Manuskripte 1951

Inhalt: 81 Manuskripte zu 32 Gedichten (28 Endfassungen)
Datierung: 5.1.-8.12.1951
Textträger: 93 Einzelblätter (A4-Format)
Umfang: 36 Dossiers, 106 beschriebene Seiten
Publikation: keine
Signatur: A-5-c/01 (Schachtel 34)
Herkunft: Blaue Mappe -1951

Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Diplomatische Umschriften; Dossiers mit fehlender Zuordnung der Textzeugen z.T. umgestellt

Freitag, 05 Januar 1951       )

Tritt hinab nun …* (A)

Tritt hinab nun, nach den Führern
der Verwünschte aus der oberen Welt
der Blumen und der Wasser mit den von Rudern rein gelenkten Nachen 
in den Glanz der toten Minerale, 
05 wo der Dämon unbesiegbar wohnt: 
weiss er, dass in Kurzem alle folgen, 
die noch atmend lieben, 
alle sind verwünscht zu folgen durch die Felsentüre in die Unterwelt. 
Wenn die obere hier verblasst, 
10 wird dort unten totes Bild an totem Bild vom Licht 
des Erdendämons innerlich erglänzen.

Sonntag, 07 Januar 1951       )

Tritt hinab nun …* (B)

Tritt hinab nun, nach den Führern
der Verwünschte aus der oberen Welt
der Blumen und der Wasser mit dem von Rudern gelenkten Nachen 
in den Glanz der toten Minerale, 
05 wo der Dämon unbesiegbar wohnt: 
weiss er, dass in Kurzem alle folgen, 
die noch atmend lieben, 
alle sind verwünscht zu folgen durch die Felsentüre in die Unterwelt. 
Wenn die obere hier verblasst, 
10 wird dort unten totes Bild an totem Bild 
vom Licht des Erdendämons innerlich erglänzen.

Freitag, 12 Januar 1951       )

Tritt hinab nun …* (C)

Tritt hinab nun, nach den Führern
der Verwünschte aus der oberen Welt der 
Blumen und der Wasser mit dem von Rudern gelenkten Nachen 
in den Glanz der toten Minerale, 
05 wo der Dämon unbesiegbar wohnt: 
weiss er, dass in kurzem alle folgen, 
die noch atmend  lieben; 
alle sind verwünscht zu folgen 
durch die Felsentüre in die Unterwelt. 
10 Wenn die obere verblasst, 
wird dort unten totes Bild an totem Bild 
innerlich im Licht des Erdendämons glänzen.

Freitag, 12 Januar 1951       )

Tritt hinab nun …* (D)

Tritt hinab nun nach den Führern
der Verwünschte aus der oberen Welt der 
Blumen und der fischbelebten Wasser 
in den Glanz der toten Minerale, 
05 wo der Dämon unbesiegbar wohnt: 
weiss er, dass in kurzem alle folgen, 
die noch atmend lieben; 
durch die Felsentüren in die Unterwelt. 
Wenn die obere hier verblasst, 
10 muss dort unten totes Bild an totem Bild 
innerlich im Licht des Erdendämons glänzen.

Freitag, 05 Januar 1951       )

Der Vogel trägt die heilige Ampulle …* (A)

Der Vogel trägt die heilige Ampulle
ins Pestgewölb, wo neben Leichen liegt 
der unerkannte König, 
und lässt sie fallen auf das Haupt, 
05 mit Wohlgeruch die Düsternis erfüllend: 
sodass der Bischof, aufgeweckt von diesem Zeichen 
schwankt aus dem leeren Haus, die Krone in den blauen Händen, 
sie aufzusetzen halbverwestem Haupt.

Sonntag, 07 Januar 1951       )

Die Taube trägt die heilige Ampulle …* (B)

Die Taube trägt die heilige Ampulle
ins Pestgewölb hinab, 
zerbricht sie am Haupt des unbekannt, 
als Leiche neben Leichen aufgebahrten Königs, 
05 also mit Wohlgeruch die Düsternis erfüllend: 
sodass der Bischof, aufgeweckt von diesem Zeichen 
schwankt aus dem leeren Haus, die Krone in der blauen Hand, 
zu krönen halbverwestes doch gesalbtes Haupt.

Sonntag, 07 Januar 1951       )

Die Taube trägt die heilige Ampulle …* (C)

Die Taube trägt die heilige Ampulle
ins Pestgewölb hinab, 
zerbricht sie am unbekannt 
unter Leichen aufgebahrten Königshaupt, 
05 also mit Wohlgeruch die Düsternis erfüllend: 
sodass der Bischof, aufgeweckt von diesem Zeichen 
schwankt von der Bahre, die Krone in der blauen Hand, 
zu krönen halbverweste, doch gesalbte Stirn.

Freitag, 12 Januar 1951       )

Die Taube trägt die heilige Ampulle …* (D)

Die Taube trägt die heilige Ampulle
ins Pestgewölb hinab, 
zerbricht sie am unter Leichen unerkannt 
aufgebahrten Königshaupt, 
05 mit Wohlgeruch die Düsternis erfüllend: 
sodass der Bischof, durch dies Zeichen aufgeweckt, 
vom Lager schwankt, die Krone in der blauen Hand 
zu krönen halbverweste, doch gesalbte Stirn.

Freitag, 12 Januar 1951       )

Die Taube trägt die heilige Ampulle …* (E)

Die Taube trägt die heilige Ampulle
ins Pestgewölb hinab, 
zerbricht sie am unter Leichen unerkannten Königshaupt, 
mit Wohlgeruch die Düsternis erfüllend, 
05 sodass, durch dieses Zeichen aufgeweckt, der Bischof 
vom Lager schwankt, mit blauen Händen 
zu krönen halbverweste, doch gesalbte Stirn.

Donnerstag, 15 Februar 1951       )

Die Taube trägt die heilige Ampulle …* (F)

Die Taube trägt die heilige Ampulle
zum Pestgewölb hinab, 
zerbricht am in den Leichen unerkannten Königshaupt 
die ganz mit Wohlgeruch die Düsternis erfüllt, 
05 sodass, durch dieses Zeichen aufgeweckt, der Bischof 
vom Lager schwankt, mit blauen Händen 
zu krönen halbverweste, doch gesalbte Stirn.

Mittwoch, 10 Januar 1951       )

Noch zu mächtig …* (B)

Noch zu mächtig
ist der Traum an der Mark des Gehöfts,
wo am Wasser, gesendet 
vom Gebirge herab, 
05 ruht der Hirte glücklich im Busch. 
Und nicht wagt er 
aufzutun dem Erschreckten 
Frucht und Vieh nährende Wiesen: 
immer bedrohen den 
10 Fremdling die Häscher des Herrn, 
auf dass er gehe weiter, 
anderen Hirten zu bringen 
Nachricht vom Nahn des brüllenden Wilds, 
das der rasende Wind, 
15 Wirbelwind vor sich hertreibt.

Mittwoch, 17 Januar 1951       )

Von den Gipfeln ist die fremde Taube …* (E)

Von den Gipfeln ist die fremde Taube
niedergeflogen ins Tal, 
wo sie nicht achten die Wandrer: 
nur dem Flüchtling, dem der Mittagsdämon 
05 treibt das Salz aus den Augen, 
schwebt sie, wenn er entkleidet die Mitte des Wassers erreicht, in 
stillen Kreisen gnadenglänzend aufs Haupt.

Freitag, 26 Januar 1951       )

O Reinheit dieses hohen Gartens …* (A)

O Reinheit dieses hohen Gartens
auf dem Vorgebirge,

entrungen dem Engel des Lichtes von 
solcher Leidenschaft,

05 dass du noch diesem Äon blühst 
voll violetter Dolden

und voller Wein im Flügelrauschen, 
Glanz der Gewänder, die

von Knienden vor dem Makellosen 
10 niederstürzen am Tage:

Wie nun sie schwinden hinters Gebirg, 
lassend das Meer als Teppich // 01v

mit Träumen voll bestickt zurück, 
schreckenden den Schläfer

15 ins Blut des Mondes jäh hinaus!: 
Offen lockt ihn da

des grausen Todesfelsens Absturz 
heute unentrinnbar.

Samstag, 27 Januar 1951       )

Aber dies Spiel entschwände von den Stufen …* (A)

Aber dies Spiel entschwände von den Stufen
des verödeten Hauses und die Fontänen sänken 
kraftlos zurück ins Becken des Brunnens, 
ja, die Götter vergässen des Raubes der Griechin, 
05 ihres heiligen Zorns und der Frevel Niobes: 
an jenem Tag, wo alle fliehend den Schlaf, 
ihren eigenen Tag höben empor in die Nacht 
und neue Riesen verschöben Berge und entleerten das Meer, 
den Erdball rastlos verändernd, der Rast 
10 nicht bedürfend: 
Alsdann flöhen Menschen und Götter, und 
Wüste wäre, Licht ohne Schatten, 
wenn der Tod, letztes heiliges Bild, selbst 
gefällt im gerodeten Forst, stirbt.

