Dienstag, 30 Oktober 1956

Artisten (D)

I

Im vom Bartisch beschworenen Dreieck stieg der Artist mit Bogen und Köcher auf die von innen leuchtende Likörflaschensäule und schoss den ersten Pfeil zuhöchst in den Himmel. 

02 Und gleich biss sich der zweite ein in des ersten noch bebende Feder. Alle Pfeile schoss er zur Kette, die vom Himmel herabhing und schliesslich leicht schwankend dastand mit dem letzten auf der leuchtenden Säule aus leergetrunkenen Flaschen. 

03 Nun kletterte er, gereizt von den vielen bunten Gelenken, die Pfeilkette empor, bis er vor dem Brüllen des Stiers und mehr noch vor dem dumpfen Aufprall der Hörner auf die Sternbälle zurückschrak: Doch schon ins Auge hob ihm die Hörner der Stier. 

04 Und die Gäste hingen wartend ins Glas, bis der Wirt, am anderen Tag, einen andern Artisten ohne Bogen und Köcher gefunden. 

II

01 Einen Trompeter fand er, der sich an seinem Tonseil geschickt in den Himmel hinabliess und dann mit den baumelnden Beinen die Sternbälle wegschob.

02 Doch er war noch schneller beim Stier und fiel grad in die aufgehobenen Hörner. Und die Gäste warteten nicht mehr am Bartisch und verlangten den Zuschlag heraus. // 12

03 Wen soll der Wirt jetzt noch suchen? Einen Jongleur mit Kugeln?: Der schwänge bald an seinen immer grösser geworfenen Ringen sich zu weit hinaus und könnte die Kugeln von den Sternen nicht mehr unterscheiden, geriete erst recht und noch schneller in die erhobenen Hörner. 

04 Versuche, Wirt, es ohne Artisten zu machen; denn zu virtuos sind sie heutzutage geworden und kommen dir alle schon am ersten Abend abhanden.


Blatt 11 (A-5-c_13_011.jpg)

D Die Artisten

I

Mitten im

01 Im vom Bartisch beschworenen Dreieck stieg der Artist mit Bogen 

und Köcher stieg der Artist auf die von innen leuchtende
und Köcher stieg der Artist auf die von innen erleuchtete Likörflaschensäule

und schoss den ersten Pfeil zuhöchst in den Himmel. 

02 Und gleich biss sich der zweite ein in des ersten noch bebende

Feder. Alle Pfeile schoss er zur Kette, die vom Himmel herabhing

und schliesslich leicht schwankend dastand mit dem letzten auf der

leuchtenden Säule aus leergetrunkenen Flaschen. 

03 Nun kletterte er, gereizt von den vielen bunten Gelenken,

die Pfeilkette empor, biser
die Pfeilkette empor, bis  vor dem Brüllen des Stiers und mehr noch

vor dem dumpfen Aufprall der Hörner auf die Sternbälle zurück-

schrak: Doch schon ins Auge hob ihm die Hörner der Stier. 

Und die Gäste l hingenUndGästehingen
04 Wie lange noch hingen die Gäste  wartend ins Glas?, Bbis

der Wirt, am anderen Tag, einen andern Artisten ohne Bogen und Köcher

sich suchte. gefunden.

II

01 Einen Trompeter fand er, der sich an seinem Tonseil geschickt

in den Himmel hinabliess und dann mit den baumelnden Beinen

die Sternbälle wegschob.

02 Doch er war noch schneller beim Stier und fiel grad in die

aufgehobenen Hörner. Und die Gäste warteten nicht mehr am Bar-

tisch und verlangten den Zuschlag heraus. //

Blatt 12 (A-5-c_13_012.jpg)

D Die Artisten2

03 Wen soll der Wirt jetzt noch suchen? Einen Jongleur mit

Kugeln?: Der schwänge bald an seinen immer grösser geworfenen

Ringen sich zu weit hinaus und könnte die Kugeln von den Sternen

nicht mehr unterscheiden, geriete erst recht und noch schneller

in die erhobenen Hörner.
 

04 Versuche, Wirt, es ohne Artisten zu machen; denn zu virtu-

os sind sie heutzutage geworden und kommen dir alle schon am

ersten Abend abhanden.

30.10.56

 

  • Besonderes:

    Zweiteiliger Text
    Verso: Typoskripte (Sebastian Franck, S. 78)

  • Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
  • Textart: Prosagedicht
  • Datierung: Vollständiges Datum
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/13_001
  • Seite / Blatt: 11, 12

Inhalt: 68 Manuskripte und 14 Typoskripte zu 14 Gedichten (keine Endfassungen)
Datierung: 27.1.1956 – 7.11.1956
Textträger: 113 Einzelblätter (A4-Format); v.a. durchscheinende Makulatur von Dissertation und Gedichttyposkripten, Nov. 1956 bräunliche Blätter
Umfang: 15 Dossiers, 128 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (7 Gedichte), Verstreutes (2 Gedichte)
Signatur: A-5-c/13 (Schachtel 36)
Herkunft: Grüne Mappe EG 56

Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften

Weitere Fassungen

Manuskripte 1956 (alph.)
Manuskripte 1956 (Datum)
Suchen: Manuskripte 1956