Typoskripte 1983

Inhalt: Typoskripte (Druckvorlage) zu 88 Gedichten + Nachwort (Essay); Inhaltsverzeichnis
Umfang: 14 Dossiers (232 Bll)
Textträger: Einzelblätter (A4-Format)
Publikation
: Abgewandt Zugewandt: Hochdeutsche Gedichte / Alemannische Gedichte (88 Gedichte)
Signatur: A-5-h/07 (Schachtel 44)
Herkunft: Roter Umschlag: Abgewandt Zugewandt / (Druckmanuskript) / (116 SS.) / Kuno Raeber, Ainwillerstrasse 1, D-8000 München 40 / Tel 004989 /39 3351

Vorstufen: Notizbuch 1979-82, 1980-88, Manuskripte 1979-1983
Kommentar
: Durchschläge (z.T. Kopien) mit Satzauszeichnungen und gestempelten Blattnummern (00001-00119); Titelei vom Verlag; oben Paginierung durch Raeber (3-116). Besonderheit: diphtongiertes "ië" bei den Mundartgedichten als überschriebenes "iö" dargestellt, z. t. mit Bleistift (Setzer) zu "ie" korrigiert (vgl. v.a. bei SCHTROOSS); auch Verdeutlichungen mit Bleistift (Detaillierte Angaben),

Eine KOPIE des Druckmanuskripts (A-5-h/06), die Raeber bei sich behielt, enthält einige zusätzliche Korrekturen (vgl. DETAILS); gleiche Verteilung der Texte auf 13 Dossiers; Dossier 10 zusätzlich eingeschoben für Zwischentitel
Wiedergabe: Edierte Texte

      )

BESCHWÖRUNG I

Aber wir wollten eine
Kugel machen zusammen
geschlossen spiegelnd
und glatt aussen woran
05 der Regen abliefe die Blitze
abprallten und wenn sie zu Boden
fiele rollte sie
unverletzt einfach davon.

Innen aber da wären
10 Gärten mit Brunnen mit Beeten
voller Rosen da wären
weiche Wiesen und Berge
blau wie von Bassano
und Wälder vor allem
15 Wälder das Unter-
holz undurchdringlich.

Inwendige Wildnis für dich
und für mich inwendige Zuflucht
eine Kugel
20 für dich und für mich
wollten wir machen.

      )

BESCHWÖRUNG II

Warm und mächtig
sanft
unaufhaltsam getragen
hinaus und ohne zu wissen
05 gib dich ergib dich
getragen hinaus
und keine
Küste und kein
Gebirge dahinter
10 aber das Rauschen die Fahrt
getragen hinaus
ohne Ruder und ohne
Steuer gib dich
der Woge und ohne
15 getragen hinaus
zu wissen
ergib dich.

      )

BESCHWÖRUNG III

Gegen-
steuern gegen
die Strömung und immer
schneller der Sog der
05 purpurne Wirbel und die
Gerippe der Schiffe und die
geborstenen Kisten verstreut
begraben im Schlamm die
Münzen der Dogen die
10 glucksende Kälte
gegen-
steuern gegen
den Löwen geflügelt
unwiderstehlich.

      )

BESCHWÖRUNG IV

Keine Regung
drinnen du hörst
nichts vom Getümmel
draussen vom Lärm im
05 Schatten des Baums die
Stille für dich
drinnen
Stille für mich.

      )

BESCHWÖRUNG V

Bäume die letzten
am Rand und drinnen
der Dornbusch anzu-
kommen und zu
05 verbrennen und Asche und eins
mit dem Sand die Begierde.

Aber der Sumpfwald nachher
aber
die Klagen der Vögel.

      )

EINGESCHLOSSEN

Heraus
genommen
heraus
geschnitten
05 heraus
gerissen aus deiner
Brust und fort
getragen weitab
weitab und blutend
10 abgetrennt von seiner Wurzel 
in die Kapsel aus Silber 
eingeschlossen 
und in den Pfeiler 
eingemauert

15 eingeschlossen
dein Herz.

 

      )

ALLLES HINAB

Alles hinab
alles über den Staudamm
hinab die
Löffel die Gabeln der Suppen-
05 topf und die Teller alles
alles hinab die Puppen die
Bären die Eisenbahn und der
Plüschelefant
alles hinab die
10 Hose die Jacke die Schuhe
alles alles
über den Staudamm hinab die
Stühle die Tische die
Betten alles
15 alles hinab und in den
Sturz des Wassers
hinab und am Ende
hinab du und ich hinterher:
wie das zusammen wie das
20 über dir über mir
zusammen und unten
die Stille die Stille der Fisch
stehend mit offenen Augen mit
leuchtenden Augen im Dunkel
25 betrachtend uns beide.

      )

AM ENDE

Und am Ende
weichen die Wände nach beiden
Seiten. Gleissend
die See und still und
05 keine Grenze nirgendwo nirgends es sei denn
der Strich der den Himmel
scheidet die Dünste 
blindlings scheidet vom riesigen 
silbernen Teller.

      )

DRAUSSEN

Draussen weit draussen
das Wrack die
ölige Lache. Der Sturm erst
bringt wieder die schwarzen
05 Kadaver die qualvoll
draussen weit draussen
qualvoll
verendeten Vögel.

      )

EINSICHT

Versunken im Schneematsch die nassen
Füsse. Das Eisbrett
von der Schmelze vergessen.
Höhere Einsicht.

      )

HALDE

Die dürren
Blätter Gefieder
zerzaust und
schillernd die leeren
05 Augen der Mittag
aber trotzig mit hundert
blitzenden Rudern
weicht
nicht von der Stelle.

      )

LICHTUNG

Die Lichtung wieder
verwachsen verschlammt
der Weiher keine
Pfähle kein Steg und kein Mond mehr
05 sichelscharf mitten
drin in der Wunde.