Samstag, 27 Januar 1951       )

Da schon endet der Tanz (B)

Da schon endet der Tanz auf der Treppe verödeten Hauses,
und die Fontäne fällt kraftlos ins Becken zurück, 
ja, da die Götter vergassen des Raubs der herrlichen Griechin, 
wider Niobes Stolz nimmermehr senden den Pfeil: 
05 heute, da fliehen alle den Schlaf und heben den eignen 
hoch [in] empor in die Nacht, neue Titanen Gebirg 
türmen auf das Gebirge, Meere entleeren, den Erdball 
rastlos ändernd, nicht mehr brauchend der heiligen Ruh: 
fliehen bald auch die Menschen dahin auf dem Wege der Götter, 
10 Wüste dauert allein, schattenlos scheinendes Licht: // 01v
wenn der Tod stürzt hinab als letztes der heiligen Bilder 
im verwachsenen Forst heut noch vor Frevel bewahrt

Montag, 29 Januar 1951       )

Da schon endet der Tag …* (C)

Da schon endet der Tag auf der Treppe verödeten Hauses,
und die Fontäne fällt kraftlos ins Becken zurück, 

ja, die Götter vergessen des Raubs der herrlichen Griechin, 
wider Niobes Stolz nimmermehr senden den Pfeil: 

05 heute, da fliehen alle den Schlaf und heben den eignen 
Tag empor in die Nacht, neue Titanen Gebirg 

türmen auf das Gebirge, Meere leeren, den Erdball 
rastlos ändernd, nicht mehr brauchend der heilenden Ruh: 

fliehen bald auch die Menschen dahin auf dem Wege der Götter, 
10 in der Wüste allein scheint ohne Schatten das Licht, 

wenn der Tod stürzt hinab als letztes der heiligen Bilder, 
im verwachsenen Forst heut noch vor Frevel bewahrt.

Dienstag, 30 Januar 1951       )

Vom Magnet an der Decke …* (A)

Vom Magnet an der Decke
angezogen und wieder entlassen  
schwebt auf und nieder 
dünne Scheibe, 
05 leise schimmernd im 
Schein des Leuchters.
Am Sockel  berührt
stöhnenden Schläfer
heilend der Gott, 
10 da durch die Luke nach Osten 
erster Strahl 
küsst die Lippe des heiligen Bilds.

Dienstag, 30 Januar 1951       )

Angezogen und wieder entlassen …* (B)

Angezogen und wieder entlassen
vom Magnet an der Decke

steigt metallene Scheibe und naht sich 
leise schimmernd dem Leuchter, 

05 wo berührt von dem heilenden Gott der 
Schläfer stöhnt unterm Sockel, 

eh der Strahl aus dem Osten die Lippe 
küsst des heiligen Bildes.

Donnerstag, 01 Februar 1951       )

Aus dem Felsen kommt der Jüngling …* (A)

Aus dem Felsen kommt der Jüngling beschwichtigt
von den Kränzen, die legte

nieder der Schwimmer auf dem Altar 
mitten im Teich in der Höhle

05 und er stösst den Dolch in den also geschmückten 
Hals des Stieres, geleitet

von dem hellen Hund und den Fackelträgern: 
wie da sinken ins Wasser die Feuer

das von Rosen rot ist und röter 
10 noch vom Blute des Opfers

Wieder lächelt dem Schwimmer der Sieger und ihm 
leiht den Mantel, dass er ihn trockne

und ihm weist die Treppe zur Öffnung, wo 
blaut der Himmel herein,

15 mild schon leuchtend im Ost vom eben 
aufgestiegenen Morgenstern.

Donnerstag, 01 Februar 1951       )

Aus Felsen steigt der Jüngling …* (B)

Aus Felsen steigt der Jüngling beschwichtigt von 
Kränzen, die brachte der Schwimmer

dem Stiere, auf den Altar mitten im nächtlichen 
Höhlenteich furchtbar gefangen.

05 Er stösst den Dolch in den geschmückten 
Nacken, dran hochspringt gierig

der Hund, vom Fackelträger nimmer
gezügelt. Es sank das Feuer

ins Wasser, das von Rosen rot und 
10 röter vom Blute des Opfers.

Wie lächelt dem Schwimmer der Sieger und leiht den 
Mantel, dass er sich trockne, // 02

und weist ihm verborgene Öffnung, wo herauf schon
naht versöhnlich am Himmel

15 den Harrenden spendend unerschöpflich
heller Morgenstern.

1951 * (nicht datiert)       )

Aus Felsen steigt der Jüngling …* (C)

Aus Felsen steigt der Jüngling beschwichtigt von
Kränzen, die brachte der Schwimmer

dem Stier, der auf dem Altar im Höhlenteich, 
Opfer dem Jüngling gefangen.

Mittwoch, 14 März 1951       )

Bräutliche Blume des Aufgangs …* (A)

Bräutliche Blume des Aufgangs,
herabgeschwemmt nach Westen,
herabgeschwemmt nach dem glücklichen Land, 
das in der Wüste, das im Sand birgt Gold, 
05 birgt die Schätze eines verschollenen Königs. 
Aber über dem Grabe wohnt der einsame Mann 
in den bröckelnden Mauern und denkt der ewigen Dinge, 
wenn am Morgen purpurn  wogt die Sonne
über die Dünen 
und am Abend veilchenfarben zurückfliesst. 
10 Kommen hervor aus dem Grabe die Geister
der Toten, 
des Königs und seines geopferten Trosses. Sie 
schrecken den Mann und locken ihn hinab in ihr
älteres Reich, 
das sonnenfern prangt, bestrahlt vom schwarzen Licht
der glühenden Gründe. // 01v
Er aber ist wie die Höhen, wo Wein wächst und wo 
der Strahl durchdringt des höchsten Gestirns, 
15 das die Traube der Flamme zuverwandelt: 
sodass er flieht die Gespenster und in ihrem Toben 
einsam kniet, unberührt, und den Thronenden
anfleht und sieht.

Donnerstag, 15 März 1951       )

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs …* (B)

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs,
herabgeschwemmt nach der Wüste, die Gold birgt im Sand,
birgt die Schätze des uralten Königs 
entfaltet am Rande des Himmels die rötliche Blüte, 
05 denkt der einsame Mann in den bröckelnden Mauern
des Grabmals 
der ewigen Dinge, noch der ewigen Dinge, wenn die Blume 
am Abend wiederum schliesst die veilchenfarbene Blüte. 
Wenn empor aus dem Gewölbe steigt der König 
und steigt der geopferte Tross, zu schrecken 
10 den Mann, ihn zu locken hinab in ihr älteres Reich, 
das sonnenfern prangt im schwarzen Licht der
glühenden Gründe. 
Er aber ist wie die Höhen, wo Wein wächst und wo 
die Flamme sich anverwandelt die Traube, 
sodass er mitten im Toben des Fürsten einsam 
15 kniet, unberührt und den Hochthronenden
anfleht und sieht.

Freitag, 16 März 1951       )

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs …* (C)

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs, 
herabgeschwemmt nach der Wüste,
entfaltet am Rande des Himmels rötlich die Blüte, 
denkt der einsame Mann in den Mauern des Grabmals 
05 der ewigen Dinge, noch der ewigen Dinge, 
wenn die Blume wiederum schliesst 
die veilchenfarbene Blüte, 
wenn empor aus dem Gewölbe steigt der König, 
steigt der geopferte Tross, 
den Mann zu locken in die Jahrtausende nieder, 
10 das sonnenfern prangt im schwarzen Licht 
der glühenden Gründe. 
Er aber ist wie die Höhen, wo Wein wächst und wo 
die Flamme sich anverwandelt die Traube, 
sodass er, mitten im Toben<,> einsam kniet, 
und den Hochthronenden anfleht und sieht.

Montag, 26 März 1951       )

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs …* (D)

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs,
herabgeschwemmt nach der Wüste,
Öffnet am Rande des Himmels veilchenfarben 
die Blüte, 
denkt der einsame Mann in den Mauern des
Grabmals der ewigen Dinge, 
noch der ewigen Dinge, wenn die Blume über dem 
Scheitel ganz entbreitet die rötlich glühenden Blätter 
05 und aus der Gruft empor steigt die Fürstin mit
 dem geopferten Tross, 
den Mann zu locken in die Jahrtausende nieder, 
in das schwarze Licht der sonnenfern prangenden
 
 Gründe<.>
Er aber ist wie die Höhen, wo Wein wächst // 02
und wo die Flamme sich anverwandelt die Traube: 
10 sodass er mitten im Tagspuk einsam kniet 
und den Thronenden anfleht und sieht.

