht sie überhaupt erträglich). Die Tänzer alberne Jungen, die nur an den Wein denken, den es nachher gibt, an die Blicke der Verehrerinnen, an ihr Bild in der Illustrierten. Und an anderes, was noch widerlicher ist.

02 Die Bäume waren ja gar keine Bäume, grüne Lappen // 01v warens und ein wenig Holz, die Nymphen, die schönen, geputzte Dirnen. Man wäre verlegen, was man mit ihnen sprechen müsste einen Abend hindurch. Ich würde ihnen Rauch ins Gesicht paffen, aus Langweile, und sie tränken Thee und lächelten, vergeblich wartend auf etwas. Der Fluss ist eine Projektion aus der hintern Galerie. Die Sterne nichts weiter als eine raffinierte Einrichtung, zu kompliziert, sie zu verstehen. Das ist alles.

03 Aber nicht darum hasse ich Dich, dass du mir dies gezeigt hast, nicht darum, nein, weil du mir mich selber gezeigt hast, das ist das Schlimmste. Dass ich nicht da bin. Einen Schönfühler und Dreher von schönlichen Versen, der eben noch schrieb:

für einen Augenblick glänzt smaragdgrün der Fluss,
für einen Augenblick golden die Krone des Baumes.

Zusammengestohlener Wicht, ein Sammelsurium von guter Erziehung, frommen Gedanken, bengalischer Verzweiflung und halben Aufschwüngen die er von der Seite selber ironisch belächelt.

04 Wie das Mädchen an der Bar die kalte Ovomaltine, mit neckischem Lächeln schüttelt, so hast du mich geschüttelt, im Mundwinkel schmunzelnd, ob dem Effekt, den du dir ausgedacht hattest, zusammengeschüttelt aus vielen Gefühlen,  // 02 Gedanken, aus den Strebungen der Jahrhunderte, aus ihren Lei<den>schaften und Ermattungen. Und ich, ich bin nun der Hampelmann, der linkische aus Holz, mit dem Purpurmantel, dem pathetischen Haarschopf. Man kann ihm auch noch eine Krone aufsetzen aus Goldpapier, wenn man will.

05 Aber ich will nicht mehr, hörst du, ich will nicht mehr Hampelmann sein, will einer sein und ich selber. Nicht dir will ich gehören, sondern mir. Und bliebe auch nur noch ein Lachen übrig und Verachtung deines Spektakels, das ich nun kenne. Zu lang bin ich in den Schnürböden herumgestiegen, weil ich glaubte, es seien Berge. Zu lange in den Kulissen gegangen, weil ich glaubte, es seien Wälder. Bliebe mir auch nur das Lachen des Verächters. Es wäre gut so, so viel besser. Denn dies Lachen gehört mir, nur mir, ich wäre frei.

Montag, 21 Juni 1948       )

So schlägst, so raubst du …* II. (2)

So schlägst, so raubst du. Wie ich dich hasse.
Noch als Verwesender hasse ich dich. Wo sich mir alles löst von allem,
Glied von Glied fällt und die Haut sich
mir abschält, runzlig und alt, wie verbrannt;
ausspeien möchte ich dich, was in mir ist von dir. 
05 Doch zu viel habe ich getrunken von dir, zu viel.
Ich müsste mich selber umwenden, mein Inneres nach aussen.
Und selbst dann gelänge es mir nicht, das meine reinlich
zu scheiden vom deinen.
Ich bin nicht, des werde ich inne.
Ich glaubte zu sein. Doch das gibt es gar nicht: ich.
10 Was bleibt, wenn die Lichter verlöschen, die grossen Scheinwerfer
mit den farbigen Drehscheiben?
Was bleibt von der Bühne ohne das Licht, ohne die Musik?
Schäbige Leinwand, auf Holzrahmen gespannt mit einigen rostigen Nägeln.
Klappernde Vorsatzstücke, wenn du nicht acht hast, fallen sie um.
Vom Balett ein paar geile Mädchen, geil und dumm; // 03v
15 dass sie dumm sind macht sie überhaupt noch erträglich.
Die Tänzer, alberne Jungen, die nur an ihr Bild denken in der Illustrierten,
und an ihre Verehrerinnen, eine gackernde Herde von Hühnern,
woraus man sich eines greift, ein augenverdrehendes Stück, je nach Bedarf.
Die Bäume waren ja gar keine Bäume. Grüne Lappen
warens und ein wenig Holz,
20 die schönen Nymphen geputzte Puppen;
man wäre verlegen, was man mit ihnen sprechen müsste
einen Abend hindurch.
Man würde ihnen Rauch ins Gesicht paffen aus Langeweile,
und sie tränken Thee und lächelten mit langen Wimpern, vergeblich. 
Der Fluss ist eine Projektion von der Galerie. Die Sterne
nichts weiter als eine komplizierte Installation.

25 Aber nicht darum hasse ich dich, dass du mir dies alles gezeigt hast, // 04r
dass es nicht ist,
nein, weil du mir mich selber gezeigt hast, das ist das Schlimmste,
dass ich nicht da bin.
Einen Schönfühler und Dreher von schönlichen Versen,
der eben noch schrieb:

für einen Augenblick glänzt smaragdgrün der Fluss,
für einen Augenblick golden die Krone des Baumes.

30 einen zusammengestohlenen Wicht,
ein Sammelsurium aus guter Erziehung, frommen Gedanken
und halben Aufschwüngen, 
dazwischen Verzweiflungen, bengalisch beleuchtet; 
alles halb von der Seite ironisch betrachtet.
Wie das Mädchen an der Bar die kalte Ovomaltine spielerisch schüttelt,
35 so hast du mich geschüttelt zum Witz,
im Mundwinkel schmunzelnd ob dem Effekt,
den du dir ausgedacht hattest. 
Dein Hampelmann bin ich, der linkische, aus Holz,
mit dem Purpurlappen, dem pathetischen Haarschopf. // 04v
Auch eine Krone kann man ihm aufsetzen, aus Goldpapier,
wenn man will.
40 Aber ich will nicht mehr, hörst du!
Widerlich bist du mir mit deinem zynischen Spiel.
Nicht mehr Hampelmann will ich sein. Einer will ich sein und ich selber.
Und bliebe mir auch nur noch ein Lachen übrig und Verachtung
deines Spektakels, das ich nun kenne.
Lang genug schon bin ich in den Schnürböden herumgestiegen,
weil ich glaubte, es seien Berge.
45 Zu lange, ich Laffe, in den Kulissen gegangen, weil ich
glaubte, es seien Wälder.
Bliebe mir auch nur das Lachen des Verächters, es wäre gut so.
Denn dies Lachen gehörte mir. Ich wäre frei.

Dienstag, 22 Juni 1948       )

So raubst, so schlägst du …* II * (3)

So raubst, so schlägst du. Wie ich dich hasse.
Noch als Verwesender hasse ich dich. Wo sich mir alles löst von allem,
Glied von Glied fällt und die Haut sich mir abschält, wie verbrannt:
ausspeien möchte <ich>, was in mir ist von dir.
05 Doch zu viel habe ich getrunken von dir, zu viel.
Ich müsste mich selber umwenden, mein Inneres nach aussen.
Und selbst dann gelänge es mir nicht, das meine
reinlich zu scheiden von deinem.
Ich bin nicht, des werde ich inne.
Ich glaubte zu sein. Doch das gibt es gar nicht: ich.
10 Was bleibt, wenn die Lichter erlöschen, die grossen Scheinwerfer
mit den farbigen Drehscheiben?
Was bleibt von der Bühne ohne das Licht, ohne die Musik?
Schäbige Leinwand, auf Holzrahmen gespannt mit einigen rostigen Nägeln. // 05v
Klappernde Vorsatzstücke, sie fallen um, wenn du nicht acht hast.
Vom Ballett ein paar Mädchen, geil und dumm:
15 dass sie dumm sind macht sie überhaupt noch erträglich,
man wäre verlegen, wenn man mit ihnen
sprechen müsste einen Abend hindurch.
Man würde ihnen Rauch ins Gesicht paffen aus Langeweile,
und sie tränken Thee und lächelten mit langen Wimpern erfolglos.

(Die Bäume sind ja gar keine Bäume. Grüne Lappen // 06r
sinds und ein wenig Holz, oder gar nur Pappe.
20 Der Fluss ist eine Projektion von der Galerie. Die Sterne
nichts weiter als eine komplizierte Installation)
Aber nicht darum hasse ich dich, dass du mir dies alles gezeigt hast,
dass es nicht ist,
nein, weil du mich mir selber gezeigt hast, das ist das Schlimmste,
dass ich nicht da bin.
25 Einen Schönfühler und Dreher von schönlichen Versen,
der eben noch schrieb:

für einen Augenblick glänzt smaragdgrün der Fluss,
für einen Augenblick golden die Krone des Baumes.

Einen zusammengestohlenen Wicht,
ein Sammelsurium aus guter Erziehung, frommen Gedanken // 06v
und halben Aufschwüngen, 
dazwischen Verzweiflungen, bengalisch beleuchtet.
Wie das Mädchen an der Bar die kalte Ovomaltine spielerisch schüttelt,
30 so hast du mich geschüttelt zum Witz,
(im Mundwinkel schmunzelnd) ob dem Effekt, den
du dir ausgedacht hattest. 
Dein Hampelmann bin ich, der linkische, aus Holz,
mit dem Purpurlappen, dem pathetischen Haarschopf.
Auch eine Krone kann man ihm aufsetzen, aus Goldpapier, wenn man will.
35 Aber ich will nicht mehr, hörst du!
Widerlich bist du mir mit deinem zynischen Spiel.
Nicht mehr Hampelmann will ich sein. Einer will ich sein und ich selber.
Und bliebe mir auch nichts als mein Lachen übrig und die Verachtung
deines Spektakels, das ich nun kenne. // 07
Lang genug schon bin ich in den Schnürböden herumgestiegen,
weil ich glaubte, es seien Berge.
40 Zu lange, ich Laffe, in den Kulissen gegangen, weil ich
glaubte, es seien Wälder.
Bliebe mir auch nur das Lachen des Verächters, es wäre gut so.
Dies Lachen gehörte mir. Ich wäre frei.

Donnerstag, 01 Juli 1948       )

Schwankende Maste …* (A*)

Schwankende Maste,
Segel im Fahrtwind gebläht.
Wer schützt vor dem Sang der Sirenen?
Gefährlich sind alle Inseln.
05 Du suchst die dauernden Berge:
Von oben schaust du
nieder auf Rom,
das sicher bemessne.
Rings zwar droht
10 die lehmige Weite,
in der Ferne noch, dunkle
Erinnrung: das Meer.
Hier aber sind 
die Kuppeln gewölbt,
15 über das Vage
steigen die Säulen.
Porphyrn leuchtet die Göttin,
zu Füssen ein Quell
kristallklaren Wassers.

1948 * (nicht datiert)       )

Taumelnde Maste …* (B*)

Taumelnde Maste
Segel im Fahrtwind gebläht.
Wer schützt vor dem Sang der Sirenen?
Gefährlich sind alle Inseln.
05 Du suchst die dauernden Berge:
von oben schaust du
nieder auf Rom 
das sicher bemessne.
Rings zwar droht
10 lehmige Weite
in der Ferne noch dunkle
Erinnrung: das Meer.
Hier aber sind 
Kuppeln gewölbt
15 über Vages
steigen die Säulen.
Porphyrn leuchtet die Göttin
zu Füssen der Quell
kristallklaren Wassers.

1948 * (nicht datiert)       )

Für einen Augenblick glänzt …* (a)

Für einen Augenblick glänzt
im Schweif des Kometen
smaragdgrün der Fluss,
für einen Augenblick golden
05 die Krone des Baumes.
(Aus dem faden Wein erwacht
von neuem der Gott.
Zutiefst in der perlmutternen Muschel
steht er und lockt.
10 Angetan mit dem Fell
des erschlagenen Raubtiers
lacht er, weil die List ihm gelungen.)
Sein Töten ist süss,
Pforte des Rausches,
15 Jenseits liegt neue
Verheerung aus Wissen.

1948 * (nicht datiert)       )

Σοφια / 2 (b)

Für einen Augenblick glänzt
im Schweif des Kometen
smaragdgrün der Fluss,
für einen Augenblick golden
05 die Krone des Baumes.
Aus der Höhle erwacht
von neuem der Gott.
Zutiefst in der Muschel
steht er und lockt.
10 Gehüllt in das Fell
des erschlagenen Tieres
lockt er und lacht,
weil die List ihm gelungen.
Sein Töten ist süss,
15 Pforte des Rausches.
Jenseits liegt neue
Verheerung aus Wissen.

Donnerstag, 01 Juli 1948       )

Σοφια / 3

Maste, Segel im Fahrtwind gebläht!
wer schützt
vor dem Sang der Sirenen?
Gefährlich sind alle Inseln,
05 Du suchst
die dauernden Berge,
wo ohne Arglist die Wälder.
Von oben schaust du
nieder auf Rom,
10 das sicher bemessne.
Rings zwar droht
die lehmige Weite,
in der Ferne noch, dunkle
Erinnrung: das Meer.
15 Hier aber sind 
die Kuppeln gewölbt,
über das Vage steigen die Säulen
Porphyrn leuchtet die Göttin,
zu Füssen ein Quell
20 kristallklaren Wassers.

Donnerstag, 15 Juli 1948       )

Wohllaut der Stimme …* (A*)

Wohllaut der Stimme,
die da verhallt im Fels,
die da verhallt in der Höhle
der blinkenden Starrre.
05 Von draussen kommst du,
von den wirklichen Meeren,
den wirklichen Hainen.
Seltsamer Vogel, du lockst,
dass man dich fange.
10 Singend kommst du zum Käfig,
zur Höhle, zum Fels
der blinkenden Starre.

1948 * (nicht datiert)       )

Wohllaut der Stimme …* (B*)

Wohllaut der Stimme
die da verhallt im Fels
die da verhallt in der Höhle
blinkender Starrre.
05 Von draussen kommst du
von wirklichen Hainen
von wirklichen Meeren:
Seltsamer Vogel
du lockst, dass man dich fange.
10 Singend kommst du zum Käfig
zur Höhle, zum Fels
blinkender Starre.

1948 * (nicht datiert)       )

Glühende Blume …* (1)

Glühende Blume
geheimnisduftender Turban.
Aus dem Innern frisst
dich der Wurm.
05 Giftiger Stachel des Glücks.
Nur den Toten ist Rettung,
beseligtes Sein
Garten kristallener Wollust im
rein berechneten Rausch.
10 Übersüsser Ruch der gewollten Linde.
Gross ist und fruchtbar das neue Gestirn,
geplant im denkenden Haupt,
in der vollkommnen Maschine geschmiedet.
Aus der Verwüstung geboren,
15 schimmernder Garten,
herabgezwungen von eisig glühender Gier.

1948 * (nicht datiert)       )

Düftedunkler Turban …* (2)

Düftedunkler Turban, 
Glühende Blume.
Giftiger Stachel des Glücks:
innen frisst dich der Wurm.
05 Du lebst und nur
für die Toten ist Rettung:
Gross ist und fruchtbar
das neue Gestirn,
geplant im denkenden Haupt,
10 in der vollkommnen Maschine geschmiedet.
Garten kristallener Wollust,
rein berechneter Rausch
übersüsser Ruch
der gewollten Linde,
15 herabgezwungen
von eisig glühender Gier.

1948 * (nicht datiert)       )

Düftedunkler Turban …* (3)

Düftedunkler Turban, 
glühende Blume,
innen frisst dich der Wurm
giftiger Stachel des Glücks:
05 Du lebst und nur
für die Toten ist Rettung:
fruchtbarer ist
das neue Gestirn,
geplant im denkenden Haupt,
10 in der vollkommnen
Maschine geschmiedet.
Übersüsser Ruch
der gewollten Linde,
rein berechneter Rausch.
15 Herabgezwungen
von eisig glühender Gier:
Garten kristallener Wollust.

Donnerstag, 15 Juli 1948       )

Düftedunkler Turban …* (4)

Düftedunkler Turban, 
glühende Blume.
Innen frisst dich der Wurm:
giftiger Stachel des Glücks.
05 Du lebst und nur
für die Toten ist Rettung.
Fruchtbarer ist
das neue Gestirn,
geplant im denkenden Haupt,
10 in der vollkommnen
Maschine geschmiedet.
Übersüsser Ruch
der gewollten Linde,
rein berechneter Rausch.
15 Herabgezwungen
von eisig glühender Gier:
Garten kristallener Wollust.

Donnerstag, 22 Juli 1948       )

Wohllaut der Muschel …* (A*)

Wohllaut der Muschel,
der gerundeten Dämmrung.
Süsser Herbst des sterbenden Lebens.
Perle im Dunkel.
05 Neue Perle nach unendlichem Dunkel.
Tödliche Mimesis:
dieser Winter wird hart
und ohne Umarmung.
Blattlose Bäume
10 glänzen im Reif.
Des schrillen Lichtes
Stachel ist scharf:
Weiss und immer
heller am Himmel
15 das neue Gestirn.

1948 * (nicht datiert)       )

Wohllaut der Muschel …* (I)

[ Wohllaut der Muschel,
der gerundeten Dämmrung.
Aber des schrillen Lichtes
Stachel ist scharf.
05 Tödliche Mimesis.
Tod als einziger Zugang zur Freiheit.
Perle im Dunkel.
Neue Perle nach unendlichem Dunkel.
Zuvor noch schwül
10 der Sommer der letzten Zeit.
Süsser Herbst des sterbenden Lebens.
Doch der Winter ist hart
und ohne Umarmung.
Blattlose Bäume
15 glänzen im Reif.
Am Himmel das Wintergestirn
eisig und hell. ]

1948 * (nicht datiert)       )

Wohllaut der Muschel …* (II)

[ Wohllaut der Muschel,
der gerundeten Dämmrung.
Aber des schrillen Lichts
Stachel ist scharf.
05 Tödliche Mimesis.
Tod als einziger
Zugang zur Freiheit.
Perle im Dunkel.
Neue Perle
10 nach unendlichem Dunkel.
Zuvor noch schwül
der Sommer der letzten Zeit.
Süsser Herbst des sterbenden Lebens.
Doch der Winter ist hart und ohne Umarmung.
15 Kristallen die Welt.
Blattlose Bäume
glänzen im Reif.
(Die Sonnne bleibt fahl,
vom neuen Gotte gewollt:)
20 Am Himmel das Wintergestirn
eisig und weiss. ]

1948 * (nicht datiert)       )

Wohllaut der Muschel …* (III)

Wohllaut der Muschel,
der gerundeten Dämmrung.
Sommer der letzten Zeit,
süsser Herbst des sterbenden Lebens.
05 Tod als einziger
Zugang zur Freiheit.
Perle im Dunkel.
Neue Perle nach unendlichem Dunkel.
Tödliche Mimesis:
10 dieser Winter ist hart
und ohne Umarmung.
Blattlose Bäume
glänzen im Reif.
Weiss und immer
15 heller am Himmel
das neue Gestirn.

Donnerstag, 22 Juli 1948       )

Taube, licht aus der Kuppel …*

Taube, licht aus der Kuppel
flügelnder Weisse.
Rot im Ornat
allverständlicher Zungen
05 entflammter Väter.
Als Einzige sicher
im Stürzen der Berge,
im Sausen der Blöcke
sind sie als Einzige furchtlos.
10 Ohne Furcht vor dem Blut
des getöteten Gottes
harren sie aus,
bleibt die Taube,
flügelnd, hell in der Kuppel.
15 Ewige Weisheit.

1948 * (nicht datiert)       )

Purpurner Fluss …* (1)

Purpurner Fluss,
dunkle Landschaft
süssen, süssen Begehrens.
Wilder Träume
05 zerrissene Täler.
Quellen der Lust
Wolkentreiben
banger Besorgnis:
wohin, wohin
10 drehst du Planet
unendlichen Rausches?

Stets noch gehn
die Geister der Wildnis,
vergeblich beschworen
15 auf den Höhen der Nächte,
im Schein des blassen Gestirns,
das den Zauberern hold ist.
Mächtig sind sie,
Seelenverwandler:
20 nicht widerstehn wir dem Rufe,
folgen der Flöte, // 01v
sinken nieder,
süsses Stöhnen,
im Graben des Baches,
25 unter den Blättern des Weinbergs:
Lust, Lust des Begehrens.
Berauschung der Nacktheit,
Hügel ist und Quell
der Leib der Geliebten:
30 Selige Weide den Sinnen.

Mittwoch, 18 August 1948       )

Purpurner Fluss …* (2)

Purpurner Fluss,
dunkle Landschaft
süssen, süssen Begehrens.
Wilder Träume
05 zerrissene Täler.
Quellen der Lust
Wolkentreiben
banger Besorgnis:
wohin, wohin
10 drehst du, Planet
unendlichen Rausches?

Stets noch gehn
Geister der Wildnis,
vergeblich beschworen,
15 auf den Höhen der Nächte,
im Schein des blassen Gestirns,
das dem Zauberer hold ist.
Mächtig ist er,
Seelenverwandler:
20 wir sinken nieder
in Uferbüschen,
unter den Blättern des Weinbergs:
Süsses Stöhnen,
Lust, Lust des Begehrens. // 02v
25 Berauschung der Nacktheit,
Hügel ist und Quell
der Leib der Geliebten:
Selige Weide den Sinnen.

Donnerstag, 19 August 1948       )

Purpurner Fluss …* (3)

Purpurner Fluss,
dunkle Landschaft
süssen, süssen Begehrens.
Wilder Träume
05 zerrissene Täler.
Wolkentreiben
banger Besorgnis.
Quellen der Lust:
wohin, wohin
10 drehst du, Planet,
unendlichen Rausches?

Stets noch geht der 
Geist der Wildnis,
vergeblich beschworen,
15 auf Höhen der Nächte,
im Schein des blassen Gestirns,
das dem Zauberer hold ist.
Mächtig ist er,
Seelenverwandler:
20 wir sinken nieder
in Uferbüschen,
unterm Laube des Weinbergs
Süsses Stöhnen, // 03v
Lust, Lust des Begehrens.
25 Berauschende Nacktheit.
Hügel ist und Quell
der Leib der Geliebten:
Selige Weide den Sinnen.

1948 * (nicht datiert)       )

Vergängliches Licht …* (A*)

Vergängliches Licht,
das von den Säulen herabtropft,
reines Gedächtnis,
Wolke des Sommers.
05 Die Hügel sind still noch.
Der Donner aber droht schon
und die Finsternis.
Wild ist dieser Sturm,
zerreisst die Zypressen
10 und die klare Krone der Pinie.
Nur Stümpfe bleiben, 
gereckte Leichen.
Bis jene kommen,
neue Titanen,
15 neu zu formen das Bild
der heiligen Erde:
Nicht mehr ist es die erste, 
aus dem „Es werde“ des Vaters,
nicht wieder gibt es die Sommer,
20 da wir schlummern am Fluss im Schatten der Erle,
nicht wieder die Nacht mit den Gesängen der Liebe.
Aber mächtig wird sie
und fiebernd bewegt, von einem Willen gelenkt // 01v
Immer wach und tätig
25 und ohne Träume.
Glücklich das Zukunftgeschlecht,
das diese Übermacht
dies Überlicht hält und erträgt.
Doch die Brücke ist schmal
30 und hoch, hoch überm Abgrund.

Samstag, 28 August 1948       )

Vergängliches Licht …* (B*)

Vergängliches Licht,
das vom Himmel herabtropft.
Die Hügel sind still noch.
Wolke des Sommers:
05 Donner droht
und die Finsternis.
Der Sturm zerreisst
der Pinie
Klarheit.
10 Nur Stümpfe bleiben
gereckter Leichen.
Bis sie kommen,
die neuen Titanen,
neu zu bilden die Erde.
15 Nicht mehr ist sie wie die erste
aus dem „Es werde“ des Vaters.
Nicht wieder gibt es die Tage
am Fluss, im Schatten der Erle.
Nicht wieder dunkel die Nacht
20 mit Gesängen der Liebe.
Aber mächtig wird sie
und fieberbewegt,
von einem Willen gelenkt, // 01v
blendend im Lichte
25 und traumlos.
Glücklich wer Übermacht
hält und erträgt:
die Brücke ist schmal
und hoch, hoch überm Abgrund.

Freitag, 10 September 1948       )

Vergängliches Licht …* (C*)

Vergängliches Licht,
das vom Himmel herabtropft.
Wolke des Sommers.
Die Hügel sind still noch.
05 Doch Donner droht,
und Finsternis naht. 
Sturm zerreisst
der Pinie Klarheit.
Nur Stümpfe sind
10 gereckter Leichen.
Bis sie kommen
die neuen Titanen,
neu zu bilden die Erde.
Nicht mehr ist sie wie die erste
15 aus dem „Es werde“ des Vaters.
Nicht wieder gibt es den Tag
am Fluss, im Schatten der Erle.
Nicht wieder dunkel die Nacht
mit Gesängen der Liebe.
20 Aber mächtig wird sie
und fieberbewegt, // 03v
von einem Willen gelenkt,
blendend im Lichte
und traumlos.
25 Glücklich, wer Übermacht
hält und erträgt:
Die Brücke hinüber ist schmal
und hoch, hoch überm Abgrund.

Sonntag, 12 September 1948       )

Licht das vom Himmel herabrinnt …* (D*)

Licht 
das vom Himmel herabrinnt,
Wolke des Sommers.
Die Hügel sind still noch.
05 Doch Donner
und Finsternis droht: 
Bald zerreisst
Sturm der Pinie Klarheit.
Stümpfe nur sind noch
10 gereckter Leichen.
Bis die neuen Titanen
bilden von neuem die Erde.
Nicht mehr ist sie wie die erste
aus dem „Es werde“ des Vaters.
15 Nicht wieder gibt es den Tag 
am Fluss, im Schatten der Weide.
Nicht wieder dunkel die Nacht
mit Gesängen der Liebe. // 04v
Aber mächtig wird sie
20 und fieberbewegt,
von einem Willen gelenkt,
blendend im Lichte
und traumlos.
Glücklich, wer Übermacht
25 hält und erträgt.
Die Brücke hinüber ist schmal
und hoch, hoch überm Abgrund.

Freitag, 24 September 1948       )

Licht …* (E*)

Licht,
o goldener Vogel,
wenn du ruhig
niederschwebst auf die Hügel.
05 Unbewegt sind noch die Bäume.
Doch Finsternis droht.
Sturm zerreist bald
der Pinie Klarheit.
Stümpfe nur sind noch
10 gereckter Leichen .....
Bis die neuen Titanen
bilden von neuem die Erde.
Mächtig wird sie
und fieberbewegt,
15 von einem Willen gelenkt,
blendend im Lichte
und traumlos.
Nie wieder gibt es den Tag
von einst, die goldene Stille der Hügel.
20 Wer hält die Übermacht
und erträgt sie?
Die Brücke hinüber ist schmal // 01v
und hoch, hoch überm Abgrund.

Samstag, 02 Oktober 1948       )

Ihr stillen Bäume mit den dunklen Kronen …*

Ihr stillen Bäume mit den dunklen Kronen,
ihr schweigt im Hain, wo noch die Götter wohnen.

Ertrugt ihr Sonnenbrand und Stürme lang geduldig,
so blieben wir gewohnte Opfer treulos schuldig.

05 Doch wer nicht Irrsals blinde Qual ertragen,
wie darf er uns nach alten Opfern fragen?

Es ragt dort drüben kahl und namenlos die Küste,
und dunkler flammend, wilder locken ihre Lüste.

Und mögt im Reinen rein ihr euch erhalten,
10 uns riss es weg, ein Ganzes zu gestalten.

1948 * (nicht datiert)       )

Ohne die Schrecken des Brands …* (A*)

Ohne die Schrecken des Brands
und die angstvolle Nacht in den Trümmern,
säht in der Frühe ihr nicht die wahreren Flüge des Adlers.
Wohnt doch auf einsamen Säulen hoch der spähende gerne
05 dort sieht hell er hinaus über Mauern geborstener Städte,
steigt und kreiset hinan, dem dämmernden Morgen entgegen.

1948 * (nicht datiert)       )

Sieh, aus den Schrecken des Brands …* (B*)

Sieh, aus den Schrecken des Brands und der angstvollen Nacht
in den Trümmern,
steigt der Adler empor, ruhig zu kreisen im Flug.
Hoch auf einsamen Säulen wohnt der Unsterbliche gerne.
Heller spähend hinaus über die Trümmer der Stadt,
05 steigt er und kreiset hinan von Begierde des Lichtes getrieben:
selbst aus so bitterer Nacht zwingt er den Morgen herab.

Samstag, 02 Oktober 1948       )

Sieh, aus den Schrecken des Brands …* (C*)

Sieh, aus den Schrecken des Brands und der angstvollen
Nacht in den Trümmern,
hebt sich der Adler empor, ruhig zu kreisen im Flug.
Hoch auf einsamer Säule wohnt der Unsterbliche gerne,
heller zu spähen hinaus über die Trümmer der Stadt.
05 Steigt er und kreiset hinan von Begierde des Lichtes getrieben:
selbst aus so bitterer Nacht zwingt er den Morgen herab.
Dienstag, 05 Oktober 1948       )

Dem allzu Reinen ist die Wandlung schwierig …*

Dem allzu Reinen ist die Wandlung schwierig,
dem früh Befreiten, der, zu schaun begierig,
der Täler Flackern und Bedrängnis mied
und in des hohen Lichtes Strahlraum stieg.

05 Wer je die alte Sonne überwand,
der steht an Grauens grauenvollstem Rand,
er stürzt ins Nichts zurück, das letzte Ungeheuer;
er wird ein Gott: o schrecklich Abenteuer.

Mittwoch, 06 Oktober 1948       )

Du schwebst herab, o Licht, o einzig Leben …*

Du schwebst herab, o Licht, o einzig Leben.
Der Äther singt, die Taube ruht im Flug.
Ich will dir meine leichtesten Gedanken geben,
die singendsten, die ich im Geiste trug.
05 Es kommt die Stunde, da sich klar vereinigt,
was, lang getrennt, in beiden Räumen stieg:
die neue Flamme, göttlicher gereinigt,
ist Herrschaft ganz und unbestrittner Sieg.

Donnerstag, 07 Oktober 1948       )

Überströmt von Abwehr der Schild …*

Überströmt von Abwehr der Schild,
golden, golden, 
wider den mächtigen Tag:
Der Schlachten unserer Liebe ehernes Denkmal.
05 Furchtbar ist und
übermächtig der Tag.
Schütz’ uns, wehrender Schild,
Gedächtnis der Schlachten,
Gedächtnis vergangener Liebe,
10 schütz’ uns wider den Tag.
Golden, golden und 
voll der Erinnrung.