      )

GRABMAL

Aufgeschlagen der Vorhang
die Last des
Porphyrs auf dem
Genick dem
05 Bogen der Klinge. Die Löcher
der Augen saugend
und vor dem Eingang
erhoben die Sanduhr.

      )

AQUÄDUKT

Geschrei von den Mauer-
kanten herunter
und Anflug und Abflug die Sträucher
jählings duftend
05 die Tümpel um die
Pfeiler wie Weiher das Glucksen
der Sümpfe
Geschrei

      )

EINBLICK

Der Kopf in der Nische
zertrümmert und
die blutigen Binden.
Der Zug der
05 träge
kriechenden Käfer.
Von weitem mit langen
Pausen dazwischen
das Echo
10 der Tropfen im Ausguss.

      )

PFEILE

Einen nach dem
andern heraus
gezogen und auf-
gestapelt unter dem
05 Segel die Spitzen
getrocknet im leisen 
Wind die vor der 
Zeit beschwichtigte Blutung.

      )

NEBEL

Weisse o weisse
Schwaden wieder herein
geweht und von den
Wipfeln gefangen
05 schwebende weisse o weisse
Schwaden des Nebels
gefoltert beraubt
Tropfen die Tropfen
o weisse

      )

FLUSS IM GEWITTER

Und das Glitzern weit
unten weit wie
könnte es oben die Schwaden
erhellen und innen
05 stillen inmitten
die wütende Drehung?

      )

UND OHNE

Die Welle die Welle
das Haus
zerbrochen das Kleid
zerrissen die Sieben
05 Schwerter im Herzen
und dennoch
kein Tropfen verschlossen
die Welle die Welle
und ohne
10 Kraft die Begierde.

      )

ABER HINAUS

Aber hinaus ins
Wasser gegangen
und weiter und nach den
Kieseln der Sand
05 und weiter
draussen der Schlamm und
weiter und tiefer
draussen weich um die Füsse und kein
Knirschen mehr und kein
10 Klirren nur noch
Glucksen immer
wieder die gleichen
vagen Gedanken

      )

KENNST DU NICHT?

Kennst du nicht die
Strasse die Flocken
im Nebel
und nach dem Durchschlupf
05 hinter der Hecke jäh
den Geruch der Wildnis
kennst du ihn nicht und dahinter
den Streifen Sand und
aufgelaufen im seichten
10 Wasser das Wrack und
ohne Fenster und leer
geräumt und
ohne Türen?

      )

DAS IDOL

Abgewetzt
von den Küssen gestürzt
vergessen verkauft und
fortgebracht übers Wasser verworfen
05 geschmolzen im Stadtbrand und wieder
vergessen und dann
der eine der andre
im zufällig auf-
gebrochenen Graben der eine
10 der andre vom goldenen Mantel
unter Kakerlaken unter
gelblichen Maden
golden der eine gefunden
golden der andere Faden.

      )

RÄTSEL

Oder droben auf der
weissen Fläche über
dem steigenden Wasser
wenn nun ein Windstoss
05 die Wolken die Wolken zerrisse
oder der Blitz zerschnitte
die Schwaden der Blitz
einen Augenblick alles
bedeutend beglänzt einen Augenblick
10 alles im Nebel
oder droben wer weiss auf der weissen
Fläche oder über dem steigenden
Wasser wer weiss?

      )

MEERKREBS

Vom Rand des Tümpels
wenn er drüben das blaue
Segel über dem blauen
Meer unter dem blauen
05 Himmel sähe
was täte
der Krebs vor der dreifachen Bläue?

Aber der Grund
des Tümpels die Rückkehr
10 nicht zu vermeiden.

      )

JENSEITS

Jenseits der schwärzlichen
Moore hinter dem trocknen
Gestrüpp dem breiten
Kiesband am Ufer
05 jenseits der windigen
Hänge mit den Baracken
jenseits der Schluchten voller
Skelette jenseits der lecken
Boote der Stürme der Schiff-
10 brüche der wunder-
baren Errettungen jenseits
jenseits der warmen
Golfe der verwunschenen
Inseln jenseits des äussersten
15 Saums und des letzten des aller-
letzten Augenblicks
jenseits

      )

STILLEBEN

Und das zersprungene Ei das
brennende Haus und das Taxi
mit der Leiche im Fond die
Schnecken auf der
Stirn und der Wange
05 auf der Mole die Rippen
des Schiffs am Strand die
toten Vögel schwarz
verschmiert die Gebeine
im kristallenen Sarg
10 in Gold und in Perlen gefasst be-
krönt mit Rubinen die Blumen
gelb der Ginster und der
Frauenschuh purpurn der Rauch
aus den Schloten geduckt
15 über den Dächern der Hund
in der Kuhle verendet die Lokomotive
rostig auf den verwachsenen Schienen der Engel
mit dem gezückten
Schwert auf dem Gipfel
20 des Grabmals die aufge-
rissene Brust mit dem flammenden
Herzen der Wind
hart und sandig von den
Dünen herüber die Blumen
25 Eisenhut und Drachenkamm unter
Disteln verborgen die prallen
Stengel und aus der
Wolkenmanschette
die Hand mit der Rose

      )

WENN ES KÄME

Wenn es käme
wenn es nochmals
käme über den Weiher der Mastbaum
namenlos aufge-
05 richtet am Bug und das schwarze
Laken am Heck
das Gerüst und die grosse
Glocke die Balken
ächzend wenn es heran-
10 käme nochmals als ob
es keiner bewegte
und unter den tropfenden
Steinen heran-
käme und auf die Lücke
15 zuführe und durch die Lücke
diesmal hinaus-
führe und sich im weissen im weit
aufgerissenen Rachen
diesmal draussen verlöre

      )