Freitag, 31 August 1951       )

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs …* (E)

Wenn die bräutliche Blume des Aufgangs, herabgeschwemmt
nach der Wüste,
öffnet am Rande des Himmels die bläuliche Blüte, 
denkt der einsame Mann in den Mauern des Grabmals der ewigen Dinge, 
noch der ewigen Dinge, wenn die Blume über dem Scheitel ganz 
entbreitet die glühenden Blätter 
05 und aus der Gruft empor steigt die Fürstin mit dem geopferten Tross, 
den Mann zu locken in die Jahrtausende nieder, 
in das schwarze Licht der sonnenentsunkenen Gründe. 
Er aber ist wie die Höhen, wo Wein wächst 
und wo die Flamme sich anverwandelt die Traube: 
10 sodass er mitten im Tagspuk einsam kniet und den Thro-
nenden anfleht und schaut.

Donnerstag, 15 März 1951       )

Weiss an dem ungebärdigen Himmel …* (A)

Weiss an dem ungebärdigen Himmel, an dem
Himmel wogend im Föhn, flimmert die Sonne: 
wie doch bläht sich die blaue Seide und darauf 
rollt hin und her dieser flimmernde Ball. 
05 Alle Kinder erwachen da und stehn auf den Dächern, 
zu haschen den Ball, 
hüpfen und springen hinab in den Himmel, 
der sie auffängt und wieder emporwirft. 
Wie sie jauchzen, Gestirne selber, Gestirne der 
Märznacht 
über der dunklen Strasse, die durch die wenigen 
Hügel führt 
10 mit den besinnlichen Bäumen und mit den 
Gräbern, 
wo die Toten der Jahrtausende stehn auf den 
Zinnen 
und lächeln im Wogen der Laken den Geschwistern. 
Weil die Toten und Kinder sind eins in der Nacht. 
Kastor geht in der Höhe und Polydeukes, die Knaben, 
15 und grüssen die Schwester, Helena, die steht auf 
dem Grabmal, // 01v
lächelnd winkt die Tote den spielenden Brüdern.

Freitag, 16 März 1951       )

Weiss an dem ungebärdigen Himmel …* (B)

Weiss an dem ungebärdigen Himmel, wogend im Föhn, 
flimmert die Sonne: wie doch bläht sich die blaue Seide,
darauf hin und her rollt dieser flimmernde Ball. 
Alle Kinder erwachen und stehn auf den Dächern, 
zu haschen den Ball, 
05 hüpfen und springen hinab in den Himmel, 
der sie auffängt und wieder emporwirft, 
die Jauchzenden, selber Gestirne, Gestirne der 
Märznacht 
über der dunklen Strasse, die durch die Hügel
führt 
mit den besinnlichen Bäumen und mit den 
Gräbern, 
10 wo die Toten der Jahrtausende stehn auf
den Zinnen 
und lächeln den Geschwistern am Himmel, 
Tote und Kinder sind eins heute, und Kastor
geht in der Höhe mit Polydeukes, zu grüssen // 01v
Helena, die Schwester, die steht auf dem Grabmal 
und winkt den spielenden Brüdern.

Mittwoch, 21 März 1951       )

Weiss an dem ungebärdigen Himmel …* (C)

Weiss an dem ungebärdigen Himmel wogend im Föhn,
schaukelt der Mond: wie doch bläht sich die blaugrüne Seide, 
darauf hin und her rollt dieser bleiche Ball glanzlosen Lichtes. 
Alle Kinder erwachen und stehn auf den Dächern 
zu haschen den Ball, 
05 hüpfen und springen hinab in den Himmel, 
der sie auffängt und wieder emporwirft, 
die Jauchzenden, selber Gestirne, Gestirne der Märznacht, 
über der dunklen Strasse, die durch die Hügel führt 
mit den besinnlichen Bäumen und mit den Gräbern, 
wo die Toten der Jahrtausende stehn auf den 
Zinnen und lächeln den Geschwistern am Himmel. // 02
10 Tote und Kinder sind eins heute, und Kastor 
geht in der Höhe mit Polydeukes, zu grüssen 
Helena, die Schwester, die steht auf dem Grabmal 
und winkt den spielenden Brüdern. 
Wenn aber die bräutliche Blume des Aufgangs 
herabgeschwemmt nach der Wüste, 
öffnet am Rande des Himmels veilchenfarben die Blüte, 
denkt der einsame Mann in den Mauern des Grabmals 
der ewigen Dinge, 
15 noch der ewigen Dinge, wenn die Blume 
über dem Scheitel ganz entbreitet die rötlich
glühenden Blätter 
und empor aus dem Gewölbe steigt die Fürstin, 
steigt der geopferte Tross, 
den Mann zu locken in die Jahrtausende nieder, // 03
in das schwarze Licht der sonnenfern prangenden Gründe. 
Er aber ist wie die Höhen, wo Wein wächst 
20 und wo die Flamme sich anverwandelt die Traube: 
sodass er mitten im Tagspuk einsam kniet 
und den Thronenden anfleht und sieht.

Montag, 26 März 1951       )

Weiss an dem ungebärdigen Himmel …* (D)

Weiss an dem ungebärdigen Himmel, schaukelt im Föhn der Mond: 
wie doch bläht sich die blaugrüne Seide, 
darauf hin und her rollt dieser bleiche Ball glanzlosen Lichtes. 
Alle Kinder erwachen und stehn auf den Dächern, 
zu haschen den Ball, 
05 hüpfen und springen hinab in den Himmel, 
der sie auffängt und wieder emporwirft 
die Jauchzenden, selber Gestirne, Gestirne der Märznacht 
über der einsamen Strasse, die durch die Hügel führt 
mit den besinnlichen Bäumen um die Gräber, 
wo die Toten der Jahrtausende stehn auf den 
Zinnen und lächeln den Geschwistern am Himmel. // 02
10 Kinder und Tote sind eins heute, Kastor geht 
in der Höhe mit Polydeukes, zu grüssen 
Helena, die Schwester, die von der Zinne 
des Grabmals winkt den spielenden Brüdern, 
und haschen den bleichen Ball glanzlosen Lichtes, 
hinrollenden auf blaugrün geblähter Seide, 
weiss an dem ungebärdigen Himmel, 
im Föhn schaukelnden Mond.

Ungebärdig rollt auf blaugrün geblähter Seide[,]
hin und her der Mond aus glanzlosem Licht. 
Alle Kinder erwachen und stehn auf den Dächern, 
zu haschen den Ball, 
hüpfen und springen hinab in den Himmel, der sie 
auffängt und wieder emporwirft 
05 die Jauchzenden, selber Gestirne der Märznacht 
über der einsamen Strasse, die durch die Hügel geht 
mit den wachenden Bäumen ums Grab, 
wo die Toten der Jahrtausende stehn 
auf den Zinnen und lächeln den Geschwistern 
am Himmel, 
10 haschen den ungebärdig auf blaugrün geblähter Seide 
rollenden Ball aus glanzlosem Licht.

Samstag, 01 September 1951       )

Ungebärdig rollt auf blaugrün geblähter Seide …* (F)

Ungebärdig rollt auf blaugrün geblähter Seide,
hin und her der Mond aus glanzlosem Licht. 
Alle Kinder erwachen und stehn auf den Dächern, 
zu haschen den Ball, 
hüpfen und springen hinab in den Himmel, der sie 
auffängt und wieder emporwirft 
05 die Jauchzenden, selber Gestirne der Märznacht 
über der einsamen Strasse am Hügel[,] mit den 
wehrenden Bäumen ums Grab, 
wo die Toten der Jahrtausende stehn auf den Zinnen 
und lächeln den Geschwistern am Himmel, 
fangen den ungebärdig auf blaugrün geblähter Seide 
rollenden Ball aus glanzlosem Licht.

Mittwoch, 14 März 1951       )

Wo denn wandeln immer herein …* (A)

Wo denn wandeln immer herein Helden und Fürsten
des Lebens
in der Tiefe, wo sie wandeln herein über den Golf 
des Nachts und aus der Blauen Grotte unter der Insel. 
Zerschellt liegt am Fusse des schneeigen Throns 
der Leichnam des Fürsten, 
05 den hereinschlug vom Ozean, den er frevelnd be- 
fahren, die Woge zur Warnung zurück ans Ufer. 
O du Vermächtnis des Tags an diesem Abend, wo 
die Essen dröhnen im Innern der Werkstatt: 
wie eine vergessene Sitte, wie ein abgerissenes Blatt, 
eine abgefallene Blüte 
schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
an den Himmel, 
in die gereinigten Gärten, wo denn immer wandeln 
herein Helden und Fürsten des Lebens.

