Sonntag, 01 Januar 1961

DAS OHR DES DIONYSOS

Oben im Saal preßt Dionysos sein Ohr an den Mund der ehernen
Sibylle.

Die Gefangenen unten im Kerker werfen mit Kieseln.
Das Ei, das von der Decke hängt, ist voll Gift,
05 und wenn es zerbricht,
röcheln die Gefangenen verkrümmt an den Wänden.

Er nimmt wohl besser das Ei weg.
Nichts nützt ihm der Tod der Gefangenen,
wenn er nicht weiß,
10 was sie gegen ihn mit den Kieseln bereden.

Dionysos preßt vergeblich sein Ohr an den ehernen Mund der Sibylle.

Weitere Informationen

  • Details:

    Titel Korrektur: DIONYSOS → DIONYSIOS

    V. 1-2 Korrektur: zusammengefasst
    V. 1, 11 Korrekur: Dionysos → Dionys
    V. 1 Korrektur: ehernen → ehrnen
    V. 6, 8 Korrektur: Gefangenen → Gefangnen

  • Besonderes:

    Übergreifender Titel: Drei Gedichte; Handexemplar mit Korrekturen, entsprechend der Manuskriptfassung (D); vgl. dazu Raeber an Horst Bienek, 20.3.1961

  • Zeitschrift: blätter + bilder, Zeitschrift für Dichtung, Musik und Malerei, H. 12, Jan.-Febr. 1961, S. 72
  • Letzter Druck: Verstreutes
  • Textart: Reimlose Verse
  • Endfassung: ja
  • Strophen: ja
  • Signatur: D-3-b-01/a
  • Werke: Bd. 7, 192
  • Status Text: Kontrolliert
  • Priorität: Normal
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