Samstag, 18 Februar 1956

Zwischen den Kerzen (A)

Mir ist zwischen den Kerzen zu sitzen bestimmt,
und nachts nur darf ich die Apfelsinen und die Kuchen, 
die ihr mir, ihr Frommen hinlegt, anrühren 
und trinken den Tee, den ihr mir unter Gebeten bereitet. 

05 Und es macht nichts, wenn einige noch auf der Treppe sitzen 
und auf die Wunder warten, die ich zu wirken vergessen: 
Denn euer Blick irrt zwischen den grossen Votivdrachen, 
die an der Decke um die Wette, mit ihren riesigen Schatten 
im Licht der Ewigen Lampe hin- und herschwanken, 
10 und findet mich nicht. 

Aber zuweilen, stummer Beter, muss ich dich ansehn. 
Und wenn ich mit dir, wie der andere Pilger, 
der bei dir sitzt und flüstert von den Beschwerden der Reise, 
wenn ich also flüstern könnte mit dir auf der Treppe, 
15 dann wäre ich dir der hilfreiche Gott, den du suchst. 

Aber du wagst nicht, mich anzusehn oder nur mit schrägem 
Schrecken im Auge, 
und so kann ich dir zwischen meinen Kerzen nicht helfen // 02
und esse müssig die Apfelsinen, die du mir darbringst.
Und kaue zum Flackern der Ewigen Lampe, 
20 das dich dort unten etwa wieder anfällt, 
wenn die Votivdrachen wegwendet der Windzug, 
verbannt auf den Altar, untätig, würdig zwischen den Kerzen. 

Während der Weihrauch mir einwölkt die Bewegung des Mundes, 
woran du sähest, sonst, dass ich nicht tot bin.


Blatt 01 (A-5-c_13_030.jpg)

A Zwischen den Kerzen

Mir ist zwischen den Kerzen zu sitzen bestimmt,

und nachts nur darf ich die Apfelsinen und die Kuchen, 

die ihr mir, ihr Frommen hinlegt, anrühren. 

und trinken den Tee, den ihr mir unter Gebeten bereitet. 

05 Und es macht nichts, wenn einige noch auf der Treppe sitzen 

und auf die Wunder warten, die ich zu wirken vergessen: 

Dennihrnhabt↓euer Blick ist abgelenkt durch irrt zwischen den
Denn ihr habt  die  grossen Votivdrachen an der Decke,

die an der Decke so auum die Wette
die an der Decke so aufgehängt sind, mit ihren riesigen Schatten 

dass sie sich immer

im Licht der Ewigen Lampe immer hin hin- und herschwanken, 

10 und findet mich nicht. 

Aber zuweilen, stummer Beter, muss ich dich ansehn. 

Und wenn ich mit dir, wie der andere Pilger, 

der bei dir sitzt und flüstert, von den Beschwerden der Reise, 

wenn ich zu mit dir auf der Treppe flüstern könnte

\ von den Beschwerden der | Reise,

wenn ich also flüstern könnte mit dir auf der Treppe, 

15 dann wäre ich dir der hilfreiche Gott, den du suchst. 

Aber du wagst nicht, mich anzusehen oder nur mi(blinzelndem)
Aber du wagst nicht, mich anzusehen oder nur m(zwinkerndem)
Aber du wagst nicht, mich anzusehn oder nur mit schrägem Schrecken

im Auge, 

und so kann ich dir zwischen meinen Kerzen nicht helfen //

Blatt 02 (A-5-c_13_031.jpg)

A Zwischen den Kerzen 2

und esse müssig meine die Apfelsinen, die du mir darbringst.

Kaue stumm, wenn
Schaue stumm, wie dich das Flackern manchmal¿ der Ewigen Lampe,

Immer¿

[ Das Flackern der Ewigen Lampe fällt dich dort unten,

wenn die Votivdrachen wegwendet der Windzug, etwa wieder an. ]

immer¿

IchUnd kaue dazu zum Flackern der Ewigen Lampe, 

20 das dich dort unten etwa wieder anfällt,

wenn die Votivdrachen wegwendet der LuftWindzug, 

verbannt auf den Altar, untätig zwischen den Kerzen

tot, untätig, würdig im Weihrauch zwischen den

Kerzen. 


[ Und der Weihrauch verbirgt die Beweg Bewegung , die des Munds,

dieallein dir zeigte
die  anzeigt, dass ich nicht tot bin. ]

18.2.56

Während der Weihrauchmir einwölkt
Während der Weihrauch  einwölkt  die Bewegung des Mundes mir einwölkt

woran du sähest, sonst, dass ich nicht tot bin.

 

  • Details:

    V. 16 schrägem] Alternativ-Varianten: zwinkerndem / blinzelndem

  • Besonderes:

    Verso: Typoskript↑ (Im Netz), durchgestrichen

  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: Vollständiges Datum
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/13_004
  • Seite / Blatt: 01, 02

Inhalt: 68 Manuskripte und 14 Typoskripte zu 14 Gedichten (keine Endfassungen)
Datierung: 27.1.1956 – 7.11.1956
Textträger: 113 Einzelblätter (A4-Format); v.a. durchscheinende Makulatur von Dissertation und Gedichttyposkripten, Nov. 1956 bräunliche Blätter
Umfang: 15 Dossiers, 128 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (7 Gedichte), Verstreutes (2 Gedichte)
Signatur: A-5-c/13 (Schachtel 36)
Herkunft: Grüne Mappe EG 56

Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften

Weitere Fassungen

Manuskripte 1956 (alph.)
Manuskripte 1956 (Datum)
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