Heiss ist das sandige Ufer und leer die Sträucher von Blüten.
Wandlung kennt nicht die Heide, nicht Wandlung die einsame Steppe.
Nicht mehr begehrt sie des Trostes, sie weiss ja: Trost gibt es keinen.
Grauer noch ist das Meer, es zieht die salzige Öde
05 mächtig die Schiffer hinaus ins nieveränderte Gleichmass.
Klippen ragen zuletzt und Inseln mit wenigen Säulen.
Einsam stehen auch sie vor ehernem Himmel und dauern.

Freitag, 15 Oktober 1948       )

Gedankenbüsche …*

Gedankenbüsche,
überhängend ins Traumtal,
bewegt von den Wassern,
den kaum gewahrten, im Grunde.
05 Aber lauter wird gegen Ende
des Winters ihr Murmeln,
laut, laut in der Märznacht ihr Rauschen.
Schmelze des Schnees.
Die scheuen Tiere[,] 
10 kommen aus den Verstecken hervor,
glühenden Auges zu schaun.
O Süsse Gefahr.
Angst vor dem vollkommenen Glück.
Zu schön sind die oberen Gärten,
15 die gezogenen Büsche
und Teiche gleich Spiegeln.

Montag, 18 Oktober 1948       )

O, sieh den Vogel dort …* (A*)

O, sieh den Vogel dort,
der lockend ruht und flieht,
der über Schluchten uns,
und über Gletscher zieht.

05 Sein zärtlich süsser Sang
will unser Herz bewegen, 
es schlägt das Echo hell
aus Höhlen uns entgegen.

Ob dieser goldne Flug, 
10 der Berge in der Nacht,
ein singendes Gestirn, 
zu kühlem Glanz entfacht 

berücket nicht im Nu, 
des lichten Zaubers mächtig,
das finstre Firmament,
15 dass flammenhell und prächtig

es wie im Mittag steht?
Nein, fahl ist Mittagslicht
vor überklarem Schein,
den solche Nacht verspricht.

1948 * (nicht datiert)       )

O, sieh den Vogel dort …* (B*)

O, sieh den Vogel dort,
der ruht¿ und flieht,
der über Schluchten uns
und Gletscher zieht.

05 Sein zärtlich süsser Sang
uns zu bewegen, 
im Echo schlägt er hell
lockend entgegen.

Ob dieser goldne Flug, 
10 der in der Nacht,
ein singendes Gestirn, 
Berge entfacht 

berücket nicht im Nu, 
des Zaubers mächtig,
15 das finstre Firmament,
dass flammenhell und prächtig

es wie im Mittag steht?
Nein, fahl ist Mittagslicht
vor überhellem Schein,
20 den solche Nacht verspricht.

Mittwoch, 20 Oktober 1948       )

Der neuen Flamme Pracht …* (A*)

Der neuen Flamme Pracht,
das Licht steigt in der Nacht.
Die Vögel kreisen wieder.
Es schimmert im finstern Raum
05 der Silberbaum,
o heller, immer heller.
Was sorgt dich Todes Duft, 
was sorgt dich Modergruft? 
Die Flamme knistert wunderbar, 
10 die Vögel singen süss und klar.
Und heller schimmert im Raum
der Silberbaum.

Mittwoch, 20 Oktober 1948       )

Der neuen Flamme Pracht …* (B*)

Der neuen Flamme Pracht,
das Licht steigt in der Nacht.
Die Vögel kreisen nieder.
Es schimmert im finstern Raum
05 der Silberbaum.
O heller, immer heller.
Was sorgt dich Todesduft,
was sorgt dich Modergruft?
Die Flamme knistert wunderbar,
10 die Vögel singen süss und klar.
Und heller im Raum
schimmert der Silberbaum.

1948 * (nicht datiert)       )

Wehe, die Kuppel barst …* (I)

Wehe, die Kuppel barst
die Wölbung stürzte.
Blitze gelb
am schwarz entblössten Himmel.
05 O Sinken, Sturz,
Verwirrung
im ehmals goldnen Raum.
Das blühendste ist kalt.
Vögel taumeln auf
10 die Simse nieder,
Funken aufflackernd wild für einen Augenblick.
Bald liegen sie, vom grellen Strahl getroffen.
O wilde, grässliche Erhellung,
das einst Vollkommne
15 ragt in wirren Trümmern.
Wo ist der reine Raum,
das still erhabne Licht,
vom höchsten Auge
klar hernieder fliessend?
20 Erinnerung!
Die überschwere Last // 01v
sinkt langsam nieder.
Der Atem schwindet.
selbst der Schmerz erstickt.

Samstag, 23 Oktober 1948       )

Wehe, die Kuppel barst …* (II)

Wehe, die Kuppel barst
die Wölbung stürzte.
Blitze gelb am
schwarz entblössten Himmel.
05 Sinken, Sturz,
Verwirrung im ehmals
goldenen Raum.
Kalt ist das Glühendste nun.
Auf die Simse
10 flackern Vögel nieder.
     Wilde Funken, 
grässliche Erhellung.
In wirren Trümmern
ragt das einst Vollkommne. 
15 Wo ist der reine Raum,
das still erhabene Licht,
vom höchsten Auge
klar herniederfliessend?
Erinnerung!
20 Die überschwere Last
     sinkt schneller schon herab.
Der Atem schwindet.
Selbst der Schmerz erstickt.

Samstag, 23 Oktober 1948       )

Wehe, die Kuppel barst …* (III)

Wehe, die Kuppel barst
die Wölbung stürzte.
Blitze gelb
am schwarz zerrissnen Himmel.
05 Kalt ist das Glühendste nun.
Auf die Simse
flackern Vögel nieder.
Wilde Funken
grässlicher Erhellung.
10 Wo ist der reine Raum,
wo das erhabene Licht,
vom hohen Auge
vormals niedergeflossen?
Erinnerung!
15 Überschwere Last
sinkt schneller schon herab.
Der Atem schwindet.
Selbst die Qual erstickt.

Dienstag, 26 Oktober 1948       )

Ich hätte in den wildgesteilten Klüften …*

Ich hätte in den wildgesteilten Klüften
die glühen Blüten nimmermehr gewahrt
(im Domgestrüppe lagen sie bewahrt),
die Balsamkräuter in den kahlen Grüften

05 gefunden nie, wenn, rein gemischten Düften
mit wacher Spürung folgend – aufgespart
vom Werk des ersten Gotts, der offenbart
seit Anfang – wenn der Greis mit hagern Hüften

mir nicht vorausgegangen auf dem Steige
10 gar hellen Schritts am jähen Abgrund hin.
Ich schaute staunend erst und voller Bangen,

klomm zögernd dann empor die kahle Neige,
bis plötzlich in den aufgebrochnen Sinn
die Bienen tief aus allen Schluchten sangen.

Donnerstag, 28 Oktober 1948       )

O Aufglanz in den allerhöchsten Sphären …*

O Aufglanz in den allerhöchsten Sphären
O Aufglanz tief im Quellenraum des Lichts.
Es klinken aus dem Zwang des Gleichgewichts,
erbebend hell, die beiden Hemisphären.

05 Den Jäger reisst das brennende Begehren
nach jenem Stuhl des schneidenden Gerichts,
wo alles seiner Schwere folgt ins Nichts,
wo Gottheit strahlt aus Kieseln und aus Beeren.

So eilt er zwischen stürzenden Gewänden
10 duch der Äonen schrillen Bruch zurück.
Ob auch Zermalmung drohn entgleiste Sterne

den um die Lanze fest gepressten Händen,
so stellt doch schon der scharf geglühte Blick
das eine Wild im aufgebrochnen Kerne.

Samstag, 02 Oktober 1948       )

Und wenn den Durchgang wir ins Innre uns erstritten …*

Und wenn den Durchgang wir ins Innre uns erstritten,
ob wir im unbekannten Land auch wohl gelitten?

Es lockt die fremde Luft von fern wie Abenteuer,
wie Siege über Zwerg und Riesen, Ungeheuer.

05 Wer weiss ob bösre Macht uns so nicht will berücken,
an der Verführten Qual sich schrecklich zu erquicken?

Mittwoch, 10 November 1948       )

Atmosphäre, pure …* (A*)

Atmosphäre, pure,
gläserne Pyramide von innen.
Die Löwen schreiten
über die Hügel.
05 Siehst du die dunklen Konturen?
Grausamkeit der silbernen Helle.
Bedrohung!
Bedrohung der vollkommenen
Welt im vollkommnen Gehäuse.
10 Dass es der Löwe zerschlägt.
Aber die Tiere sind alle
friedlich gewollt:
Rehe, kindlich äugend,
Fasane, bewusst ihres Prahlens,
15 die wachen Hunde.
Gehen sie unter Bäumen,
am reinen Wasser geletzt: 
dem ersten Bilde
sind sie gerecht.
20 O Pyramide von innen,
zaubrisch verletzlicher Raum.

1948 * (nicht datiert)       )

Gläserne Pyramide …* (B*)

Gläserne Pyramide
purer Inraum.
Löwen schreiten
über die Hügel:
05 Dunkle Konturen.
Grausamkeit der
silbernen Helle.
Bedrohung!
Bedrohung des vollkommenen Hauses.
10 Dass es der Löwe zerschlägt.
Ob auch die Tiere sind alle
friedlich gewollt.
Gehn sie unter den Bäumen,
am reinen Wasser geletzt,
15 dem ersten Bilde
sind sie gerecht.
Zaubrisch-verletzlicher Raum,
O Pyramide von innen.

Mittwoch, 10 November 1948       )

Gläserne Pyramide …* (k)

Gläserne Pyramide
verletzlicher Inraum.
Aufklirrt die glänzende Wandung
wenn angerührt von
05 wechselnden Tieren
sie kündet Gefahr:
jene Tiere begraben
unter schimmernden Scherben.
Im gleissenden Sturz
10 der klare Inraum verwirrt
der gläsernen Pyramide.

Donnerstag, 07 Oktober 1948       )

Geheime, geheime …* (A*)

Geheime, geheime,
verwundete Schwinge,
schwere Tropfen der Trauer.
Aber sie regt sich,
05 weht über dem Hügel.
Fern rollt die Erde
weit, weit
glänzen die Zinnen
vergangener Stunde.
10 Schneller Flug
sprüht weithin die Tropfen.
Und dort brennt und hier
dunkle Entzündung:
Schmerz des Morgens;
15 dass die Sonne wiederum da ist,
die einsamen Konturen der Gegend.
Die Wälder dort still
und der Lärm der Strasse
unten ohne Beziehung für den,
20 der nicht hineingeht.
Schön ist der Strom,
dem Schwimmenden gnädig. // 01v
Lust, grösser denn jede
andere Lust auf Schiffen und Wagen:
25 dem Sichersten ganz zu gehören.
Zu ruhn in den Armen des Stroms.

Donnerstag, 18 November 1948       )

Geheime, geheime …* (B*)

Geheime, geheime,
verwundete Schwinge,
schwere Tropfen der Trauer.
Aber sie regt sich,
05 weht dort über den Höhen:
die Erde entrollt,
weit, weit
glänzen die Zinnen
vergangener Stunde.
10 Schneller Flug
sprüht weithin die Tropfen.
Und dort schwärt und hier
wunde Entzündung.

Dienstag, 23 November 1948       )

Wild und Flamme …*

Wild und Flamme
Blume, Finsternis
Höhle, Dämmrung
klarer See
05 und Hügel, Hügel:
monotone Linie am Himmel.

Winterbäume,
Schlangen, wilde Gärten,
Türkenbund an blauen Buchten.
10 Forum Traiani, Kapitol.
Ruhrgebiet am Abend.
Aus den Öfen roter Schein
Schornsteine, dunkle Nadeln in den Himmel.
O Rätselwelt.

1948 * (nicht datiert)       )

Du spürst entlang …* (I)

Du spürst entlang
den Lagern der Gesteine.
Es schaun dir zu
die wesenlosen Augen.
05 Findest du den Kristall,
den zu suchen du ausgegangen?
Überall wuchern Büsche.
Auf ihren Zweigen Augen wie Blätter,
schaun dir zu.
10 Die geheimen Schlangen
richten sich auf und züngeln.
Ohne Furcht gehst du,
ohne andre Überlegung,
ausser der einen:
15 wie finde ich den Stein des Lebens?
Diesen gültigen Glanz,
der ausreicht?
(die Sonne reicht ja nicht aus, wird
nie ausreichen.)
20 Durch alle Wälder wirst du gehn,
durch alle Höhlen,
nicht finden, was du suchst:
schaffe den Stein selbst!
Nimm die innersten Stoffe
25 aus den tausend Augen,
die gefährlichsten aus dem Gift der Schlangen:
das Göttliche, das ist die Einheit all dessen, was du fürchtest.
Die Farben alle zusammen sind ||
das eine Weiss das du liebst.
30 Die Kristalle sind vergänglich,
die Höhlen, die Bäume,
die Vögel und die Schlangen.
Dies eine Wunderbare, dieser Stein des Lebens,
dies neue, noch unerfundene Mineral aber wird dauern!

1948 * (nicht datiert)       )

Es schaun dir zu …* (II)

Es schaun dir zu
die wesenlosen Augen,
unzählige, von überall her. 
Den Kristall,
05 den zu suchen du ausgingst,
ob du ihn wohl findest?
Überall Büsche,
auf ihren Zweigen Augen wie Blätter,
schaun dir zu.
10 Geheime Schlangen
richten sich auf und züngeln:
ob du ihn wohl findest, den Stein,
den zu suchen du ausgingst,
furchtlos!?
15 Diesen gültigen Glanz,
der ausreicht?
Die innersten Strahlen nimm, der Augen,
die heimlichsten Gifte der Schlangen:
schmilz es alles zusammen:
20 die Farben alle zusammen
sind das eine Weiss, das du liebst.
Die Kristalle einzeln,
die Bäume einzeln,
die Schlangen einzeln
25 sind nichts:
dies Neue aber,
dies Wunderbare, der Stein des Lebens,
zusammengeschmolzen in deiner Glut,
dies neue Mineral, im Ofen deines Geistes geglüht,
30 wird dauern.

Mittwoch, 24 November 1948       )

Augen …* (III)

Augen,
unzählige, von überall her: 
Den Kristall, den zu suchen du ausgingst,
ob du ihn findest?
05 Büsche von überall her,
auf ihren Zweigen Augen wie Blätter,
geheime Schlangen
richten sich auf und züngeln
von überall her:
10 ob du ihn findest, den Stein,
den zu suchen du ausgingst,
furchtlos?
Diesen gültigen Glanz,
der ausreicht?
15 Der Augen innerste Strahlen,
von überall her,
der Schlangen schärfste Gifte
von überall her,
die Farben alle zusammen
20 sind das eine Weiss, das du suchst.
Augen einzeln,
Büsche einzeln,
Schlangen einzeln
sind nichts.
25 Dies Neue aber,
dies Wunderbare,
der Stein des Lebens,
nie noch gefundenes Mineral
im Geiste geglüht
30 wird dauern.

Mittwoch, 05 Januar 1949       )

Augen …* (IV*)

Augen 
unzählig, von überall her:
Kristall 
den zu suchen du ausgingst 
05 ob du ihn findest?
Büsche von überallher
auf ihren Zweigen Augen wie Blätter
geheime Schlangen
mit Augen züngelnd
10 von überallher:
ob du ihn findest, den Stein
den zu suchen du ausgingst
furchtlos?
Diesen gültigen Glanz
15 der ausreicht?
Der Augen innerste Strahlen
auf Zweigen der Büsche
von überallher
der Schlangen züngelnde Gifte
20 von überallher
alle verschmolzen
sind das eine Weiss, das du suchst
Das Neue
Wunderbare
25 Stein des Lebens
Mineral, nie noch gefunden
das dauert
im Geiste geglüht.

1948 * (nicht datiert)       )

Nichts ist, als was du beschworen …* (A*)

Nichts ist, als was du beschworen
nur noch der Zauber schafft Welt:
das andere ist verloren
am gewaltig Amorphen zerschellt.

05 Am Horizont der Hügel verschwunden
die Winterbäume kahl
die wuchernden Gärten ertrunken
in dämmriger Qual

Mittwoch, 24 November 1948       )

Am Horizont der Hügel verschwunden …* (B*)

Am Horizont der Hügel verschwunden
die Winterbäume kahl
die wuchernden Gärten ertrunken
in verschwimmender Qual;

05 denn alles ist verloren
am gewaltig Amorphen zerschellt:
nichts ist, als was du beschworen
nur noch der Zauber schafft Welt

Freitag, 26 November 1948       )

Kommst du sorglos herab, schlendernden Fusses …* (A*)

Kommst du sorglos herab, schlendernden Fusses, 
stehst du und zögerst im Anblick der bläulich schimmernden Felsen:
schlage die Höhle heraus, fasse das Eisen,
und der Funke belohnt, das Sprühn der berstenden Blöcke
05 dein Mühen.
Schäumt die Karawane heran in Wolken rosigen Staubes:
schlag’ aus dem einzigen Weg, der hoch am Abgrund entlang führt,
     dir die Flucht in den Felsen;
dieser tönende Zug nimmt, wie es Händlern gewöhnlich<,>
mit als Sklaven zu Markt, was ihm verstellt seinen Wechsel.
10 Schlage, schlage dich frei hinein in die gleissende Wandung.
Birg im Vollkommenen dich, im reinen Gestein,
unveränderten Lichtes.

Samstag, 27 November 1948       )

Kommst du sorglos herab schlendernden Fusses …* (B*)

Kommst du sorglos herab schlendernden Fusses, 
stehst und zögerst im Anblick der bläulich schimmernden Felsen:
schlage die Höhle heraus, fasse das Eisen,
und der Funke belohnt, das Sprühn der berstenden Blöcke
05 dein Mühen.
Schäumt die Karawane heran in Wolken rosigen Staubes:
Fliehe vom Steg, den Fels und Abgrund bedrängen,
(wehrlos liesse er dich den zürnenden Händlern,
ihren Märkten als Ware).
10 Schlage, schlage dich frei in die gleissende Wandung:
unzugängliches Licht
birgt dich des reinen Gesteins.

Montag, 10 Januar 1949       )

Kommst du sorglos herab schlendernden Fusses …* (k)

Kommst du sorglos herab schlendernden Fusses
stehst und zögerst im Anblick der bläulich schimmernden Felsen:
schlage die Höhle heraus, fasse das Eisen 
und der Funke belohnt, das Sprühn der berstenden Blöcke
05 dein Mühen.
Schäumt die Karawane heran in Wolken rosigen Staubes:
Fliehe vom Steig, den Fels und Abgrund bedrängen 
(Wehrlos liesse er dich zürnenden Händlern
ihren Märkten als Ware)
10 schlage, schlage dich frei in die gleissende Wandung:
unzugängliches Licht birgt dich
reinen Gesteins.

1948 * (nicht datiert)       )

Die Weisheit klagt ob ihrem Spiel …* (A*)

Die Weisheit klagt ob ihrem Spiel
klagt auf der lichten Scheibe ihres Spiels:
dass jener Gott vor dem sie Kind war durch Äonen
mit finstern Augen über sie hinweg
05 und über ihres Spieles lichte Scheibe
hinausschaut in die undurchdrungne Nacht.
Die lichten Bälle, schnell im Spiel geworfen,
der geistigen Gestirne sieht er nicht mehr.
Nur nach dem Abgrund sieht er, darein sie schwindend fallen:
10 ob er ihn selbst, ob er das Kind verschlingt mit seinem Spiel?
Wer fängt die Bälle dort, wirft sie dem Kind zurück?
Die Weisheit klagt ob ihrem Spiel.

Donnerstag, 09 Dezember 1948       )

Die Weisheit klagt ob ihrem ewigen Spiel …* (B*)

Die Weisheit klagt ob ihrem ewigen Spiel,
klagt auf der klar umzirkten lichten Scheibe
dass jener Gott vor dem sie Kind war durch
Äonen schaut mit schattigen Augen über
05 ihr Spiel hinweg in undurchdrungene Nacht.
Die lichten Bälle, schnell im Spiel geworfen,
die geistigen Gestirne sieht er nicht mehr:
wohin sie schwinden nur, sieht er, den Schlund:
ob er die lichte Scheibe wieder fordert,
10 zurück zu schlingen das gehasste Kind,
das tief gehasste Spiel der lichten Bälle?
Die Weisheit klagt ob ihrem ewigen Spiel.

Donnerstag, 09 Dezember 1948       )

Die Weisheit klagt ob ihrem ewigen Spiel …* (C*)

Die Weisheit klagt ob ihrem lichten Spiel
klagt auf der klar umzirkten lichten Scheibe,
dass jener Gott vor dem sie Kind war durch
Äonen schaut mit besorgten Augen über
05 ihr Spiel hinweg und lichter Scheibe Rund,
hinausschaut in das undurchdrungne Dunkel.
Die lichten Bälle, spielend ausgesandt,
die geistigen Gestirne sieht er nicht mehr:
wohin sie schwinden nur, sieht er, den Schlund:
10 wer fängt sie dort und wirft zurück die Bälle?
Ob er ihn wieder fordert und sein Kind,
die lichte Scheibe jäh zurückzuschlingen?
Die Weisheit klagt ob ihrem lichten Spiel.

Freitag, 10 Dezember 1948       )

Die Weisheit klagt ob ihrem ewigen Spiel …* (D*)

Die Weisheit klagt ob ihrem ewigen Spiel
klagt auf der klar umzirkten lichten Scheibe 
dass jener Gott vor dem sie Kind war durch 
Äonen schaut mit schattigen Augen über 
05 ihr Spiel hinweg und lichter Scheibe Rund
hinausschaut in das undurchdrungene Dunkel.
Die lichten Bälle, spielend ausgesandt,
die geistigen Gestirne sieht er nicht mehr:
wohin sie schwinden nur, sieht er, den Schlund:
10 wer fängt sie dort und wirft zurück die Bälle?
Ob er ihn wieder fordert und sein Kind,
die lichte Scheibe hart zurückzuschlingen?
Die Weisheit klagt ob ihrem ewigen Spiel.

Dienstag, 14 Dezember 1948       )

Da sind sie wieder, dunkelgrüne Zweige …* / I (k)

Da sind sie wieder, dunkelgrüne Zweige
und weisse Beeren, alten Waldes Duft,
die Wege tief im Unterholz verloren. 
Zwar Wasser heimlich gleissend hier und dort. 
05 Doch Dämmer rings und nirgends eine Öffnung. 
Da bricht und naht in unbeirrtem Gang 
aus knisterndem Gehölz die reine Lampe.
Sie leuchtet aus dem makellosen Busch, 
dem Hochgeweih des Hirschs, der, Wunder äugend,
10 Gestalt und Klarheit eilt durch Wildnis hin.

Dienstag, 14 Dezember 1948       )

Du näherst dich und lächelnder hernieder …* / II (k)

Du näherst dich und lächelnder hernieder
winkt deine Hand, die stets mir ferne schien. 
Ich schlage mir in die kristallne Glätte 
empor an Schimmerwänden Stufen aus. 
05 O hell Erwachen, wo die Splitter sprühen, 
der Tag gewährt ein lautereres Licht, 
wenn jene Schneide in den Aufgangshimmel, 
der klare Kamm, den streng Bemühten trägt. 
Des Unbestimmten Träume schwinden dort
10 mit letzten Sternen in den Glanz gewischt 
der unvermutet wirklichen Vermählung.

Dienstag, 14 Dezember 1948       )

Das ist das grosse, das unzugängliche Licht …* (A*)

Das ist das grosse, das unzugängliche Licht, zu wohnen in den zerklüfteten Bergen. Dort sind in der Höhlen grünen Tiefen reine Quellen. Zuweilen der Rabe, der dunkel heraufkommt und den Einsamen nährt.

02 Am Eingang der Dornbusch, der das Fremde zerreisst, alle Flammen löscht, es sei denn die eine, die nun hell ist.

03 O, wie bin ich fremd und schaue wie ein Vogel aus der Ferne gekommen über die Täler, über die weinbewachsenen Berge, die Stadt auf dem Gipfel, die Züge der Händler, hinaufreitend den steilen Weg.

04 Ich bin abgeschieden und nicht mehr hier, wie nahe ihr mich auch glaubt. O Waage, du einziges Gleichnis, belastet gleich auf beiden Seiten. Am nächsten bist du dem Unbedingen, dem Abend der reinen Profile, dem Abend im Winter: der Fluss eindeutig, die Bäume reine Gerippe, ohne den Zufall des Laubs, der Himmel stählerne Wandung. Ruinen der Kirche: pures Gemäuer, unmissverständlich, glühend Erinnern, glühend erstarrt.

Mittwoch, 15 Dezember 1948       )

Dem unzugänglichen Licht …* (B*)

Dem unzugänglichen Licht
am nächsten zu wohnen
in den zerklüfteten Bergen:
die reine Quelle
05 zutiefst in der Höhle.
Der Rabe, einziger Gast
bringt dem Einsamen Nahrung.
Den andern wehrt Eingang
der Dornbusch:
10 zu löschen die Flammen ||
es sei denn die erhellende, eine.
Abgeschieden gänzlich bin ich,
wie nah ihr mich glaubt.
O Waage, du einziges Gleichnis,
15 belastet gleich auf beiden Seiten.
Du bist dem Unbedingten verwandt,
dem Abend der reinen Profile,
dem Abend im Winter:
eindeutig der Fluss
20 die Bäume reine Gerippe
ohne den Zufall des Laubs // 01v
stählerne Wandung der Himmel,
Ruinen der Kirche:
pures Gemäuer
25 unmissverständlich
glühend Erinnern
glühend erstarrt.

Mittwoch, 15 Dezember 1948       )

Unzugänglichem Licht …* (C*)

Unzugänglichem Licht
wohnt am nächsten
wer in zerklüfteten Bergen
trinkt die reine Quelle
05 in der Höhle zutiefst.
Der Rabe, einziger Gast, 
bringt dem Einsamen Nahrung.
Den andern wehrt Eingang
der Dornbusch, 
10 Flammen löschend, 
es sei denn die erhellende eine.

Abgeschieden gänzlich bin ich
wie nah ihr mich glaubt:
O Waage
15 gleich belastet auf beiden Schalen 
dem Unbedingten verwandt
dem Abend der reinen Profile
dem Abend im Winter:
eindeutig der Fluss
20 die Bäume reine Gerippe
ohne den Zufall des Laubs.
Stählerne Wandung der Himmel.

Ruinen der Kirche:
pures Gemäuer
25 unmissverständlich
glühend Erinnern
glühend erstarrt.

Donnerstag, 16 Dezember 1948       )

Unzugänglichem Licht …* (D*)

Unzugänglichem Licht
wohnt am nächsten
wer reinen Quell
trinkt aus zerklüfteten Bergen
05 in der Höhle zutiefst.
Der Rabe, einziger Gast
bringt dem Einsamen Nahrung.
Andern wehrt Eingang
der Dornbusch,
10 Flammen löschend
es sei die nur leuchtende eine.

Abgeschieden gänzlich bin ich
wie nah ihr mich glaubt:
O Waage
15 gleich belastet auf beiden Schalen 
dem Unbedingten verwandt
dem Abend der strengen Profile
dem Abend im Winter:
eindeutig der Fluss
20 die Bäume reine Gerippe
ohne zufälliges Laub.
Stählerne Wandung der Himmel.

Ruinen der Kirche:
pures Gemäuer
25 unmissverständlich
glühend Erinnern,
glühend erstarrt.

Mittwoch, 05 Januar 1949       )

Unzugänglichem Licht …* (k)

Unzugänglichem Licht
am nächsten wohnt,
der reinen Quell
trinkt aus zerklüfteten Bergen
05 in der Höhle zutiefst.
Rabe, einziger Gast
bringt dem Einsamen Nahrung.
Andern wehrt Eingang 
der Dornbusch,
10 Flammen löschend
es sei die nur leuchtende eine

Abgeschieden gänzlich bin ich
wie nah ihr mich glaubt:

O Waage
15 gleich belastet auf beiden Schalen 
dem Unbedingten verwandt
dem Abend der strengen Profile
dem Abend im Winter:
eindeutig der Fluss
20 die Bäume reine Gerippe
ohne zufälliges Laub.
Stählerne Wandung der Himmel.
Ruinen der Kirche:
pures Gemäuer
25 unmissverständlich
glühend Erinnern
glühend erstarrt.

Donnerstag, 23 Dezember 1948       )

Ferne farbige Spiele …* (A*)

Ferne farbige Spiele, Zauber der Drehung, Kinderreigen in der Kugel verschlossen. Elefanten mit bunten Türmen, Kamele mit bilderreichen Decken. Und mit glühenden Augen singend, der Neger im Sattel. Alles in der Kugel verschlossen. 

02 Wenn sie zerschellte, welche Verwirrung. O unerwartete Ankunft: Die bewunderten Tiere sind unser, gehn auf der Strasse mit uns. Auf dem Kamel sänge der Neger, sänge in unserer Strasse. Der Elefant würfe den Rüssel empor gleich bei unserer Rast. Und lachend, lachend die Kinder, aus dem Verschlossnen gefallen. Kinder bewahrend das Glück, den Schein ihrer schuldlosen Ankunft. 

03 Und der Weg gleitet dahin mit uns allen. An den letzten Zisternen vorbei in die trockene Steppe. Tiere verenden zuweilen im Schatten, dem geizig geworfnen, der Tamarisken.

04 Die Kinder freilich sind da im Schein ihres schuldlosen Anfangs. Sie werden sehen dereinst am Abend wie letztes Wasser am Strand zur Stunde der Ebbe, erste Spuren von Grün im Sande, Kräuter bald und den Fuss des quellenreichen Gebirges.

Donnerstag, 30 Dezember 1948       )

Farbige Drehung …* (B*)

Farbige Drehung
in der Kugel verschlossen
Elefanten mit bunten Türmen
Kamele mit Decken, bilderreichen
05 Und mit glühenden Augen
der Neger im Sattel
Alles in der Kugel verschlossen.

Wenn sie zerschellte:
o unerwartete Ankunft.
10 Die bewunderten Tiere sind unser
gehn auf der Strasse mit uns.
Auf dem Kamel sänge der Neger
sänge auf unserer Strasse.
Der Elefant würfe den Rüssel empor
15 gleich bei unserer Rast.
Und lachend, lachend die Kinder
aus dem Verschlossnen gefallen
bewahrend das Glück
ihrer schuldlosen Ankunft. 

20 Der Weg gleitet dahin mit uns allen
an den letzten Zisternen vorbei
in die trockene Steppe.
Tiere verenden
im geizig geworfenen
25 Schatten der Tamarisken.

Schliesslich bleiben
die Kinder allein.
Sie erkennen dereinst
am Abend
30 – wie letztes Wasser am Strand
zur Stunde der Ebbe –
erste spärliche Gräser ||
Kräuter bald und den Fuss
des quellenreichen Gebirges.

Donnerstag, 30 Dezember 1948       )

Farbige Drehung …* (C*)

Farbige Drehung
in der Kugel verschlossen:
Elefanten mit bunten Türmen
Kamele mit Decken.
05 Glühenden Auges
der Neger im Sattel
in der Kugel verschlossen.

