REQUIEM

Das Mädchen sitzt neben den Schwestern auf dem Sofa und
schiebt die Gardinen vom Fenster zurück 
und sieht das Schiff auf dem See, das immer wächst, bis es anlegt,

und sieht sich selbst, die Frau, die auf den Steg tritt,
wo einer ihr winkt und sie an der Hand faßt:
05 «Nein» schreit sie lippenlos, tonlos und risse den Knaben mit sich
zurück,
wenn er ihr nicht ans Ufer entwischte.

So flüchtet sie allein in die Kabine und schaut nicht hin auf den
Spitz,
der vor ihr das Männchen macht und sich, weil man die Brücke
wegzieht, ohne daß sie ihm sein Stück Zucker zuwarf,
verärgert fallen läßt und der Prozession in die Kirche nachläuft
und der Orgel ins Tantum Ergo hineinbellt.

10 Lieber fährt sie allein tiefer ins Gebirg;
und das Auge im Fenster folgt dem Dampfer zugleich mit dem
Auge des Knaben
vom Getümmel des Kais zur Enge, wo sich fast berühren die
Felsen
und wo die Kellner ein Sonnendach spannen übers Deck, für die
Dame,
die einzig noch da ist von der Sommergesellschaft:
15 Für den Fall, daß sie zur Teezeit herauskommt.

Weitere Informationen

  • Besonderes:

    Langzeilengedicht, mehrere Verse gebrochen

  • Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
  • Endfassung: ja
  • Strophen: ja
  • Seite / Blatt: 42
  • Werke: Bd.1, 062
  • Textnr.: 033
  • Priorität: Hoch
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