ABGEWANDT ZUGEWANDT

Abgewandt von den
Häusern den
staubigen Bäumen
dem Platz mit den
05 kantigen Steinen
abgewandt von den
Laken die von den Seilen herab
hängen der Schweiss der
Nächte darin die
10 Todesangst und das
Gestöhn wenn der Morgen
herankommt
zugewandt mit dem
Gesicht den Felsen den
15 Klippen ins Meer
in den Spalten
wenige Blüten
aber blau aber rot
das Tor vor der Flut
gleich wieder verschlossen
20 zugewandt dem
Strand mit den Kieseln den leeren
Gräbern im Steilhang
dem Flügel der lautlos heran
gleitet und alles
25 zudeckt den Schimmer
auslöscht die
bleierne Platte
den Duft von
versteinerten Blumen
30 hin und her 
irrend darüber
abgewandt von den
Häusern dem
Staub und den Strassen
35 zugewandt dem offenen
Tor unterm über-
hängenden Felsen
Erwartung.

      )

SPRITZER

Die Spritzer auf dem
Spiegel die Krümel
auf dem abgegessenen
Tisch keine
05 Botschaft die
Knochen im Eimer
nicht einmal eine
Drohung im halb
geöffneten Fenster vier
10 Monate schon dauert der Winter der
Kanal im Dunst
im vereisten
Tümpel keine Botschaft und erst
recht keine Drohung der Fuss
15 nicht einmal auf die erste
Stufe gesetzt der
Sog des Kellers und ange-
kündigt von Käfern
schwarz aber und glänzend
20 das Leder der Bank im
knarrenden Aufzug und auf dem
Spiegel die Spritzer 

      )

PUNISCHER KRIEG

Einer
hinter dem andern und tief
in den Nebel die
niedrigen Hügel und dann das
05 Flattern darüber im
Regen das
Flattern im Schnee doch schon um die nächste
Biegung die hohen
Stapel am Wasser die vielen
10 Galeeren eine 
hinter der andern die Einfahrt 
versperrt Elefanten 
draussen gefangen die 
wütenden Rüssel und um die 
15 nächste Biegung wieder 
die Hügel der Nebel 
wieder das Flattern 
im Regen im Schnee in allen 
Wänden die Lücken erschüttert 
20 vom Ton der Trompeten.

 


      )

FALTER VERLASSEN

Für Karl Rössing

Barfuss barhaupt die Welt
verlassen der Falter in der
Höhle gefangen und das
Poltern der Brocken
05 barfuss barhaupt die Welt
verlassen der leichte
Falter aber
eingesperrt aber
gefangen und das
10 Poltern der Brocken
barfuss barhaupt die Welt
verlassen und einge-
sperrt und gefangen
in der Höhle verrammelt
15 der dunkle der leichte
Falter
verlassen verlassen.

      )

Stadtnacht

Aus der Mitte lauf
durch die Alleen hinaus
lauf und halt nicht an am
aufgelassenen Friedhof
05 tritt nicht durch die enge
Pforte steig nicht
in das Beingewölbe
hinunter Geruch der
Pfützen säuerlich süsslich
10 durchtränkt die
Papiertaschentücher
an der Ampel
oben ein Quietschen ein
Wagen hält und
15 halt nicht lauf weiter
über die Brücke die
Mitte Widerschein hell am bewölkten
Himmel die Ab-
geschiednen gelehnt
20 an die Bäume halt nicht
halt nicht und lauf
zurück über
die andere Brücke
durch das Tor ohne
25 Flügel kein Eingang
kein Ausgang zurück
halt nicht halt nicht
lauf
in die Mumie gleissend und
30 nicht zu erwecken
hinein in die Mitte.

      )

NEW YORK I

Was für Blumen was
für Blätter weg-
geworfen die Stengel
schwarz und zertreten
05 die Zypresse jedoch
über den Bäumen und über
Pylonen die
Pyramide.
Oder die Wüste kristallen
10 glänzend geschliffen Beschwörung  
des Todes Zau- 
bergeste gegen den leeren 
Himmel erhoben ohne 
Trost ohne Tränen 
15 Kartenhaus immer 
vertrackter immer 
höher gebaut einge-
stürzt und abge-
rissen und unermüdlich 
20 wieder begonnen zwischen den beiden 
Flüssen des Paradieses zusammen-
gebraut aus tausend 
Geräuschen. Da liegt 
der totgesagte der 
25 haarige Reise immer noch 
schau nur im Gras und hält die 
Muschel ans Ohr lauschend 
und lacht.

      )

NEW YORK II

Wolkenkratzer als neue
Leiber für
die Senatoren Venedigs ab-
gerissen im Aufbau und wieder
05 errichtet endlos
die Prozessionen
der Skarabäen
der Pharaonen die Häute
schuppig und bunt
10 im Dickicht der Tempel
allein auf der Lichtung
Prozessionen
und die Opferung auf dem 
blutigen Altar verwischt
15 überwuchert und jetzt
die Avenuen vereist
die Bäume
schwarz ohne Blätter
Prozessionen
20 von überall her
nirgendwo aber
ein Grab ein Gehäuse mit einem
Kraut einem Knochen
einem abgerissenen Fetzen
25 heiligen Linnens.