Wenn sie zerschellte 
o unerwartete Heimkehr:
10 die bewunderten Tiere sind unser
gehn auf der Strasse mit uns.
Auf dem Kamel singt der Neger
singt auf unserer Strasse
Der Elefant wirft den Rüssel empor
15 gleich bei unserer Rast.
Und lachend die Kinder
aus dem Verschlossnen gefallen
bewahrend das Glück
ihrer schuldlosen Ankunft. 

20 Der Weg geht dahin mit uns allen
an den letzten Brunnen vorbei
in die trockene Steppe.
Im geizig geworfenen Schatten
der Tamarisken
25 verenden die Tiere
erlischt das Singen des Negers.

Es bleiben die Kinder allein:
Sie erkennen dereinst
am Abend
30 – wie letztes Wasser am Strand
zur Stunde der Ebbe – ||
erste spärliche Gräser
Kräuter bald und den Fuss
des quellenreichen Gebirges.

1948 * (nicht datiert)       )

Viadukt (1)

Die hohe Brücke: aus dem Bachtal ragen die Bäume
herauf zum Geländer, Duft der Blütenkerzen 
Reklamen, blau und rot, schreiend an Brandmauern dahinter.
Die Brücke mündet ins Treiben des Geschäftsviertels, Leuchtschriften
auf den Dächern und zwischen den Fenstern.
Strassenbahnen, Glühwürmer ziehen hinein.
05 Wie ein Zauberstrom alles zu einem neuen Dasein.
Wissendem Dasein der reinen Berechnung.
Nachbildung der alten Welt in Kristall
Dawider bricht von unten das Widerspiel herauf, das reine
Chaos. Dem Kampf zu entkommen ist unmöglich.
Schleudern die Mächte doch Berge wider einander.
10 Die Söhne entmannen den Vater und erschrecken ob der Saat, die
aus dem Blute erwächst.
Einst waren sie sanft auf der Insel, von Honig genährt
und von der Milch der Ziege. Jetzt wissen sie um ihre Kraft.

1948 * (nicht datiert)       )

Viadukt (2)

Viadukt zwischen den Kronen der Bäume. Duft dunkler Blütenkerzen. Jenseits die grossen Geschäftshäuser. Leuchtschriften auf den Dächern. Strassenbahnen, wie Glühwürmer gleiten heinein in den flimmernden Karneval. Die Automobile wie ein Zauberstrom in ein neues Dasein des Wissens, der reinen Berechnung. Nachbildung der Welt in Stahl und Kristall. Dawider brechen die Titanen herauf von unten. Dem Kampf zu entkommen ist unmöglich. Schleudern die Mächte doch Berge wider einander. Heute entmannen die Söhne den Vater und erschrecken ob der Saat, die aus dem Blute erwächst. Einst waren sie sanft auf der Insel und furchtsam lebten sie in der Höhle, von Honig genährt, von der Milch der Ziege. Mannbar sind sie geworden und wissen um ihre Kraft.

1948 * (nicht datiert)       )

Viadukt (3)

Zauberstrom in das neue Wissen, in das Dasein aus reiner Berechnung, Leuchtschriften auf den Dächern: Grüne Männer und gelbe Pfeile¿. Dort noch der Viadukt zwischen den Kronen der Bäume, im Duft dunkler Blütenkerzen. Die Strassenbahn ist schon darüber weg, schon hier beim Bahnhof. Nachbild der Welt in Stahl und Kristall. Dawider brechen die Gefesselten von unten herauf. Schleudern die Mächte Berge wider einander. Nicht lange ists, dass die Söhne den Vater entmannten. Heute erschrecken sie ob der Saat, die aus dem Blute erwächst.

1948 * (nicht datiert)       )

Kristallkugel drehend …* (A*)

( Kristallkugel drehend,
glänzende Welt darin,
geordnet nach Zahl und Mass
Musik der drehenden Räder
05 Der Fasan ruft und schaukelt,
Glasfasan mit mechanischer Stimme.
Dieser vollendete Körper, 
wenn er nur nicht zerbricht.
Genaue Wiederholung der Welt,
10 die tot ist. )

1949 * (nicht datiert)       )

Spiegelnde Welt …* (1)

Spiegelnde Welt
kristallene Kugel. 
Musik der Mechanik
unerbittliche Räder.
05 Es  ruft der Fasan
und schaukelt.
Der Glasfasan ruft
mit mechanischer Stimme
im vollendeten Haus.
10 O prangender Leichnam.

1949 * (nicht datiert)       )

Spiegelnde Welt …* (2)

Spiegelnde Welt
kristallene Kugel, 
Musik der Mechanik, 
Gang und Musik
05 unerbittlicher Räder.
Es  ruft der Fasan und schaukelt.
Der Glasfasan ruft
mit mechanischer Stimme.
Vollendetes Haus 
10 o prangender Leichnam.

1949 * (nicht datiert)       )

Der grünen Tiefe …* (1)

Der grünen Tiefe 
verderbliche Herrin,
elbisches Wesen,
lächelnde Nixe.
05 Häuser sind
und Bahnen und Brücken
und jenes Licht
der farbigen Schlangen,
der kühlen und gelben.
10 Tote Bewegung
gestorbenen Lebens,
des Wissenden Rausch.
Reich in der Tiefe,
der lächelnden Göttin. // 01v
15 Zaubrische Augen
eisigen Lichtes
und kühlende Küsse.

1949 * (nicht datiert)       )

Herrin der Tiefe …* (2)

Herrin der Tiefe
grünen Dunkels
verderbliche Nixe. 
Häuser sind 
05 und Bahnen und Brücken, 
jenes Licht
der kühlen Schlangen .
Tote Bewegung
gestorbenen Lebens,
10 der Wissenden Rausch.
Du lächelst,
mit Augen
eisigen Lichts
und tödlichen Küssen.

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms, und gereinigter Himmel …* (1)

Stillung des Sturms, und gereinigter Himmel, wie bläuliches Glas,
das All scheint wider und schmilzt mit dem Strome in eins.
Ungeduldig die Kähne wie Pferde vorm Fallen der Startschnur.
Meine Kehle ist hungrig, die Ferne zu schmecken. Gefühl
furchtbarer Leere.
05 Zu wohnen stets am Rande der Wüste, die zierlichen
Stauden vom Flugsand bedroht,
das Heidekraut, die wenigen …
Ist sie das Letzte denn, diese Leere, die graue, tödliche Öde?
Der Wind, der von draussen kommt und alles vertrocknet,
die Traube am Stock und in den Türmen die Glocke?
Diese furchtbarste Drohung.
10 Der Garten muss dennoch geliebt sein. Im Wirklichen hält ihn
die Liebe.
Sie, der einzige Schild gegen den Ansturm des Nichts. // 01v
Denn dies ist die grauenhafte Gestalt, die neue, des alten 
Dämonen; einfach Nichts.
Noch ist der Engel des Lichtes, der geistige, der uns begegnet¿
in Mamre
und überall, wo wir sitzen im Schatten vorm Zelt
oder auf dem Dach des Hauses der Väter,
15 wo glücklich wir trinken und hinüber schaun zu den alten
Türmen der Stadt,
zu den Mauern, die fast versinken im Laub und dem
vielverschlungnen Geäst.

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms und gereinigter Himmel …* (2)

Stillung des Sturms und gereinigter Himmel wie bläuliches Glas,
das All scheint wider, verschmilzt mit dem Strom.
Ungeduldig die Kähne wie Pferde vorm Beginn des Wettlaufs.
Meine Kehle ist hungrig, die Ferne zu schmecken. Gefühl
furchtbarer Leere:
05 zu wohnen stets am Rande der Wüste,
die spärlichen Stauden vom Flugsand bedroht, das Heidekraut, 
die wenigen Beeren, die dunkelsüssen¿ des Sommers.
Ist sie das Letzte denn, die Leere, die graue, tödliche Öde?
Der Wind, der von draussen kommt und alles vertrocknet?
Erstarren macht im verfallenden Turme die Glocke?
Diese schreckliche Drohung.
10 Dennoch muss der Garten geliebt sein. Im Wirklichen hält ihn die Liebe.
Sie, der einzige Schild gegen den Ansturm des Nichts.
Denn dies ist die grauenhafte Gestalt, die neue des alten Dämons; einfach Nichts. // 02v
Noch erscheint uns der Engel des Lichtes, der geistige, an der Terebinthe Mamres
und überall, wo wir sitzen im Schatten, vorm Zelt oder
auf dem Dach des Hauses der Väter,
15 wo fröhlich wir trinken und hinüberschaun zu den Türmen der Stadt
und zu den Mauern, die nicht, wie einstmals den Feinden, wehren dem Laub
und dem verschlungnen Geäst.

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms und gereinigter Himmel …* (3)

Stillung des Sturms und gereinigter Himmmel wie bläuliches Glas. 
Das All scheint wider im Strom.
Ungeduldig die Kähne wie Pferde vorm Beginn des Wettlaufs.
Meine Kehle lechzt nach Ferne. Gefühl furchtbarer Leere:
05 zu wohnen stets am Rande der Wüste,
die spärlichen Stauden vom Flugsand bedroht, das Heidekraut,
die wenigen Beeren des Sommers.
Ist sie das Letzte denn, die Leere, die graue tödliche Öde?
Der Wind, der von draussen kommt und alles vertrocknet?
Erstarren macht die Glocke im verfallenden Turm?
Diese schreckliche Drohung.
10 Und dennoch muss der Garten geliebt sein. Im Wirklichen
hält ihn die Liebe.
Sie, der einzige Schild gegen die verderbliche Brandung, // 03v
gegen den Ansturm des Nichts. Denn dies ist des alten
Dämons neue Gestalt; einfach Nichts.
Den Bereiten aber erscheint der geistige Engel, wie einst
zu Mittag an der Terebinthe Mamres,
auf dem Balkon des Hauses der Väter,
wo fröhlich sie trinken und hinüberschaun zu den
Türmen der Stadt, 
15 zu den Mauern, die nicht mehr wehren dem Sommer des Lands
da er schon vom Laube wogt herein, vom verschlungnen Geäst.

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms und gereinigter Himmel …* (4)

Stillung des Sturms und gereinigter Himmel wie bläuliches Glas.
Das All scheint wider im Strom.
Ungeduldig die Kähne wie Pferde vorm Beginn des Wettlaufs.
Meine Kehle lechzt nach Ferne. Gefühl furchtbarer Leere:
05 Zu wohnen stets am Rande der Wüste,
die spärlichen Stauden vom Flugsand bedroht,
das Heidekraut, die wenigen Beeren des Sommers.
Ist sie das Letzte denn, die Leere, die graue, tödliche Öde?
Der Wind, der von draussen kommt und alles vertrocknet?
Erstarren macht die Glocken im verfallenden Turm?
Diese schreckliche Drohung.
10 Und dennoch muss der Garten geliebt sein. Im Wirklichen
hält ihn die Liebe,
der einzige Schild gegen die verderbliche Brandung, // 04v
gegen den Ansturm des Nichts.

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel …* (5)

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel: der geleerten
Flasche blaugrünes Glas scheint wider im Strom.
Ungeduldig die Kähne wie Läufer vorm Zeichen zum Start.
Meine Kehle lechzt nach Ferne. Gefühl furchtbarer Leere;
Am Wüstenrand zu wohnen, vom Flugsand bedroht, 
die spärlichen Stauden, die wenigen Beeren.
05 Aber der Garten braucht geduldige Wartung.
Plötzlich erhellt ihn blendend der Schweif des Kometen, // 05v
Smaragdgrün glänzt der Fluss. Dort
sind Bäume mit goldenen Kronen.
Wie schnell verleidet nicht die tägliche Speise!
Das Mahl lockt nicht mehr.
10 Hier doch erscheint plötzlich die Freude:
aus dem faden Wein erwacht der Gott von neuem.
Zutiefst in der perlmutternen Muschel steht er und lockt.
Angetan mit dem Fell des erschlagenen Raubtiers
lacht er, da seine List gelungen.
Sein Töten ist süss. Pforte des Rausches. Jenseits liegt
aus Wissen neue Verheerung.
15 Das ist furchtbar für den noch Sterblichen. Die andern
jedoch achten nicht mehr auf Schmerz.
Vom Pincio schauen sie nieder auf Rom, die sicher bemessene
Stadt.
Rings zwar droht lehmige Weite. Titanischer drohend in
der Ferne das Meer. 
Hier aber sind die geistigen Kuppeln gewölbt und die Säulen
über das Vage erhoben. 
Auf dem Kapitol leuchtet porphyrn Minerva. Zu ihren
Füssen der Quell kristallklaren Wassers.

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel …* (6)

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel: der geleerten
Flasche blaugrünes Glas scheint wider im Strom.
Ungeduldig die Kähne wie Läufer vorm Zeichen zum Start.
Meine Kehle lechzt nach Ferne. Gefühl furchtbarer Leere:
Am Wüstenrand zu wohnen, die spärlichen Stauden, die
wenigen Beeren, vom Glutwind bedroht. 
05 Aber der Garten braucht geduldige Wartung, 
bis ihn blendend erhellt der Schweif des Kometen:
für einen Augenblick glänzt smaragdgrün der Fluss,
golden die Krone des Baumes.
Wie schnell nicht verleidet die tägliche Speise!
Bald schon reizt nicht mehr das Mahl.
Doch hier erscheint plötzlich die Freude<:> aus dem faden 
Wein erwacht von neuem der Gott:
10 Zutiefst in der perlmutternen Muschel steht er und lockt.
Angetan mit dem Fell des erschlagenen Raubtiers lacht er,
weil die List ihm gelungen.
Sein Töten ist süss, Pforte des Rausches. Jenseits liegt // 06v
neue Verheerung aus Wissen.
Das ist für den noch Sterblichen furchtbar. Die andern
jedoch achten nicht mehr auf Schmerz.
15 ( Vom Pincio schauen sie nieder auf Rom, die sicher
bemessene Stadt.
Rings zwar droht lehmige Weite, titanisch droht in der
Ferne das Meer. 
Hier aber sind die geistigen Kuppeln gewölbt und die Säulen
über das Vage erhoben. 
Vom Kapitol leuchtet porphyrn Minerva. Zu ihren
Füssen der Quell kristallklaren Wassers. )

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel …* (7)

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel: der geleerten
Flasche blaugrünes Glas scheint wider im Strom.
Ungeduldig die Kähne wie Läufer vorm Zeichen zum Start.
Nach Ferne lechzt meine Kehle. (Gefühl furchtbarer Leere:)
Am Wüstenrand zu wohnen; die spärlichen Stauden, die
wenigen Beeren, vom Glutwind bedroht.

05 Aber der Garten braucht geduldige Wartung, 
bis ihn blendend erhellt der Schweif des Kometen:
für einen Augenblick glänzt smaragdgrün der Fluss,
für einen Augenblick golden die Krone des Baumes.
Wie schnell nicht verleidet die tägliche Speise! Bald schon
reizt nicht mehr das Mahl.

10 Doch hier erscheint plötzlich die Freude:
Aus dem faden Wein erwacht von neuem der Gott.
Zutiefst in der perlmutternen Muschel steht er und lockt.
Angetan mit dem Fell des erschlagenen Raubtiers lacht er,
weil die List ihm gelungen.
Sein Töten ist süss, Pforte des Rausches. Jenseits liegt neue
Verheerung aus Wissen.

1948 * (nicht datiert)       )

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel …* (8)

Stillung des Sturms, gereinigter Himmel:
der geleerten Flasche blaugrünes Glas scheint wider im Strom.
Ungeduldig die Kähne wie Läufer vorm Zeichen zum Start.
Meine Kehle lechzt nach Ferne. (Gefühl furchtbarer Leere:)
05 Am Wüstenrand zu wohnen, die spärlichen Stauden, die 
wenigen Beeren vom Glutwind bedroht.
Der Garten braucht geduldige Wartung,
bis ihn blendend erhellt der Schweif des Kometen:
für einen Augenblick glänzt smaragdgrün der Fluss,
für einen Augenblick golden die Krone des Baumes.

10 Wie schnell nicht verleidet die tägliche Speise! Bald schon
reizt nicht mehr das Mahl.
Doch hier erscheint plötzlich die Freude:
aus dem faden Wein erwacht von neuem der Gott.
Zutiefst in der permutternen Muschel steht er und lockt.
Angetan mit dem Fell des erschlagenen Raubtierts lacht er,
weil die List ihm gelungen.
15 Sein Töten ist süss, Pforte des Rausches.
Jenseits liegt neue Verheerung aus Wissen.

1949 * (nicht datiert)       )

O du tiefes …* (1*)

O du tiefes,
du wirres Gedächtnis,
wie von weitem
klingt Deine Stimme herauf.
05 In der Höhle harren wir
und es ist dunkel.
Bis die Muschel zerbricht.
Dann sind hell wir auf einmal,
Perlen, Perlen,
10 lang verborgener Glanz.
Offenbar wird er,
wir bergen die Augen
vor brennendem Flimmer.

1949 * (nicht datiert)       )

So lang, so lang schon …* (2)

So lang, so lang schon 
sind wir gegangen:
unendliches Dunkel.
Bald kommt die Wendung, // 01v
05 bald die Öffnung der Höhle
in jenen Tag,
den unerhörten,
das wirkliche Licht.
Doch lass uns gehen,
10 steh’ nicht, schau nicht
die steinigen Pfade zurück.
Das Ziel ist nahe,
wo das Wort sich endet
und beginnet das Tun.

1948 * (nicht datiert)       )

Drüben sind …* (A*)

Drüben sind
die genaueren Hügel.
Schärfe des Lichts.
Blendendes Sonnenkristall.
05 Du spendest anderes Leben.
Jenseits des Todes.
Sanfter waren einstmals
die Blumen;
bunte Vögel aus Düften.
10 Klar sind jetzt sie gebildet,
Kinder kühler Gedanken.

Mittwoch, 25 August 1948       )

Drüben sind die veränderten …* (B*)

Drüben sind die veränderten,
die genaueren Hügel:
Schärfe des Lichts,
blendender Sonnenkristall.
05 Du spendest anderes Leben,
jenseits des Todes.
Sanfter waren einstmal die Blumen:
bunte Vögel aus Düften.
Klar sind jetzt sie gebildet, // 01v
10 Kinder kühler Gedanken.

1948 * (nicht datiert)       )

Birst du, glühender Berg …* (A*)

Birst du, glühender Berg,
steigst du, wendende Rebe,
über Purpur und Rausch
glänzt die Weisheit empor.

05 Jene Penaten hat sie,
die flüchtigen, auch schon begleitet.
Ewigen Zepters Gewalt
wandelt und bleibet zugleich.

Birst du, glühender Berg, was steigst du, wendende Rebe?
über Purpur und Rausch glänzet die Weisheit empor.
Jene Penaten hat sie, die flüchtigen, auch schon begleitet:
ewigen Zepters Gewalt wandelt und bleibet zugleich.

05 Von den Bergen herab sind tosend die Bäche gekommen,
in der Weite des Tals breiten sie freundlich sich aus.
Auch der zornige Mann vergisst sein wütendes Schelten,
wenn ihn aus heiterem Mund freundlich die Antwort empfängt.

1949 * (nicht datiert)       )

Muschel, schimmerndes Gehäuse …*

Muschel, schimmerndes Gehäuse, brechend, streut sie ihrer Perlen Glanz ins weite Dunkel aus. Und selten ist’s, dass einer sie noch findet: an den tiefsten und finstersten Orten trifft man am ehsten sie.

1948 * (nicht datiert)       )

Licht, reine Vergängnis …* (1)

Licht, reine Vergängnis
Hügel, süsser Hügel
des Daseins,
und du liebe Feste
05 am Hang voller Reben.
Licht des Mondes.
Bleiche Feier der Einheit.
Dass aufhört die Trennung
in diesem Licht
10 für einen Augenblick aufhört.
Gnade der Nacht.
Jugend ist ewig.
Ist sie s?
Selbst die göttlichste Fügung,
15 die Einheit liebeglühender Leiber,
ist ein gewolltes
Nachbild: Übung der wachsenden Herrschaft.
Kühles Werk der Zeugung,
gewollte Berauschung.
20 Alles gehört uns,
auch unser Leib, // 01v
seine liebegierigen Glieder:
Die Einheit ist nicht mehr geschenkt,
wie den Alten sie noch geschenkt war,
25 sie ist errichtet, geplant,
ein geordnetes Haus der Liebe.
Die Tiere tragen Steine herzu.
Doch nicht ihnen gehört die Herrschaft.
Lächelnd geht der, der herrscht,
30 über den Bauplatz und spornt.
Was wissen die, die da tragen und drehen
und schlagen vom Genusse des Bauens.
Dass ein Haus da sein wird?
So ist es mit der Liebenden Einheit.

1948 * (nicht datiert)       )

Licht, reine Vergängnis …* (2)

Licht, reine Vergängnis.
Hügel, süsser Hügel
des Daseins,
und der Liebe Feste
05 am Hang voller Reben.
Licht des Mondes.
Bleiche Feier der Einheit.
Dass aufhört die Trennung
in diesem Licht.
10 Gnade der Nacht.
Jugend ist ewig.
Ist sie’s?
Auch diese göttlichste Fügung,
die Einheit liebeglühender Leiber
15 ist ein gewolltes Nachbild:
Übung der wachsenden Herrschaft.
Gewollte Berauschung.
Kühles Werk der Zeugung. 
Alles gehört uns,
20 auch unser Leib, 
seine liebegierigen Glieder. 
Die Einheit ist nicht mehr geschenkt,
sie ist errichtet, geplant.
Ein geordnetes Haus. // 02v
25 Die Tiere tragen Steine herzu.
Doch lächelnd geht der, der herrscht,
über den Bauplatz und spornt.
Was wissen die, die da tragen und und schlagen
und stossen vom Genusse des Bauens?
30 Dass ein Haus da sein wird.
Gemeinschaft mit Göttern?

1948 * (nicht datiert)       )

Erfüllt im Nachtmahl nicht mehr sich der Traum …*

Erfüllt im Nachtmahl nicht mehr sich der Traum,
so weist dies gegen den Morgen:
in jenem lichten Sternensonnenraum 
ruht Herrliches verborgen.
05 Die Becher klingen wider Becher an. 
O werft sie weg. Des Trostweins ist genug. 
Empfangt den wahren Wein aus diesem neuen Krug.

Dienstag, 21 Dezember 1948       )

Bleierner Himmel, Wüste, Wüste …* (A*)

Bleierner Himmel, Wüste, Wüste, da uns nur noch geleitet Erinnrung. Erinnrung vergangener Gärten. Gärten heiliger Blumen. Haine seligen Schweigens, voll göttlicher Gegenwart. (Voll der Gegenwart Gottes).

02 Wie ist Öde jetzt alles: Fontänen des Geistes, schimmernde Becken der Weisheit. Wie glücklich waren alle, die wandelten dort.

03 Sieh, aber ich will, dass alles zerbrach. Denn das Vollkommene liegt jenseits immer. Die Gärten sind immer Begrenzung.

04 Jenseits der Wüste, dort ragt der Berg Gottes, dort in den Gesteinen die Stimme, die Gesetze enthüllt. Und Wege weist den Jahrtausenden. Nimmer wachsen dort im Kühlen, in den klaren Nächten die Blumen. Aber die Kristalle flimmern und die Sterne überhell. Wer dort auf den Stufen harret, dem wird, dem Lauschenden, aufgetan, das eine Geheimnis. Aber dass er die Gärten verlasse.

05 Trauer ist in der flimmernden Wüste, voll der Erinnrung die Träume unter den spärlichen Bäumen. Dennoch, die Tage sind reich an schmerzlicher Hoffnung:

06 Dass unser wird das Klare, dass wir des Klaren werden gänzlich zu eigen, selber reine Kristalle, des Geistigsten geistiges Abbild. Gipfel in lauterster Luft.

Dienstag, 21 Dezember 1948       )

Bleierner Himmel …* (B*)

Bleierner Himmel.
Wüste, da uns nur noch geleitet Erinnrung
vergangener Gärten
der Haine des Schweigens
05 voll der Gegenwart Gottes.
Geistige Brunnen
schimmernde Becken der Weisheit.
Wie glücklich waren alle
die wandelten dort.
10 Aber ich will, dass alles zerbrach.
Das Vollkommene liegt jenseits immer
Die Gärten sind immer Begrenzung.
Jenseits, freilich, der Wüste
ragt der Berg Gottes
15 dort aus Gesteinen die Stimme
die Gesetze enthüllt
und Wege weist
Jahrtausenden.
Ob auch nimmer im Kühlen
20 in den klaren Nächten
wachen die Blumen 
so flimmern doch Kristalle
und überhell Sterne.
Wer dort auf den Stufen harret
25 dem Lauschenden wird
aufgetan das eine Geheimnis.
Aber dass er die Gärten verlasse.
Trauer ist in der Wüste
die Träume unter den spärlichen Bäumen
30 noch voll der Gärten.
Doch die Tage sind reich
an schmerzlicher Hoffnung:
unser wird sein das Klare 
wir werden dem Klaren gänzlich zu eigen.
35 Selber reine Kristalle
Gipfel in lauterster Luft
des Geistes geistiges Abbild.

Mittwoch, 22 Dezember 1948       )

Bleierner Himmel …* (C*)

Bleierner Himmel, 
Wüste, da uns nur noch geleitet Erinnrung
an Haine
voll erster Gegenwart Gottes.
05 Wie glücklich waren
die wandelten dort.
Aber ich will,
dass sie zerbrach:
Jenseits liegt stets das Vollkommne.
10 Jenseits der Wüste
ragt der Berg Gottes
dort aus Gesteinen die Stimme
die Gesetze enthüllt
und Wege weist
15 den Jahrtausenden:
Ob auch in der Kühle der Nacht
wächst nicht mehr die Blume
so flimmert doch der Kristall.
Wer dort harrt auf den Stufen
20 dem wird aufgetan das eine Geheimnis.
Dass er aber zuvor die Haine verlasse.
Die Träume unter
spärlichen Bäumen der Wüste
sind noch dumpf vom Verluste.
25 An Hoffnung aber reich ist der Tag:
Dem Klaren sind wir dort
gänzlich verschmolzen.
Gipfel in lauterster Luft
selber reine Kristalle
30 Geistes geistiges Abbild.

Mittwoch, 22 Dezember 1948       )

Bleierner Himmel …* (D*)

Bleierner Himmel.
Wüste, wo uns nur noch geleitet
Erinnerung an den Hain
voll erster Gegenwart Gottes.
05 Aber ich will,
dass sie zerbrach:
jenseits liegt stets das Vollkommne.
Jenseits der Wüste
ragt der Berg
10 aus Gesteinen die Stimme
die Jahrtausenden
Satzung enthüllt.
Ob auch in der Kühle der Nacht
wächst nicht mehr die Blume
15 so schimmert doch der Kristall
dem der harrt in den Schluchten.

Dass er aber zuvor
verlasse den Hain:
Noch dumpf vom Verlust 
20 ist der Schlaf
unter spärlichen Sträuchern der Wüste.
An Hoffnung schon reicher der Tag:

Dem Klaren sind dort wir
gänzlich verschmolzen.
25 Gipfel in lauterster Luft
selber reine Kristalle
Geistes geistiges Abbild.

Donnerstag, 30 Dezember 1948       )

Bleierner Himmel …* (E*)

Bleierner Himmel.
Wüste da uns Erinnerung
nur noch geleitet
der Hain
05 voll erster Gegenwart Gottes. 
Doch jenseits liegt das Vollkommne
jenseits der Wüste
ragt der Berg
aus Gesteinen die Stimme
10 die Jahrtausenden
Satzung enthüllt.
Ob auch nicht schattig
mehr steht die Platane
so schimmert doch der Kristall
15 dem der geht in den Schluchten.
Zuvor aber lässt er den Hain.

Noch dumpf von Verlust
ist der Schlaf
unter spärlichen Sträuchern der Wüste.
20 An Hoffnung schon reicher der Tag:

Dem Klaren wird dort er
gänzlich verschmolzen 
ins helle Gestein
mählich verzehrt
25 kristallen reine Figur
Geistes geistiges Abbild.

Dienstag, 04 Januar 1949       )

Bleierner Himmel …* (k)

Bleierner Himmel.
Wüste da uns geleitet
nur noch Erinnrung
des Hains voll erster
05 Gegenwart Gottes. 
Doch jenseits
ragt der Berg
jenseits der Wüste
die Stimme
10 die Jahrtausenden
Satzung enthüllt.
Ob auch schattig dort
nicht mehr steht die Platane:
kristallen schimmeren die Schluchten. 
15 Dem Klaren wird dort der
Wanderer gänzlich verschmolzen
ins helle Gestein
mählich verzehrt
zu reiner Figur
20 Geistes geistigem Abbild.

Dienstag, 04 Januar 1949       )

In der Kugel verschlossen …* (D*)

In der Kugel verschlossen
farbige Drehung:
Kamele mit Decken,
glühenden Auges
05 der Neger singend im Sattel
in der Kugel verschlossen.

Wenn sie zerschellte:
o fröhlich begleitete Heimkehr:
die bewunderten Tiere
10 gehn auf der Strasse mit uns.
Auf dem Kamel singt der Neger
singt auf unserer Strasse.
Und lachend die Kinder
(im Glück ihrer unverletzlichen Unschuld.)
Aus dem Verschlossnen gefallen.
15 An den letzten Brunnen
geht es vorbei
in die trockene Steppe.
Im geizig geworfenen Schatten
der Tamarisken
20 verenden die Tiere
erlischt das Singen des Negers.

Es bleiben die Kinder allein
sie erkennen dereinst
– wie letztes Wasser am Strand
25 zur Stunde der Ebbe –
erste spärliche Gräser
Kräuter bald und den Fuss
des quellenreichen Gebirges.

Samstag, 08 Januar 1949       )

In der Kugel verschlossen …* (k)

In der Kugel verschlossen
farbige Drehung:
Kamele mit Decken
glühenden Auges
05 der Neger singend im Sattel.
Und lachende Kinder
in der Kugel verschlossen.

Wenn sie zerschellte
o fröhlich begleitete Heimkehr:
10 die bewunderten Tiere
gehn auf der Strasse mit uns.
Auf dem Kamel
der Neger singt auf unserer Strasse.
Und lachende Kinder
15 aus dem Verschlossnen gefallen.

An letzten Brunnen vorbei
in die trockene Steppe.
Im geizig geworfenen Schatten
der Tamarisken
20 verenden die Tiere
erlischt das Singen des Negers.

Die Kinder allein
erkennen dereinst
– wie letztes Wasser am Strand
25 zur Stunde der Ebbe –
erste spärliche Gräser
Kräuter bald und den Fuss
des quellenreichen Gebirges.