Donnerstag, 15 März 1951       )

Immer wandelt herein der Bote der Tiefe …* (B)

Immer wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf des Nachts aus der Blauen Grotte unter 
der Insel. 
Zerschellt sieht er dort am Fusse des schneeigen Throns 
den Leichnam des Schiffers, 
den hereinschlug vom Ozean, den er frevelnd befahren, 
die Woge zur Warnung ans Ufer. 
05 O der Erinnrung des Tages an diesem Abend, wo 
die Essen dröhnen im Innern der Werkstatt, 
wie den vergessenen Vers, wie das abgerissene Blatt 
einer gefallenen Blüte 
schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
in die gereinigten Gärten, wo denn immer wandelt
über den Golf herein der Bote der Tiefe.

Freitag, 16 März 1951       )

Immer wandelt herein der Bote der Tiefe …* (C)

Immer wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf des Nachts, 
aus der Blauen Grotte unter der Insel. 
Zerschellt sieht er dort am Fusse des schneeigen 
Throns den Leichnam des Schiffers, 
05 herein schlug ihn vom Ozean, den er frevelnd befahren, 
die Woge zur Warnung ans Ufer. 
O der Tageserinnerung an diesem Abend, 
wo die Essen dröhnen in der hallenden Werkstatt. 
Wie den vergessenen Vers, wie das abgerissene Blatt 
einer gefallenen Blüte 
10 schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
in die gereinigten Gärten, wo denn immer wandelt, 
immer wieder herein der Bote der Tiefe.

Donnerstag, 22 März 1951       )

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe …* (D)

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf aus den blauen Grotten unter der Insel. 
Zerschellt sieht er dort am Fusse des schneeigen 
Throns den Leichnam des Schiffers: 
herein schlug ihn vom Ozean, den er frevelnd befahren, 
05 die Woge zur Warnung ans Ufer. 
O der Tagesreinnerung am Abend, 
wo hallt vom Dröhnen der Essen die Werkstatt 
aus dem dampfenden Krater. 
Wie den vergessenen Vers, wie das abgerissene Blatt 
einer gefallenen Blüte 
schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
10 in die gereinigten Gärten, wo denn immer wandelt, 
immer wieder herein der Bote der Tiefe.

Donnerstag, 22 März 1951       )

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe …* (E)

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf aus den blauen Grotten unter der Insel. 
Zerschellt sieht er dort am Fuss des schneeigen 
Throns den Leichnam des Schiffers: 
ihn schlug vom Ozean, den er frevelnd befahren, 
05 die Woge zur Warnung ans Ufer. 
O der Tageserinnerung am Abend, 
wo hallt vom dröhnenden Amboss die Werkstatt 
aus dem dampfenden Krater. 
Wie den vergessenen Vers, wie das agerissene Blatt 
einer gefallenen Blüte 
schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
10 in die gereinigten Gärten, wo denn immer wandelt, 
immer wieder herein der Bote der Tiefe.

Dienstag, 10 April 1951       )

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe …* (F)

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf aus den blauen Grotten unter der Insel. 
Zerschellt sieht er dort vor den abendgereinigten Gärten 
den Leichnam des Schiffers: 
ihn schlug vom Ozean, 
05 die Woge zur Warnung ans Ufer, 
wo Tageserinnerung am Abend hallt 
vom dröhnenden Amboss 
Werkstatt aus dem dampfenden Krater. 
Wie den vergessenen Vers, wie das abgerissene Blatt 
einer gefallenen Blüte 
.....

Dienstag, 10 April 1951       )

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe …* (G)

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf aus den blauen Grotten unter der Insel.

Zerschellt liegt dort vor dem abendgereinigten Garten 
der Leichnam des Schiffers: 
ihn schlug des Ozeans Woge zur Warnung ans Ufer, 
05 wo Tageserinnerung hallt am Abend vom Amboss 
aus dem schneeigen Krater. 
Wie den vergessenen Vers, wie das  abgerissene Blatt 
einer gefallenen Blüte 
schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
in den abendgereinigten Garten, wo denn immer wandelt, 
immer wieder herein der Bote der Tiefe.

Dienstag, 10 April 1951       )

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe …* (H)

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf – vorbei dem Leichnam des Schiffers <,>
den des Ozeans Woge schlug zur Warnung ans Ufer [,] –, 
nach dem abendgereinigten Garten, 
05 wo Tageserinnerung hallt am Abend vom Amboss 
aus dem schneeigen Krater. 
Wie den vergessenen Vers, wie das abgerissenen Blatt 
einer gefallenen Blüte 
schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
in den abendgereinigten Garten, wo denn immer wandelt, 
immer wieder herein der Bote der Tiefe.

Dienstag, 10 April 1951       )

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe …* (J)

Immer wieder wandelt herein der Bote der Tiefe
über den Golf – vorbei dem Leichnam des Schiffers, 
den des Ozeans Woge schlug zur Warnung ans Ufer – 
nach dem abendgereinigten Garten, 
05 wo Tageserinnerung hallt vom Amboss 
aus dem schneeigen Krater. 
Wie den vergessenen Vers, wie das abgerissene Blatt 
einer gefallenen Blüte 
schwemmt die grüne Leuchtluft herauf den Mond 
in den abendgereinigten Garten, wo denn immer wandelt, 
immer wieder herein der Bote der Tiefe.

Dienstag, 20 März 1951       )

Schnell rollen die Gestirne …* (A)

Schnell rollen die Gestirne über die Wipfel dahin,
wogen die Winde über die Flur, 
wenn die Seherin nach langer Fahrt sitzt am 
Eingang der Grotte, 
wo sich der Berg zum Ufer des Flusses hinabsenkt, 
05 und überschaut ruhigen Herzens die glänzende Tiefe, 
die fern aus der Ebene ragenden Klippen, 
leuchtend wie Segel der Schiffe tröstender Zukunft. 
Tröstender Zukunft Verheissung kommt durch 
die Lücke der Wolke 
auf grün samtnem Grund in der spielenden 
Schar der Sterne, 
10 flüchtigen Dienerinnen, die prangende Herrin, 
weisse Sichel in farbigen Dünsten. Noch einmal, 
nochmals bebt das innere Zelt, verschlossenes 
Heiligtum // 02
des Herzens der Frau am Eingang der Grotte, 
nochmals, doch leise, wie die Saite sich regt, 
15 wenn der Schläfer sie mit dem Ärmel berührt. 
Ihr Auge blickt gross, blickt freudig, das einst so 
viele Tränen geweint, 
blickt freudig hinaus zum Strom, zu den 
Klippen wie Segel, 
zu der Sichel empor in farbigen Dünsten, 
zu den tanzenden Sternen. Blickt freudig  
20 auf all die Weite, die sie lange durchfahren, 
ruft dann den Vogel vom Wipfel, dass er sich aus 
ihrer Hand 
nähre, dass er sie nachher begleite, sitzend auf 
ihrer Schulter, 
an ihre Wange das Köpfchen geschmiegt, 
hinein in die Grotte, bevor die Ränder sich röten.

Dienstag, 20 März 1951       )

Schnell rollen die Gestirne …* (B)

Schnell rollen die Gestirne hin über die Wipfel,
wogt der Wind über die Fluren, 
wenn die Seherin nach langer Fahrt sitzt am 
Eingang der Grotte, 
wo der Berg zum Ufer des Flusses hinabstürzt, 
05 und überschaut ruhigen Sinnes die glänzende Tiefe, 
die fern aus der Ebene ragenden Klippen leuchtend 
wie Segel der Schiffe tröstlicher Zukunft. 
Tröstlicher Zukunft Verheissung kommt durch 
die Lücke der Wolke 
auf grün geläutertem Grund in der spielenden 
Schar der Sterne, flüchtigen Dienerinnen, 
die prangende Herrin, weisse Sichel in farbigen 
Schleiern. Noch einmal, 
10 nochmals bebt das innere Zelt, verschlossenes
Heiligtum 
des Herzens der Frau im Eingang der Grotte, // 04
nochmals, doch leise, wie die Saite sich regt, wenn 
der Schläfer sie mit dem Ärmel berührt. 
Ihr Auge blickt gross, blickt freudig, das einst so viele 
Tränen geweint, 
blickt freudig hinaus zum Strom, zu den Klippen 
wie Segel, 
15 zu der Sichel empor in farbigen Schleiern, zu den 
tanzenden Sternen. 
Schaut freudig  auf all die Weite, die sie lange 
durchfahren, 
ruft dann den Vogel vom Wipfel, dass er aus 
ihrer Hand picke die Krumen, 
dass er sie nachher begleite, sitzend auf ihrer Schulter, 
an ihre Wange das Köpfchen geschmiegt, 
hinein in die Grotte, bevor die Ränder sich röten.