Uptown Flügel schleift
Downtown hinunter die Federn
der Flaum verklebt von Teer und von Kot
die Avenue
05 Uptown Downtown vom Eiswind
gerissen hinunter die Federn
schmutzig der Flaum
verklebt und schmutzig von Teer
und schmutzig von Kot der Flügel Türkis-
10 flügel jetzund nicht mehr
Uptown schleift
abgerissen vom Eiswind im Schnee von der letzten
Woche Downtown hinunter der schöne
Flügel Türkis-
15 flügel jetzund nicht mehr die Federn
schwer und schmutzig verklebt von
Teer und von Kot verklebt
und schwer und schmutzig der Flaum
schleift im Schnee von der letzten
20 Woche schwärzlich
liegen geblieben
Uptown die Avenue
Downtown hinunter Türkis-
flügel jetzund Woche nicht mehr
25 schwärzlich verklebt und schwer und
schmutzig liegen geblieben die Federn
der Flaum ab-
Uptown gerissen vom Eiswind der Flügel die Sechste
Downtown der schöne
30 Downtown hinunter
Türkis

      )

NEW YORK IV

Saugen
langsam inständig
saugen unab-
lässig saugen ohne
05 je zu erlahmen mit ganzer
Seele saugen nur
saugen
angesogen heran
gesogen nahe immer
10 näher heran
gesogen und
näher und näher
heran und voll
gesogen und
15 voller und voller
gesogen einge-
sogen herein immer
tiefer herein
gesogen und
20 tiefer und tiefer
herein und aus-
gesogen und immer
mehr ausgesogen ganz
ausgesogen leer 
25 bis zur Neige gesogen.

      )

NEW YORK V

Häute von den
Wänden hängende
Häute abge-
schälte abge-
05 zogene Häute
überall von allen
Wänden herunter
hängende Häute vom
Blut vom Fleisch von den Knochen
10 befreite reine
gereinigte Häute
an Nägeln an reinen
gereinigten Köpfen
der Nägel herunter
15 hängende Häute
von den säuberlich in den
geputzten in den geschrubbten
Wänden von allem
Schmutz gesäuberten Nägeln
20 von den blitzenden Köpfen der Nägel
reinlich verteilt über die peinlich
gereinigten Wände herunter
hängende Häute.

      )

NEW YORK VI

Wärst du nur hinten
in der Schlange geblieben und hättest
dich nicht nach vorn ge-
drängelt sie hätten
05 dich noch früh genug
an die unterste Stufe der Treppe
geschoben sie hätten
dich noch früh genug die Treppe
Stufe für Stufe hinauf
10 gestossen sie hätten
dich noch früh genug
auf der obersten Stufe der Treppe
festgehalten sie hätten
dich noch früh genug
15 nicht mehr zurück
nie mehr hinunter gelassen
sie hätten

      )

ROM I

Bis hoch hinauf das
Geröll die Schwärme
der Tauben die Hündin
alt mit hängenden Zitzen
05 das brünstige
Zucken der Zunge Geruch
noch immer
scharf zwischen den Steinen.

      )

Rom II

Der Schatten
plötzlich auf dem entleerten
Platz. Die Asche
unter dem Rost die
05 eingetrockneten Tropfen
Erinnerung an die
irdische an die
himmlische Liebe ein Schwirren
bald näher bald ferner. Das Rad
10 dreht sich im Regen.

Der Staub der
Wind die
Wirbel im Tor der
riesigen roten
05 Mauer
und drinnen die Becken
vertrocknet Gelächter
Gejauchz in den Bögen verloren
der Kot
10 der Vögel und die Umarmung
später
verspätet im Wagen.

      )

ROM IV

Und ein Gedanke
lange
schwebend und
unergossen ein Schatten
05 unentschlossen dahin
fahrend über die Gärten die Dächer
schaukelnd und dann die
Böe jäh die
Regenentschliessung.

      )

ROM V

Der Sturmwind vom Palatin
herüber und dann
der Regen man braucht keinen Kuchen
mehr bei Giolitti zu kaufen nur einfach
05 hinunterspringen vom Dach und
über den Böen leise
und weich hinweg
über die Kuppeln weich
und leise hinweg
10 über die Plätze und wenn
die Motociclette dort unten
vor der Maddalena noch
so laut hupen und wenn
die Stimme dort unten
15 am Pantheon noch so
schrill kreischt
o Taumel
Glück der Entrückung.

Und dann das Becken
ausgelaufen das warme
das kalte Wasser nicht einmal ein toter
Fisch der Wärter im dunklen
05 Anzug und niemals im warmen
niemals im kalten
Wasser gebadet doch gegen
den Regen eine zusammen-
gefaltete Zeitung.

      )

ROM VII

Düfte von nie
gerochenen Blumen die Lüfte
dicht zu Gewölk und
dichter geronnen die Knochen
05 aus den Binden heraus
und davon
geschwemmt von der Schlammflut.

Unter den Mauern
sagst du unter den Wurzeln
sollten wir suchen den Einstieg
in das Gewölbe:
05 Die Nischen dort unten die Wände
tropfend das sei
eher nach unserem Herzen.

Das Heulen aber der Hupen
der Widerhall von den Mauern
10 vom Gewölbe dort unten und aus den
Nischen und von den Wänden
tropfend unter den Wurzeln
was sagst du?

      )

ROM IX / Via Appia

Das Grab
begraben unter
Gestrüpp der Wagen
ächzt die Brüste
05 versickern
glitschige Stufen
gestillt die
Schattengewächse.

      )

ESCORIAL I

In die Säle hinein
in die Zimmer durch alle
Gänge Wider-
hall deiner Schritte innen
05 zuinnerst die Zelle
der Rost und die Kohlen 
darunter Geruch von verbranntem
Fleisch
und dann zurück durch die Säle
10 die Zimmer durch alle 
Gänge Wider-
hall deiner Schritte hinaus 
ins Freie die Weite 
winzige Falter und weiss 
15 über den Büschen.

      )

ESCORIAL II

Oder unten durch die
Keller und durch die Grüfte die feuchten
Kutten in Fetzen
zerfallend in Fäden Partikel
05 farblos und muffig
riechend und in den Kapuzen
quiekende Mäuse und vorn
am Ende die Kästen mit schweren
Deckeln versunken
10 im Schutt doch im ängstlichen
Licht die Windung der Treppe und oben
von neuem die Weite
winzige Falter und weiss
über den Büschen.