Engel des Lichts, hüpfend über das schwingende Tau, über den finsteren Wogen. Sturm, machtlos wider das Spiel. Stärkeres Spiel! Und viele Engel noch auf den Brunnen der Plätze: der eine mit Harfe, der andre mit Flöte. Der dritte singend: Jubilate. 

02 Doch die Stadt voller Angst. Voller Angst vor dem Sturm: die Wellen schlagen vom Hafen herein. Die Brunnen strömen über vom schönen Wasser. Steigende, steigende Wasser. Überfluten die Gärten, überfluten die Gassen. Die Wagen, den Markt mit den Trauben, den Apfelsinen, den runden, den süssen Melonen. Überflutet, ertrunken.

03 Aber die Säulen der Brunnen sind noch. Die Engel ragen heraus: Engel mit Harfe, Engel mit Flöte. Engel singend: Jubilate. Sie singen, sie spielen über den Wellen. O glänzend, o sicher!

04 Und herein kommt vom Meer ihrer der grösste, der grosse Engel kommt herein, fröhlich hüpfend über sein schwingendes Tau. Schwingt sein Tau über der begrabenen Stadt. Und seine Engelbrüder spielen, seine Engelbrüder auf den sicheren Säulen spielen und singen dazu: Jubilate!

Freitag, 07 Januar 1949       )

Engel des Lichts …* (B*)

Engel des Lichts
hüpfend über das schwingende Tau
auf den finsteren Wogen.
Sturm, machtlos wider das Spiel.
05 Stärkeres Spiel.
Viele Engel noch
auf den Brunnen der Stadt:
der eine mit Harfe,
der andre mit Flöte.
10 Der dritte singend:
Jubilate. 

Aber die Stadt voller Angst.
Voller Angst vor dem Sturm:
die Wellen schlagen
15 vom Hafen herein.
Die Brunnen strömen über,
steigende, steigende Wasser.
Überfluten die Gärten,
überfluten die Gassen,
20 die Wagen,
den Markt mit den Trauben
den Apfelsinen,
den runden, den süssen Melonen:
Überflutet, ertrunken.

25 Doch die Säulen der Brunnen sind noch.
Die Engel ragen heraus:
Engel mit Harfe,
Engel mit Flöte
Engel singend:
30 Jubilate.
Sie singen, sie spielen
über den Wellen.
O glänzend, o sicher! ||

Und herein kommt vom Meer
35 ihrer der grösste.
Der grosse Engel
kommt hüpfend herein,
schwingt sein Tau
über der ertrunkenen Stadt
40 Und seine Engelbrüder
spielen, seine Brüder
auf den sicheren Säulen
spielen und singen dazu:
Jubilate!

Samstag, 08 Januar 1949       )

Engel des Lichts …* (C*)

Engel des Lichts
hüpfend über das schwingende Seil
auf den Wogen.
Sturm, machtlos wider das Spiel,
05 stärkeres Spiel.
Viel Engel noch
auf den Brunnen der Stadt:
der eine mit Harfe,
der andre mit Flöte, 
10 der dritte singt:
Jubilate 

Aber die Stadt voller Angst.
vor dem Sturm.
Die Wellen schlagen
15 vom Hafen herein.
Überströmen die Brunnen.
Steigende, steigende Wasser
überfluten die Gassen
überfluten die Wagen
20 den Markt mit den Trauben
den Apfelsinen
den runden, den süssen Melonen.

Doch auf Säulen der Brunnen
ragen die Engel heraus:
25 Engel mit Harfe
Engel mit Flöte
Engel, der singt:
Jubilate.
Über den Wellen
30 o glänzend, o sicher.

Herein kommt vom Meer
ihrer der grösste. ||
Der grosse Engel
kommt hüpfend herein
35 schwingt das Seil
über ertrunkener Stadt.
Und seine Brüder
seine Engelbrüder auf sicheren Säulen
spielen und singen dazu:
40 Jubilate.

Samstag, 08 Januar 1949       )

Engel des Lichts …* (k)

Engel des Lichts
auf den Wogen
hüpfend über das schwingende Seil
Sturm ist machtlos
05 wider stärkeres Spiel.

Viel Engel noch
auf den Brunnen der Stadt:
der eine mit Harfe
der andre mit Flöte
10 der dritte singt:
Jubilate

Aber die Stadt
voller Angst vor dem Sturm.
Wogen schlagen
15 vom Hafen herein.
Steigende, steigende Wasser
überströmen die Brunnen
überfluten die Gassen
überfluten die Wagen
20 den Markt mit den Trauben
den Apfelsinen
den runden, den süssen Melonen.

Doch auf Säulen der Brunnen
ragen die Engel heraus:
25 Engel mit Harfe ||
Engel mit Flöte
Engel, der singt:
Jubilate.
Über den Wellen
30 o glänzend, o sicher.

Herein kommt vom Meer
ihrer der grösste:
Engel des Lichts
kommt hüpfend herein
35 schwingt sein Seil
über ertrunkener Stadt.
Und die Brüder
Engelbrüder auf sicheren Säulen
spielen und singen dazu:
40 Jubilate.

Montag, 24 Januar 1949       )

Innerstes das strahlend überfliesst …* (A*)

Innerstes das strahlend überfliesst, 
ich wäre Mönch dir nicht, ich wäre dir nicht Lampe 
die Öl verzehrt und brennt die ganze Nacht:
den Wandrer grüsst ins Dickicht
05 der Schein, der sanfte, aus den Apsisfenstern. 
Es ist die Taube, weiss, die innen leuchtend schwebt. 
Des Hauses Wunder lange schon berufen, 
wann wird geheimes Licht zum allgemeinen Leuchten?
Es zieht Magnet die feinsten Späne an
10 die in den Klüften tief verborgenen
die wohl beschlossnen in der Diebestasche.
Die Liebe wohnt auch hier wie in den Nächten
wo Mannes Glied sich einigt mit dem Schoss des Weibes. 
Es ist dasselbe hier, das zieht und zieht 
15 und das die Trennung in der Wirrnis hasst.

1949 * (nicht datiert)       )

O Innerstes das strahlend überfliesst …* (B*)

O Innerstes das strahlend überfliesst,
wär ich dir nicht Lampe, die Öl verzehrend brennt die ganze Nacht:
nicht grüsste mehr den Wanderer ins Dickicht der Schein
der sanfte aus den Apsisfenstern.
05 Es ist die Taube, weiss, die innen leuchtend schwebt
des Hauses Wunder lange schon berufen
wann wird geheimes Licht zum allgemeinen Leuchten?

Dienstag, 25 Januar 1949       )

O Innerstes das strahlend überfliesst …* (C*)

O Innerstes das strahlend überfliesst,
wär ich nicht Licht von dir und kleine Lampe
die Öl verzehrend brennt die ganze Nacht
nicht grüsste mehr den Irrenden ins Dickicht
05 die sanfte Tröstung aus dem Apsisfenster
(die Taube, weiss, die innen leuchtend schwebt
des Hauses Wunder, lange schon berufen.)
Es zieht Magnet die feinsten Späne an
die in den Klüften tief verborgenen
10 die wohl beschlossnen in der Räubertasche.
Die gleiche Kraft bezwingt auch diese Nacht
die Mannes Glied dem Schoss des Weibes einigt. 
Es ist dieselbe stets die zieht und zieht 
und wilde Spaltungen im Finstern hasst.

Freitag, 04 Februar 1949       )

O Innerstes das strahlend überfliesst …* (D*)

O Innerstes das strahlend überfliesst
wär ich nicht Licht von dir und kleine Lampe
die Öl verzehrend brennt die ganze Nacht
nicht grüsste mehr den Irrenden ins Dickicht
05 die sanfte Tröstung aus dem Apsisfenster:
Die gleiche Kraft bezwingt auch diese Nacht
die als Magnet die feinsten Späne zwingt
und Mannes Glied dem Schoss des Weibes einigt. 
Es ist die eine stets die zieht und zieht 
10 und wilde Spaltungen im Finstern hasst.

Montag, 07 Februar 1949       )

Beschattet bist du, Höhe, zuweilen von Wolken …* (A*)

Beschattet bist du, Höhe<,> zuweilen von Wolken
zuweilen vom Lichte beglänzt, in bleibendem Wechsel.
Da fährt vorüber der Traum, erwartet Verwandtes
Ja, Morgen und Abend sind nah sich zwischen den Lichtern
05 sie gehn vom Hellen ins Dunkle, vom Dunkeln ins Helle
Gepränge kündend und schweben, kündend Erlöschen.

Dienstag, 08 Februar 1949       )

Beschattet bist du, Höhe, zuweilen von Wolken …* (B*)

Beschattet bist du, Höhe, zuweilen von Wolken
zuweilen vom Lichte beglänzt in bleibendem Wechsel.
Da fährt vorüber der Traum erwartet Verwandtes.
Und Morgen und Abend sind nah sich zwischen den Lichtern
05 Sie gehn vom Hellen ins Dunkel, vom Dunkel ins Helle
Gepränge kündend und schweben, kündend Erlöschen

1949 * (nicht datiert)       )

Gebliebne sind, da sind auch schon Verworfne …* (A*)

Gebliebne sind, da sind auch schon Verworfne.
Des Täglichen die Falle ist gestellt:
Die Segnung rauscht aus den entrückten Wipfeln.
Nur wenige haben Mut erhobenen Hauptes 
05 durch Sturm, erspürend Gott mit wachen Nüstern,
wie durch den klaren Tag zu gehen, rastlos: 
Kein Regen löscht die ungeheilte Flamme 
wie Öl mehrt Wasser ihre wehe Glut 
und über den Schlund wirft Stege die Begierde. 
10 Wer war nie ratlos, der die Wildnis kennt? 
Doch wird er, schütteren Haars, noch unbetretene
Vertrautem abgewichene Pfade suchen:
Verworfen aber in der Falle hängt
Gebliebner, der dem Täglichen nicht entrann.

Donnerstag, 10 Februar 1949       )

Gebliebne sind, da sind auch schon Verworfne …* (B*)

Gebliebene sind, da sind auch schon Verworfne.
Des Täglichen die Falle ist gestellt:
Die Segnung rauscht aus den entrückten Wipfeln.
Nur wenige haben Mut erhobenen Hauptes 
05 wie durch den klaren Tag zu gehen rastlos
durch Sturm, erspürend Gott mit wachen Nüstern:
Kein Regen löscht die ungeheilte Flamme 
wie Öl mehrt Wasser ihre wehe Glut 
und über den Schlund wirft Stege die Begierde. 
10 Wer war nie ratlos, der die Wildnis kennt? 
Doch wird er, schütteren Haars noch, unbetretene
Vertrautem abgewichene Pfade suchen:
Verworfen aber in der Falle hängt
Gebliebener, der dem Täglichen nicht entrann.

Sonntag, 27 März 1949       )

Gebliebene sind, da sind auch schon Verworfne …* (C*)

Gebliebene sind, da sind auch schon Verworfne.
Des Täglichen die Falle ist gestellt:
Die Segnung rauscht aus den entrückten Wipfeln.
Nur wenige haben Mut erhobnen Hauptes
05 wie durch den klaren Tag zu gehen rastlos
durch Sturm erspürend Gott mit offenen Nüstern:
Kein Regen löscht die ungeheilte Flamme
wie Öl mehrt Wasser ihre wehe Glut
und über den Schlund wirft Stege die Begierde.
10 Wer war nie ratlos, der die Wildnis kennt?
Doch wird er schütteren Haars noch unbetretne
Vertrautem abgewichne Pfade suchen:
Verworfen aber in der Falle hängt
Gebliebner der dem Täglichen nicht entrann.

Freitag, 01 April 1949       )

Gebliebene sind, da sind auch schon Verworfne …* (D*)

Gebliebene sind, da sind auch schon Verworfne.
Des Täglichen die Falle ist gestellt:
Nur wenige haben Mut erhobnen Hauptes
wie durch den klaren Tag zu gehen rastlos
05 durch Sturm erspürend Gott mit offenen Nüstern:
kein Regen löscht die ungeheilte Flamme
wie Öl mehrt Wasser ihre wehe Glut
und über den Schlund wirft Stege die Begierde.
Verworfen aber in der Falle hängt
10 Gebliebner der dem Täglichen nicht entrann.

Montag, 14 Februar 1949       )

Der Morgen ist ein geistiges Erspüren …*

Der Morgen ist ein geistiges Erspüren, 
die klare Weisung dieser reinen Sicht
will jeden Pfeil in seine Mitte führen.

Der Tag, im Anstieg schärfer stets gestaltet,
05 von tiefen Schatten trennt er streng das Licht
und Friede zwillingsstarker Kräfte waltet.

Das trübe Dunkel gegen Abend bricht
die starke Wand die Reich von Reich geschieden:
wer Richtung sucht, er findet hier sie nicht.

Mittwoch, 16 Februar 1949       )

Der Lehrer der Gestirne dir beschrieben …* (A*)

Der Lehrer der Gestirne dir beschrieben
den Aufgang und das Sinken höchster Bilder
ist er nicht tiefste Lehre schuldig dir geblieben?

Woher empfangen denn vom inneren Licht
05 den Glanz die Sterne? Leer bemalte Schilder
sind andere Sonnen, Sonnen sind sie nicht.

O Drehung unaufhaltsam, heilig wilder
Figurentanz: des inneren Strahls Gesetz
ist streng wie jener glaubt doch als du fürchtest milder.

Freitag, 01 April 1949       )

Der Lehrer der Gestirne dir beschrieb …* (B*)

Der Lehrer der Gestirne dir beschrieb
den Aufgang und das Sinken höchster Bilder 
er ist’s der dir die tiefste Lehre schuldig blieb:

Woher empfangen denn vom inneren Licht
05 den Glanz die Sterne? Leer bemalte Schilder
sind andere Sonnen. Sonnen sind sie nicht.

O Drehung unerbittlich, heilig wilder
Figurentanz: des inneren Strahls Gesetz
ist streng wie jener glaubt, doch als du fürchtest milder.

Donnerstag, 17 Februar 1949       )

Flügelschlag der in die Wälder schattet …* (A*)

Flügelschlag der in die Wälder schattet (leuchtet). Schlaf zerbricht und mächtig ist die Weite voller Schnee, die spurenlose im klaren Licht. Jene Bäume bebend, bebend im Flügelschlag des reinen Windes: unerbittlich ist das Antlitz des der kommt und alles ganz will ungesondert, der das Zerstreute, das Schlafzerstreute sammelt in den lichten Morgen, in das lichte Werk des frühen Morgens. Flügelschlag, hellschattend Leuchten wirft er in das Dickicht wo die Tiere ruhen, die Wasser dunkel murmeln. Klar klar auf einmal ist es. Schon auf den Simsen stehn Bauleute und bauen die Gerüste, zu wölben die neue Kuppel über alle Wälder – von weitem schon sichtbar aus dem Röhricht, vom Ufer des Flusses, darauf Eis treibt in blauen Schollen – vor die ungeheure, vor die leere Bläue, in das lichte Werk alles rein zu sammeln was zuvor zerstreut: Geistes Schild vors Auge, vors tödlich blickende des grossen Stiers.

Donnerstag, 17 Februar 1949       )

Flügelschlag …* (B*)

Flügelschlag
der in die Wälder leuchtet
Schlaf zerbricht
und mächtig ist die Weite voller Schnee
05 spurenlos im klaren Licht
Bäume bebend bebend
im Flügelschlag des reinen Windes:
unerbittlich ist das Antlitz
des der da kommt
10 und alles ganz will ungesondert
der das Schlafzerstreute sammelt
in den lichten Morgen
in das lichte Werk
des frühen Morgens.
15 Flügelschlag
hellschattend Leuchten
wirft er in das Dickicht
wo die Tiere ruhen
die Wasser murmeln:
20 klar klar auf einmal ist es,
der Bauherr steht
schon auf den Simsen ||
und richtet die Gerüste
zu wölben die neue Kuppel
25 über alle Wälder 
– von weitem sichtbar
aus dem Röhricht
am Ufer des Flusses,
darauf die weissen Schollen treiben –
30 alles rein zu sammeln
was zuvor zerstreut
in das lichte Werk:
vor die leere Bläue
Geistes Schild,
35 vors Auge, vors tödlich blickende
des grossen Stiers.

Freitag, 18 Februar 1949       )

Flügelschlag …* (C*)

Flügelschlag
der in die Wälder leuchtet
Schlaf zerbricht
und Weite voller Schnee
05 spurenlos im klaren Licht 
Bäume bebend bebend
im Flügelschlag des reinen Windes:
unerbittlich ist das Antlitz
des der da kommt
10 und alles ganz will ungesondert
der das Schlafzerstreute sammelt
in das lichte Werk
des frühen Morgens.

Flügelschlag
15 hellschattend Leuchten
wirft er in das Dickicht
wo die Tiere ruhen:
klar klar auf einmal ist es.
Der Bauherr steht
20 auf dem Gesims 
und richtet die Gerüste:
zu wölben die neue Kuppel
– von weitem sichtbar
über allen Wäldern
25 aus dem Röhricht am Ufer des Flusses
darauf die weissen Schollen treiben –
alles rein zu wölben
was zuvor zerstreut
in die lichte Kuppel:
30 vor die leere Bläue
vors Auge das tödlich blickende
des grossen Stiers
Geistes Schild.

Mittwoch, 23 Februar 1949       )

Flügelschlag …* (D*)

Flügelschlag
der in die Wälder leuchtet 
Schlaf zerbricht:
Weite voller Schnee
05 spurenloser Glanz
Bäume bebend
im Flügelschlag des reinen Windes:
unerbittlich ist das Antlitz
des der da kommt
10 und alles ganz will ungesondert
der das Schlafzerstreute sammelt
in das lichte Werk
des frühen Morgens:

Flügelschlag 
15 hellschattend Leuchten
ins Dickicht
wo die Tiere ruhen:
klar auf einmal ist es.

Der Bauherr steht
20 auf dem Gesims 
und richtet die Gerüste:
zu wölben die neue Kuppel
– von weitem sichtbar schon
aus dem Röhricht am Fluss
25 darauf die weissen Schollen treiben –
alles rein zu wölben
was zuvor zerstreut
in die lichte Kuppel:
vor die leere Bläue
30 vors Auge des grossen Stiers
das tödlich blickende
Geistes Schild.

Samstag, 26 März 1949       )

Flügelschlag …* (E*)

Flügelschlag
der in die Wälder leuchtend
Schlaf zerbricht in
Weite voller Schnee
05 spurenlosen Glanz
Bäume bebend
im Flügelschlag des reinen Windes:
unerbittlich ist das Antlitz
des der da kommt
10 und alles ganz will, ungesondert
der das Schlafzerstreute sammelt
in das lichte Werk des frühen Morgens:

Der Bauherr steht
auf dem Gesims der Vierung
15 alles rein zu wölben
was zuvor zerstreut
vor die leere Bläue
vors Aug des grossen Stiers
das tödlich blickende
20 die lichte Kuppel
Geistes Schild.

1949 * (nicht datiert)       )

Hoher Rastort …* (A*)

Hoher Rastort
beglänzte Stille
und tief die Ebene mit immergrünen Sträuchern
im Dunst die Küste
05 woher die Winde brausen
zu meinen Füssen sich zerschlagend.
Nicht widerstehe ich
des Sturmes Lockung 
und wandere hinaus zum Hafen
10 in die volkwimmelnde Stadt: 
das wilde Meer 
schlägt in die Gassen. 
Berstend von Fliehenden die Kähne.
Mein Boot, aus dem Versteck geholt 
15 ist voller Kinder: 
Hoffnung schaun ihre Augen 
nach hohem Rastort 
nach dem beglänzten Eiland

Freitag, 25 Februar 1949       )

Hoher Rastort …* (B*)

Hoher Rastort
in beglänzter Stille
die Ebene tief mit immergrünen Sträuchern.
Im Dunst die Küste
05 woher Winde brausend
zu meinen Füssen sich zerschlagen.
Nicht widerstehe ich der Lockung
und wandere hinab zum Hafen
der von Völkern wimmelt:
10 Das wilde Meer 
schlägt in die Gassen. 
Berstend von Flüchtigen die Kähne.
Mein Boot, aus dem Versteck geholt,
ist voller Kinder: 
15 Hoffnung schaun ihre Augen 
nach dem hohen Rastort,
nach dem beglänzten Eiland
über schnell gewachsner Flut.

1949 * (nicht datiert)       )

Der Prophet (C*)

In hohen Rastorts Stille
brausen Winde her vom Dunst der Küste
zerschlagen sich zu Füssen des
der nicht widerstehend lang
05 steigt hinab zum Hafen
der von Völkern wimmelt:
in überschwemmten Gassen
birst von Flüchtigen sein Kahn.
Der Kinder Augen schauen voller Hoffnung
10 nach hohen Rastorts Stille
über schnell gewachsner Flut.

Freitag, 25 März 1949       )

Der Prophet (D*)

In hohen Rastorts Stille
brausen Winde her vom Dunst der Küste
zerschlagen sich zu Füssen des
der nicht widerstehend lange
05 steigt hinab zum Hafen
der von Völkern wimmelt:
aus überschwemmten Gassen
führt sein schwerer Kahn
Kinder die voll Hoffnung schauen
10 nach hohen Rastorts Stille
über schnell gewachsner Flut.

Samstag, 02 April 1949       )

In Stille hohen Rastorts …* (E*)

In Stille hohen Rastorts
brausen Winde her vom Küstendunst
zerschlagen sich am Fuss
des nicht lange Widerstehenden:
05 Hinab steigt er zum Hafen
der von Völkern wimmelt: 
aus überschwemmten Gassen
führt sein schwerer Kahn
Kinder voller Hoffnung
10 nach der Stille hohen Rastorts
über schnell gewachsner Flut.

Montag, 28 Februar 1949       )

Kalter Stern …* (A*)

Kalter Stern
leblose Spur
entwichener Welten
Trauer erloschen sogar
05 im schrecklichen Lichte des Mittags.
Traumlose Wachheit:
Scheinwerfer ohne Erbarmen
gezielt auf entblutete Wunde:
auf überoffenen Kelch
10 der zerrissenen Blume
die staublosen Fäden.
Berstender Sarg
ausgeleert in den Raum ohne Grenze
noch trägt im Munde der Sohn
15 was Jubel den Vätern
als erstickenden Ruf.
Und niemand der hört.

Samstag, 02 April 1949       )

Kalter Stern …* (B*)

Kalter Stern
leblose Spur
entwichener Welten
Trauer erloschen sogar
05 im schrecklichen Lichte des Mittags.
Traumlose Wachheit:
Scheinwerfer ohne Erbarmen
gezielt auf entblutete Wunde 
auf überoffenen Kelch
10 der zerrissenen Blume
die staublosen Fäden
auf berstendem Sarg
der ausgeleert in den Raum ohne Grenze:
noch trägt im Munde der Sohn
15 was Jubel den Vätern
als erstickenden Ruf.
Und niemand der hört.

Dienstag, 01 März 1949       )

Geduckt zwischen Blättern der Blume …* (A*)

Geduckt zwischen Blättern der Blume
unter duftenden Lippen der Blüte:
immer schwerer ist es zu atmen
die süsse Betäubung.
05 Wenn uns nur nicht trifft
der Strahl des Morgens der aufgeht. 
Allesamt sind die Lichter
gezielt auf dies lebende Haus.
Seine lebendigen Wände zerfallen
10 wie im Herbst vor dieses anderen Frühlings
scharfem Gestirn
der Blumen hasst und unsere Gärten vernichtet.

Anderes ist ihm gemäss:
Labyrinthe aus Spiegeln und laublose Bäume.
15 Blumen aus dem Berge gehauen.
Genauer gewollte und
geschaffene ohne Not
im wachen Spiel.
Wen noch finden wir dort von den unsern?
20 Geduckt aber zwischen den Blättern der Blume
immer schwerer zu atmen
die süsse Betäubung.

Donnerstag, 03 März 1949       )

Geduckt zwischen Blättern …* (B*)

Geduckt zwischen Blättern
unter den Lippen der Blüte
immer schwerer zu atmen
die süsse Betäubung.
05 Bald trifft uns der Strahl
der fremde des wachsenden Morgens.
Allesamt sind die Lichter
gezielt auf dies Haus
Seine lebendigen Wände
10 zerfallen wie im Herbst vor dieses anderen Frühlings
scharfem Gestirn
das unsere Gärten vernichtet.

Labyrinthe aus Spiegeln
sind ihm gemäss
15 und laublose Bäume.
Blumen, genauer gewollt
ohne Not geschaffen im Tagspiel.
Wen noch finden wir dort von den unsern?

Geduckt aber zwischen Blättern
20 der welkenden Blüte
(wird uns) immer schwerer zu atmen
die süsse Betäubung.

Donnerstag, 03 März 1949       )

Geduckt zwischen Blätter …* (C*)

Geduckt zwischen Blättern
unter den Lippen der Blüte
immer schwerer zu atmen
Betäubung: 
05 Bald trifft uns der Strahl
fremd wachsenden Morgens
allesamt sind die Pfeile
gezielt auf dies Haus. 
Die lebendigen Wände zerfallen
10 wie im Herbst vor dieses anderen Frühlings
scharfem Gestirn[.]
das unsere Gärten vernichtet.

Labyrinthe aus Spiegeln
sind ihm gemäss
15 laublose Bäume
Blumen, genauer gewollt
ohne Not geschaffen im Tagspiel.
Was ist noch dort von dem unsern?

Geduckt zwischen Blättern
20 der welkenden Blüte
immer schwerer zu atmen
Betäubung.

Samstag, 02 April 1949       )

Geduckt zwischen Blättern …* (D*)

Geduckt zwischen Blättern
unter Lippen der Blüte
immer schwerer zu atmen
Betäubung:
05 Bald trifft uns der Strahl
fremd wachsenden Morgens
allesamt sind die Pfeile
gezielt auf dies Haus.
Lebendige Wände zerfallen
10 wie im Herbst vor dieses anderen Frühlings
scharfem Gestirn.

Labyrinthe aus Spiegeln
sind ihm gemäss
laublose Bäume
15 Blumen, genauer gewollt
ohne Not geschaffen im Tagspiel
Was ist noch dort von dem unsern?

Geduckt zwischen Blättern
der welkenden Blüte
20 immer schwerer zu atmen
Betäubung.

Montag, 07 März 1949       )

Am Rande der Stadt …* (A*)

Am Rande der Stadt
ärmliche Wohnung
Baracken der Armen
in der Gasse spielen die Kinder.
05 Doch die Strassen alle
nach der Mitte gesenkt
hin auf die klingenden Türme
die Gärten am Fluss:
wenn ich steige die Treppen
10 die steil sind und ächzen
wenn ich steige hinauf die vielen Treppen
dieses schmutzigsten Hauses
voller enger Kammern der Bettler,
dann auf dem Dach
15 leuchtet mir aus zum Trocknen
gehängter Wäsche
zwischen Leintüchern und Hemden
entgegen die weisse Kuppel
Burg über brandenden Firsten
20 und von der Laterne
das goldene Schutzbild der Mutter.

1949 * (nicht datiert)       )

Am Rande der Stadt …* (B*)

Am Rande der Stadt
Häuser der Armen
in der Gasse spielen die Kinder.
Doch die Strassen alle
05 nach innen gesenkt
nach den klingenden Türmen
den Gärten am Fluss
inmitten der Stadt.

Wenn ich steige die Treppen
10 die steil sind und ächzen
wenn ich steige hinauf die vielen Treppen
dieses schmutzigsten Hauses
voller enger Kammern der Bettler,
dann auf dem Dach
15 leuchtet aus zum Trocknen
gehängter Wäsche
zwischen Laken und Hemden
hervor die weisse Kuppel
Burg über brandenden Firsten
20 und von der Laterne
das goldene Schutzbild der Mutter.

Dienstag, 15 März 1949       )

Häuser der Armen …* (C*)

Häuser der Armen
am Rande der Stadt
in der Gasse spielen die Kinder.
Doch die Strassen alle
05 nach innen gesenkt
nach den klingenden Türmen
den Gärten am Fluss
der Mitte der Stadt.

Wer steigt die Treppen
10 die steil sind und ächzen
wer steigt hinauf die vielen Treppen
dieses schmutzigsten Hauses
voller enger Kammern der Bettler,
ihm auf dem Dach
15 leuchtet aus flatternder Wäsche
zwischen Laken und Hemden
hervor die weisse Kuppel
Burg über brandenden Firsten
und von der Laterne
20 das goldene Schutzbild der Mutter.

Freitag, 25 März 1949       )

Vor Häusern der Armen …* (D*)

Vor Häusern der Armen
spielen im Kehricht die Kinder
ob auch die Strassen alle
sich neigen nach innen
05 der Mitte der Stadt.

Wer steigt die steilen Treppen
hinauf dieses schmutzigsten Hauses
voll enger Kammern der Bettler 
ihm auf dem Dach
10 leuchtet aus flatternder Wäsche
(zwischen Laken und Hemden)
die weisse Kuppel hervor
Burg über brandenden Firsten
und von der Laterne
15 der Mutter goldenes Schutzbild.

Mittwoch, 09 März 1949       )

Reine Wälder …* (A*)

Reine Wälder
bergen seit alters Weissagung
in Grotten das gültige Schutzbild
Die lange suchen finden es nicht 
05 die Söhne des Prunkes
die mit dem Schmucke der Väter 
der mahnend verschiednen 
frevlerisch gehen: 
Sie sehen nur äussere Blendung.

10 Kinder der zugewanderten Pächter 
beim Sammeln von Reisig und Laub:
hören den Ruf des fremden Vogels 
Woher dieser Ton im vertrauten Geäst? 
und folgen dem weisenden Tier 
15 den Lauf des Baches empor. 
Weh in der geöffneten Grotte
ist ihnen unendliche Lust
weh die heilige Schau: 
da sie nur ihnen erlaubt.

20 Zu den Brüdern eilen hinab
noch Glanz auf der Stirn
des Gesichtes berufne Propheten.

Samstag, 12 März 1949       )

Reine Wälder …* (B*)

Reine Wälder
bergen seit alters Weissagung
in Grotten das gültige Schutzbild.
Die suchen finden es nicht 
05 Söhne des Prunkes
die mit dem Schmucke der Väter 
der mahnend verschiednen 
frevlerisch gehen: 
Sie sehen nur äussere Blendung.

10 Kinder der zugewanderten Pächter 
beim Sammeln von Reisig und Laub:
hören den Ruf des fremden Vogels:
woher dieser Ton im vertrauten Geäst? 
und folgen dem weisenden Tier 
15 den Lauf des Baches empor. 
Weh in geöffneter Grotte
ist ihnen unendliche Lust
weh die heilige Schau: 
da sie nur ihnen erlaubt.

20 Zu den Brüdern eilen hinab
noch Glanz auf der Stirn
des Gesichtes berufne Propheten.

Samstag, 02 April 1949       )

Reine Wälder …* (C*)

Reine Wälder
bergen seit alters Weissagung, 
in Grotten das gültige Schutzbild.
Die suchen finden es nicht 
05 Söhne des Prunkes
die mit dem Schmucke der Väter 
der mahnend verschiednen 
frevlerisch gehn: 
sie sehen nur äussere Blendung.

