01.01.1958 * (nicht datiert)

Der Schacht

Ball, du fällst aus dem Spiel in den Schacht
und triffst auf des Grundes Schwarzschlamm, bald,
verwirrst ihn, erhellst ihn,
indes er dich hinwiegt ein wenig
05 und herwiegt zum Wandnaß.

Aber ehe du triffst auf des Grundes Schwarzschlamm, erwäge:
tief ist der Schacht,
und drin weiß man nicht mehr,
wo unten, wo oben;
10 des Grundes Schwarzschlamm ist unten, ist oben.

So bleib denn still, Ball, in der Mitte:
schon – merkst du's? – dreht sich
langsam um seine Achse der Schacht.
Warte mit Fallen.

15 Gewinnst du nicht den Lachdank der Augen
dort, so verlierst du auch nicht den Lachdank der Augen
hier und stehst im gespannten
Zug der Augen im Schwarzschlamm
gleiche Verwirrung, Erhellung nach unten, nach oben.

Weitere Informationen

  • Zeitschrift: Ensemble. Ein Schweizer Beitrag zur zeitgenössischen Lyrik (1). Bern: Benteli, 1958, S. 59
  • Letzter Druck: Verstreutes
  • Textart: Reimlose Verse
  • Endfassung: ja
  • Strophen: ja
  • Signatur: D-3-b-01/a
  • Werke: Bd. 7, 185-186
  • Status Text: Definitiv
  • Priorität: Normal
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