      )

ESCORIAL III

Oder von Turm zu Turm von einem
Giebel zum andern der Schall
der Glocken als käme
der Richter am Himmel und nicht
05 eine einzige Wolke die weissen
Kaninchen und weit
entfernt sich zu fürchten am Fuss
der bebenden Kuppel
mampfend und in den Augen
10 Neugier blinkend sie sind
bestimmt für das Nachtmahl.

Von Wien
stieg er auf und über
dem Schwarzwald erschien er
als einheimischer Vogel und doch
05 war es vermutlich im persischen Hochland wo er
ausschlüpfte aus dem
Ei aber das ist
zu lange her über
Frankfurt steht er
10 seit einem halben Jahrtausend
von Zeit zu Zeit immer wieder und manche
behaupten sogar er habe
eine zeitlang zwei Köpfe gehabt ein Fabel-
tier sei er damals gewesen doch seither
15 ist er ein einfacher
Vogel nun schon
lange allein und ohne
Genossen und findet
zwischen den Wolken-
20 kratzern sein altes
Nest St. Bartholomäus nicht mehr schon auf
Goethe hatte er dort
nur noch exotisch
gewirkt wie aus einem fernen
25 Zwinger hergeflogen da fällt
eine Feder und dort
eine Feder herunter Passanten
lesen sie auf und erinnern
sich sie hätten ihn neulich
30 im Nordosten auf einem verschneiten
Sandplatz im Schnee
sitzen sehen abgemagert und heiss-
hungrig schnäbelnd wie lang
ists her dass er über den Toren der freien
35 Städte aus goldenen Tellern
frass und von Castel del Monte die Flotten
der Sarazenen die Segel
mit dem geflügelten Löwen erspähte dass er in der Höhle
am Palatin hauste bequem 
40 und gefürchtet noch heute 
schmerzt ihn der Rauch in den Augen 
womit man ihn austrieb 
doch auch über Frankfurt wird er sich nicht mehr 
halten können schon bald
45 hat er alle Federn verloren man wischt sie 
jeweils morgens um fünf Uhr 
an der Konstabler- 
wache zusammen er fällt 
wenn er Glück hat am Römer 
50 herunter ein kahles 
ausgemergeltes Aas liest ihn ein Türke 
vom Pflaster auf und wirft ihn zum übrigen 
Müll in den Container.

Nicht der von 1789 in Paris  
der von 1794 in Frankfurt am Main der  
vierzehnte Juli Goethe
war weit fort in Weimar die Frau
05 Rat lebte immer noch beide
hatten keinen Sinn für das was da
vorging als der grämliche
Franz von Toskana als Letzter
die Römische Krone empfing
10 Sakrament und Beschwörung einer
magischen Ordnung voraus-
weisend auf das universale
Reich des ewigen Friedens das es
bis heute nicht gibt und auch der
15 Völkerbund und die Vereinten
Nationen sind erst
Voranzeigen weniger sinnen-
fällig als der lange
Flug des Adlers vom Nil bis zum Main aber dafür
20 schon allgemeiner die Krone
die heilige Lanze waren für Goethe
und für die Frau Rat nur
Antiquitäten das All-
gemeine gab es für sie nur als eine
25 moralische Übereinkunft der Menschen das Reich
war ein Überbleibsel
der mittleren Zeit und die Krönung des Kaisers
ein gemütliches Schauspiel aus der 
Heimatgeschichte was ist es
30 da zu verwundern dass die
Söhne und Enkel den Frankfurter vierzehnten Juli über
dem Pariser vergassen und aus dem // 
Reich einen weiteren
Panzerwagen machten unter den vielen
35 Panzerwägen alle plombiert und einander
bedrängend zerquetschend auf der
schmalen Strasse zur Welt-
macht und zum Reichtum die Doppel-
krone des Oberen und des
40 Unteren Reichs kommt ins
Museum der Horus-
falke in den Zoologischen Garten der wahrhaft
sittliche wahrhaft
vernünftige Mensch versteht die
45 Zeichen nicht und hat sie
der glückliche
auch nicht mehr nötig.

      )

GFRÖRNI

Meteme Gfrörni am Zeche
chantsch lang go
täubele chantsch
lang go nauggle:
05 hättisch ned gaugglet
verosse hättisch de Fuess
ned use lo plampe de Schmotzli
dä Cheusi dä cha
der ned hälfe de chantsch
10 no so mängisch zuenem
hendere tühssele chantsch
no so lislig ond lieb
goge chlöpfele a sini Töre
ond briegge dä cha
15 der ned hälfe.

      )

ET IN ARCADIA EGO

To ned müede to
ned sage ech
chome ech chome ghörschs Müsli
ned scho chröschpele ghörschs
05 ned scho tühssele denne em Hüsli denne
onder de Teli? Meintsch öppe
meintsch ech täg tampe nei
ech tone nome ned hösle du mosch
ned müede du mosch
10 ned sage du mosch
nor nochli beite gaume
mosch nor no es Wili
ech chome.

      )

S LIBLI

Ond deh sig de Tod
usecho seidmer ond heig e de Hand e
glänzegi Sägesse gha ond är heig
nome es wiesses
05 Libli agha öber sim Greppi das sig
grad gäbig gsi seidmer mer heig
dor sis Libli dore em
Tod sini Reppi seidmer
ganz reng chönne zelle.

      )

MOSCH NED TÄNKE

Mosch ned tänke dass der
öpper täg zleid
wärche wenn jetz of einisch
d Wolke de Nomittag schwarz
05 machid das esch
nome wels us-
schnuft ond i-
schnuft ond ned
glichlig cha blibe ond d Chöpf
10 vo de Nägle send scho
glänzig vom Räge.
 

      )

DE SCHOPPE

Gömmer e Schoppe s Schtroh
chröschpelet onder de Füesse
das lang
Plange esch äntlech
05 verbi mer gschpört vo dehr
de Schnuf ond vo
mehr ganz warm of einisch
chröschpelets nömme ond s esch
weich dehende s esch
10 heiss ond ghörsch
wes tod ruhsche?