Mittwoch, 21 März 1951       )

Nach langer Fahrt überschaut die Greisin …* (C)

Nach langer Fahrt überschaut die Greisin
vom Eingang der Grotte, 
wo der Berg zum Ufer des Flusses hinabstürzt, 
ruhigen Sinnes die glänzende Weite, 
da schnell rollen die Gestirne hin auf den Wipfeln<,>
05 auf den Wechselwogen des Winds, 
überschaut die fern aus der Ebene ragenden 
Klippen, leuchtend wie
Segel der Schiffe tröstlicher Zukunft
Tröstlicher Zukunft Verheissung kommt durch 
die Lücke der Wolken 
auf grün geläutertem Grund in der Schar 
der spielenden Sterne, flüchtigen Dienerinnen, 
die prangende Heroin, Jägerin, weisse Sichel in 
farbigen Schleiern. Noch einmal, // 02
10 nochmals bebt das innere Zelt, verschlossenes 
Heiligtum des Herzens
der Frau im Eingang der Grotte, 
nochmals, doch leis, wie die Saite sich regt, wenn 
der Schläfer sie mit dem Ärmel berührt. 
Ihr Auge blickt gross, blickt freudig, das einst 
soviele Tränen geweint, 
blickt freudig hinaus zum Strom, zu den 
Klippen wie Segel, 
zu der Sichel empor in farbigen Schleiern, zu den 
tanzenden Sternen.
15 Blickt scheidend auf all die Weite, die sie lange 
durchfahren, 
ruft dann den Vogel vom Wipfel, dass er ihr aus der 
Hand picke die Krumen, 
dass er sie nachher begleite, sitzend auf ihrer Schulter, 
an die Wange das Köpfchen geschmiegt, 
hinein in die Grotte, bevor die Ränder sich röten.

Montag, 26 März 1951       )

Nach langer Fahrt überschaut die Greisin …* (D)

Nach langer Fahrt überschaut die Greisin
vom Eingang der Grotte,
wo der Berg zum Ufer des Flusses hinabstürzt, ruhigen 
Sinnes die glänzende Weite 
da schnell rollen die Gestirne hin auf den 
Wipfeln, auf den Wechselwogen des Winds, 
überschaut die fern aus der Ebene ragenden Klippen, 
leuchtend wie Segel der Schiffe tröstlicher Zukunft. 
05 Tröstlicher Zukunft Verheissung kommt durch 
die Lücke der Wolken 
auf grün geläutertem Grund in der Schar der spielenden 
Sterne, flüchtigen Dienerinnen, 
die prangende Heorin, Jägerin, weisse Sichel in
farbigen Schleiern. // 04
Noch einmal bebt das innere Zelt, verschlossenes 
Heiligtum des Herzens der Frau im 
Eingang der Grotte. 
Nochmals, doch leis, wie die Saite sich regt, wenn 
der Schläfer sie mit dem Ärmel berührt. 
10 Ihr Auge blickt gross, blickt freudig, das einst so 
viele Tränen geweint, 
hinaus zum Strom, zu den Klippen wie Segel, 
zu der Sichel empor in farbigen Schleiern, zu den 
tanzenden Sternen. 
Blickt scheidend auf all die Weite, die sie lange 
durchfahren, 
ruft dann den Vogel vom Wipfel, dass er aus der 
Hand picke die Krumen, 
15 dass er sie nachher begleite, sitzend auf der Schulter, 
an die Wange das Köpfchen gelehnt, 
hinein in die Grotte, bevor die Ränder sich röten.

Freitag, 31 August 1951       )

Nach langer Fahrt schaut die Greisin …* (E)

Nach langer Fahrt schaut die Greisin vom Eingang der Grotte,
wo der Berg zum Ufer des Flusses hinabstürzt, 
ruhigen Sinnes die Weite: den Tanz der Gestirne 
über den Wipfeln und den Wechselwogen des Windes; 
05 schaut die fern aus der Ebene ragenden Klippen, 
die wie Segel der Schiffe leuchten tröstliche Zukunft. 
Als tröstlicher Zukunft Verheissung kommt durch die 
Lücke der Wolken 
auf grün geläutertem Plan in der Schar der Gespielen, 
die lichte Herrin, Jägerin, Sichel in farbigen Schleiern: 
10 da bebt das innere Zelt, verschlossenes Heiligtum 
des Herzens 
nochmals der Frau im Eingang der Grotte. 
Nochmals, doch leis, wie die Saite sich regt, wenn der 
Schläfer sie rührt mit dem Ärmel. 
Ihr Auge wendet sich gross, wendet sich freudig, das 
einst so viele Tränen geweint, 
weg vom Strom, von den Klippen wie Segel, 
15 von der Sichel oben in farbigen Schleiern, von den 
eilenden Sternen; // 06
dann winkt sie den Vogel vom Wipfel, dass er sich 
sanft auf die Schulter ihr setze, 
sie begleite hinein in die Grotte, bevor die Ränder 
sich röten.

Samstag, 24 März 1951       )

Wie die Segel finden am Abend herein …* (A)

Wie die Segel finden am Abend herein über die goldgrüne Tiefe,
steht auf den Stufen der blinde Greis, von den Dienern gestützt, 
und empfängt die Ochsen, weisse, mit Kränzen geschmückt, 
zur Sühne bestimmt. 
– Sie kommen über die knarrenden Bretter aufs Land – 
05 empfängt die Schätze, Dreifuss und die Amphora voll Öl, 
das süss duftet. 
Doch den Kuss der Tochter, die Tränen, die die wiedergegebene 
weint an seiner Wange, 
nimmer erträgt ers und sinkt nieder wie der Baum, der die 
Früchte 
seines geduldigen Sommers jetzt, da der Herbst ihn lohnte, 
nimmer erträgt. // 02
Hilflos stünde das Mädchen vor den wie Schilde starrenden 
Segeln, die nach dem Offnen langsam entschwinden 
10 wie die Schlachtreihe, die sich fechtend zurückzieht, 
erschreckt unter all den wie Kriegesbeute ausgebreiteten 
Gaben; 
käme nicht tröstend die Nacht, die die Toten nicht weckt, 
aber einhüllt und den Schlafenden gleichmacht.

Sonntag, 25 März 1951       )

Wie die Segel finden am Abend herein …* (B)

Wie die Segel finden am Abend herein über die goldgrüne Tiefe, 
steht auf den Stufen der blinde Greis, von den Dienern gestützt, 
und empfängt die Ochsen, weisse, mit Kränzen geschmückte, 
zur Sühne bestimmte 
– sie kommen schwer über die knarrenden Bretter ans Land – 
05 empfängt die Schätze, Dreifuss und die Amfora voll Öl, 
das süss duftet. 
Doch den Kuss der Tochter und die Tränen, welche die 
wiedergegebene weint an seiner Wange, 
nimmer erträgt er sie und sinkt nieder wie der Baum, der die 
Früchte 
seines geduldigen Sommers jetzt, wo der Herbst ihm lohnte, 
nimmer erträgt. 
Hilflos stünde das Mädchen, irr unter all den wie Kriegesbeute 
ausgebreiteten Gaben: 
10 käme nicht tröstend die Nacht, die die Toten nicht weckt, 
aber einhüllt und den Schlafenden gleichmacht // 04
auf die wie Schilde starrenden Segel, die nach der See zu 
mählich über die schwarze Tiefe entschwinden 
wie die Schlachtreihe, die, wenn es dunkelt, sich fechtend 
zurückzieht.

Donnerstag, 26 April 1951       )

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da …* (A)

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da,
wandelnd ist der Stern herabgedrungen, 
hat der Sänger wandelnd stets sein Lied gesungen: 
Ob er auf den Bergen ging und Wälder dort entzückte, 
05 ob er die Tiere ihrer Not entrückte, 
ob er zerrissen stürzt in Stromes Fluten, 
ein singend Haupt, von überall gerufen, 
und schlagend auf die Augen aus dem Tod: 
unsterblich ist, wer der Stummheit aufgebrochnen 
Munds sein Lied entgegen sang, 
10 Gesang, der flutet durch die Schluchten, 
und dringt zum Meere, stärker als Mänaden rufen, 
erreicht die fernsten Menschenbuchten, 
und dort so tief gepflanzt wie andres Geschenk, wie 
Korn und Öl, 
schwindet nicht und nährt und trägt von neuem immer 
Frucht des toten Hauptes Lied.

Donnerstag, 26 April 1951       )

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da …* (B)

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da,
hat der Sänger wandelnd stets sein Lied gesungen, 
ob er auf den Bergen Wälder entzückte, 
ob er die Tiere dumpfer Not entrückte, 
05 ob er zerrissen treibt in Stromes Fluten, 
ein singend Haupt, das nimmer schweigend, 
unsterblich ist, da es der Todesstummheit kühn 
entgegensang, 
Gesang, der flutet durch die Schluchten 
und dringt zum Meere, stärker als  Mänaden rufen, 
10 erreicht die fernen Menschenbuchten, 
und dort, so tief gepflanzt wie Korn und Öl, die 
anderen Geschenke, 
er schwindet nicht und trägt von neuem immer 
Frucht und nährt, des toten Haupts Gesang.

