Synopse

(2)
Sonntag, 01 Januar 1956    (    )

DIE SIRENEN

Wie als sie ans Ufer
schon geworfen die Taue
und einer gar schwamm hinüber,

wächst aus dem Mund des einen Matrosen
05 in der andern Gejohl, welche die Straße vom Hafen
ziehn zum kleinen Bahnhof mit den Kartuschen und der
Göttin aus schmutzigem Stuck, die emporhebt,
bedeutend, ein geflügeltes Rad,
überm Eingang zur Seilbahn – während
10 der Saison im Herbst und im Frühling
klimmt sie alle Halbstunden zur Höhe des Burgbergs
mit dem Kastell, das heute Museum – :

wächst aus Harmonika und Mund des einen Matrosen
mitten in der andern Gejohl, die, 
15 eingehängt girrenden Mädchen zur Rechten und Linken,
in Achterreihen die breite Straße hinaufziehn,
wo vom Gehsteig werfen die Kinder, die Mütter // 215
Blumen: unter die Schulterstücke stecken sie schnell
die einen, die andern, zu viel sind's,
20 zertreten sie; die Männer aber, gedrückt
an den Rand in den Autos, drehn nieder
die Scheiben und schwenken Hände und Hüte:

wächst aus Harmonika und Mund des einen Matrosen
der Liedbaum jetzt über das Stampfen, das lautere Johlen
25 – : der Straßenbahnzug hält an der
Querstraße keifend, gebremst vom
Gedräng der Blumen und Kinder,
der Mütter und Hände und Hüte und Autos – :

wächst aus Harmonika und Mund des einen Matrosen
30 auf einmal jetzt der Liedbaum, verschränkt
sich dicht in die Krone oben des Lieds im
Schiff vor der Insel, wo sie die Taue
schon ans Ufer geworfen und einer
gar schwamm hinüber,
35 in die Krone des Lieds, das vom Hauptmast
so mächtig hinaufwuchs, daß
sank unterm Schatten der Liedbusch,
der, duftend von Blüten, sie hinzog zur Insel.

Desselben Liedbaums,
40 der die Göttin aus schmutzigem Stuck, die klimmende Bahn mit
dem Burgberg,
einen Augenblick gar der Fremden Geschwätzkraut im Kastell,
das heute Museum,
gedoppelt jetzt überschattet

In: Verstreutes
Datiert: 1957    (    )

DIE SIRENEN

Wie als sie ans Ufer
schon geworfen die Taue
und einer gar schwamm hinüber,

wächst aus dem Mund des einen Matrosen
05 in der andern Gejohl, welche die Straße vom Hafen 
ziehn zum kleinen Bahnhof mit den Kartuschen und der
Göttin aus schmutzigem Stuck, die emporhebt,
bedeutend, ein geflügeltes Rad,
überm Eingang zur Seilbahn – während
10 der Saison im Herbst und im Frühling
klimmt sie alle Halbstunden zur Höhe des Burgbergs
mit dem Kastell, das heute Museum – :

wächst aus Harmonika und Mund des einen Matrosen
mitten in der andern Gejohl, die, 
15 eingehängt girrenden Mädchen zur Rechten und Linken,
in Achterreihen die breite Straße hinaufziehn,
wo vom Gehsteig werfen die Kinder, die Mütter
Blumen: unter die Schulterstücke stecken sie schnell
die einen, die andern, zu viel sinds,
20 zertreten sie; die Männer aber, gedrückt
an den Rand in den Autos, drehn nieder
die Scheiben und schwenken Hände und Hüte: // 33

wächst aus Harmonika und Mund des einen Matrosen
der Liedbaum jetzt über das Stampfen, das lautere Johlen
25 – : der Straßenbahnzug hält an der
Querstraße keifend, gebremst vom
Gedräng der Blumen und Kinder,
der Mütter und Hände und Hüte und Autos – :

wächst aus Harmonika und Mund des einen Matrosen
30 auf einmal jetzt der Liedbaum, verschränkt
sich dicht in die Krone oben des Lieds im
Schiff vor der Insel, wo sie die Taue
schon ans Ufer geworfen und einer
gar schwamm hinüber,
35 in die Krone des Lieds, das vom Hauptmast
so mächtig hinaufwuchs, daß
sank unterm Schatten der Liedbusch,
der, duftend von Blüten, sie hinzog zur Insel.

Desselben Liedbaums,
40 der die Göttin aus schmutzigem Stuck, die klimmende Bahn mit
dem Burgberg,
einen Augenblick gar der Fremden Geschwätzkraut im Kastell,
das heute Museum,
gedoppelt jetzt überschattet.

In: Die verwandelten Schiffe 1957
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