10 Kinder der zugewanderten Pächter 
beim Sammeln von Reisig und Laub 
hören den Ruf des fremden Vogels:
woher dieser Ton im vertrauten Geäst? 
und folgen der Lockung 
15 den Lauf des Baches empor. 
Weh in geöffneter Grotte
ist ihnen unendliche Lust
weh die heilige Schau: 
da sie nur ihnen erlaubt.

20 Zu den Brüdern eilen hinab
noch Glanz auf der Stirn
des Gesichtes berufne Propheten.

Freitag, 11 März 1949       )

Wankenden Turmes …* (A*)

Wankenden Turmes
nun gestillte Empörung
wider Beharrung
wider das träge Bleiben im Erbtteil:
05 denn es ist gross
und lädt ein zum Genusse.

Aber die Firste rings
stehen in Flammen
der zischende Sturz der Gebälke
10 scheint wider in den Wässern des Landes
flackert in die Büsche
wo Liebende noch sich verbergen.
Sie entkamen aus Flammen
in die flammendere Mitte
15 und achten nicht des Endes
der Stätten der Kindheit:

weit führt ihr Weg
in die blühende Heide
in den Duft (des) herben Frühlings.
20 Sie tragen die Ikonen der Väter
unter Gewändern verborgen
von Rastort zu Rastort
verstecken sie im dürren Geäst
in der morschen Höhlung des Baumes,

25 wo die Eidechse wohnt
und tröstlich schimmert im Finstern.

Samstag, 12 März 1949       )

Wankenden Turmes …* (B*)

Wankenden Turmes
nun gestillte Empörung
wider das träge Bleiben im Erbteil 
(denn es ist gross
05 und lädt zum Genusse):

Firste rings
stehen in Flammen
zischender Sturz der Gebälke
scheint wider in Wässern des Landes
10 flackert durch Büsche
wo die Liebenden ruhn in Umarmung.
Sie entkamen aus Flammen
in flammendere Mitte
und achten das Ende nicht
15 der Stätten der Kindheit.

Weit ist ihr Weg
in der blühenden Heide
in herben Düften des Frühlings.
Sie tragen die Ikone des Hauses
20 im Gewande verborgen
von Rastort zu Rastort
wo im dürren Geäst
in der morschen Höhlung des Baumes

die Eidechse raschelnd entflieht 
25 und tröstlich schimmert im Finstern.

Montag, 14 März 1949       )

Wanken des Turmes …* (C*)

Wanken des
Turmes
nun gestillte Empörung
wider das träge
05 Bleiben im Erbteil:

Firste rings
stehen in Flammen
Sturz der Gebälke
scheint wider in Wässern des Landes
10 durch Büsche
wo die Liebenden ruhn in Umarmung.
Sie entkamen aus Flammen
in ältere Flamme
in jüngere auch
15 und achteten nicht
des Endes der Stätten der Kindheit.

Weit ist ihr Weg
in der blühenden Heide
in Düften des Frühlings.
20 Sie tragen die Ikone
der heiligen Väter
im Gewande verborgen
von Rastort zu Rastort
wo im dürren Geäst
25 in der morschen Höhlung des Baumes
die Eidechse

Abbruch, neue Variante ab V. 17 (rechts daneben):

Weit ist ihr Weg
in der Heide
wo ins dürre Geäst
20 in die morsche Höhlung der Föhre
die Eidechse flieht
und tröstlich schimmert im Finstern.
Sie aber tragen (die) Ikone
der heiligen Väter
25 im Gewande verborgen
von Rastort zu Rastort.

1949 * (nicht datiert)       )

Das ist das grosse das glückliche Dasein …* (A*)

Das ist das grosse das glückliche Dasein unter dem tönenden Himmel der ewigen Vorzeit. Bewahrt trotz allen Stürzen des Aions in der Stunde zwischen Schlafen und Wachen, im seligen Wachtraum wo schon des Tages Frage bedrängt: weit ist das Delta, grüne Steppe mit den windgebogenen Bäumen und dem Grabmal des alten Fürsten, der von ferne kam, die heilige Erde zu schauen wo die Götter wandeln mit Menschen. Denn die Trennung ist neu und brennt auf den Stirnen der Spätern. Aber er wollte hier ruhn im Schatten der ältern Kaiser, der thronenden Söhne der Sonne, die unbesieglich geht und das Ganze erleuchtet: hoch aus der Öffnung der Kuppel schwebt ihr Bote herab, weisse Taube, dem Innern verwandt und in allen Menschen verborgen.

Donnerstag, 17 März 1949       )

Das ist das glückliche Dasein …* (B*)

Das ist das glückliche Dasein
unter tönendem Himmel der Vorzeit
bewahrt trotz allen
Stürzen des Aions
05 in der Stunde zwischen Schlafen und Wachen
im seligen Wachtraum
wo schon des Tages Frage bedrängt:
weit ist das Delta
grüne Öde mit windgebogenen Bäumen
10 und dem Grabmal des alten Fürsten
der kam – über die Berge –
heilige Erde zu schauen
wo Götter wandeln mit Menschen.
Denn die Trennung ist neu
15 und brennt in den Augen der Spätern
Aber er wollte hier ruhn
im Schatten der Kaiser
der Söhne der Sonne
die unbesieglich das Ganze erleuchtet;
20 aus der Öffnung der Kuppel
schwebt sie herab
silberne Taube
dem Innern verwandt
und in allen Menschen verborgen.

Freitag, 18 März 1949       )

Glückliches Dasein …* (C*)

Glückliches Dasein
unter dem tönenden Himmel der Vorzeit
bewahrt durch alle
Stürze des Aions
05 in der Stunde zwischen Schlafen und Wachen
wo schon des Tages Frage bedrängt:
weit ist das Delta
grüne Öde mit windgebogenen Bäumen
und dem Grabmal des Fürsten
10 der über die Berge kam
zu schauen das heilige Land
wo Gott noch wandelt mit Menschen.
Die Trennung ist neu
und brennt in den Augen der Spätern.
15 Er aber wollte hier ruhn
im Glanze des Einen 
das aus der Öffnung der Kuppel
schwebt – silberne Taube – herab
und das Ganze erleuchtet
20 dem Geiste verwandt
in allen (Menschen) verborgen.

Samstag, 26 März 1949       )

Glückliches Dasein …* (D*)

Glückliches Dasein
unter tönendem Himmel der Vorzeit
bewahrt durch alle
Stürze des Aions:
05 grüne Öde des Deltas
mit windgebogenen Bäumen
und dem Grabmal des Fürsten.
Die Trennung ist neu
und brennt in den Augen der Spätern.
10 Er noch wollte hier ruhn
im Glanze der Taube
die aus der Öffnung der Kuppel
schwebt – dem Geiste verwandt 
der in allen verborgen –
15 silbern herab.

Alternative für V. 5-15:

05 grüne Öde des Deltas
bewahrt durch alle durch alle Stürze des Aions
unter tönendem Himmel der Vorzeit
mit windgebogenen Bäumen
um das Grabmal des Fürsten.
10 Trennung freilich ist neu
Er noch wollte hier ruhn
im Glanze der Taube
die aus der Öffnung der Kuppel
schwebt – dem Geiste verwandt 
15 der in allen verborgen –
silbern herab.

Mittwoch, 23 März 1949       )

Finsternis und Baum …*

Finsternis und Baum
und alles Dunkle hell
und über jenen Weg
kommt schon der Jäger schnell
05 er liebt das Zwielicht wohl:
es ist den schönsten Tieren
ein rätselreich Gespinst
darin sie sich verwirren.
Nun ist die frühe Zeit
10 da noch die Kohle glüht 
und jenes Horn noch mild
dem Tage bläst Geleit
doch bald der Mittag tönt
uns zornig wild.

1949 * (nicht datiert)       )

Leuchte, leuchte über den Wassern …* (A*)

Leuchte, leuchte über den Wassern entflammte und steigende Flut. Rauschen das übertönt den Gesang der Priester, der ganzen gläubigen Menge begeisterte Antwort: Kyrie eleison. Der Mond finster und die Sonne fahl wie in Trauerschleiern. Woher denn dies Licht, diese ungeheure drohende Fackel im Zenith des Himmels? Die Gräber erbrochen und wandelnd die Toten. Aufschreien die vielen Leute: Kyrie eleison! Wenige gehn in den Hainen des Ufers und schaun. In ihren Herzen die wahrere Deutung. Geduld zum neuen Äon, der da heraufkommt. Gestürzt liegen die Götterbilder der Alten. Sie bleiben bei Trümmern trotz der Missgunst der Weihrauch streuenden Priester, trotz den Steinen, geschleudert von der hassenden Menge und dem Ruf: ihr seid schuld, dass uns der Gott schon vernichtet. Und sie bergen das uralte Bild fern vom Ufer in unbetretenen Wäldern.

Sonntag, 27 März 1949       )

Rauschen Rauschen …* (B*)

Rauschen Rauschen
der Wasser und steigende Flut
übertönt den Gesang der Priester
der gläubigen Menge begeisterte Antwort:
05 Kyrie eleison!
Der Mond finster und
die Sonne fahl wie in Trauer
Woher denn dies Licht
diese drohende Fackel
10 im Zenith des Himmels?
Gräber erbrochen und wandelnd die Toten 
Aufschreien die vielen:
Kyrie eleison.
Einige gehn in den Hainen
15 des Ufers und schaun
in ihren Herzen die wahrere Deutung.
Geduld zum neuen Äon
der heraufkommt.
Gestürzt liegen rings die
20 Götterbilder der Alten ||
Sie hüten die Trümmer
trotz Missgunst
der weihrauchduftenden Priester
trotz den Steinen
25 geschleudert von der hassenden Menge
und dem Ruf:
um euretwillen vernichtet der Gott uns.
Und sie bergen das uralte Bild
ganz am Ufer in
30 unbetretenen Wäldern.

Montag, 28 März 1949       )

Rauschen der steigenden Flut …* (C*)

Rauschen der steigenden Flut
über das Singen der Priester
der Menge begeisterte Antwort:
Erbarme dich unser.
05 Finster der Mond
und die Sonne fahl wie in Trauer
Woher denn dies Licht
diese drohende Fackel
im Zenith des Himmels?
10 Aus erbrochenen Gräbern
steigen die Toten:
Erbarme dich unser.

Nur einige gehn in den Hainen
des Ufers und schaun
15 in ihren Herzen die wahrere Deutung.
Geduld zum neuen Äon
der herauf kommt.
Gestürzt liegt das Bild
der vergessenen Gottheit
20 Sie hüten die Trümmer
trotz Missgunst
der weihrauchduftenden Priester
trotz den Steinen
geschleudert von der hassenden Menge
25 und dem Ruf:
um euretwillen vernichtet der Gott uns.
Und sie bergen das uralte Bild
ganz am Ufer
in unbetretenen Wäldern.

Dienstag, 29 März 1949       )

Rauschen der steigenden Flut …* (D*)

Rauschen der steigenden Flut
über das Singen der Priester
über der Menge begeisterte Antwort:
Erbarme dich unser.
05 (Finster der Mond
die Sonne trüb wie in Trauer
Woher denn dies Licht
diese drohende Fackel?)
Aus erbrochenen Gräbern
10 steigen die Toten:
Erbarme dich unser.

Doch einige gehn
in den Hainen am Ufer und schaun
in ihren Herzen die wahrere Deutung.
15 Geduld zum neuen Äon
der heraufkommt
trotz Fluch der herrischen Priester:
um euretwillen vernichtet der Gott uns.
Und sie bergen das uralte Bild
20 ganz am Ufer
in unbetretenen Wäldern.

Samstag, 02 April 1949       )

Rauschen der Flut …* (E*)

Rauschen der Flut
über das Singen der Priester
über der Menge Antwort:
Erbarme dich unser.
05 Finster der Mond
die Sonne in Trauer:
woher denn dies Licht
drohender Fackel?
Aus Gräbern
10 steigen die Toten:
Erbarme dich unser.

Doch einige gehn
in den Hainen am Ufer und schaun
in ihren Herzen wahrere Deutung:
15 Geduld zum neuen Äon
der heraufkommt
trotz der Priester Verdammung:
um euretwillen vernichtet der Gott uns.
Und sie bergen das uralte Bild
20 ganz am Ufer
in unbetretenen Wäldern.

Freitag, 15 April 1949       )

Ihr seid grosse unvergängliche Blumen …* (A*)

Ihr seid grosse unvergängliche Blumen und ohne Ende des Daseins. Wie das hallt in der riesigen Öde, es bleibt, das Göttliche bleibt. Und es ist Morgen, endlich. Die Jünglinge tanzen dort am Rande des Felsen. Jauchzend im Feuer, halten sie in Armen die Mädchen, die heraufgekommenen, aus den Wäldern. Sie wachsen stets in den Schluchten, an den grünen Wassern geschmolzenen Schnees. Sie steigen herauf zu den Jünglingen an die hohe Lehne des Berges. Welch Jauchzen bei der Ankunft der Botschaft des Lebens. Das ist das ewige Leben. Glut der Blumen, auf einmal wirklich glühend. Und die Bläue des Himmels öffnet die Wimpern nach der Zukunft der Sterne. Tanz im Morgen an nochmals flackernden Feuern in der Röte des neuen Lichts. Die Jünglinge schwingen weit ihre Tänzerinnen hinaus, über den Abgrund die Töchter des Abgrunds, endlich dem Lichte gesellt. Dem Morgen der herabgezwungenen Woge neuer Bewegung. Neues Leben auf der Lehne des Berges, jäh über den Schluchten.

Feuer, nochmals wachsend an der Lehne des Berges. Tanz im Morgen unter schwindenden Sternen. Bleiches Licht, vereinigt mit dem Leben des Festes. Klarheit der Frühe reinigt den Rausch der Jünglinge, die toben im Reigen. Aus den Schluchten gelockt, steigen die Töchter herauf, die Mädchen von den kalten, den schneeigen Bächen. Jauchzen der Ankunft, Rausch des Empfangs. Steigen des Festweins in aller Glieder; es schwingen des Gebirges Söhne die Mädchen hinaus über ihren Abgrund, halten sie hoch in Armen über den Grund, daher sie gekommen. Und schon ist reine Klarheit des neuen erflehten Morgens.

1949 * (nicht datiert)       )

Feuer nochmals …* (C*)

Feuer nochmals
Nochmals wächst
Feuer an der
Lehne des Berges
05 leuchtend dem Tanz
unter schwindenden Sternen
der tobenden Söhne
wenn aus der Tiefe endlich
aus Schluchten gelockt
10 vom hellen Geschrei
die Mädchen stiegen herauf:
schwingen die Söhne
die Mädchen hinaus
mit wogenden Armen
15 über die Schluchten
woher sie gekommen
der Klarheit entgegen
des steigenden Morgens.

Mittwoch, 20 April 1949       )

Feuer nochmals …* (D*)

Feuer nochmals
wächst an der Lehne
des Gebirges dem Tanz
unter bleichenden Sternen
05 der tobenden Söhne;
wenn aus der Tiefe
aus Schluchten gelockt
vom hellen Geschrei
endlich die Mädchen
10 steigen herauf:
wogende Arme
schwingen hinaus
über die Schluchten
da her sie gekommen
15 Töchter der Tiefe
der Leuchte entgegen
des wachsenden Morgens.

Montag, 18 April 1949       )

Das sind die Einzigen …* (a)

Das sind die Einzigen
Träume des Wandels
grünen Flusses
unsterbliche Nymphen
05 Töchter der Tiefe 
rein noch Geschautes 
inneren Lichtraums 
gläserner Kugel 
mitten in der 
10 fleischigen Frucht 
noch stets das heilige Haus 
jenseit der Winde 
jenseit der Sterne 
in heiliger Sphäre 
15 wo dauern Gestalten:
dort harrt auf
goldenem Bette 
das Lamm 
auf ungeöffnetem Buch:
20 Siegel der Wahrheit
nie noch erbrochen.
Wo geht der Weg 
hinauf zu den Quellen
dem Flusse entlang.
25 Das Tiefste im Wasser
jenseits der Winde
jenseits der Sterne
ist es zugleich.
Bei wahren Gestalten
30 beim ruhenden Lamm.

Wer hätte Verwandlung
notwendig begiffen
Entblättrung des Baumes?
nur das Reinste
35 kann dauern und bleiben // 01 (Doss. 71)
nur Makelloses
dringt ein in die Kugel
das Haus aus Kristall
zutiefst in den Wassern
40 dringt ein in den [den] Lichtraum
jenseits der Winde
jenseits der Sterne.

Reinigt von Eppich
reinigt von Efeu
45 ganz die Ruinen:
sie sind dem Gotte
entrückt und verpflichtet
und auf dem Wege
ins heilige Wasser
50 kristallene Kugel
weit schon verwandelt
Städte uns Wirren
träumend verhüllte
zum voraus bereitet:
55 als endliche Wohnung
zum voraus bereitet
im einzigen Licht.

1949 * (nicht datiert)       )

Im innersten Lichtraum …* (b)

Im innersten Lichtraum
gläserner Kugel
fleischiger Frucht
bleibt noch immer
05 das heilige Haus
jenseits der Sterne
in heiliger Sphäre
wo dauern Gestalten:
auf goldenem Lager
10 dem Buch unerbrochen
haust dort das Lamm:
Siegel der Wahrheit

Wer hätte Verwandlung
notwendig begriffen
15 Entblättrung des Baumes?
Nur Makelloses
dringt ein in die Kugel
das Haus aus Kristall
dringt ein in den Lichtraum
20 jenseits der Sterne[.]
des Buchs und des Lammes.

Reinigt von Eppich
reinigt von Efeu
ganz die Ruinen:
25 sie sind dem Lamme
entrückt und verpflichtet
und auf dem Weg
zur Kristallenen Kugel
weit schon verwandelt:
30 Städte uns Wirren
träumend Verhüllten
zum voraus bereitet
als endliche Wohnung
im einzigen Licht.

Mittwoch, 20 April 1949       )

Wer hätte Verwandlung …* (c)

[ Im innersten Lichtraum
gläserner Kugel
bleibt noch immer
das heilige Haus
05 in leuchtender Sphäre
wo dauern Gestalten:
auf goldenem Lager
dem Buch unerbrochen
Siegel der Wahrheit
10 haust dort das Lamm. ]

Wer hätte Verwandlung
notwendig begriffen
Entblättrung des Baumes?
Nur Makelloses
15 dringt ein in die Kugel
das heilige Haus
in leuchtender Sphäre
des Buchs und des Lammes.

Reinigt von Eppich
20 reinigt von Efeu
ganz die Ruinen:
entrückt und verpflichtet
sind sie dem Lamme
und auf dem Weg
25 zur kristallenen Kugel
weit schon verwandelt:
Stätte uns Wirren
träumend Verhüllten
zum voraus bereitet
30 als endliche Wohnung
im einzigen Licht.

1949 * (nicht datiert)       )

Wer hätte Verwandlung …* (d)

Wer hätte Verwandlung
notwendig begriffen
Entblättrung des Baumes?
Nur Makelloses
05 dringt ein in die Kugel
in leuchtende Sphäre
des ruhenden Lammes.

Reinigt von Eppich
reinigt von Efeu
10 ganz die Ruinen:
entrückt und verpflichtet
sind sie dem Lamme
und auf dem Weg
in leuchtende Kugel
15 weit schon verwandelt:
Stätte uns Wirren
träumend Verhüllten
zum voraus bereitet
als endliche Wohnung
20 im einzigen Licht.

Donnerstag, 21 April 1949       )

Wer hätte Beraubung…* (e)

Wer hätte Beraubung
notwendig begriffen
Entblättrung des Baumes?
Nur Makelloses
05 dringt auf in die Kugel
ins leuchtende Haus
des ruhenden Lammes.

Reinigt von Eppich
reinigt von Efeu
10 ganz die Ruinen:
entrückt und verpflichtet
sind sie der Kugel
(und auf dem Weg
 zur vollkommenen Kugel
15  weit schon verwandelt):
Stätte uns Wirren
(träumend Verhüllten) 
zum voraus bereitet
als endliche Wohnung
20 (im einzigen Licht)
im Hause des Lamms

Samstag, 23 April 1949       )

Morgen ist rot …* (a)

Morgen ist rot
glüht die Erwartung
Berge empört
wider das Zaudern der Dämmrung
05 rufen das Licht.
Alles will Mittag.
Wo aus den Flächen
tritt die Gestalt.
Die Tanzenden werfen die Hüllen
10 im Feste des Daseins:
Durst sichtbar zu sein
genau sichtbar und ohne Zweifel
Bäume im März
in den ersten warmen Tagen
15 noch kahl ohne Verwischung
oder dann anders im hohen Sommer
in der Fülle gerundet des Laubs
Kronen der alten Kastanien.
Wirbel Wirbel der frühen Stunde
20 des Märzen, Aprils
endlich geklärt:
ruhiger Fluss
(wie schon einmal klar und eisig im Winter)
jetzt mit der Fülle der Wasser 
25 hochrauschend und grell.
besonnenen Gangs.
Diese Kugel ist anders
des Lebendigen ist die Menge darin:
Fische und Vögel sind
30 und in Wäldern die Tiere
Elefanten die grosse Herde ||
zieht still durchs Gebüsch
den Wassern zu
der grünen Kühlung
35 und überall
die Liebenden stets.
Bilder des Alls ohne Makel 
Nach den Stürzen
bleibt der Gott noch in ihnen.
40 Sie sind der Gott.
Und das Reine
glänzt über ihnen
die vollkommene Kuppel,
des Daseins unverletzte Rundung:

45 lange ersehnt
lange erharrt
ist wieder da
der rauschende Kommer 
in den Locken die Reben
50 und in Händen
den Leben lösenden Stab:
auf den Bergen die Feuer
unsterblicher Feste:
Höhe reicht Höhen
55 die neue Freude.
Hier ist der Raum der Versöhnung.
Und der Hader bleibt tief
den Bächen und Schluchten: 
von überallher ziehn die Wandrer herauf
60 die in Kämpfen Zerschlagnen.
Heilender Tanz
der sie erneut,
gesund ist die Höhe
gesund ist der Wein.

Samstag, 23 April 1949       )

Diese Kugel ist anders …* (b)

Diese Kugel ist anders
des Lebendigen ist
die Menge darin:
Fische und Vögel
05 und in Wäldern
ängstliche Tiere
Elefanten die grosse Herde
zieht durchs Gebüsch
den Wassern zu
10 der grünen Kühlung[.] 
endlich geklärtem
ruhigem Fluss
(wie schon einmal ruhig er war
eisig im Winter)
15 jetzt mit der Fülle der Wasser
besonnenen Gangs.
Unter Bäumen
in der Fülle gerundet des Laubs
Kronen der alten Kastanien
20 klar und ohne Verwischung
(so wie einst schon im März
 in den ersten warmen Tagen
 noch kahl und zweifellos deutlich).

Überall an den Wegen
25 Liebende stets
Bilder des Alls ohne Makel. 
Nach den Stürzen 
bleibt der Gott noch in ihnen. 
Sie sind der Gott  
30 Und über ihnen 
glänzt, wo sie auch sind
die vollkommene Kuppel.

Auf dem Berge aber
führt herbei
35 lange erharrt
lange ersehnt ||
der rauschende Kommer 
das Licht,
in Locken die Reben 
40 in Händen 
den lösenden Stab.
O auf den Bergen die Feuer 
unsterblicher Feste. 
Höhe reicht Höhen
45 die Freude.
Hier ist der Raum der Versöhnung.
Der Hader bleibt tief 
den Bächen und Schluchten: 
von überall ziehn
50 die Wandrer herauf 
in Kämpfen zerschlagne. 
Heilender Tanz der sie erneut 
Die Tänzer werfen die Hüllen
im Feste des Daseins
55 Durst sichtbar zu sein
genau und ohne Zweifel.
Heil ist die Höhe,
heil ist der Wein.

Sonntag, 24 April 1949       )

Diese Kugel ist anders …* (c)

Diese Kugel ist anders:
des Lebendigen ist
die Menge darin:
Fische und Vögel
05 in Wäldern
ruhige Tiere.
Der Elefanten durstige Herde
zieht gemächlich zum Fluss
dem in Fülle endlich geklärten
10 nach dürftiger Klarheit des Winters
und geht unter Bäumen
die strotzen im Laub
zu Reichtum gewachsener Kronen.

Überall an den Wegen
15 ruhen Liebende jetzt
Bilder des Alls ohne Makel. 
Nach den Stürzen 
bleibt der Gott noch in ihnen. 
Der Gott, das sind sie
20 und, wo sie auch sind
glänzt die Kuppel vollkommen. 

Auf das Gebirg
führt herab
der rauschende Kommer 
25 das Licht
in Locken die Reben 
in Händen den lösenden Stab. ||
Es lohen die Feuer 
langerwarteter Feste. 
30 Höhe reicht Höhen
die Freude:
hier ist der Raum der Versöhnung.
Aus Bächen
und Schluchten des Haders
35 ziehen herauf
die in Kämpfen Zerschlagnen[.]
zum Tanz der erneut: 
und werfen die Hüllen
dürstend nach Klarheit
40 zu sehen und sichtbar zu sein
über den Zweifeln:
Heil ist die Höhe
Heil ist der Wein.

Montag, 25 April 1949       )

Anders …* (d)

Anders
ist diese Kugel
alles Lebendigen voll:
Fische und Vögel
05 in Wäldern
ruhige Tiere.
Der Elefanten durstige Herde
zieht gemächlich zum Fluss
dem in Fülle endlich geklärten
10 nach dürftiger Klarheit des Winters
und geht unter Bäumen
die strotzen im Laub
zu Reichtum gewachsener Kronen.

Auf das Gebirg
15 führt herab
der rauschende Kommer 
das Licht.
Höhe reicht Höhen
die Freude.
20 Aus Schluchten des Haders
ziehen herauf
die in Kämpfen Zerschlagnen[.]
und werfen die Hüllen
dürstend nach Klarheit
25 zu sehen und sichtbar zu sein ||
im Tanz der Versöhnung
der neuen Kugel des Lebens.

Überall
ruhen Liebende bald:
30 nach dem Feste
bleibt der Gott noch in ihnen.
Wo sie auch sind
glänzt die Rundung vollkommen.

Dienstag, 26 April 1949       )

Anders …* (e)

Anders
ist diese Kugel:
voll der Fische und Vögel
und des flüchtigen
05 Wilds in den Wäldern.

Der Elefanten
durstige Herde
zieht gemächlich zum Fluss
dem in Fülle endlich geklärten
10 nach dürftiger Klarheit des Winters;
geht unterm strotzenden Laub
vollendeter Bäume,

Auf das Gebirg
führt herab
15 der rauschende Kommer 
das Licht
Höhe reicht Höhen
die Freude.
Aus Schluchten des Haders
20 ziehn herauf
die in Kämpfen Zerschlagnen
und werfen die Hüllen
dürstend nach Klarheit
zu sehen und sichtbar zu sein
25 im Tanz der Versöhnung.

Überall
ruhen Liebende bald:
nach dem Feste
bleibt der Gott noch in ihnen.
30 Wo sie auch sind
glänzt die Kugel vollkommen.

Dienstag, 26 April 1949       )

Das Haus ist geheim …*

Das Haus ist geheim
hinter geschlossenen Türen
wird das Eine entschieden. 
Hier ist nichts not:
05 rote Bäume,
über Bächen
die Büsche des Lebens
der wallende Flieder
Brunnen, Brunnen
10 doch sie und alles: entführend
lenken fern von den geschlossenen Türen.
Und hinter ihnen wird das Eine entschieden.

Dies alles ist fremd und bunt
Vielfalt der Lockung
15 Lockung des Rausches
der gelichteten Anker
und Sang der Matrosen:

die sich täuschen.
Über dem Meer suchen sie
20 auf Palmeninseln
was sich lange entschied
im geheim verschlossenen Haus.
Es zu öffnen, das ist, was lohnt.
Einzudringen in die Sitzung der Götter.
25 Sie zu stürzen durch höhere Klarheit.

Hinaufzugehn
auf die höchste Terrasse,
wo offen liegen die Täler des Landes
und sichtbar die Stadt
30 die so nahe
und nie noch erreicht:
denn sie war es nicht,
die wir erfochten
nach langer Fahrt
35 durch feindliches Land
in syrischer Sonne, ||
sie war es nicht 
deren Gold wir entführten
und deren Mädchen genossen 
40 Dort noch ist sie
unerbrochen
und nur der härteste Geist 
der schneidendste 
bricht ihre Mauern.

Dienstag, 26 April 1949       )

Väter gehn …* (a)

Väter gehn
und heilige Söhne
durch die Öde ohne Wasser und Tier
und reichen sich – einer dem andern –
05 Vermächtnis des Lebens:
abgeschieden zu sein
stets in der Mitte zu weilen
langsam zu brennen im
unmerklichen Feuer
10 lange Tage hindurch
lange Jahre
der Verlassenheit
der grausamen Verlassenheit 
nur zuweilen  gelabt
15 von einer plötzlichen Quelle
unter seltener Palme entsprungen 
nur zuweilen gelabt
von einem einzigen Nu
einem Augenblick
20 der Einheit mit Gott
der flammenden Schmelzung des Eignen
in dies Grenzenlose
das immer nahe gewusst wird
und selten nahe gefühlt:

25 O Labsal, Labsal 
entsprungen zu Mitten der Nacht 
dem der fastet und harrt 
und flieht den Schlaf
weil er nicht will
30 – betroffen als treulos –
vorüber lassen den Herrn
der kommt und geht, wann es ihn gut dünkt.
Weil er fürchtet den Morgen
wo in ödester Öde
35 ihn erschlüge das Wissen:
er war da und ich hab ihn verfehlt. ||
So besteigt er denn
allnächtlich die Säule
ragend über die Dünen: 
40 hier muss er wachen 
sie straft kleinste Minute des Schlafes 
mit ewigem Tod. 
Er kniet und breitet die Arme 
und wartet der Stunde 
45 – vergeblich zumeist –
der seltenen Stunde 
die einmal kommt des Jahres
oder zweimal: 
da ihn die Flamme zerreisst
50 da er sich eins weiss 
mit dem Geliebten 
zum unsäglichen Leben getötet. 
Was sind gegen solche Sekunde
Jahrzehnte der Mühsal: 
55 Nur im Ursprung
ist Leben.