Sonntag, 29 April 1951       )

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da …* (C)

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da,
hat der Sänger wandelnd stets sein Lied gesungen: 
wenn er Wälder auf dem Berg entzückte, 
wenn er Tiere dumpfer Not entrückte. 
05 Jetzt, zerrissen treibt sein Haupt in Fluten, 
unberührbar Haupt dem Tod, dem kühn es gegensingt 
Lied, das flutet durch die Schluchten, 
dringt zum Meere stärker als Mänaden rufen, 
greift die fernen Menschenbuchten, 
10 und, so tief gepflanzt wie Korn und Öl, 
schwindet nicht und trägt von neuem 
Frucht und nährt: Gesang zerrissnen, flutgetriebnen Haupts.

Montag, 30 April 1951       )

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da …* (D)

Wandelnd ist das Gleiche stets noch da, 
hat der Sänger wandelnd stets sein Lied gesungen: 
wenn er Wälder auf dem Berg entzückte, 
wenn er Tiere dumpfem Drang entrückte. 
05 Abgerissen treibt sein Haupt in Fluten, 
unberührbar Haupt dem Tod, dem kühn es gegensingt, 
Lied, das flutet durch die Schluchten, 
dringt zum Meere, stärker als Mänaden rufen, 
bis in ferne Menschenbuchten, 
10 wo, so tief gepflanzt wie Korn und Öl, es 
schwindet nicht, und trägt von neuem 
Frucht [,] und Nahrung noch den Enkeln: 
Sangzerrissnen, flutgetriebnen Haupts.

Wandelnd hat der Sänger stets sein Lied gesungen,
wenn er Wälder auf dem Berg entzückte,
wenn er Tiere dumpfem Bau entrückte.
Wandelnd hat der Sänger stets sein Lied gesungen,
05 wenn sein abgerissnes Haupt in Fluten
unberührbar treibt, dem Tode gegensingend
Lied, das flutet durch die Schluchten,
ruft zum Meere stärker als Mänaden rufen
bis in ferne Menschenbuchten, wo so 
10 tief gepflanzt wie Korn und Öl es trägt von
neuem Frucht und Nahrung noch den Enkeln:
wandelnd hat der Sänger stets sein Lied gesungen.

Wandelnd hat der Sänger stets sein Lied gesungen,
wenn er Wald und Berg entzückte, 
wenn er Tiere dumpfem Bau entrückte. 
Wandelnd hat der Sänger stets sein Lied gesungen, 
05 wenn sein abgerissnes Haupt in Fluten 
unberührbar treibt, dem Tode gegensingend, 
Lied, das flutet durch die Schluchten, 
ruft zum Meere stärker als Mänaden rufen 
bis in ferne Menschenbuchten, 
10 wo, gepflanzt wie Korn und Öl, es trägt 
neue Frucht und Nahrung noch den Enkeln: 
wandelnd hat der Sänger stets sein Lied gesungen.

Dienstag, 29 Mai 1951       )

Und der Engel fällt …* (A)

Und der Engel fällt wie eine
grosse Blume von dem Himmel,
aus dem Purpur in Smaragd: 
so doch glänzt die grüne Woge, 
05 wo in Zelten auf dem Floss 
schläft der König. Dem Erwachten 
schlägt die grosse rote Fahne 
hell die Seele, und er sieht 
diesen schönen Boten der ihm 
10 weist das neue Zeichen überm 
Drachen, der heranschwimmt, schwarze 
Flügel spreitend. Oben von dem 
Goldgebälke giessen weisse 
Engelrecken aus die Kelche 
15 Todesblutes auf den Drachen, 
den die Schlünde jäh verschlingen. 
Einzieht jetzt der neue König // 02
in den endlich offnen Hafen, 
in die aufgebrochne Stadt, 
20 setzt sich hoch auf der Estrade 
vor der Pfalz die Krone auf, 
wo das Volk ihm jubelnd huldigt 
unterm güldnen Baldachin. 
Und der Engel schwindet, wie die 
25 Blume Wogen Dufts verschwendend, 
in den Purpur aus Smaragd.

Mittwoch, 30 Mai 1951       )

Und der Engel fällt …* (B)

Und der Engel fällt wie eine
grosse Blume von dem Himmel,
aus dem Purpur in Smaragd: 
also glänzt die grüne Woge, 
05 wo in Zelten auf dem Floss 
schläft der König. Dem Erwachten 
flammt der rote Baldachin 
in die Seele, und er sieht 
diesen schönen Boten, der ihm 
10 weist den Drachen, der heranschwimmt, 
schwarze Flügel spreitend. Aber 
von dem Goldgebälke giessen 
Engelrecken aus die Kelche 
Todesblutes auf den Drachen, 
15 den die Schlünde jäh verschlingen. 
Einzieht jetzt der Sieger-König 
in den endlich offnen Hafen // 04
in die aufgebrochne Stadt, 
setzt sich hoch auf der Estrade 
20 vor der Pfalz die Krone auf, 
wo das Volk ihm jubelnd huldigt 
unterm güldenen Gezelt. 
Als der Engel schwindet, wie die 
Blume Wogen Dufts verschwendend 
25 in den Purpur aus Smaragd.

Samstag, 16 Juni 1951       )

Immer wächst …* (A)

Immer wächst, 
immer auf der Hand des Bräutigams die Dattelpalme: 
wenn der Löwe 
dem Diener vor der Tür die Hand abbeisst 
05 und hinein trägt 
vor den Thron des Königs. 
Des erschreckten Königs. 

Immer wächst, 
immer auf der Hand des Bräutigams die Dattelpalme: 
10 wenn der fremde Gast 
aufsteht und vom Löwen die Hand erbittet 
und sie wieder gibt dem wunden Mann, 
der sich niederwirft 
und mit der Stirn berührt den Boden 
15 vor eines Gottes wunderbarem Boten. 

Immer wächst, 
immer auf der Hand des Bräutigams die Dattelpalme: 
wenn der andre Mann 
küsst vorm Haus 
20 des Königs Tochter<.> // 01v
Sie nimmt den Kuss
und Druck der Hand,
gedenkend nicht,
dass schon um eine verlockte Frau
25Reiche stürzten,
folgt ihm an den Strand –
wohin voraus ging
der entlassne Löwe.

Immer wächst
30 immer auf der Hand des Bräutigams die Dattelpalme
in dem inneren Gemach,
wenn im Saale draussen
fällt der König,
fällt der ganze Hof
35 nieder vor dem fremden Gast,
eines Gottes wunderbarem Boten:

Immer wächst,
immer auf der Hand des Bräutigams die Dattelpalme:
wenn die Schwester
40 auf dem Pfad des Löwen flieht, // 02
wenn der König und der Hof 
niederfallen vor dem fremden Gast, 
der die Hand dem wunden 
Manne wiedergibt, 
45 als der Löwe 
bringt die abgebissne vor den Thron. 

Immer wächst, 
immer auf der Hand des Bräutigams die Dattelpalme.

Freitag, 22 Juni 1951       )

Wer das weisse Brot sich bricht …* (A)

Wer das weisse Brot sich bricht
und sein Glas hebt mit dem Wein,
sitzt, ob einsam, nicht allein 
auf dem schwebenden Altan: 
05 wissend ist er untertan 
Himmels hoffnungsreichem Licht, 

das herabströmt alle Sage 
über geistbewohnten Baum, 
alten Turm, der an dem Saum 
10 heller Stunden immer war, 
goldbedacht, kristallenklar, 
dass der Trinker nicht verzage: 

Brot ist Speise auch der Nacht, 
und der Wein, wenn schmolz die Leuchte 
15 unter dem Altan in Feuchte, 
hat des Baumes Kraft und Reine 
hellen Turms ins endlich Eine 
stillbestimmte heimgebracht.

Mittwoch, 20 Juni 1951       )

Fluss drängt von dem Himmelsgipfel …* (A)

Fluss drängt von dem Himmelsgipfel
nieder, nach der Lust des Sturzes,
stiebt empor den strengen Stein, 
dass er überwinde, was 
05 ihn noch hindert, hinzufallen, 
wie der Steppenreiter jubelnd 
ohne Zaum und Zügel fällt 
in die Schlacht: wo Bäume, Blumen 
diesen hellen Helden schauen, 
10 braust er in den Abgrund der, 
ob auch dunkel, mehr als Blust, 
mehr als Reiz der Blumen lockt, 
Fluss, der stürzt vom Himmelsgipfel.