      )

BLÖSELE BLOSE

Blösele ond s
gohd uf ond werd
grösser ond grösser
blose deh werds
05 grusig deh
werds osennig gross ond
tröckt eim
eifach a d Wand äne ond
ufe a Teli
10 ufe nömme
blose ond nömme
blösele s werd
chliner ond werd
emmer chliner ond werd
15 ganz monzig zletscht ond
verschlüft sech e Bode
ine ond esch of einisch
eifach niene meh ome.

      )

VORSI

Vorsi luege ond nie
hendere luege
ond deh of einisch
nömme witer wösse ond nömme
05 vorsi chönne ond schtoh
blibe of einisch als wärmer schontsch vore
abe-
gheit enes
Tobel.

      )

LOSE OND LUEGE

Abe lose e d Chammere
abe wes gorglet ond abe
luege e d Chammere
abe dä Naue
05 det hende: wer ächt
hedne donde li schtoh
ond of was
toder warte?

      )

CHOSLE

Went choslisch
laufts öbere Tesch ond
tropfet vom Tesch
abe a Bode
05 abe ond lauft dors ganz
Zemmer dore ond erscht
dehende em Egge laufts
zäme zomene Tömpel
went choslisch.

      )

DE SCHTROMPF

A dem lange
Schtrompf lesme ond är
werd emmer länger
ond länger ond nömme
05 ufhöre met Lesme de Schtrompf
lampet öber d Schtäge
abe öber alli
Trett vo de Schtäge
lampet er abe ond d Lüt
10 wonderid sech
zonderscht: wohär
chond ächt dä Schtrompf ond wer
tod dra lesme ond wer
hed gnueg langi Bei zom dä Schtrompf
15 alegge am Ändi?

      )

WÖTSCHE VERWÖTSCHE

Ond wot scho gmeint hesch
du heigischs do hends ders
nome vo witem
gschpienzlet ond s esch scho
05 weder devo gwötscht.

Öbs ächt no einisch
zrogg chond ond öbs ders deh nömme
nome tönd schpienzle ond öbs deh
nömme devo wötscht ond öbs deh
10 äntlech verwötschisch?

      )

ÖPPER OND ÖPPIS

Zerscht ond
zvorderscht ond zoberscht
ond zmetzt ond
au no dezwösche
05 öpper ond öppis.

Aber nochethär zletscht ond
zhenderscht ond zonderscht
niemer ond nümeh scho glie
niemeh scho glie
10 öpper ond öppis.

      )

LIESLOPF

Was tosch em Eschtrich
omeschneugge e dene
gwagglige Chäschte wo d Töre
wemmer si ufmacht tönd giepsche?
05 Fendsch nümeh ond went deh
am Ändi emene Chaschte
doch no öppis wördsch fende de wärs
dis Titti weisch no
de Lieslopf oni
10 Hoor ond met läre
Auge ond went au
d Töre grad weder tätisch
zuemache s wörd der vo deh a wo d schtohsch
tödele ond wo d gohsch
15 tödele wörds der vo deh a.

Muesch doch ned Angscht ha
ech be be dehr
ha dech heschs nonig gseh
gärn emmer meh.
05 Ech ha au öppis do
das tued der guet:
Ghörsch ned wes chlöpfelet
s well dine Chommer ha
das tued der schüli guet
10 gschpörsch ned wes böpperlet
läng emol a.

      )

DE CHRÄBS

Wenner use
chrableti usem Tömpel
use ond ufe
a Rand chäm ond wit osse em Meer ofem blaue
05 Wasser es blaus
Sägel gsäch onderem blaue
Hemel
we chönt deh de Chräbs no
zrogg ond abe chrable
10 vom Rand e Tömpel abe ond Chräbs
blibe ond hocke
blibe em Tonkle
we chönter?

      )

Pfengschte

Die selbrige Chöpf
ond die goldige Chöpf
ond die gläsige Chäschte
use träge us de
05 Hofchele use ond ufe
träge ofs Wäsmäli ufe
ond abe träge vom Wäsmäli abe
ond ome träge e d Hofchele ome
ond nome guet luege dezue
10 ond jo ned lo gheie:

Use us de selbrige Chöpf
ond use us de goldige Chöpf
ond use us de gläsige Chäschte
d Chnöchäli vom heilige Moretz
15 ond d Chnöchäli vom heilige Leodegar
jo ned use lo gheie.

Ond use ond ufe ond abe ond ome
ond nome guet luege dezue
ond jo ned lo gheie.

      )

SCHWÖRE

Schwöre to nor
schwöre bem heilige
Leodegar ond bem
heilige Felix ond bem
05 heilige Joscht ond be de
Bluetstropfe vo
Willisau ond bem
Heiligchrüz jo ond au no
bem Heiligchrüz jo
10 schwöre to nor emmer
schwöre bem heilige
Hus em Hergiswald obe ond bem
heilige Franz dobe
ofem Balke öberem
15 heilige Hus em
Hergiswald obe jo
schwöre to nor emmer
schwöre ond au no be allne
arme Seele dobe em
20 Hergiswald be de arme
Seele wo alli
tönd brönne wo alli
dobe em Hergiswald em
Fägfür tönd brönne to
25 nor schwöre nor emmer
schwöre ond au no wenn alles
abverheit ond wenn alles
lätz esch be de Mondschtei jo // 
au no be de Mondschtei 
30 denne em Beregger-
wald jo zmetzt- 
enne em Bereggerwald jo
to schwöre to nor
z gueter letscht au no
35 schwöre of d Mondschtei
zmetzt of de Liechtig zmetzt
em Bereggerwald wo no niemer
gfonde hed ond wo no niemer
gseh hed jo to nor
40 schwöre to nor emmer to
nor emmer schwöre.