Mittwoch, 27 April 1949       )

Väter gehn …* (b)

Väter gehn
und heilige Söhne
durch Öden ohne Wasser und Tier
und reichen sich  einer dem andern
05 Vermächtnis des Lebens:

abgeschieden zu sein
in der Mitte langsam zu brennen
im unmerklichen Feuer
lange Tage hindurch
10 lange Jahre
der Verlassenheit
der grausamen Verlassenheit
nur zuweilen  gelabt
von einer plötzlichen Quelle
15 unter seltener Palme entsprungen
nur zuweilen gelabt
von einem einzigen Nu
einem Augenblick
der Einheit mit Gott
20 der flammenden Schmelzung des Eignen
in diesen glühenden Kern 
der immer geahnt ist
und selten, selten vernommen.

O Labsal, Labsal 
25 entsprungen zu Mitten der Nacht 
dem der fastet und harrt 
und flieht den Schlaf
weil er nicht will
– betroffen als treulos –
30 vorüber lassen den Herrn
der kommt und geht wann es ihn gut dünkt.
Weil er fürchtet den Morgen
wo in ödester Öde
ihn erschlüge das Wissen:
35 er war da und ich hab ihn verfehlt. ||
So denn besteigt er
über Dünen
allnächtlich die Säule:
die kleinste Minute des Schlafes 
40 straft mit ewigem Tod. 
Er kniet und breitet den Arm
und wartet der Stunde 
der seltenen Stunde 
die einmal kommt im Jahr
45 oder zweimal: 
da ihn die Flamme zerreisst 
da er eins ist
mit dem Geliebten 
zum unsäglichen Leben getötet. 
50 Was sind gegen solche Sekunde
Jahrzehnte der Mühsal: 
Nur im Ursprung
ist Leben.

Mittwoch, 27 April 1949       )

Trümmer sind …*

Trümmer sind
über die Halde
des Berges verstreut
von Büschen verwuchert
05 noch unverletzt aber
steht über der Quelle
in dunkler Kammer die Göttin.
Gegenwart bleibt sie
im sprossenden Frühjahr
10 wenn wieder täglich der Hirt
zieht mit den Schafen herauf
und schläft auf der Schwelle:
geschmiegt
an urewige Brust
15 lecken die Tiere
von tropfenden Zitzen
sich Kühlung.

Mittwoch, 04 Mai 1949       )

Hier ist die Nahrung die uns immer nährt …* (A*)

(Hier ist die Nahrung die uns immer nährt)
hier ist der Traum den keiner ausgeträumt:
die immer gleiche Stille aller Sommer
die Ströme tief und ohne Arges klar. 
05 Wo ist es, das uns risse gern hinweg
in jenen neuen Gang des übergrossen Seins? 
Wo ist der Mut der uns zu gehn berechtigt?
Nicht ist es Leben mehr, was ihr noch lebt
fortan ist anders Zeugung und Geburt.
10 Die Lust und Qual der ersten Welt sind tot
Wie steht Gestalt des neuen Alters klarer 
sein Frühling ist vom Geiste rein befohlen
die Blumen sind des neuen Herrschers Spiel. 
Die Bäume stehen klar doch winterlos
15 Der grüne Strom verharrt im gleichen Gang
fern von der Not der trocknen Sommermonde
wie von dem Überfluss der Frühlingsschmelzen. 
Ihr werdet anschaun und stets neu gestalten 
aus Glas die Vögel formen und die Fische
20 aus Erde das Getier in Feld und Wald.
Und euer Hauch wird aller Leben sein. 
Die Macht des ersten Gotts, die einst die Schlange –
den Kindern allzufrüh – versprach, sie wird
euch heut zueigen endlich ganz und gar.

Hier ist die Nahrung die uns immer nährte: 
die immer gleiche Stille aller Sommer
die Ströme tief und ohne Arges klar. 
Was ist es das hinweg uns droht zu reissen 
05 in jenen neuen Gang des übergrossen Seins?

<Nicht ist es Leben mehr was ihr noch lebt
fortan ist anders Zeugung und Geburt.
Die Lust der ersten Welt liegt lang im Sterben
und lang ist hohl die Qual der ersten Welt.
10 Wie steht Gestalt des neuen Alters klarer 
sein Frühling ist vom Geiste rein befohlen
die Blumen sind des neuen Herrschers Spiel!
Die Bäume stehen klar doch winterlos.
Der grüne Strom verharrt im gleichen Gang
15 fern von der Not der trocknen Sommermonde
wie von dem Überfluss der Frühlingsschmelzen. 
Ihr werdet anschaun und stets neu gestalten 
aus Glas die Vögel formen und die Fische
aus Erde das Getier in Feld und Wald.
20 Und euer Hauch wird aller Leben sein. 
Die Macht des ersten Gotts die einst die Schlange
– den Kindern allzufrüh – versprach, sie wird
euch endlich heute ganz und gar zu eigen. >

Freitag, 29 April 1949       )

Die Berge sind in Lichtern und in Farben …*

Die Berge sind in Lichtern und in Farben
erstorben bald; das Tiefste wird Gesicht
aus Wolken schauend, spiegelnd sich in Seen
Den Flüchtling aber in Höhlen vorm Strahl des Mittags
05 wenn er zum Schlaf bereit sich ganz verlassen
verzückt auf einmal das verborgne Licht.

Darunter Variante zu V. 04-06:

Wer aber flieht vorm Mittag in die Höhle
05 und kaum zum Schlaf bereit sich ganz verlassen
schon zückt hinweg ihn das verborgne Licht.

1949 * (nicht datiert)       )

Nah sind die Götter die im Stillen kämpfen …* (a1*)

Nah sind die Götter die im Stillen kämpfen
in unsern Schlaf droht schon ihr weh Geklirr:
dass sie an unsern reinen Stunden zehren 
das ist’s allein warum wir sie zu schelten 
05 warum wir wagen bitter sie zu hassen.
Denn reine Stunden sind uns Sündern selten 
da wir im Reich der Liebe gehn und unser
Umarmung glänzend harrt an jedem Kreuzweg.
<Das liess sich also leicht in seltne Nacht verbannen 
10 was euer höchstes ist und euer Adel? 
In jenem nur im Schlaf betretnen Tal 
liesst ihr was euch dem Anfang ähnlich macht? 
Ihr seid die Sklaven eines dunklen Gottes
des hellsten Gottes vielgeliebte Söhne. >
15 Erinnre nicht uns an den Abstieg den
der Vater aus dem Lichte streng uns wies. 
Wir waren Kinder und doch schon Befleckte,
eh wir es wussten, war das Glück verscherzt
war unser Heimatrecht im Einen nichtig 
20 in bunte Vielfalt wir hinausgesperrt.

< Der Tod entzückte euch und ihr wagt nicht
den Abstieg in die letzte bittre Schlucht?
Dort wartet stets das Reine noch auf euch,
der heilige Herd dass ihr die Glut entfacht
25 am dunklen Ort wo ihr es nicht vermutet
entzückt auf einmal euch das grosse Licht. >

Donnerstag, 05 Mai 1949       )

Nah sind die Mächte die im Stillen kämpfen …* (a2*)

Nah sind die Mächte die im Stillen kämpfen
nah sind sie heute euch noch in der Nacht.
Wie trügerisch der Friede, da des Tages
Ihr geht in Ketten dieses untern Gottes.
05 Dass es ihm möglich war euch Lichtere
in Dunkelheit zu fesseln. Bitterster
der Schmerzen schüttelt euch, wenn ihr des Nachts
kehrt auf geheimem Weg in jenes Tal
wo an dem Kreuzweg noch die Liebe wartet
10 noch die Erinnerung an eure erste Nacht.

< Mahne nicht uns an jene tote Nacht
sie ist uns lang im jähen Tag begraben.
Die Sonne nahm was sie uns einst gewährt. >
Was Tag ihr nennt das ist noch tiefe Nacht.
15 Die wahre Leuchte tragt ihr schon in euch.
Ihr werdet heute noch das Wahre bilden.
Und eure Hand wird stürzen Gottes Thron.
Die mächtigere Kraft ist euch seit je versprochen.
Es kommt der Tag da ihr sie kühn ergreift.

Nah sind die Mächte die im Dunklen kämpfen
in euren Schlaf droht immer ihr Geklirr
wie trügerisch der Friede selbst der Nächte
da ihr des Tages geht in steter Fron
05 des untern Gottes. Bitterster der Schmerzen
zerreisst euch wenn ihr auf geheimem Weg
kehrt an den Kreuzweg wo der Liebe wartet
Erinnerung an eure erste Stunde.

< Mahne nicht uns an jene tote Nacht
10 sie ist uns lang im jähen Tag begraben
seit uns der Vater aus dem Licht verwies.
Wir waren Kinder und doch schon Befleckte
eh wir es wussten war das Glück verscherzt
war unser Heimatrecht im Einen nichtig
15 in bunte Vielfalt wir hinaus gesperrt. >

Der Tod entzückte euch und ihr wagt nicht
den Abstieg in die letzte bittre Schlucht
wo stets [noch] das Reinere noch eurer wartet
der heilige Herd dass ihr die Glut entfacht
20 die mächtigere Kraft die euch versprochen
wenn nur mit eigner Hand ihr kühn sie fasst.

Nah sind die Mächte die im Dunklen kämpfen
in euren Schlaf droht immer ihr Geklirr
wenn auf der Flucht vorm untern Gott der euch
beherrscht ihr kehrt auf dem geheimen Weg
05 zu jener Kreuzung wo der Liebe wartet
Erinnerung an eure erste Nacht.

< Mahne nicht uns an jene helle Nacht
sie ist begraben in dem jähen Tag
seit uns der Vater in dies Licht verwies.
10 Eh wir es wussten war das wahre fern
war unser Heimatrecht im Einen nichtig
in bunte Vielfalt wir hinaus gesperrt. >

Der Tod entzückte euch und ihr wagt nicht
den Abstieg in die bittre letzte Schlucht
15 wo stets das Reinere noch eurer wartet
der heilige Herd: dass ihr die Glut entfacht
die mächtigere Kraft die euch versprochen
wenn nur mit eigner Hand ihr kühn sie fasst.

Montag, 09 Mai 1949       )

Es ist der Tag der Abend schon verflossen …* (a)

Es ist der Tag der Abend schon verflossen
der ungeheure Rausch der uns umfing.
Gedenkst du noch der Lichter in den Hainen 
der Boote in dem schnell bewegten Strom.
05 Es ging dies alles mit der Kugel Drehung 
da uns entschwand das Glänzen jener Seite 
und eine dunklere vor unsre Augen trat. 
Nicht ist an uns zu klagen dass das Ganze 
wir leben müssen statt des schönen Teiles: 
10 wie würde die Gestalt die wir verehren 
wie würde aus dem Vielen denn der Gott 
wenn uns ein ganzes Dasein nicht gelänge 
wie könnten wir im Ganzen jemals ruhn?
Um schärfer stets und schärfer zu erkennen
15 den hellen Raum der durch die Wirrnis stösst:
der Wolken Teilung schenkt das erste Leuchten
der Nebel Schwinden schenkt den ersten Glanz
und Sterne sind und Monde überwunden
von einem grossen niegekannten Stern.
20 Vollkommen ist die Ruhe in dem Wirbel
des überschnell sich drehenden Gestirns.
Und endlich ist gefunden in der Hitze
der Kühlung Insel nach der Wüstenfahrt.
Die gingen stets in Wechsellicht und Schatten
25 sie sind im reinen Mittag abgeschieden.
Sie schauen Licht und wandeln sich in Licht
unmerkbar läutert sich ihr irdisch Wesen.

Dienstag, 10 Mai 1949       )

Die Tage sind die Abende verflossen …* (b)

Die Tage sind die Abende verflossen
der ungeheure Rausch der uns umfing.
Gedenkst du noch der Lichter in den Hainen 
der Boote in dem grün bewegten Strom.
05 Es ging dies alles mit der Kugel Drehung 
da uns entschwand das Glänzen jener Seite 
und eine dunklere vor unsre Augen trat. 
Nicht ist erlaubt die Klage, dass das Ganze 
wir leben müssen statt des schönen Teiles: 
10 wie würde die Gestalt die wir verehren 
wie würde aus dem Vielen denn der Gott?
wenn uns ein ganzes Leben nicht gelänge 
wie könnten wir im Ganzen jemals ruhn?
Um schärfer stets und schärfer zu erkennen
15 den hellen Raum der in die Wirrnis stösst:
der Wolken Teilung schenkt das erste Leuchten
der Nebel Schwinden schenkt den ersten Glanz
und Sterne sind und Monde überwunden
von einem grossen nie gekannten Stern: 
20 vollkommen ist die Ruhe in dem Wirbel
des überschnell sich drehenden Gestirns.
Und endlich ist gefunden in der Mitte
der Kühlung Insel nach der Wüstenfahrt.
Die gingen stets in Wechsellicht und Schatten
25 sie sind im reinen Mittag abgeschieden
Sie schauen Licht und wandeln sich in Licht
unmerkbar läutert sich ihr dumpfes Wesen.

Mittwoch, 11 Mai 1949       )

Die Tage sind die Abende nicht mehr …* (c)

Die Tage sind die Abende nicht mehr
der grosse Rausch nicht mehr der uns getragen 
Er ging hinüber mit der Kugel Drehung
da uns entschwand das Glänzen jener Seite 
05 und eine dunklere vor unsre Augen trat. 
Nicht ist erlaubt die Klage, dass das Ganze 
wir leben müssen statt des schönen Teiles: 
wie würde anders denn was wir verehren
aus all dem vielen sonst der ganze Gott?
10 In ihm allein ist Ruhe uns versprochen
die scharfe und stets schärfere Erkenntnis
des hellen Raums der in die Wirrnis stösst:
der Wolken Teilung schenkt das erste Leuchten
und Monde sind bald Sterne überwunden
15 von einem grossen nie gekannten Stern:
vollkommen ist die Stille in dem Wirbel
des überschnell sich drehenden Gestirns.
Und endlich ist gefunden in der Mitte
der Kühlung Insel nach der Wüstenfahrt.
20 Die gingen stets in Licht- und Schattenwechsel
sie sind im reinen Mittag abgeschieden.
Sie schauen Licht und wandeln sich in Licht
unmerkbar läutert sich ihr dumpfes Sein.

Montag, 13 Juni 1949       )

Der grosse Rausch (d)

Der grosse Rausch ging mit der Kugel Drehung
da schnell hinweg das Glänzen jener Seite
und eine dunklere vor Augen trat. 
Nicht ist erlaubt die Klage, dass das Ganze 
05 gelebt sein will anstatt des hellen Teiles: 
wie würde denn, der zu verehren, anders,
aus all dem vielen sonst der ganze Gott?
In ihm allein ist Rast versprochen endlich
die scharfe und stets schärfere Erkenntnis
10 des klaren Raums, der in die Wirrnis stösst:
das erste Leuchten schenkt der Wolken Teilung
und überwunden bald sind Monde, sind die Sterne
von einem grossen, nie gekannten Stern: 
vollkommen ist die Stille in dem Wirbel
15 des überschnell sich drehenden Gestirns.
Im schattenlosen Mittag sind entrückt
die gingen stets in Licht- und Schattenwechsel;
sie schauen Licht und wandeln sich in Licht
unmerkbar läutert sich ihr dumpfes Wesen.

Mittwoch, 18 Mai 1949       )

Dort ist und hier …* (A*)

Dort ist und hier
über Länder verstreut
der Wille zum Meer
der Wille zum Einen
05 Dass er sich löse 
vom Locken der Weite 
die dorthin verfliesst 
und hierhin
vom Horizont ohne Grenze 
10 vom Horizont ohne Berge:
nur Läuten kommt
herein aus dem Meer;
dass es gibt Meer 
jenseits dieses Streifens
15 dass es gibt das Eine 
zeigt einzig dies Läuten. 
Löst die Schiffe 
die schwarzen Gondeln 
zur Ausfahrt ins Meer
20 zur Fahrt nach der Insel 
mitten im Meer 
wo läutet der Turm überm Garten
und in den Hallen 
im herben Duft unsterblicher Kräuter
25 Abgeschiedene wandeln 
bedenkend die endliche Heimkehr.

Montag, 13 Juni 1949       )

Wille zum Meer …* (B*)

Wille zum Meer
dort ist er und hier
über Länder verstreut
der Wille zum Einen:
05 gelockt in die Weite 
dorthin verfliessend
dort hin und hier hin!
Nur das hereintönt
hereintönt von weitem 
10 mitten ins Land
einzig dies Läuten
zeigt, dass ist das Eine
dass es gibt Meer:

löset die Schiffe
15 die schwarzen Gondeln
zur Ausfahrt ins Meer
zur Fahrt nach der Insel
mitten im Meer
wo läutet der Turm überm Garten
20 und im Duft unsterblicher Kräuter
Abgeschiedene wandeln
bedenkend die gültige Heimkehr.

Donnerstag, 19 Mai 1949       )

Starrt der Abend schwarz in stete Stille …*

Starrt der Abend schwarz in stete Stille
starrt der Traum in lichterlose Nacht
wachsen ganz zutiefst schon Leuchtesträucher 
flattert ganz zutiefst der Leuchtevogel auf.
05 Leuchtevogel auf dem glimmenden Gezweige 
singt und wirft sein Lied in lichterlose Nacht
bricht des Traumes finstern Spiegel und der Stille.

Donnerstag, 19 Mai 1949       )

Wehe Dehnung dieses Überganges …*

Wehe Dehnung dieses Überganges:
übern Abgrund schwankt die Brücke lang.
Reich sind wohl der bunten Karawane 
Purpurtroddeln mit den Perlgehängen.
05 In den Kräutern kommt der Heilung Fülle,
Saft der Früchte will den Durstigen letzen. 
Doch solang der Zug auf schwanker Brücke 
geht, auf dieser wehen Brücke Dehnung 
bleibt Gefahr, dass er die freudig bangend 
10 jenseits lang schon warten, nie erreicht.

Samstag, 21 Mai 1949       )

Ist das Erste nicht, was schon verwunden …*

Ist das Erste nicht, was schon verwunden
nicht das andere, was noch gebricht
hat der Gott uns heiliger entbunden
gab der Gott uns strahlenderes Licht.

05 Gingen wir bislang auf Düsterwegen
diese letzte Wendung was uns gut
da der neue Glanz uns gross entgegen
scheinend uns in diese Halle lud.

Schluchten sind wir Ängstliche entrungen
10 Klippen die uns überdrohten kalt
Felsbewohnte Schattenniederungen
sind nicht mehr vor dieser Lichtgewalt.

Montag, 23 Mai 1949       )

Die Wege sind aus Bachesniederungen …*

Die Wege sind aus Bachesniederungen
hinangebäumt den buschigen Bergeshang
wo Echse und, die Farben feurig wechselnd, 
der Käfer eilt im  grün gezähmten Licht. 
05 Da wehen wohl aus Gartenblust herüber 
der gelbe Staub und selbst der Schmetterling 
Fremdlinge bunte in die Sinnesstille, 
die rein den Wanderer auf den Berg umschweigt.

Er will das andere nicht das ihn verwirre 
10 ging er doch lang an Städte netzendem Wasser 
und auf den Strassen, welche Vielgestalt 
der Ware führen in die Weite. So
erblickt gezieltes Auge nicht den Falter 
und nicht den goldnen Staub, ja selbst die Echse 
15 den Käfer, der Stille Hüter, grüsst er kaum. 
Dem schattenlosen Gipfel eilt er zu 
wo auch kein Strauch mehr klare Sicht beengt. 
Und das Getier bleibt flüchtig unterm Felsen.

Euch ist, Schwebenden in den lauteren Räumen alles wirklicher sichtbar, scharf und fern wie durch ein umgekehrtes Fernglas, ohne jede Verwischung: der Baum wie eine Blume, wie glänzende Kiesel die Häuser, und der Mensch wie ein Gott ruhig wandelnd um seine Werke.

02 Ihr kennt nicht die Träume, nicht die Schlangen im Abgrund, sie erscheinen nicht in dem Bild, denn sie sind anderer Herkunft, und das wahre Dasein kennt nimmer das Finstre, es sei denn die scharfen Schatten des Mittags, wo die Hirten ruhn auf dem Felde, es sei denn die silbernen Schatten des Mondlichts, wo die Liebenden sich umfangen.

03 Euch ist das Wirkliche sichtbar, klar im vollkommenen Einen, der Same und das unsterbliche Urbild, dessen was überall ist und ganz und vollkommen doch nur in dieser vollkommenen Kugel. Glücklich seid, Schauende ihr, in den lauteren Räumen.

Donnerstag, 02 Juni 1949       )

Euch Schwebenden, in lauteren Räumen ist …* (b)

Euch Schwebenden, in lauteren Räumen ist
alles wirklicher sichtbar, klar und fern wie durch
ein umgekehrtes Fernglas, ohne jede Verwischung:
wie eine Blume der Baum, wie glänzende Kiesel
05 und der Mensch wie ein Gott wandelnd um seine Werke.
Nicht die Träume seht ihr, nicht die Schlangen im Abgrund; sie sind
in dem Bild nicht, denn sie sind anderer Herkunft. Das wahrere
Dasein kennt nur die Schatten des Mittags, wo die Hirten
ruhn auf dem Feld und wo die Liebenden ruhn:
10 silberne Schatten des Mondlichts. Euch ist das Wirkliche
sichtbar im vollkommenen Einen, der Same
und das reife Urbild des was überall ist
nur vollkommen in dieser vollkommenen Kugel.

Donnerstag, 02 Juni 1949       )

Schwebenden euch in lauteren Räumen ist alles …* (c)

Schwebenden euch in lauteren Räumen ist alles
wirklicher sichtbar, klar und fern wie durch das
umgekehrte Fernglas ohne Verwischung:
wie eine Blume der Baum, wie Kiesel die Häuser
05 und der schaffende Mensch dem Gotte vergleichbar.
Nicht die Träume seht ihr, nicht die Schlangen im Abgrund;
denn sie sind anderer Herkunft. Das wahrere Dasein
kennt nur die Schatten des Mittags der ruhenden Schnitter
und wo die Liebenden ruhn: die Schatten des Mondlichts 
10 Euch ist das Wirkliche sichtbar im anfänglichen
Einen, Same und reiferes Urbild der Dinge
ganz vollkommen gebildet im lauteren Quellgrund.

Donnerstag, 02 Juni 1949       )

Manche Blume ist Glut bevor sie erfroren …*

Manche Blume ist Glut bevor sie erfroren
manches Feuer noch Flamme bevor es erstarrte
in dieses Mittags grossem Gestirn ohne Drehung.
Aber hier bricht das neue Herz auf der Liebe
05 mitten in unbewegter Masse, in tödlichen
Mauern das glühende Herz, die blutende Blume
Wunde rotklaffend ins verborgene Innre, wo brodeln
noch die Vulkane der Zeugung[:] und bersten die Gluten
ältesten Lebens hervor, der spendenden Liebe.

1949 * (nicht datiert)       )

Schon kommen herauf die lichten Erbauer …* (A*)

Schon kommen herauf die lichten Erbauer, Herren der Tiefe, Ampeln tragend aus den Bergen empor, den schimmernden Schluchten. Sie tragen die Steine herbei, die unsichtbaren seit den Stürzen des Anfangs. Sie tragen sie herauf in dieser Nacht auf den Gipfel zum Bau des Tempels der Gottheit mit dem Schild und den weisheitstrahlenden Augen. Dort soll sie wohnen in der heiligen Kammer, die ganz geistige, deren Heimat über dem höchsten, feurigen Himmel. Heilig ist nur das Ganze, aus beiden Sphären geeint:

02 Tempel dieser geistigen Gottheit sind nur auf den Gipfeln. Aus dem Haus der Titanen, dem uralten Gelass, stossen die Mauern als Klippen, als ewige Burg empor durch die Äcker und Triften der Erde empor in den reinen Himmel geistiger Macht.

Donnerstag, 02 Juni 1949       )

Herren der Tiefe …* (B*)

Herren der Tiefe
tragen Steine herauf
unsichtbare seit den Stürzen des Anfangs
in dieser Nacht auf den Gipfel
05 zum Bau des Tempels der Gottheit
der ganz reinen
deren Heimat über dem höchsten feurige Himmel.
Diesem Tempel bestimmt 
ist nur der lautere Gipfel
10 Mauerklippen
aus dem uralten Gelass der Titanen
stossend empor durch fruchtige Äcker
und Triften der Erde
in den reinen Himmel
15 geistiger Macht.

1949 * (nicht datiert)       )

Herren der Tiefe …* (C*)

Herren der Tiefe
tragen Steine
begrabne seit den Stürzen des Anfangs
heute auf den Gipfel
05 der geistigen Gottheit
die wohnt über höchstem feurigen Himmel
den Tempel zu bauen:

weitscheinende Mauern
aus dem alten Gelass der Titanen
10 stossen empor durch fruchtige Äcker
und Triften der Erde
in reinen Himmel
geistiger Macht.

Donnerstag, 09 Juni 1949       )

Dort türmt aus Weltentrümmern sich Gebirge …* (a)

Dort türmt aus Weltentrümmern sich Gebirge
und hält verwahrt den vollen Schein der Sonne:
Die Klare meidet diese feuchte Tiefe
die blassen Blumen, die Vergängnis und 
05 Verwelkung in dem dumpfen Brodem brüten.
O besser ist zu fliehen heute noch
zu steigen über jene dunkle Klippe. 
Noch derer die ihn suchen harrt der Mittag;
die starken Farben wehen und die Düfte 
10 den Kommenden erheiternd ins Gesicht.

Sonntag, 12 Juni 1949       )

Dort hält Gebirge hinter Vorwelttrümmern …* (b)

Dort hält Gebirge hinter Vorwelttrümmern 
die Sonne fern verwahrt den ganzen Sommer:
die Klare meidet diese feuchte Tiefe
die faden Blumen, die Vergängnis und 
05 Verwelkung brüten in dem dumpfen Brodem.
O besser ist zu fliehen heute noch 
zu steigen über jene Scheide Klippe!
Noch derer die ihn suchen harrt dort Mittag;
die starken Farben wehen und die Düfte 
10 den Kommenden erheiternd ins Gesicht.

Noch trägt der heisse Wind auf dumpf beschwerten Wogen
den alten Dämon der Verwirrung in den Mittag.
Der letzte Weg den Weinberg hoch im Schatten der
Oliven, Kühlung gibt er, jenseits klare Sicht
05 in überbunter Gärten Wucherung am Ufer
des Stroms mit unverletzten Tempeln auf den Inseln.

Mittwoch, 15 Juni 1949       )

Noch trägt der heisse Wind auf dumpfen Wogen …* (B*)

Noch trägt der heisse Wind auf dumpfen Wogen
den Dämon der Verwirrung in den Mittag,
Der Weg den Weinberg hoch im Schatten der
Oliven nur gibt klare Sicht hinüber
05 in bunter Büsche Wucherung am Wasser
und auf den Inseln unverletzte Gärten.

Montag, 30 Mai 1949       )

Wer kann denn bauen schon Vollkommenes …* (a)

Wer kann denn bauen schon Vollkommenes
und Tempel richten über dem wirren Forst
der auf den Felsenschroffen nahen Berges 
die volle Höhe unersteigbar hält? 
05 Solang die grosse Tat zu tun unmöglich 
gewähren uns die stillen Lichter Trost
die über den Absturz grüssen Drängern wehrend.
Sie anzuschauen ist den Harrenden gut 
und ist genug, bis jener Steg vertäut 
10 der mit den Äxten für den Baumschlag endlich 
und mit den vorbehaunen Quadern führt 
zum eitel lang geplanten Gipfelbau.

Sonntag, 12 Juni 1949       )

Wer kann denn bauen schon Vollkommenes …* (b)

Wer kann denn bauen schon Vollkommenes
und Tempel richten über dem wirren Forst
der auf den Felsenschroffen nahen Berges 
die volle Höhe unersteigbar hält? 
05 Solang die grosse Tat zu tun unmöglich 
ist’s Trost den Harrenden, zu schaun das Licht
das übern Abgrund grüsst, der wehrt den Drängern,
und ist’s genug, bis jener Steg vertäut,
der mit den Äxten für den Baumschlag endlich 
10 und mit den vorbehaunen Quadern führt 
zum eitel stets geplanten Gipfelbau.

Dienstag, 17 Mai 1949       )

Begegnis der heiligen …* (A*)

Begegnis des heiligen
in der verflammenden Nacht
wenn alle ziehen hinauf
zum verschlossenen Hain
05 Zug der Begeisterten
der vielen die den heiligen See
lange ersehnten.
Wasser klares
da wir uns zu versenken
10 freudig entschliessen.
Dort ist noch Licht
wenn die Sonne versank
und Hügel und Wälder
entfärbt dem Finstern verfallen.
15 Wo noch wo noch die Göttin 
wo die Tänze im neuen
nachtüberglänzenden Licht?

Montag, 13 Juni 1949       )

In der verflammenden Nacht …* (B*)

In der verflammenden Nacht
begegnet das Heilige uns
wenn alle ziehen hinauf
zum verschlossenen Hain
05 begierig zu schauen des Sees
klares Gewässer
darein wir zu tauchen
freudig beschliessen:
dort ist noch Licht
10 wenn die Sonne versank
und Hügel und Wälder
entfärbt dem Finstern verfallen.
Dort noch die Tänze
dort noch die Göttin im neuen
15 nachtüberglänzenden Licht.

Samstag, 18 Juni 1949       )

Der dunkle Herr …* (a)

Der dunkle Herr
bricht herauf:
sein Gesicht ist dunkel
und sehend allein
05 ist das Auge des Lichtes.
Er sieht nicht, 
ihn treibt
wie Lava
dumpfer Wille empor. 
10 Und nicht weiss er 
was er zerschlägt 
was sein eherner 
Schädel durchstösst: 
plötzlich ragt sein Haupt 
15 über die glückliche Insel.
Die Arglosen sehn 
ihn furchtbar stossen
aus dem Abgrund hervor.
Sie schreien und fliehn 
20 vor dem leblos starrenden Auge.
Die Tiere verenden
in verborgenen Höhlen.
Grau fallen die Blüten
und die Blätter der Bäume
25 rollen  sich ein
unter dem tödlichen Schatten. 
Menschen wimmern
hier und dort noch hervor
unter den Leichen der Freunde.

30 Aber drüben erscheint
auf der Kimme der See
die Lanzenspitze der Göttin
und bald ihr blinkender Helm,
purpurn blüht die Flut
35 in neuen Blumen die Insel. ||
Aus dem Schatten treten
die anderen Götter,
die bisher verborgnen
Freunde sind sie der Menschen
40 und nehmen den Tod
leicht ihnen weg von der Stirn
Sie führen die Fischer ans Ufer
und locken ins Netz
ihnen goldene Fische
45 die reichen Früchte der Tiefe.
Licht entzünden sie überall:
die trüben Höhlen des Dunkels
sind nun Quellen des Lichts
das lauter quillt aus den Tiefen:
50 denn auch zu innerst ist Sonne.