Freitag, 22 Juni 1951       )

Thron und Gipfel dieser Gärten …* (A)

Thron und Gipfel dieser Gärten
jenseits schon dem Untergang  
heil am Rand des Weltenbebens 
in den Auen mit Gesang, 
05 welche dieses Ufer kränzen, 
welche dieses Land begrenzen: 

ruht in schimmerndem Gezelt 
hoch auf steigender Terrasse 
Herrin dieser ganzen Welt. 
10 Lächelnd sieht sie die Barkasse, 
Wimpel hell auf Mast und Rahen, 
mit dem Schatz des Ostens nahen: 

Was noch blieb von Ninive, 
Babylons Eroberungen 
15 kommen, wie der pure Schnee 
silbern stürzt, Gebirg entrungen, 
dass er zeuge und erwarme 
in der Ebne blühnde Arme.

Ehrner Schild fällt nicht aufs Haupt uns nieder,
nicht steht Woge fürchterlich uns auf: 
Himmel scheint, ein sanfter Baldachin, aufs Haupt
uns nieder; 
und der Fluss, ein Blumenband 
schmiegt sich an Bergeslehne. 
05 Auf dem Felsen in der Schleife freilich 
opfert alter König am Altar[,]
seinen Sohn dem Himmel, dass auf Volkes Häupter 
nieder 
ehrner Schild nicht falle. Und er opfert 
seinen Sohn dem Fluss, dass nicht die Woge 
10 stehe wider Volkes Stätten auf. // 01v
Doch der Fluss, ein Blumenband, schmiegt sich an 
Bergeslehne. 
Himmel scheint, ein sanfter Baldachin 
schon versöhnt auf Volkes Häupter nieder.

Ehrner Schild fällt nicht aufs Haupt uns nieder,
nicht steht Woge fürchterlich uns auf: 
Himmel scheint, ein sanfter Baldachin aufs Haupt 
uns nieder, 
und der Fluss, ein silbernes Geschmeid 
05 schmiegt sich an den sichern Felsen, wo der 
alte König opfert am Altar 
seinen Sohn dem Himmel, dass aufs Haupt 
uns nieder 
ehrner Schild nicht falle. Und er opfert 
seinen Sohn dem Fluss, dass nicht die Woge 
10 aufsteh wider sichern Felsen Fuss<,>
dass er bleib ein silbernes Geschmeid, 
sicherm Felsen der Himmel scheine 
sanfter Baldachin aufs Haupt uns nieder.

Samstag, 07 Juli 1951       )

Dieses scheidenden Tages …* (A)

Dieses scheidenden Tages
tröstlicher Abschied am Himmel, 
wenn nieder blinkt 
aus dem brennenden Kreis der Rose 
05 hoch in der Kuppel der Vogel 
herab in das felsige Tal: 
Glanz trägt er noch auf den Flügeln 
und bleibt Licht in den Klippen, 
wenn ich schon kämpfe allein 
10 mit dem Dunkel, das kriecht 
aus den Schlüften und mir das gehütete Lämpchen 
hämisch verzehrt. 
Ob ich auch werfe den Mantel 
wider den Feind, 
15 immer grösser füllt er die Öde, 
dringt in die Glut: 
in das Gebet, das ich mühsam, 
das ich bebend sende 
die Bahn des Vogels zurück, // 01v
20 der jetzt neben mir, leise sprühnden Gefieders 
bis zuletzt mich ermuntert: 
dort hinauf zu der Rose, 
die sich dreht in der Kuppel, 
o über dem Abschied des Tags, 
25 über der Schlucht mit der flackernden Lampe, 
über des Abgrunds Versuchung.

Sonntag, 08 Juli 1951       )

Tröstlicher Abschied …* (B)

Tröstlicher Abschied
dieses Tages am Himmel,
wenn nieder aus dem brennenden Kreis 
der Rose hoch in der Kuppel der Vogel 
05 blinkt herab in das felsige Tal: 
Glanz trägt er noch auf den Flügeln 
und bleibt Licht in den Klippen, 
wenn ich streite allein schon 
wider das Dunkel, das kriecht 
10 aus den Schlüften und mir das gehütete Lämpchen 
hämisch verzehrt. 
Ob ich auch warf den Mantel 
wider den Feind, 
immer grösser füllt er die Öde, 
15 dringt in die Glut: 
in das Gebet, das ich mühsam, 
das ich bebend sende 
die Bahn des Vogels zurück, // 01v
wenn er jetzt neben mir, leise sprühnden Gefieders, 
20 bis zuletzt mich ermuntert: 
dort hinauf zu der Rose, 
die sich dreht in der Kuppel, 
o über dem Abschied des Tags, 
über der Schlucht mit der flackernden Lampe, 
25 über des Abgrunds Versuchung.

Sonntag, 08 Juli 1951       )

Dieses Tages tröstlicher Abschied …* (C)

Dieses Tages tröstlicher Abschied, wenn nieder aus dem brennenden Kreis der Rose hoch in der Kuppel der Vogel blinkt herab in das felsige Tal: Glanz noch auf den Flügeln bleibt er, Licht, in den Klippen, wenn ich streite allein wider das Dunkel, das aus den Schlüften kriecht und mir das gehütete Lämpchen hämisch verzehrt. Ob ich auch warf den Mantel wider den Feind, immer grösser füllt er die Öde, dringt in die Glut, in das Gebet, das ich mühsam, das ich bebend sende die Bahn des Vogels zu-//rück, wenn er jetzt neben mir, leise sprühnden Gefieders, bis zuletzt mich ermuntert: dort hinauf in die brennende Wölbung über dem Abschied des Tags, über die Schlucht mit der flackernden Lampe, über des Abgrunds Versuchung.

Montag, 09 Juli 1951       )

Unter der Jagd der Wolken …* (A)

Unter der Jagd der Wolken brenn ich in den Felsen und zerreisse mein Kleid, dass mich nichts scheide von den Fluten des Himmels. Erst aber wenn in den Spalten der Wolken der Glanz erlischt und der dunkle Vogel, obgleich mit leise sprühenden Federn, ermunternd herabkommt, bricht die Blume silbern auf und streut den Samen auf meinen bereiten Acker: wie s in mir wächst und wie mich der Vogel lockt, die Schwingen bewegend und, aufwärts zeigt mit dem Haupt, wie sich mir, dem Staunenden, da die Schmetterlingsflügel entfalten: ohne Schwere heb ich mich auf und wandle durch die Stille tönende Nacht, von den Wächtern der Sterne // überallher mit Hochruf begrüsst, damit ich in der höchsten Blume süssem Abgrund trinke den Honig.

Mittwoch, 25 Juli 1951       )

Der du wie der ehrne Schild …* (A)

Der du wie der ehrne Schild
reinigend herniederfällst, 
Himmel, schone dieses Bild: 
schone diese Sommerflur. 

05 Der du wie der Drache wild 
reinigend empor dich reckst, 
Woge, schone dieses Bild, 
schon’ der erntereifen Flur: 

wenn der König am Altar 
10 Sohnes schuldlos Blut vergiesst, 
wird euch schrecklich offenbar, 
dass sein Tod euch Leben gibt. 

Der du wie der ehrne Schild 
reinigend herniederfällst, 
15 nur aus dem vergossnen Blut, 
Himmel, deine Macht erhältst. 

Der du wie der Drache wild 
reinigend empor dich reckst, 
nur aus dem vergossnen Blut, 
20 Woge, Todes Zähne bleckst. // 01v

Himmel, Woge, schont dies Bild, 
schont des Sommers Ernteflur. 
Blut, das reinigt, stimme mild 
Toddämonen der Natur.

Freitag, 05 Oktober 1951       )

Jetzt umfängt mich …* (A)

Jetzt umfängt mich der leuchtenden Muschel innere Wölbung, 
runde tönende Höhlung, 
tönend die Stille, die da ist ewig, 
immer gleich und kaum verändert 
05 steigt auf und steigt nieder auf goldenen Sprossen, 
Engel in immer klarerer Ordnung 
sind die tanzende Wand, Überraschung, 
des Raums bei näherem Zusehn. 
Diese lebendige lose, beflügelte, steigende Mauer, 
10 unendlich steigend, 
wie doch fasst sie mich in ihr Steigen, 
enthebt mich dorthin, auf neue Wiesen der Kindheit: 
Vertrautheit ganz mit Hummeln und Gras, 
ungetrennt von dem Himmel, 
15 argloses Herz und in der Stunde der Engel 
geöffnetes Antlitz.
 
Samstag, 06 Oktober 1951       )

Jetzt umfängt mich …* (B)

Jetzt umfängt mich
der Muschel tönende Höhlung,
tönend die Stille, die 
steigt an goldenen Sprossen aufwärts und nieder, 
05 Engel in immer klarerer Ordnung 
tanzen die Wand, Überraschung, 
des Raums, bei näherem Zusehn. 
Diese lebendige, lose, beflügelte, singende Wand, 
wie doch fasst sie mich in ihr Steigen, 
10 enthebt mich dorthin auf neue Wiesen der Kindheit: 
Vertrautheit ganz mit Hummeln und Gras, 
ungetrennt von dem Himmel, 
argloses Herz und in der Stunde der Engel 
geöffnetes Antlitz.