      )

FÜR

Aber das schmöckt scho
vo ganz wit hende
füre usem
Götschwald ond usem
05 Littauerwald hende före
schmöckts emmer feschter
noch Rauch ond of einisch
of einisch gsehschs Für ond
gsehsch d Lüt oms Für ome
10 we si Escht tönd
ine rüere es Für ond emmer
meh Escht tönd si ine
rüere wit ome heds scho
kei Schnee meh die töre
15 Escht we si tönd brönne wie
si tönd brönne s werd Zit
s werd höchschti
Zit jetz dass gohsch schontsch
gsehndsdi schontsch
20 gsehndsdi zletscht no
ond chömid.
 

      )

PFADFENDER

Ond deh ane Baum
aponde met tecke
Schnüere aponde ganz fescht
ond d Handglänk gschwolle
05 ond d Fuessglänk
ganz teck
gschwoIIe ond rot.

Ond deh met
Farechrut gschlage
10 ond met Brönnessle gschlage
ond met Buechezweig gschlage
ond gschlage ond gschlage.

Ond deh wenns
itonkIet eifach
15 fortgange ond eifach
schtoh glo a Baum
aponde ond
es Für onder de Füesse.

      )

FREDETAL

Ond d Berewegge ond
d Läbchüeche do chantsch
lang go gigele öber die
marmorige Ängel ond we si
05 tönd früre em Schnee
fascht blott ond norne
meteme Hömmli
a ond d Berewegge ond
d Läbchüeche do chantsch
10 tampe do chantsch
pressiere die
marmorige Ängel die
chömid die
tühssälid henderder noche
15 ond lönd ned logg ond
d Berewegge ond
d Läbchüeche jo
mer ghört di scho charchle.

      )

OND DEH

Ond deh ond deh mos mer nömme
go Zobig näh ond mos nömme bem Doney
Chäschüeche ond Mohrechöpf ässe
mer cha deh
05 eifach vom Tach
abegompe ond s macht
nüd ond s
passiert eim nüd
wenn de
10 Wend chond ond wenn de Räge
vom Palatin öbere
chond öbere Corso mer cha deh
eifach abegompe vom Tach
ond de Wend
15 fod eim uf ond treid eim ond
treid eim lislig
ond höch öber alles
ewägg. Deh chönd die
Purschte det onde off de
20 Piazza Navona no so
haleegere deh
cha die Frau det ofem Campo
no so lut geitsche
ond deh

      )

WAS WOTSCH?

Was wotsch
ometschomple em Räge ond hesch
nass a de Füesse ond hesch
chalt a de Wade
05 was wotsch
ometschomple zmetzt e de Nacht
ond niemer meh esch
ome nor Auto
schprötzid eim a ond drondert
10 onderem Tschope
onderem Hömmli de
Worm wo
bohret ond biesst ond dorom
mosch emmer no witer
15 tschomple aber det äne
lueg onder de Bösche
tüends scho d Zweig
abschnide lueg
si tüendsi scho schele
20 was wotsch?

      )

EINISCH

Einisch weder
einisch metenand ned ufe
Schembrig ond ned
of d Schratteflue ufe die
05 schpetzige Schtei die
Blotere a de Füesse nei norne
of d Chelenegg metenand
weder einisch ufe die wiesse
Blueme zom Blose ond d Hommle
10 brommligi Elefante
d Heuschtöffel grüeni
Giraffe ond lang
lang schlofe mer weis
ned was for Zit esch ond öppe
15 einisch en Flüger vom Meer
chonder är esch
grad no vorig höch obe
öbere gfloge
öber
20 d Principessa Mafalda.

      )

DE CHÄSWÄJE

Dä Chäswäje
wo doch e mehr esch
wo doch ned e dehr esch
ech gebe der öppis devo
05 mer tüendne
metenand ässe
ond nochethär laufedmer
metenand ine
e Ofe
10 ond setzid ofs Bläch
ond hend no
de Gu vom
Chäswäje em Mul
d Hetz vom
15 Chäswäje onderem Födli ond deh
gohts nömme lang ond mer wärdid
bachet: zo was
förme Wäje ond wer
hed Gloscht zom üs ässe?

      )

SCHTROOSS

Wemmer die lang
Schtrooss hedmer de Hemel
wemmer die lang ond
breit Schtrooss hedmer de Hemel als Teckel
05 wemmer die lang ond breit ond
schnuergrad Schtrooss hedmer de Hemel
als isige Teckel wemmer
die lang ond breit ond schnuergrad ond lähr
Schtrooss hedmer de Hemel als isige schwäre
10 Teckel öberem Chopf ond
wemmer die lang
wemmer die breit
wemmer die schnuergrad
wemmer die lähr ond
15 chond a kes Ändi.
 

      )

D GOTTERE

D Gottere zuegmacht ond
abegloh d Rüs
abe ond d Aare ond de
Rhin abegloh emmer
05 witer abe bes
abe zom Meer ond deh
use es Meer gloh ond emmer
ond emmer witer ond emmer
witer metere use bes es
10 wit omenand kei
Ensle meh hed ond keis Scheff
ond au kei Vogel ond deh
d Gottere ufgmacht:

De Schwan wener usechond us de
15 Gottere lueg ond wener
de Hals schtreckt ond ruig als wärs
nor vo Wäggis of Vetznau eifach
devo tued schwemme ond wit
wit osse verschwende.

      )

DE CHÖBEL

Lieber ned ome
gosle em Chöbel ond Wasser
dri tue ond emmer
meh Wasser bes de
05 Chöbel ganz voll esch ond
glatt ond
glänzig vo eim
Rand zom
andere Rand ond deh meteme wiesse
10 Papierscheffli öbere fahre vo eim
Rand zom andere
Rand ond nüd
gseh ond nüd
wösse vo dene
15 grusige Wörm wo
ome tönd chrüche
donde
am Bode vom Chöbel.