Montag, 20 Juni 1949       )

Der dunkle Herr …* (b)

Der dunkle Herr
bricht herauf.
Er sieht nicht
ihn treibt
05 wie Lava
dumpfer Wille empor 
Und nicht weiss er 
was er zerschlägt, 
da er mit ehernem Schädel
10 herauf stösst:
plötzlich ragt
sein Haupt über die glückliche Insel.
Die Arglosen sehn 
ihn furchtbar stossen
15 aus dem Abgrund empor.
Sie schreien und fliehn 
vor dem leblos starrenden Auge.
Und die Tiere verenden
in verborgenen Höhlen.
20 Grau fallen die Blüten
die Blätter der Bäume
rollen  sich ein
unter dem tödlichen Schatten. 
Bald wimmert Menschen
25 hier und dort noch einer hervor
unter den Leichen der Freunde.

Aber drüben erscheint
auf der Kimme der See
die Lanzenspitze der Göttin
30 und bald ihr blinkender Helm,
purpurn erblüht die Flut
in neuen Blumen die Insel. ||
Aus dem Schatten treten
die anderen Götter,
35 die bisher verborgnen.
Freundlich sind sie den Menschen
und nehmen den Tod
leicht ihnen weg von der Stirn.
Sie führen die Fischer ans Ufer
40 und locken ins Netz
ihnen goldene Fische.
die reichen Früchte der Tiefe.
Die trüben Höhlen des Dunkels
sind nun Quellen des Lichts
45 das lauter springt aus den Tiefen:
denn auch zu innerst ist Sonne.

Montag, 20 Juni 1949       )

Der dunkle Herr …* (c)

Der dunkle Herr
treibt wie Lava aus dumpfem Willen empor
und sieht nicht
was er zerschmettert im Durchstoss:
05 Plötzlich ragt
sein Haupt über die glückliche Insel.
Grau fallen die Blüten
die Blätter der Bäume
rollen sich ein
10 unter dem tödlichen Schatten.
Und die Tiere verenden
wehrlos in den Höhlen.
Die Menschen schreien und fliehn
vor dem leblos starrenden Auge.
15 Bald wimmert hier und dort noch einer hervor
unter verwesenden Freunden.

Aber drüben erscheint
auf der Kimme der See
die Lanzenspitze der Göttin
20 und bald ihr blinkender Helm.
Purpurn glänzt die Flut
in neuen Blumen die Insel. ||
Aus dem Schatten treten
die bisher vervorgenen Götter,
25 die menschenfreundlichen 
und nehmen den Tod
leicht weg von der Stirn.
Sie führen die Fischer ans Ufer
und locken ins Netz ihnen goldene Fische.
30 Die trüben Höhlen voll Leichen
sind nun Quellen des Lichts
das lauter springt aus den Tiefen:
denn auch zu innerst ist Sonne.

Montag, 20 Juni 1949       )

Der blinde Herr …* (d)

Der blinde Herr
treibt wie Lava aus dumpfem Willen empor
über die glückliche Insel,
wo grau die Blüten
05 und die gerollten Blätter der Bäume
fallen unter dem tödlichen Schatten,
die Tiere wehrlos
in Höhlen verenden,
die Menschen aber
10 fliehn vor dem leblos starrenden Auge,
bis nur einer noch wimmert
hervor unter verwesenden Freunden.

Drüben jedoch erscheint
auf der Kimme der See
15 die Lanzenspitze der Göttin
bald ihr blinkender Helm
erweckend zu Purpur die Flut
zu neuen Blumen die Insel,
weg von der Stirn
20 nimmt leicht sie den Tod
und lockt den Fischern
ins Netz die lebendigen Fische;
aus den trüben Höhlen voll Leichen
Quellen des Lichts:
25 denn auch zuinnerst ist Sonne.

Tote Najaden, heraufgespült von unterseeischen Riffen
von unterseeischen Höhlen, liegen blau am Strand der Insel.
Mit ihnen die Götter der Tiefe, triefend die grünen Haare
ins verzerrte Gesicht, das Haupt noch von Schlinggewächsen umwunden.
05 Draussen aber treibt auf dem glatten glänzenden Wasser
der riesige Leichnam, der grosse Gott selbst mit dem Dreispitz,
ungeheurer Kadaver schwarz von Vögeln der See.
Und der Geruch der Verwesung weht schon herein in die Stadt
an diesem traurigen Mittag.

Tote Nymphen, gespült von unterseeischen Riffen
unterseeischen Höhlen herauf, liegen blau am Strande,
Götter der Tiefe auch mit grünen triefenden Haaren
im verzerrten Gesicht, den Leib von Algen bedeckt.
05 Draussen aber treibt auf dem Wasser des grossen
Gottes Kadaver selbst mit dem Dreispitz, ungeheurer
Leichnam, schwarz von Vögeln der See, und der Verwesung
Ruch schon weht in die Stadt an diesem traurigen Mittag.

Wogen die Reinen herauf, die sich in der Tiefe gehalten, die klaren Götter des Meeres, von welchem Beben vertrieben, von welcher Empörung? Was denn bleibt noch uns, noch uns in den oberen Ländern, wenn das Tiefste erbebt und die Säulen wanken der Welt. Der Getöteten Söhne sind wir, der Vertriebenen Kinder. Blüte und Frucht unsrer Gaue ist von ihrem Segen genährt, weil sie uns duldeten hier an der oberen Sonne. Was droht denn herauf für neue gefährliche Macht, Macht, die tobend schon brach in die Paläste der Tiefe, in die reichen Felder der Nymphen? Wird sie der unseren schonen, unsrer getrübteren Würde, da sie die reine zerschlug, die gebietende klarerer Götter?

02 Erwartungsinsel, heraufgeschwemmt aus Tiefe des Klanges, Tiefe der tönenden Bänke. O wehendes Dasein, Dasein der Fische, der leuchtenden Schleier, die aus der Nacht, dem Abgrund, wehen und wehen herauf. Ist nicht Gesang von der Insel den Töchtern der Tiefe gebracht? Die Kinder sind einsam, die Wartenden an den Hängen. Noch ist still die See, auf die lang sie schauen: noch kommt nicht das Schiff, das die Verlorenen bringt: Und sie singen stets noch allein: O, wenn sie wüssten, wie schwarz das Segel und dass es nur trägt Tote, vom letzten Fahrer gesteuert, der bleich ist und das Schreckliche ewig zeigt in den wirren Augen.

Wenn sie wüssten, wie schwarz das Segel des Schiffes 
das sie erwarten, die Wartenden an den Hängen der Insel;
noch ist ohne Widerhall ihr Gesang, den Göttern der Tiefe gebracht:
der Getöteten Söhne sind sie. Blüte und Frucht ihrer Gärten
ist von ihrem Segen genährt, weil sie duldeten sie hier an der oberen Sonne.

02 Jetzt droht herauf neue Macht, die tobend schon brach in die Paläste der Tiefe, in die reichen Felder der Nymphen. Wird sie der ihren schonen, ihrer getrübten Würde, da sie die reine zerschlug, die gebietende klarerer Götter?

03 Noch ist still die See, auf die die Wartenden schauen, noch ohne Antwort ihr Lied: o wenn sie wüssten, wie schwarz das Segel des erwarteten Schiffs und dass es nur trägt Tote, vom letzten Fahrer gesteuert, der bleich ist und das Schreckliche zeigt in den Augen.

Wenn sie wüssten wie schwarz das Segel des Schiffes 
die Wartenden an den Hängen der Insel: noch
ist ohne Widerhall ihr Gesang, den Göttern der Tiefe gebracht.
Ihre Söhne sind wir: Blüte und Frucht unsrer Gärten
05 ist von ihrem Segen genährt, weil sie duldeten uns hier an der oberen Sonne.
Jetzt droht herauf neue Macht, die tobend schon brach in die Paläste der Tiefe,
in die reichen Kammern der Nymphen. Wird sie der unseren schonen,
unsrer getrübteren Würde, da sie die reine zerschlug, die gebietende klarerer Götter?
Noch ist still die See, auf die die Wartenden schauen,
10 noch ohne Antwort: o wenn sie wüssten, wie schwarz das Segel
des erwarteten Schiffes und dass es nur trägt Tote, vom letzten
Fahrer gesteuert, der bleich ist und das Schreckliche zeigt in den Augen.

1949 * (nicht datiert)       )

Ohne Widerhall heut ist der Gesang …* (d)

Ohne Widerhall heut ist der Gesang 
den die Wartenden an den Hängen der Insel 
den Herren des Meeres gebracht: neue Macht
droht herauf, die tobend schon brach in die untern Paläste.
05 Wird sie der unseren schonen, unsrer getrübteren Würde,
da sie die reine zerschlug, die gebietende klarerer Götter?
Noch still ist die See, darauf die Wartenden schauen:
wenn sie wüssten, wie schwarz das Segel des erwarteten
Schiffes und dass es nur trägt Tote, vom letzten
10 Fahrer gesteuert, der bleich das Schreckliche zeigt in den Augen.

Vergeblich scheint heut die Erwartung an Uferhängen
der Insel: neue Macht droht herauf, die brach
schon in die untern Paläste. Wird sie der unsren
getrübteren Würde schonen, da sie zerschlug
05 die reine gebietender Götter?
Noch leer ist die See, darauf die Wartenden schauen.
Wenn sie wüssten, wie schwarz das Segel des Schiffes
und dass es nur bringt Tote, vom letzten Matrosen
gelenkt, der bleich das Schreckliche zeigt in den Augen!

Leer ist heute die See, darauf die Wartenden schauen:
wenn sie wüssten, wie dunkel das Segel des Schiffes
dass es nur bringt Tote, vom letzten Matrosen gelenkt,
der auf immer das Schreckliche trägt in den Augen:
05 neue Macht brach in die untern Paläste,
wird sie schonen der unsern getrübten Würde, 
da sie die reine zerschlug ursprünglicher Götter?

Donnerstag, 30 Juni 1949       )

Leer ist heute die See, darauf die Wartenden …* (g)

Leer ist heute die See, darauf die Wartenden
schauen, nicht ahnend die dunkeln Segel des Schiffes;
dass es die Toten bringt, gelenkt vom letzten
Fergen, der auf immer das Schreckliche zeigt in den Augen:
05 In die untern Paläste brach neue Gewalt, 
wird sie schonen unsrer getrübten Würde
da sie die reine zerschlug ursprünglicher Götter?

1949 * (nicht datiert)       )

Die Pilger steigen, jenem Leuchtebild …*.

Die Pilger steigen, jenem Leuchtebild 
des wirren Herzens Wünsche aufzutragen, 
als ob je fremde Macht erretten könnte 
was innerlich verloren: Rettung ist
05 allein in Höhlen nah, die Liebende 
mit ihrer glühsten Glut aufschmelzen mählich: 
da strömt den Seligen die Lebensquelle 
vom wesentlich erhellten ewigen Stein.

Montag, 25 Juli 1949       )

Wenn ich dich, Blume, finde noch im Dickicht …*

Wenn ich dich, Blume, finde noch im Dickicht,
geblendet wende ab das nachtgewohnte Auge,
die Sinne, schwindende vor süssem Duft: 
so weiss ich neu, dass mir im totgeglaubten 
05 erloschnen Innern noch die Blume wohnt, 
die Gegenblume aus Verborgnem heilend, 
die jäh sich öffnet und die Schwester grüsst.

1949 * (nicht datiert)       )

Voller Honig sind die Waben …* (a)

Voller Honig sind die Waben.
Und immer schwerer regen sich
die Flügel, die Labung einzuholen;
Denn jene, die sich regen bleiben.
05 Das Unbewegte nur geht fort
und ist stets näher an der süssen Höhle.

Mittwoch, 19 Oktober 1949       )

Voller Honig sind die Waben …* (b)

Voller Honig sind die Waben.
Und immer schwerer regen sich die Flügel,
die süsse Labung einzuholen.
Denn jene, die sich regen, bleiben.
05 Das Unbewegte nur geht immer fort
und ist stets näher an der süssen Höhle.

Mittwoch, 19 Oktober 1949       )

Der Glanz des Lichts und Süssigkeit der Beeren …*

Der Glanz des Lichts und Süssigkeit der Beeren
gehört dem Wandrer, der durchs Spätjahr geht.
Schon fern ist alles und die Freiheit grösser.
Der Zwang versinkt, Geschenk ist nun Besitz
05 Genuss, Genuss ist: Fülle zu verlieren.
Der Most rinnt von der Trotte hell zur Erde,
da Fülle ist dem Achtlosen gegeben.
Die Wälder färben glühender die Blätter
und schmücken sich dem Eintritt in die wahre,
10 die deutliche Gestalt der reinen Kahlheit,
die in des Winters klarer Leere steht.
Noch schwillt die Flut des Lichtes und der Früchte.
Die Ebbe ist schon in der Flut verborgen;
Auf ihrem Grunde harrt, wird hell im Sinken
15 des trunknen Stroms der nackte reine Gott.

Sonntag, 11 Dezember 1949       )

Sonst dämmert immer augenlos die Stadt …*

Sonst dämmert immer augenlos die Stadt,
bis auf die lichten Züge grosser Vögel,
die schon die Sonne aus den Schwingen träufeln
hernieder auf die Kuppel, wissend hohe
05 über der Stadt im Dämmer ohne Augen.

Sonntag, 11 Dezember 1949       )

Du stehst so hoch, o reine Göttin des Gelingens …*

Du stehst so hoch, o reine Göttin des Gelingens,
ob mich deine Schwinge jemals streift?
Du Vertriebne aus dem angestammten Reich,
dem du die Siegeskränze botest ein Jahrtausend:
05 wirst du den späten Erben dulden, des starke
Ahnen du so ohne Mass geliebt?
Er trägt das ihre, siehe, ohne Waffen, er trägt
das ihre zitternd, die Gestalt.
Die meisten gingen seit an deinem Bild vorbei und suchten
10 in den Höhlen der wilden Väter einen eignen Geist.
Doch fanden sie dort nur verdorbnen Honig
und gaben Saures den schon sauren Brüdern.
Du bliebst allein in leerer Halle. Du bedurftest
ihrer nicht, wie deiner sie bedurften (ob sies auch wussten nicht)
15 Nur wenige fanden den Weg zurück zu dir, die
wachsten, die wahrten deines alten Volkes Art.
So komm auch ich, ich wag es, zager Spätling,
mit kleiner Gabe: dass du mich einmal nur mit
deiner Schwinge streifst, so hoch du stehst, o Göttin des Gelingens.

Montag, 12 Dezember 1949       )

Der Gang in dieser Gruft bringt grössere …*

Der Gang in dieser Gruft bringt grössere
Erhellung den Augen je und je: sie sehen
den reinen Schatz gehäuft den glücklichen
Entrückten aus dem Trug der oberen Länder,
05 weil höchste Gnade findet, der sie will
und jener Sonne sich getrost entwendet:
hier unten leuchtet jede Wand von innen,
es leuchtet Wein aus stets gefülltem Krug.

Freitag, 23 Dezember 1949       )

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte …* (a1*)

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte
auf jeder Höhe an, doch merkt ihr nicht, 
wie schon von unten braust der Wiesen Schaum
die saftigen Hügel und der Menschen Lust:
05 ihr Jünglinge, es sind in euch zwei Alter
vereint: die Mönche rufen, aus den Wüsten
locken die Eremiten zur Verzückung,
ins Schweigen, dass das Innerste erblühe.
Und auch die ältern rufen, die Hirten und die
10 Fischer des alten Zwischenmeeres, in
die Wonne des allerersten Lebens, der
Umarmung Glut, der irdischen Zeugung; beiden
neigt euer Herz, ihr Enkel, zu.
Nehmt alles Mass aus euch, sitzt bei den Mönchen
15 des Morgens, und zum Hirten geht am Abend.
Zur äussersten der neuen Sphären dringt, // 01v
darin der Eine alles stets bewegt
Doch euch zu eigen wird er in der Liebe.
Gehört den einen und gehört den andern,
20 den beiden fremd zugleich, die euch misstrauen 
Bewegt in immer neu erkanntem Mass
euch um die eigne schwache Mitte, die ihr
gerade seid noch, nichts und zugleich alles.

Dienstag, 27 Dezember 1949       )

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte …* (a2*)

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte
auf jeder Höhe an, und kaum bemerkt
braust unten heiss die ewige Menschenlust:
Ihr Jünglinge, es sind in euch zwei Alter
05 vereint, die Mönche rufen aus den Wüsten
ins Schweigen, dass das Innerste erblühe.
Und auch die Hirten rufen des Zwischenmeeres
in alte Zeugungswonne der Umarmung.
Nehmt alles Mass aus euch, sitzt bei den Mönchen
10 des Morgens, und zu den Hirten geht den Abend.
Gehört den einen und gehört den andern,
den beiden fremd zugleich, die euch misstrauen.
Bewegt in nie gefestigter Bewegung
euch um die eigne schwache Mitte, die ihr
15 gerade seid noch, nichts und zugleich alles.

Samstag, 29 April 1950       )

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte …* (A)

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte
auf jeder Höhe an, und kaum bemerkt
braust unten heiss die ewige Menschenlust:
Zwei Alter, Jüngling, sind in dir vereint:
05 ins Schweigen aus der Wüste ruft der Mönch,
der Hirt vom Zwischenmeer in die Umarmung.
Nimm alles Mass aus dir, sitz bei dem Mönch
des Morgens, und zum Hirten geh am Abend,
den beiden fremd zugleich, die dir misstrauen.
10 In nie gefestigter Bewegung du
bewegt um deine schwache Mitte, der
gerade bist noch, nichts und zugleich alles.

1950 * (nicht datiert)       )

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte …* (B)

Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte
auf jeder Höhe an, und kaum bemerkt
braust unten heiss die ewige Menschenlust.
Zwei Alter, Jüngling, sind in dir vereint:
05 ins Schweigen aus der Wüste ruft der Mönch,
der Hirt vom Zwischenmeer in die Umarmung.
Nimm alles Mass aus dir, sitz bei dem Mönch
des Morgens, und zum Hirten geh am Abend,
den beiden fremd zugleich, die dir misstrauen.
10 Bewegt um deine schwache Mitte, der
in nie gefestigter Bewegung du
gerade bist noch, nichts und zugleich alles.

Donnerstag, 26 Januar 1950       )

Dieses Dürsten nach den ältesten Quellen …*

Dieses Dürsten nach den ältesten Quellen,
Kräuternahrung in des Waldes Mitte:
führt auf Wegen hin von allerwärts.
Wo am offenen Wassern unbekannte Beeren
05 wachsen, spüren einige die fremde Kraft
die den Ursprung Furchtlosen verrät,
dass sie selbst die Fremde überdauern
und am Saum das Nachtgeschrei nicht achten,
nahes Flattern in dem Dörnicht:
10 folgen jenem Bild, das zielwärts immer glüher
in der längst berührten Seele steht.

1950 * (nicht datiert)       )

Vom Westen drängt das Reinere herüber …* (A*)

Vom Westen drängt das Reinere herüber
das Schwindende ist stark im ersten Traum,
zerspellt die Trübnis jenes schwarzen Soges 
der jede Kraft in Mitnachttiefe zieht.
05 Wo ist künftig Geglaubtes stärker als Vergängnis?
die Tiefen sind in Wolkenspalten licht,
dem Zug der Wetter klarheitwärts enthoben,
und Blitze fallen vor den Regenschauern
noch unterhalb der Bergesgipfel die, 
10 so hoch noch, nimmer rühren an den tiefsten Himmel.

Donnerstag, 26 Januar 1950       )

Vom Westen drängt das Reinere herüber …* (B*)

Vom Westen drängt das Reinere herüber,
so stark, ob es auch schwindet, in den Traum,
dass es die Trübnis spellt des schwarzen Soges,
der jede Kraft in Mitnachttiefe zieht.
05 Wo ist das Künftige stärker als Vergängnis?
Da in den Wolkenspalten bleibt das Licht,
dem Zug der Wetter klarheitwärts enthoben
und Donner tönen vor den Regenschauern
noch unterhalb der Bergesgipfel, die, 
10 wie hoch auch, nimmer rühren ans Gewölbe.

Samstag, 28 Januar 1950       )

Und hält der Schiffer …*

Und hält der Schiffer
des Bootes Last
nur über der Tiefe
nur über der Nacht:

05 so kommt zu dem Fange
dem reichlichen, ein
von selbst an die Angel
der heilige Schatz:

die Muschel der Tiefe
10 verhülltes Licht
enthüllt sich dem Schiffer,
der nie es gesucht.

Sonntag, 29 Januar 1950       )

Und wer der Erde Fährlichkeit entrönne …*

Und wer der Erde Fährlichkeit entrönne,
den fasste doch die Flut, der er bestimmt,
der Sog, dem der Verlorne nur entrinnt,
damit er seine Tiefe nicht gewönne:

05 Das Tosen reisst den Unbewahrten nieder 
uns seine letzte Klarheit in die Gischt,
bis aus der Hölle Mitte jäh das Licht,
das ewig vorgeschaute, aufglänzt wieder.

Montag, 30 Januar 1950       )

Flieht der Tag …* (A)

Flieht der Tag,
der das wandelnde Reine
in Wäldern geborgne
an Bächen geduckte
05 bog und zerbrach;
kommt die Nacht zurück 
mit klarer Dämmerung 
und mit den Schatten der Sanftmut, 
zu heilen das Verletzte 
10 und dem Verwundeten ziehn
den Dorn aus dem Fuss,
den es schmerzend nachzieht. 
In der Höhle ist ihm ein Lager bereitet zum Schlummer 
und geheimen Weg 
15 in jenen andern Tag
der nicht auf geht und endet.

Mittwoch, 01 Februar 1950       )

Flieht der Tag …* (B)

Flieht der Tag,
der das wandelnde Reine
in Wäldern geborgne
an Bächen geduckte
05 bog und zerbrach:

kommt die Nacht zurück 
mit klarer Dämmerung 
und mit den Schatten der Sanftmut, 
zu ziehen den Dorn aus dem Fuss,
10 den das Verwundete nachschleppt mit Schmerzen:

In der Höhle ist ihm ein Lager bereitet zum Schlummer, 
und geheimer Weg 
in jenen anderen Tag,
der nicht auf geht und endet.

Mittwoch, 01 Februar 1950       )

Die Glut von jenseits …* (A)

Die Glut von jenseits
und das Getümmel der schreierbrochenen Nacht:
wie zuckt es nicht in die hochgelegene Kammer;
denn die Burg ist nicht fest,
05 und dies allein wäre schrecklich,
wenn sies wäre, wenn sie hielte in undurch-
dringlichen Mauern.
Wenn die Schlacht sich fern zöge hinter die
Wälder
und er, der untauglich zum Krieg, nicht mehr säh
an der Decke
roten Widerschein und das Klirren der Helden.
10 Dies nur lindert den Schwachen,
dass ihm Erkenntnis gewährt ist,
die Mitte, wo die volle Rundung erscheint
und die Bruderschaft unter den Streitern:
das Reine wird im Beschauer.

Donnerstag, 16 März 1950       )

Glut und Getümmel der schreierbrochenen Nacht …* (B)

Glut und Getümmel der schreierbrochenen Nacht
zuckt herein in die hochgelegene Kammer
nicht befestigter Burg; nur dies wäre tödlich:
wenn sies wäre und hielte in undurchdringlichen
05 Mauern dem, der, schlachtenuntauglich, das Ohr 
dass er nicht höre das Toben jenseits des Walds,
hielte das Auge, dass es nicht Widerschein sehe
rot an der Decke; denn dies nur hindert den Schwachen,
dass ihm Erkenntnis gewährt ist der Mitte, der Streiter-
10 Bruderschaft in der nah enthobnen Beschauung.

Dienstag, 07 Februar 1950       )

Ausgegossene Fülle mitten in Marktes Gepränge …* (A)

Ausgegossene Fülle mitten in Marktes Gepränge,
Teppich trug sie her, die seltenen Früchte.
Niemand aber sieht die Schätze, die her der Teppich trug 
oder kaufte sie gar: Der Teppich bleibt ein fernes Land,
05 was auf ihm liegt, ist nie in der Nähe, 
Bis dass der Zauberer kommt und die Käufer lockt mit der Flöte: 
dann hört ein jeder aus der eigenen Brust 
singen den eigenen Osten Antwort dem Zauberjüngling.

Niemand sieht, was seltene Früchte in Marktes Gepräng
trug der Teppich herein: was auf ihm liegt, ist nimmer
Nähe: Bis dass der Zauberer lockt mit der Flöte die Käufer.
Dann aus der eigenen Brust singt einem jeden der Osten
05 (der eigene Osten dem innerlich flötenden Jüngling.)

Niemand sieht, was seltene Früchte in Marktes Gepräng
trug der Teppich herein: was auf ihm liegt, ist nimmer
Nähe: Bis dass der Zauberer lockt mit der Flöte die Käufer.
Dann aus der Brust singt einem jeden der eigene Osten
05 endlich innen erlauschter tönender Lockung die Antwort.

Dienstag, 07 Februar 1950       )

Dem Gänger auf der Hügelstrasse sind …*

Dem Gänger auf der Hügelstrasse sind
vier Götterbilder rein am Saum Geleiter:
der erste, dem die klare Stirne leuchtet; 
die zweite, die Verborgnes unberührbar schützt; 
05 die dritte, die des Lebens Mitte öffnet; 
der vierte, der die Traube dann gewährt. 
So wird Besonnener zum Rausch-Entrückten, 
indes der Weg durch Gärten steigt zu Tale, 
wo von der Kaisersäule hin zur andern 
10 der Tänzer geht auf hoch gespanntem Seil.

Samstag, 11 Februar 1950       )

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten …* (A)

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten
des Tags, der Nacht und ihres Überganges
führt in die lichte Alabasterhalle, 
die steht im Zenith alles Unsichtbaren. 
05 Das    Ei hängt nieder aus der Kuppel, 
bis einst erwachend, der göttliche Vogel stürzt
in Scherben es und tönend Kreisen füllt
des Flugs und heilt verwunschene Mittelräume.

Montag, 13 Februar 1950       )

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten …* (B)

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten
des Tags, der Nacht und ihres Überganges
führt in die lichte Alabasterhalle, 
die steht im Zenith alles Unsichtbaren. 
05 Das Ei hängt nieder mitten aus der Kuppel, 
bis einst, erwachend, göttlicher Flügel Spreiten
es wirft in Scherben und das tönende Kreisen 
des Fluges füllt und heilt verwunschene Räume.

Montag, 13 Februar 1950       )

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten …* (C)

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten
des Tags, der Nacht und ihres Überganges
führt in die lichte Alabasterhalle, 
die steht im Zenith alles Unsichtbaren. 
05 Das Ei hängt nieder mitten aus der Kuppel, 
bis einst es birst im Spreiten göttlicher Flügel
und tönenden Fluges Kreisen heilt die Räume.

Samstag, 11 März 1950       )

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten …* (D)

Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten
des Tags, der Nacht und ihres Überganges
führt in die ganz im Licht verborgne Halle, 
die steht im Zenith alles Unsichtbaren. 
05 Das Ei hängt nieder mitten aus der Kuppel, 
bis einst es birst im Spreiten göttlicher Flügel
und tönender Flug heilt die verwunschenen Räume.

Dienstag, 27 Dezember 1949       )

Aber rein und glänzend ist noch trotz allem …* (A)

Aber rein und glänzend ist noch trotz allem
das Dach des heiligen Hauses.
Das der Gott besucht, das der Vollkommene besucht, 
wo sie wartet, die harrende Seele, 
05 die Geliebte, die Frau, die gläubige Seele. 
Jahrhunderte waren es zuvor, so schien ihr,
dass sie wartete, 
bis er da war unter dem reinen und stets noch glänzenden Dach. 
Und zugleich stieg er auf in ihr, und sie wusste,
10 dass immer er da gewesen:
in ihrem Innern, unten, verborgen. 
Nun stieg er auf, hoch schoss er empor: 
die entrollte Schlange, die wittert 
das lang gesuchte Opfer.
15 Sie ist nicht mehr da, die Seele, sie ist in der Schlange, 
in der aufschiessenden Glut. 
Und so fand denn der Gott, wie er kam, nur noch sich selbst,
fand die züngelnde Schlange.
Und er war traurig, wie er sie sah, die seit je er gesehen.

Mittwoch, 28 Dezember 1949       )

Rein und glänzend ist noch trotz allem …* (B)

Rein und glänzend ist noch trotz allem
das Dach des heiligen Hauses,
wo sie wartete, die gläubige Seele, 
die Frau, die Geliebte, 
05 Jahrhunderte wartete, so schien ihr:
bis er da war unter dem reinen
und stets noch glänzenden Dach,
der Gott, der vollkommne.
Zugleich aber stieg auf in ihr,
10 die immer dagewesen, in ihrem Innern,
unten, verborgen,
schoss auf die Schlange,
glühend entrollt und verschlang das belauerte Opfer.
Sie war nicht mehr da, die Geliebte, sie ist in der Schlange, 
15 in der aufschiessenden Glut. 
Und so fand denn der Gott, wie er kam, nur noch sich selbst,
fand die glühende Schlange.
Und er war traurig, wie er sah, dass es sie nicht war,
die er suchte, dass er nur überall fand sich selber,
20 dass es nicht gibt das andre.

Rein und glänzend ist noch trotz allem das Dach des heiligen
Hauses, wo harrte die gläubige Seele, die Frau, die Geliebte 
lange Jahrhunderte, also schien ihr, bis er da war unter
reinem, stets noch glänzendem Dach: der Gott, der vollkommne.
05 Aufstieg aber zugleich, die immer da war im Innern,
unten verborgen, die Schlange, glühend, schoss auf und verschlang das
Opfer: sie ist nicht mehr da, die Geliebte, sie ist in der Schlange.
Und so fand denn der Gott, wie er kam, sich selber allein,
fand nur die glühende Schlange, traurig, dass es die Seele,
10 die er gesucht ausser ihm, dass es das andre nicht gibt

Rein und glänzend ist noch trotz allem das Dach des heiligen
Hauses, wo harrte die gläubige Seele, die Frau, die Geliebte 
lange Jahrhunderte, also schien ihr, bis er da war unter
reinem, stets noch glänzendem Dach: der Gott, der vollkommene Gott.
05 Aufstieg aber zugleich, die da war immer im Innern,
unten verborgen, die Schlange, glühend, schoss auf und verschlang das
Opfer: So fand denn der Gott, wie er kam, sich selber allein,
fand nur die glühende Schlange, traurig, dass es die Seele,
die er gesucht ausser ihm, dass es das andre nicht gibt.

Mittwoch, 22 Februar 1950       )

Willst du ganz enthüllen jener Gottheit …*

Willst du ganz enthüllen jener Gottheit
Bildnis, das der Schatten noch bedeckt:
weichen an den Eingang die Gefangnen,
scheun den Grund noch mehr, den stets sie scheuten,
05 weil, sie alle zu empfangen, aufgeht
des Gefängnisses Gefängnis; taube
Tiefe, wo doch Nacht schon düster drückte,
schaut sie an, das abertote Auge,
das Erinnrung selbst an Leben löscht.