Samstag, 06 Oktober 1951       )

Der Muschel tönende Höhlung …* (C)

Der Muschel tönende Höhlung
umfängt mich,
tönend die Stille, 
die steigt an goldenen Sprossen 
05 aufwärts und nieder: 
Diese lebendige, lose 
beflügelte, singende Wand, 
Engel in immer klarerer Ordnung, 
tanzen den Raum Überraschung, : 
10 sieh, er fasst mich ins Steigen, 
hebt mich, hebt mich dorthin 
auf neue Wiesen der Kindheit, 
in Vertrautheit mit Bienen und Gras, 
ungetrennt von den Himmeln, 
15 argloses Herz und zur Stunde 
Gottes geöffnetes Antlitz.

Sonntag, 04 November 1951       )

Piazza del Esquilino IV (D)

Hier umfängt mich der Muschel 
innere Wölbung, runde, tönende Höhlung, 
tönend die Stille, die ewig 
gleich auf steigt und nieder auf goldenen Stufen: 
05 Engel in immer klarerer Ordnung 
tanzen die Wand, Überraschung, 
des Raums bei näherem Zusehn. 
Diese lebendige, lose, beflügelte, singende Mauer, 
unendlich steigend, 
10 wie doch fasst sie mich in ihr Steigen, 
erhebt mich dorthin auf neue Wiesen der Kindheit: 
Vertrautheit ganz mit Bienen und Gras, 
ungetrennt von dem Himmel, 
argloses Herz und in der Stunde Gottes 
15 geöffnetes Antlitz.

Montag, 29 Oktober 1951       )

Was bedarf ich noch …* (A)

Was bedarf ich noch, um niederschwebend zu sehen
Denkmale heiliger Stadt und unversiegliche Brunnen 
dieses Fluges hinweg und der Gefahr der Entrückung? 
Alles ist hier, wenn ich nur die Wirrnis durchwandre, 
05 löst sich alles in Licht, 
herab von erhöhten Orten, Keller und Gossen bespülend: 
hier ja gibt es nicht Niedres, 
stets nur bleibt es ein Anschein, 
verwirrend dämmriges Auge. 
10 Nur wer schaut, den ereilt im Chor der ewigen Jungfrau
leuchtenden Bildnisses Macht, das zeugt vom 
himmlischen Throne: 
ihn nur zwingt die Treppe, 
hinab zur Strasse, genannt nach Vier Brunnen, 
dass er sich der Engel erinnre und ihres Tanzes, 
15 wie sie schon Jakob gesehn, 
auf ähnlichen, auf verklärteren Stufen.

Mittwoch, 31 Oktober 1951       )

Was noch bedarf ich …* (B)

Was noch bedarf ich dieses Fluges hinweg,
aller Gefahr der Entrückung: zu schauen 
Denkmale heiliger Stadt. 
Wenn ich nur die Wirrnis durchwandre, 
05 löst sich alles ins Licht, das herab von den Kuppeln 
Gossen und Keller bespült. 
Das Niedre ist nur ein Anschein, 
wirrt das dämmernde Auge: 
Schauenden fasst im Chor der ewigen Jungfrau 
10 Bildnisses Macht, vom himmlischen Thron. 
Ihn zwingt die Treppe hinab 
zur Strasse, genannt nach Vier Brunnen, 
dass er der Engel gedenkt und ihres Tanzes, 
den schon Jakob gesehn, 
15 auf ähnlichen, auf verklärteren Stufen.

Sonntag, 04 November 1951       )

S. Maria Maggiore III (C)

Was noch bedarf ich,
dieses Fluges hinweg,
aller Gefahr der Entrückung: zu schauen 
Denkmale heiliger Stadt. 
05 Wenn ich nur die Wirrnis durchwandre, 
löst sich alles in Licht, 
das herab von den Kuppeln 
Gossen und Keller bespült: 
dies Niedre ist nur ein Anschein, 
10 wirrt das dämmernde Auge: 
Schauenden drängt aus der Apsis 
der Jungfrau hochleuchtende Macht, 
drängt mich, Flüchtling, die Treppe hinab 
zur Strasse, genannt nach Vier Brunnen, 
15 dass mir Engel genügen, 
Gedächtnis des Tanzes, 
den schon Väter gesehn 
auf ähnlichen, auf verklärteren Stufen.

Samstag, 01 Dezember 1951       )

Wölkt den Himmel leichter Schleier …* (A)

Wölkt den Himmel leichter Schleier,
weiss ich, dieser Herbst ist schön,
matten Schein im grünen Weiher 
weckt ins Blinken jäh der Föhn. 

05 Rote Astern, letztes Bluten 
reichen Jahrs, das nun verging, 
reissen dreiste Silberfluten 
nach ertrunknen Wäldern hin. 

Kahle Welt will nicht verraten 
10 Trauer, weil sie Schmuck verlor, 
zeigt ihr doch, das Sommer baten, 
Winter dort Geschmeide vor: 

Spendet schon den kalten Nächten 
seiner Sterne Zaubersprühn, 
15 eint aus sandverwehten Schächten 
Flammen dem Gewölbeglühn.

Dienstag, 04 Dezember 1951       )

Gruss des Dichters an den Winter (B*)

Wölkt den Himmel leichter Schleier,
weiss ich, dieser Herbst ist schön,
matten Schein im grünen Weiher 
weckt ins Blinken jäh der Föhn. 

05 Rote Astern, letztes Bluten, 
das ein Jahr zum Dank empfing, 
reissen dreiste Silberfluten 
nach ertrunknen Wäldern hin. 

Kahle Welt will nicht verraten 
10 Trauer, weil sie Schmuck verlor, 
zeigt ihr doch, das Sommer baten, 
Winter dort Geschmeide vor: 

Spendet schon den kalten Nächten 
seiner Sterne Zaubersprühn, 
15 eint aus sandverwehten Schächten 
Flammen dem Gewölbeglühn.

Samstag, 08 Dezember 1951       )

O Betrübnis ist die dunkle Delle …* (A)

O Betrübnis ist die dunkle Delle,
wohin Tag und Stunde fliesst,
seit ich treibe mit der grauen Welle, 
und der Himmel seine Schauer giesst, 

05 wenn zerrinnen Felsen in das Feuchte, 
Trümmer der Gebirge alter Zeit, 
quält mich Frage, welchen Sturm es bräuchte, 
welches Dämons wilde Herrlichkeit 

Trübsal dieses Winters wegzufegen, 
10 dass ich fände trocknen Uferpfad, 
Wachstums Kraft im kahlen Strunk zu regen 
hoch zum Schirm vors Sommersonnenrad.

1951 * (nicht datiert)       )

Dieser Schrein birgt süssen Duft …*

Dieser Schrein birgt süssen Duft, 
den die Winde herbewegen, 
Perserlandes Balsamluft, 
Huldigung, sie Dir zu legen 
05 webend um den frischen Kranz. 
Seine Farbe trägt der Schrein: 
lorbeerfarben muss er sein. 
Kleiner Gabe grössrer Glanz 
sei dir Freundschaft, neu beglückte, 
10 als Apollons Zweig sie schmückte.

1951 * (nicht datiert)       )

Fällt die Hülle vor dem Saal …*

Fällt die Hülle vor dem Saal
vor dem herrlich vorgestellten Mahl 
müssen jene scheiden 
finstre Geister diese Stätte meiden: 
05 Die sich abgewandt vom Licht

1951 * (nicht datiert)       )

Mondlicht rinnt, wachsende Klarheit …* (B)

Mondlicht rinnt, wachsende Klarheit
gen Mitternacht, und am klarsten im Forst, 
wo es nur einfällt hier am einzigen Weiher, 
und wo die Rose blüht um diese Stunde, 
05 Nachtblume, die Tag macht im nächtlichen 
Forst, wenn der Mond niederrinnt, 
blüht die geistige auf silbern am Wasser im 
Forst, heller als jedes Gestirn und Tag in 
der Nacht.

1949 * (nicht datiert)       )

Für Mareile:

Monde sind es, Jahre und Äonen, 
dass wir uns in dem ersten Garten trafen; 
will nur Tücke unsre Sehnsucht lohnen, 
dass wir, andre heut, uns wieder trafen? 

05 Wüsten sind nun ringsum, Schluchten, Klippen. 
Sonne birgt sich hinter Wolken streng. 
Fremd sind Deine damals süssen Lippen: 
Liebende als Kinder trennt uns Wissen streng. 

An der Steilung geh ich mit Dir hin, 
10 dieses Tages schwülen Himmel tragend: 
bricht aus Deinen Augen neuer Sinn, 
Wanderung zurück in jenen ersten Garten wagend?

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