Die verwandelten Schiffe 1957

schiffe kleinTitel: Die verwandelten Schiffe / GEDICHTE
Verlag: Hermann Luchterhand Verlag, Darmstadt, Berlin-Frohnau, Neuwied (1957)
Druck: Wiking Druckerei GmbH, Darmstadt
Inhalt: 49 Gedichte; Klappentext (Das Gedicht heute) von Raeber
Textträger: Broschüre mit Zeichnung auf vorderem Umschlag, 64 Ss

Kommentar: Beschreibung
Vorstufen
: Notizbuch 1954-1955, Manuskripte 1954, Typoskripte 1954

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AENEIS X, 219-223 Letzte

AENEIS X, 219-223:

Atque illi medio in spatio chorus ecce suarum
Occurrit comitum: Nymphae, quas alma Cybele
Numen habere maris, Nymphasque e navibus esse
Iusserat, innabant pariter, Jluctusque secabant,
Quot prius aeratae steterant ad litora prorae.

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DER SPIEGEL Letzte

Zum Kreis der Engel vom Grund der spiegelnden Vase
wölken die Dämpfe: der Talschlucht verwandter, verwundert
finden sich unten im Grund der spiegelnden Vase
von neuem die Engel, wo wölken die Dämpfe, verdunkelnd
05 das Bild der Engel, der hellen, die sich verwundert
verwandelt anschaun im Grund der spiegelnden Vase.

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AN DEN TOTEN SÄNGER Letzte

Verteilt in unzähliger Vögel Flügel und Stimme,
stiegst aus dem Rauch du hinauf,
über Scheitern in Flammen erneut:

Singst, wunderbar lindernd, am Morgen
05 den Trauernden, der dir verweinte
alle Stunden der Nacht,
vom Sims des Fensters in Schlaf,

als, über Scheitern in Flammen
erneut, du stiegst aus dem Rauch,
10 in Flügel und Stimme unzähliger Vögel verteilt.

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ABEND Letzte

Ich sitz am Säulenstumpf der Nacht und werfe
nach dem Polypen, der gen Westen sinkt,
das Netz und fange schließlich nur den Mond:
sein Schwimmen ohne Flossenregung tröstet
05 mit vieler Sternenfische Liderschlagen
gar bald mich, wenn ich leise aus der Flut
die Beute zieh zum Säulenstumpf der Nacht.

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DIE DREI KAMMERN Letzte

Schleich ich hinaus in die Hütte an der Grenze des Dorfs,
daß mir der Gruß des Bruders am Morgen nicht schrecke,
die vom Frühlicht schon ängstlich, die Taube;

steig ich hinauf in die Höhle über dem Wasser im Fels,
05 daß mir das Lied des Fährmanns am Mittag nicht schrecke,
die vom einzigen Tropfstrahl schon ängstlich, die Taube;

grab ich mich ein in die Steppe jenseits des Tals,
daß mir das Zirpen der Grille am Abend nicht schrecke,
die von der Mondspur schon ängstlich, die Taube:

10 klagen am Tag und klagen zur Nacht die Schakale
in das verschüttete Grab: wohin floh, wohin meine Taube?

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TAG UND NACHT Letzte

Den Tag in der Steppe kühlt mehr als der Quell unter Eichen
das Lachen des Mädchens dem Burschen entgegen, der,
gelehnt an die Tür, schaut, kauend Kerne des Mohns, durch
geschlossene Lider.
Die Nacht, wo sieden die Flöten und kochen die Tamburine
05 empor ums finstere Stampfen der Mädchen und Burschen, kühlt
tiefer
der überquellende Schein der einzigen Lampe
im Schiff der Kammer abseits, das schwimmt auf dem Brodeln.

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