Freitag, 24 Februar 1950       )

Wind trägt herein in der Einsamkeit Wachstum …* (A)

Wind trägt herein in der Einsamkeit Wachstum,
in die Öde herein die Früchte der Inseln, die Blumen.
Auch jene, die lieben sind eins mit jenen andern der reichen Ufer:
all die Erschütterten sehen das kreisende Licht, die Sonne,
05 wo sie auch seien: sie ist ihr gemeinsames Licht,
in ihr grüsst sie der uralten Zeiten Gesicht,
jener Helden Gesichter und der Könige, die einstmals
hier gingen und alle das Eine geschaut.
In ihm sind alle auf einmal da: die Fernsten,
Vergangnen und die von heute,
kreisend in dieser Kuppel vereint, diesem geöffneten Kelch,
10 dessen drei Staubblätter glühn hervor aus dem mittelsten Punkt.
Hierher aber führen die Musen, die singenden Schwestern,
Seelengeleiterinnen im Aufstieg nach der Mitte der Blume,
nach der inneren Mitte im Abstieg;
Aufstieg nämlich und Abstieg gelangen zum selben // 01v
15 einen mittelsten Punkt.

Diese sind eins mit jenen andern am reicheren Ufer,
alle sehen das kreisende Licht, die Sonne
wo sie auch seien; in ihr grüsst die Späten
uralter Zeiten Gesicht, der Helden Gesichter und Könige,
05 die einst hier gingen und alle das Eine geschaut.
In ihm sind alle auf einmal da, die Fernsten, Vergangnen und die von heute,
in dieser Kuppel kreisend vereint, summend in diesem geöffneten Kelch,
dessen Staubblätter glühn hervor aus dem mittelsten Punkt.
Hierher geleiten die Musen, Seelenführerinnen,
10 singende Schwestern: im Aufstieg nach der oberen Mitte 
nach der innern Mitte im Abstieg.
Denn Mitte und Mitte sind eins, woher wir auch kommen.

Dienstag, 28 Februar 1950       )

Diese sind eins mit jenen am reicheren Ufer …* (C)

Diese sind eins mit jenen am reicheren Ufer:
alle sehen das kreisende Licht, in der Sonne
ist den Spätern vereint der uralten Zeit
Helden und Könige Antlitz, die gingen einstmals
05 hier und alle das Eine geschaut, sie kreisen
in dieser Kuppel vereint, und summen im
offenen Kelch, des Staubfäden glühn aus der Mitte.
Hieher geleiten singende Schwestern, der Seelen
Führerinnern: nach der obern im Aufstieg,
10 nach der inneren Mitte im Abstieg; woher
immer sie kommen: Mitte und Mitte sind eins.

Mittwoch, 01 März 1950       )

Diese sind eins mit jenen am reicheren Ufer …* (D)

Diese sind eins mit jenen am reicheren Ufer:
alle sehen das kreisende Licht, in der Sonne
ist den Spätern vereint der Helden und Könige
Antlitz, die gingen einstmals dort und alle
05 suchten das Eine, sie kreisen in dieser Kuppel,
summen im offenen Kelch um Staubblatt und Stempel, 
nach der Mitte von singenden Schwestern geleitet,
Führerinnern der Seelen: nach der oberen
Mitte im Aufstieg, nach der innern im Abstieg.
10 Mitte und Mitte sind eins, woher sie auch kommen.

Bald ist er geschlossen, der schöne, der noch verständliche Himmel,
und jene Schale von neuem darüber gefügt, die ihn
einstmals verdeckte.
Speise wird Erinnerung sein an die gnädige Öffnung,
leuchtenden Blick aus der Bläue herab,
05 Flutung des Hellen herab in die Ödnis.
Jener Augen, die nicht schliefen zumitten der Nacht, 
sinnend ruhten im Staub, wie aufging die Freudenerscheinung: 
immer dringt aus ihnen auf die anderen ein 
Wissen um die Gestirne, die Lenker, herzerschütternde
Freude des Anblicks. 
10 Hinter der Hülle verborgen, dem ehernen Helm,
bleiben sie nun, und jene andern 
wissen nichts von dem Himmel, da sie schliefen, 
Nahrung der Steppe musste ihnen genügen zuvor
und genügt ihnen heute. 
Käme ihnen der Hunger nicht nach reiner Speise, //
15 nach der Labung des Himmels, nach der Schau
des enthüllten höchsten Gewölbes,
käme ihnen nicht dieser unbezwingliche Hunger, 
Kenntnis vergessner Verwandtschaft, 
aus jener Augen, aus jener Seelenworte, die sahen, 
kosteten Glück und des ungeschwächt Wirklichen Dasein.

Bald ist jene Schale von neuem gefügt, die ihn einstmals verdeckte
über den offnen, den noch verständlichen Himmel.
Speise wird Erinnerung sein an die gnädige Öffnung,
Flutung des Hellen herab in die Ödnis.
05 Jener Augen, die sinnend ruhten im Staub,
nimmer schliefen zumitten der Nacht, als aufging
die Freudenerscheinung: 
fürder dringt aus ihnen auf die anderen ein 
Wissen um die Gestirne, die Lenker, herzerschütternde
Freude des Anblicks 
dessen, was h
inter der Hülle verborgen nun bleibt
10 über dem ehernen Helm, der uns einschliesst.
Nahrung der Steppe musste genügen zuvor,
würde noch heute genügen, //
bliebe nicht fürder Hunger nach reinerer Speise,
nach der Labung vollkommenen Klangs und der
Schau des höchsten Sonnengewölbes;
bliebe nicht unbezwinglicher Hunger
15 Kenntnis langvergessner Verwandtschaft
aus jener Augen, jener Seelenworte, die sahen, 
kosteten Glück und des ungeschwächt Wirklichen Nahsein.

Bald ist die Schale von neuem gefügt über offnen,
den noch verständlichen Himmel, welche in barg.
Speise wird Erinnerung sein an die gnädige
Öffnung, Flutung des Hellen herab in die Ödnis.
05 Jener Augen, die sinnend ruhten im Staub,
nimmer schliefen zumitten der Nacht, als aufging
Freudenerscheinung: fürder dringt auf die andern
aus ihnen Wissen um die Gestirne, die Lenker,
herzerschütternde Freude des Anblicks des hinter
10 Hülle Verborgenen, über dem Helm, der uns wiederum
einschliesst ehern. Nahrung der Steppe genügt,
musste genügen zuvor und würd es noch heut //
bliebe nicht fürder Hunger nach reinerem Brot,
nach vollkommenen Klanges Labung und Schau
15 höchsten Sonnengewölbes, bliebe nicht Hunger
unbezwinglich, Kenntnis der Gottesverwandtschaft,
aus jener Augen und Seelenworte, die sahen, 
kosteten Glück und des ungeschwächt Wirklichen Nahsein.

Bald ist die Schale von neuem gefügt vor dem offnen,
dem noch verständlichen Himmel, welche ihn barg
vormals. Speise wird Erinnerung sein an
gnädige Flutung des Hellen herab in die Ödnis.
05 Jener Augen, die zumitten der Nacht
nimmer schliefen, als aufging Freudenerscheinung:
fürder dringt auf die andern aus ihnen Wissen
um die Gestirne, die Lenker, herzerschütternde
Freude des Anblicks des hinter Hülle Verborgenen,
10 über dem Helm, der uns wiederum einschliesst ehern.
Nahrung der Steppe musste genügen zuvor,
müsste genügen auch heute, bliebe nicht hinfort  
Hunger nach reinerem Brot, nach vollkommnen Klanges
Labung und Schau des höchsten Sonnengewölbes,
15 unbezwinglich, Kenntnis der Gottesverwandtschaft,
aus jener Augen und Seelenworte, die sahen, 
kosteten Glück und des ungeschwächt Wirklichen Nahsein.

Bald ist die Schale von neuem gefügt vor dem offnen,
dem noch verständlichen Himmel, welche ihn barg
vormals. Speise wird Erinnerung sein an 
gnädige Flutung des Hellen herab in die Ödnis.
05 Finden uns jener Augen, die nimmer schliefen
mittnachts, dringt auf die andern Wissenschaft
von den Gestirnen, den Lenkern, herzerschütternde
Freude des Anblicks des hinter Hülle Verborgnen,
über dem Helm, der uns wiederum ehern einschliesst.
10 Nahrung der Steppe musste genügen zuvor,
müsste genügen auch heute, bliebe nicht hinfort  
Hunger nach reinerem Brot, nach vollkommenen Klanges
Labung und Schau des höchsten Sonnengewölbes,
unbezwinglich, Kenntnis der Gottesverwandtschaft,
15 aus jener Augen, die sahen, und Seelenworte,
kosteten Glück und des ungeschwächt Wirklichen Nahsein.

Dienstag, 14 März 1950       )

Entlassenes Licht, das in der Hölle schwebt …* (A)

Entlassenes Licht, das in der Hölle schwebt,
Fackel niederflatternd durch die Räume:
die Sonne sandte dies aus ihren Kreisen,
sie besitzt alles und kann nichts verlieren,
05 wieviel sie schenke auch. 
So reist die Flamme über Gängern auch in der dunklen Wölbung,
geheimnisvoll bewegt und von innen nirgends ruhig,
(So begegnen darin) die Göttersöhne, verstreut und doch
verstossen nicht:
sie leben in der Flamme, die unsterblich.
10 Sie haben vom Gestirn geraubt, was es verschenkte.
Den andern bleibt es, auf dem Berg zu warten,
bis eins der Feuer im Vorüberfahren
den Verwandten greift und mit sich trägt
bis einst vielleicht der übergrosse Sturm
15 es wegweht aus den Kerkerräumen
und hinweht in die Sonne und Versammlung
der befreiten Brüder.

Licht, das, entlassen vom Licht, schwebt in der Tiefe,
Fackel reisende über den Gängern in der Schattenwölbung
nirgends ruhig und von innen bewegt:
auf den Bergen warten viele, bis eines der Feuer,
05 Wohnung unsterblicher Helden, verbannter und doch nicht verstossner,
fahrend vorüber den Verwandten ergreift,
weggeweht einstens von ungeheuerem Sturm
trägt aus dem Kerker zurück ins erste Licht,
Helle und befreiter Brüder unerfüllte Versammlung.

Lichter, entlassen vom Licht, in der Schattenwölbung
reisen die Fackeln über den Gängern, ruhig
nirgends: auf den Bergen warten viele,
eines der Feuer, verbannter, doch nicht verstossner
05 Wohnung unsterblicher Helden, möchte, vorüber
fahrend, ergreifen Verwandten und, einstens vom Sturm
weggeweht, tragen aus dem Kerker ins erste
Licht zurück und befreiter Brüder Versammlung.

Donnerstag, 27 April 1950       )

Lichtentlassene Lichter, im Gewölbe …* (D)

Lichtentlassene Lichter, im Gewölbe
reisen die Fackeln über den Gängern, ruhig
nirgends: viele warten auf den Bergen,
eines der Feuer, verbannter, doch nicht verstossner,
05 Wohnung unsterblicher Helden, möchte, vorüber
fahrend, den Verwandten ergreifen und einstens
wegwehn aus dem Kerker im Sturm in befreiter
Brüder Versammlung, zurück ins quellende Licht.

Freitag, 28 April 1950       )

Im Gewölbe lichtentlassene Fackeln …* (E)

Im Gewölbe lichtentlassene Fackeln
nirgends ruhig reisen über den Gängern,
deren auf den Bergen manche warten,
eins der Feuer, verbannter, doch nicht verstossner,
05 Wohnung unsterblicher Helden, möchte, vorüber
fahrend, den Verwandten ergreifen und aus dem
Kerker einstens im Sturm zurück in befreiter
Brüder Versammlung tragen im quellenden Licht.

Samstag, 18 März 1950       )

Spiel ohne Ende, vom Hereinklang genährt …* (A)

Spiel ohne Ende, vom Hereinklang genährt
aus dem Lauf der seienden Dinge,
schön ist es für die Sitzenden in den Wiegenetzen,
in den an Seilen wiegenden Gittern, den
05 Strahlen, die ausgehn von hier und kommen von dort,
getragenen Spieler.
Vorrat an Bällen ist gross, ist unendlich, 
und lange noch nicht sind alle ergriffen.
Noch nicht ist der Spieltanz vollendet
10 von Gitter zu Gitter und der Schritt
über die Kraftnetze alle:
was denn schadet der Fall und ein Versehen des Fusses?: 
Stürzenden fängt ein anderes Netz, ein anderes Gitter,
schwankend an Seilen sicher befestigt, auf,
schaukelnd liegt er unter neuen, bunteren Bällen.

Samstag, 18 März 1950       )

Spiel, vom Hereinklang genährt …* (B)

Spiel, vom Hereinklang genährt ohne Ende der wandelnd
seienden Dinge, schön ists den Wiegenden in den
Netzen, auf den Gittern, an fern befestigten Seilen,
Gängern über die Strahlen, die kommen von hier und von dort,
05 glücklichen Spielern: Vorrat an Bällen ist gross,
lang noch nicht sind alle ergriffen, noch nicht
ist der Spieltanz vollendet von Gitter zu Gitter,
Gang über die Kraftnetze alle: was denn schadet
Fall und ein Versehen des Fusses?: 
10 Stürzenden fängt ein anderes Netz, Gitter,
schwankend an Seilen, sicher befestigt, auf;
schaukelnd liegt er unter neuen, bunteren Bällen.

Mittwoch, 22 März 1950       )

Spiel, vom Hereinklang genährt …* (C)

Spiel, vom Hereinklang genährt ohne Ende der wandelnd
seienden Dinge, schön ists den Wiegenden in den
Netzen, auf Gittern, an Seilen, befestigten fern,
Gängern über die Strahlen, die kommen von hier,
05 kommen von dort den glücklichen Spielern: gross ist
Vorrat an Bällen, ergriffen sind lang noch nicht alle,
noch nicht ist der Spieltanz (von Gitter zu Gitter,
Gang über die Netze) vollendet: was schadet
Fall und ein Versehen des Fusses? Gestürzten
10 fängt ein anderes Netz, Gitter an Seilen
schwankend, sicher befestigt, auf; und schaukelnd
liegt er unter bunterer Bälle Geröll.

Mittwoch, 22 März 1950       )

Spiel vom Hereinklang genährt …* (D)

Spiel vom Hereinklang genährt ohne Ende der wandelnd
seienden Dinge, schön ists den Wiegenden in
Netzen, auf Gittern, an Seilen, befestigten fern,
Gängern über die Strahlen, die kommen von hier,
05 kommen von dort den glücklichen Spielern: gross ist
Vorrat an Bällen, ergriffen sind lang noch nicht alle,
noch nicht vollendet ist der Spieltanz: was schadet
Fall und ein Versehen des Fusses? Gestürzten
fängt ein anderes Netz, Gitter, an Seilen
10 sicher schwankend, auf, und unter anderer 
unter bunterer, liegt er, Bälle Geröll.

Mittwoch, 26 April 1950       )

Vom Hereinklang genährt der wandelnd seienden …* (E)

Vom Hereinklang genährt der wandelnd seienden
Sterne, schön ist den Wiegenden in den Netzen,
auf den hangend fern befestigten Gittern 
immer der Tanz und das Spiel mit den farbigen Bällen:
05 was denn schadet ein Versehen des Fusses? 
Immer ein anderes Netz, ein schwankendes Gitter 
fängt den Gestürzten auf und unter andrer,
unter bunterer, liegt er, Bälle Geröll.

Mittwoch, 26 April 1950       )

Vom Hereinklang genährt der wandelnd seienden …* (F)

Vom Hereinklang genährt der wandelnd seienden
Sterne, schön ist den Wiegenden auf dem Netz,
auf dem hangend fern befestigten Gitter
immer der Tanz und das Spiel mit dem farbigen Ball:
05 was denn schadet ein Versehen des Fusses? 
Immer ein anderes Netz, ein anderes Gitter 
fängt den Stürzenden auf und unter andrer,
unter bunterer, wiegt er, Bälle Geröll.

Im Höhlengrund, wo ich noch eben raffte Schätze,
da kommst Du aus der Tiefe mir entgegen.
Dem Raffer, der errötet, ein ertappter
Dieb, sinken aus der Hand Gesteine, Gold,
05 gewirkte Stoffe, in Deine Arme stürzt er,
an Deinen Mund, des Kuss versengt und der
versengend heilt. Nur Dich seh ich, geheimer Fülle Botin,
was Reichtum schien, ist matt und billig nun.
Du bist der Edelstein und leuchtendes Geweb,
10 Du Lichte, glänzend aus der dunklen Tiefe.

Samstag, 25 März 1950       )

Im Höhlengrund, wo er noch raffte Schätze …* (B)

Im Höhlengrund, wo er noch raffte Schätze,
da kommt sie aus der Tiefe ihm entgegen:
Dem Raffer, der errötet, ertapptem Dieb
entsinken Gesteine, Gold, gewirkte Stoffe;
05 in ihre Arme stürzt er, an ihren Mund,
des Kuss versengt und der versengend heilt.
Nur sie glänzt ihm allein, was Reichtum schien
ist matt und billig nun vor diesem Stein,
vor wahrem Gold und leuchtendem Geweb,
10 vor Lichtesbotin aus dem Höhlengrund.

Freitag, 14 April 1950       )

Die Bezeugung rufst du, Wesensbild …*

Die Bezeugung rufst du, Wesensbild,
aus den hohen Tänzerchören durch die
Wolkenschwaden in den lehmigen Schlaf
nieder, ständig hier und dennoch rufend
05 weither, wie bedroht in deiner Botschaft:
wenn den Blinden auch das Ohr erstarrte?

Freitag, 14 April 1950       )

Wogen Kaskaden nieder, Blüten …* (A)

Wogen Kaskaden nieder, Blüten,
in der Färbung zeigend andre Reiche,
hergewehter Staub des Lenzes von jenem aufgegangnen Fest,
aus der Blütenwohnung hergeweht, Blütenwohnung,
05 die nicht bleibt.
Dennoch einzig Glück für den, der weilte 
einmal dort: ist’s einer von den unsern, der erzählte?
Aber die Kaskaden, wallend wieder, bedecken
leeren Tempels Dach und unsrer Hütten 
10 mit dem farbigen Duft, der letzten
Tage Trost oder der ersten: wer mag es wissen? 
Auf den Kähnen treiben wir mit dem schlechten Hausrat,
schneller treibt der Fluss, und es weht Blütenstaub
wogend uns entgegen, auf das Verdeck die Lust
15 sinkenden Frühlings, Botschaft aus der // 01v
reichen Stadt, dahin wir fahren,
Botschaft aus der reichen Stadt der Toten.

Montag, 17 April 1950       )

Hergewehter Staub des Lenzes, in der …* (B)

Hergewehter Staub des Lenzes, in der
Färbung zeigt er andre Reiche, Blüten-
wohnung, die nicht bleibt und dennoch
einzig Glück für den, der weilte einmal
05 dort. Aber hergewehter Staub bedeckt 
leeren Tempels Dach und das Verdeck
leerer Kähne, darauf wir treiben mit
schlechtem Hausrat: Botschaft weht uns in
schnellern Zug des Flusses von der reichen
10 Stadt der Toten, die wir ergreifen bald

Dienstag, 18 April 1950       )

Hergewehter Staub des Frühlings zeigt …* (C)

Hergewehter Staub des Frühlings zeigt
reinen Duft der Blütenwohnung die,
nimmer bleibend, dennoch, einzig Glück,
dauert dem, der einmal weilte dort.
05 Andern weht er auf des leeren Tempels
Dach und das Verdeck der Kähne, wo sie
treiben mit dem schlechten Hausrat: Botschaft
in den immer schnellern Zug des Flusses
von der reichen Totenstadt, die sie
10 schon empfängt nach jener nächsten Windung.

Mittwoch, 26 April 1950       )

Hergewehter Staub des Frühlings strömt …* (D)

Hergewehter Staub des Frühlings strömt
reinen Duft der Blütenwohnung, die, 
schnell verwelkt und dennoch brennend Glück
dauert dem, der einmal wohnte dort.
05 Allen Andern weht er auf den Kahn,
wo sie treiben mit dem schlechten Hausrat,
Botschaft in den steil und steileren Fluss, 
dass des brachen Reichtums leere Stadt
unterm Katarakt der Schiffer harrt.

Montag, 17 April 1950       )

Bruder, du leitest hinter die Hügel …* (A)

Bruder, du leitest hinter die Hügel
die Gereinigten, nachdem sie
gingen mit Fremden, Gaunern der Strasse
mit den Kupplern der gemeinen
05 Wege: jetzt sind sie dir, gehörig,
Winterboten, der durch die Wälder
führt, übern See, zu der gläsernen
Kugel, wo die ruhende Taube
alle empfängt und diese Städte
10 sind nur noch Bilder aus Büchern. Du aber,
liebender Bruder, du stehst freundlich
bei dem Beglückten unter der Rundung.

Dienstag, 18 April 1950       )

Bruder, du leitest hinter die Hügel …* (B)

Bruder, du leitest hinter die Hügel
die Gereinigten, nachdem sie
gingen mit den Gaunern der Strasse:
jetzt sind sie dir, dem Winterboten
05 Hörige, der durch die Wälder
führst und über den See zur gläsernen
Kuppel, wo die ruhende Taube
alle empfängt und alles Hiesige 
schwand. Aber du bleibst noch freundlich
10 bei den Beglückten unter der Rundung.

Donnerstag, 27 April 1950       )

Bruder, du leitest, ob sie auch gingen zuvor …* (C)

Bruder, du leitest, ob sie auch gingen zuvor
mit den Gaunern des Weges, endlich Bereite
über den See hinter den waldigen Hügeln
zu der Kuppel reinen Lichts, wo die Taube
05 ruht und alles Hiesige schwindet. Du nur,
bleibst bei den Glücklichen, Winterbote, zurück.

Dienstag, 18 April 1950       )

Diese neue Wolke wie ein dunkles Boot …* (A)

Diese neue Wolke wie ein dunkles Boot
droht den fliehend ohnehin zerrissnen Fetzen
Mittagshimmels, unversehrten, ruhenden
einstmals auf den Säulen, die da sangen unterm
05 Anflug stiller Vögel. Jetzt sind stumm die Säulen,
und die Vögel schrein, wie Fledermäuse irrend
durch die schwankenden Lüfte. Fern enthoben schwand die
Wölbung, die da nimmer birst und dreht im Licht,
aller Klänge mächtig, jenseit schlimmem Stern.

Mittwoch, 19 April 1950       )

Diese neue Wolke wie ein dunkles Boot …* (B)

Diese neue Wolke wie ein dunkles Boot
droht den fliehend ohnehin zerrissnen Fetzen
Mittagshimmels, unverletzbar ruhenden
einstmals auf den Säulen, die da sangen unterm
05 Anflug stiller Vögel. Jetzt sind stumm die Säulen,
und die Vögel schrein, wie Fledermäuse irrend
durch die schwankenden Lüfte. Doch enthoben schwand die
Wölbung, die da nimmer birst und dreht im Licht,
aller Klänge mächtig jenseit schlimmem Stern.

Donnerstag, 20 April 1950       )

Welche niemals birst, die Wölbung dreht im Licht …* (C)

Welche niemals birst, die Wölbung dreht im Licht
jenseit schlimmem Stern, der Klänge aller mächtig,
wenn die neue Wolke wie ein dunkles Boot
droht den fliehend ohnehin zerrissnen Fetzen
05 Mittagshimmels, unverletzbar ruhenden
einstmals auf den Säulen, die da sangen unterm
Anflug stiller Vögel, wenn jetzt stumm die
Säulen und die Vögel schrein, wie Fledermäuse irrend
durch die schwanken Lüfte: dreht im Licht, die niemals
10 birst, die Wölbung jenseit, aller Klänge mächtig.

Welche niemals birst, die Wölbung dreht im Licht
jenseit, aller Klänge mächtig, wenn die neue
Wolke wie ein dunkles Boot bedroht die fliehend
ohnehin zerrissnen Fetzen Mittagshimmels,
05 unverletzbar ruhenden ....
Säulen, die da sangen unterm Anflug stiller
Vögel, wenn jetzt stumm die Säulen und Vögel
schrein, wie Fledermäuse irrend durch die schwanken
Lüfte, dreht im Licht, die niemals birst, die Wölbung.

Welche niemals birst, die Wölbung dreht im Licht, 
wenn die neue Wolke wie ein dunkles Boot
droht den fliehend ohnehin zerrissnen Fetzen
Mittagshimmels, unverletzbar ruhenden
05 einstmals auf den Säulen, die sangen unterm
Anflug stiller Vögel, wenn jetzt stumm die Säulen
und die Vögel schreien, irrend durch die
Lüfte, dreht im Licht, die niemals birst, die Wölbung.

Dienstag, 02 Mai 1950       )

Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel …* (A)

Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel,
der reiner ist als diese klaren Ufer?
Die Türme sind, die göttlichen, im Grunde
erst hoch und klingend, wo sie keiner hoffte:
05 dass klar Gewächs und Blätter, darin
die Geister wohnen, nur gedeihen in den Schlinggewächsen 
O Gärten sind, o Städte gegenwärtig 
nur hier, und diese obern sind nur Schatten,
geworfen an die Höhlendecke; wer
10 doch spürte nicht die Decke, die hinein-
gedrückt, und Freiheit ist der Ausgang nur 
hinunter in die widerliche Lache, 
wo aus der toten Fische aufgeblähten Leichen, 
aus fauler Pflanzen Resten steigt die Stadt 
15 ins Auge uns und Gärten ins Gemüt.

Mittwoch, 03 Mai 1950       )

Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel …* (B)

Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel,
das reiner ist als diese klaren Ufer?
Die Türme sind, die göttlichen, im Grunde
erst hoch und klingend, wo sie keiner hoffte:
05 Gewächs und Blätter, darin Geister wohnen,
gedeihen in den Algen nur allein.
Die Gärten sind, die Städte gegenwärtig 
nur dort, und diese obern sind nur Schatten,
geworfen an die Höhlendecke; lastend
10 auf seinem Haupt, und Freiheit ist der Ausgang
hinunter in die widerliche Lache, 
wo aus der Fische aufgeblähten Leichen, 
aus fauler Pflanzen Resten steigt die Stadt 
ins Auge uns und Gärten ins Gemüt.

Montag, 08 Mai 1950       )

Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel …* (C)

Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel 
das reiner ist als diese klaren Ufer?
Die Türme sind, die göttlichen, im Grunde
erst hoch und klingend, wo sie keiner hoffte,
05 Gesträuch und Bäume, darin Geister wohnen,
erwachsen unter Algen nur allein?
Da Gärten sind und Städte gegenwärtig 
nur dort und diese obern bleiben Schatten,
geworfen an die Höhlendecke, lastend
10 auf unsrem Haupt, und Freiheit ist der Eingang
hinunter in die widerliche Lache?
wo aus der Fische aufgeblähten Leichen, 
aus fauler Pflanzen Resten steigt Gestalt 
ins Auge uns und Fülle ins Gemüt.

Dienstag, 09 Mai 1950       )

Was ist das Reinere im trüben Moor …* (D)

Was ist das Reinere im trüben Moor
das macht zur Trübnis diese klaren Ufer? 
Da Städte sind und Gärten gegenwärtig 
nur dort und diese obern bleiben Schatten,
05 geworfen an die Höhlendecke, lastend
auf unsrem Haupt, und Freiheit ist der Eingang
hinunter in die widerliche Lache,
wo aus der Fische aufgeblähten Leichen, 
aus fauler Pflanzen Resten steigt der Turm
10 ins Auge und schwellen Früchte ins Geblüt?

Samstag, 13 Mai 1950       )

Was ist im trüben Moor das Reinere …* (E)

Was ist im trüben Moor das Reinere,
davor zur Trübnis wird dies klare Ufer?
da Stadt und Garten einzig gegenwärtig 
sind dort und diese obern bleiben Schatten,
05 geworfen an die Höhlendecke, die lastet
auf unsrem Haupt, und Freiheit ist der Eingang
hinunter in die widerliche Lache,
wo aus der Fische aufgeblähten Leichen, 
aus fauler Pflanzen Resten steigt der Turm
10 ins Aug und ins Geblüt die Beere schwillt?

Dienstag, 09 Mai 1950       )

Der Vogel fällt, der irrgewordne vor …* (A)

Der Vogel fällt, der irrgewordne vor
dem Überhellen, immerfort nach innen:
und nirgends gibt es Pause diesem Fall, 
er ist unendlich, jedem Innenort 
05 findet des unentwegten Falls Spirale 
noch einen inner-inneren: wie das 
im Dickicht lockende Licht, das Trostlicht für 
den Abendgänger, stets nach vorne flieht 
durch das Gehölz und über wirre Schluchten 
10 stets neu enthoben an den neuen Ort, 
die angebotne Zuflucht unerreichbar:
so fällt der Vogel, willos niederkreisend,
dem Grunde zu, der übermächtig zieht 
und immer jenseits dem erreichten Ort.

Donnerstag, 11 Mai 1950       )

Irrgeworden vor dem Überhellen …* (B)

Irrgeworden vor dem Überhellen 
fällt der Vogel immerfort nach innen,
unentwegten Falls Spirale findet
jedem Innenort noch einen innen-
05 innersten: wie lockt das Trostlicht den
Abendgänger und durch das Gehölz
stets nach vorne flieht und über Schluchten
neu enthoben an den neuen Ort
unerreichbar angebotner Zuflucht:
10 fällt der Vogel, willlos niederkreisend
zu dem Grund, der jenseits dem erreichten
Ort von neuem liegt im Überhellen.

Samstag, 13 Mai 1950       )

Irrgeworden vor dem Überhellen …* (C)

Irrgeworden vor dem Überhellen 
fällt der Vogel immerfort nach innen,
unentwegten Falls Spirale findet
jedem Innenort noch einen inner-
05 innersten: so wie das Trostlicht den
Abendgänger lockt und im Gehölz
stets nach vorne flieht und über Schluchten
noch enthoben an den neuen Ort
unerreichbar angebotner Zuflucht:
10 fällt der Vogel, willlos niederkreisend
in den Grund, der jenseits des erreichten
immerfort ins Überhelle flieht.

Vergänglich ist auch dieses Bildnis, kaum
enthüllt, das stieg herab in dies Gewölbe,
wo sitzen schon die andern auf den Thronen:
sie füllen das Gemach mit Innenglanz.
05 Und sind sie tot auch gegen dieses Bildnis
des wirklicheren Lebens, und ob es auch
schien Braut und höchstes Gut der schmachtend lang
im Tiefen irrenden Seele, so hört sie doch
auf einmal, wie unter allen Bildern bebt
10 die Höhle im Berg und wankt vom Grund und sich
die Felsen spalten und aus den Donnern steigt,
den keiner zu sehnen wagt, der Fürst, der stillt
noch über dieses Bildnis, das vergänglich.

Dienstag, 16 Mai 1950