Är heig
nümeh tänkt ond
nümeh welle ond
alles lo si ond
05 alles vergässe
är sig onder de Brogg
gsässe ond heig
die ganz Nacht s Wasser
agluegt wes a ehm verbi
10 gloffe sig ond
gruscht heig ond
gschtrudlet är heig
nümeh tänkt ond
nümeh welle ond
15 alles lo si ond
alles vergässe ond metem
Wasser heigers
abe lo laufe de Floss
abe ond d Schtrohsse-
20 lampe dobe ofem
Trottoir am Gländer wenn si
gwagglet heigid em Wend deh
heiger gmeint das sigid
Tschogger wo ehn
25 chämid cho hole
aber das wär ehm
ganz glich gsi är heig
nümeh tänkt ond
nümeh welle ond
30 alles lo si ond
alles vergässe ond nome
no d Füess lo
abeplampe es Wasser.

Was förnes Schlöttli
ond onderem Schlöttli
was förnes Gschtältli
hesch amel agha?

05 Meteme Schlöttli
ond meteme Gschtältli
onderem Schlöttli
sigisch usegange e
Husgang use
10 ond sigisch abe
gange d Schtäge
abe ond mängisch
sigisch au oni
Schlöttli ond oni
15 Gschtältli abe
gange ond e Hof
usegange ond dosse
em Hof heigisch em Gösel-
chöbel omegöslet die ganz
20 Nacht ond niemer
heig trout öppis z säge
ganz blott
heigisch em Gösel-
chöbel voll Gösel
25 omegöslet jo säg

was förnes Schlöttli
ond onderem Schlöttli
was förnes Gschtältli
hesch amel agha
30 säg emol säg?

      )

TÄNKT MER

Zmetzt enne
tänkt mer
wemmer emmer
witer ond witer
05 chond am Ändi de See
zmetzt enne em Wald
ond ke Wäg meh
ond nome Brögel ond nome
Escht aber jo ned
10 schtörchle jetzt chond
nämlech zmetzt enne schtell
ond rond we de Vollmond
ond wen jetzt nome tänkt mer ond emmer
witer ond witer
15 ine e Wald ond ke
Wäg meh ond nome
Brögel ond nome Escht
ond wen jetzt nome tänkt mer
jo ned schtörchle zmetzt enne
20 chond jetzt nämlech am Ändi
de See schtell ond
rond we de Vollmond wen jetz
nome tänkt mer
nümeh wörd andersch ond alles
25 emmer ond ewig tänkt mer
wörd grad eso blibe we s esch.

      )

ESCORIAL

Oder went donde dor t Chäller
tühssälisch ond öppe e Chatz
wo schloft ewägg schöpsisch
oder au en es Näscht voll
05 Müs ine trampisch chontsch
zletscht zo de Glas-
chäschte met ustrochnete
Libere dren ond si hend keini
Hor meh ond d Chleider send nor no
10 Lömpe oni
Farbe we Schabe s esch grusig
tonke! donde du ghörsch nor
wes chröschpelet onder de Schuene.

Ond deh ganz vore of einisch e chli
15 Liecht vo obe e ängi
Schtäge ond dobe
e Töre: wie gohts do of einisch
wit wit use ond vel
monzegi Sommer-
20 vögäli us de
Bösche vöre e
Wolke e wiessi.

      )

NEU YORK I

Gönder öbere
gönder ond hender
ke Angscht det äne
heigs nümeh heigs nüd
05 ond nümeh vo dem was es bes jetz
emmer gha hed es
Hus ond es Liecht
ond mängisch
e Wolke?

10 Ond de chömeder a ond s esch
alles glichlig we do do
esch det ond det esch
do. Nor d Loft do d Loft
det esch liechter ond
15 d Hüser send
höcher ond d Lüt
gschneller ond merkid
emmer no öppis si send
alli trurig
20 wellsi scho do send: wohee
chöntetsi go?

      )

NEU YORK II

Hender die tonkle
Höf gseh die schwarze
Seck ganz donde ond dröbert
die glänzige Törm
05 eine am andere? Si nämid
si hebedech uf si
hebedech ufe kei
Angscht abezgheie ganz obe
gändsech eine
10 em andere witer ond scho
sender em Hemel.

Nome ned vöre
tröcke ond schön
zhenderisch e de Schlange
blibe du chontsch
05 no früe gnueg vöre eso ond of einisch
schtosch z vorderscht ond muesch
ufe go ufe deh muesch
die ganz Schtäge deh muesch
Trett für Trett eine
10 ufe nochem andere
schtige ond gar
niemer esch deh no vorder du chantsch
nömme henderzi chantsch
nömme absi du besch
15 elei dobe du besch
ganz elei zoberscht si henti
du chantsch nömme zrogg si
nänti si henti.

      )

NEU YORK IV

Ond deh hani Angscht öbercho ond ha
tänkt es esch alles
glichlig we emmer es esch
alles glichlig we emmer ond esch
05 alles ganz andrisch es esch
alles do wos emmer gsi esch d Wolke-
chratzer on d Subway
ond au de Gschmack jo
vor allem dä komisch
10 Gschmack us all ne
Schächte ufe us allne
Hüsere use ond wemmer
denne esch e de Hüsere vo de
Schtross dor d Fenschter
15 ine dä Gschmack dä
komisch Gschmack we vo frömde vo
scho lang vertorete frömde
Blueme dä komisch dä süesslech 
Gschmack dä esch au emmer no glichlig ond är
20 esch anderisch alles
esch ganz anderisch die
gwagglige farbige Hüsli zwösche de
Wolkechratzere enne ond die verrockt
toskanisch Villa of dem
25 alte Wolkechrätzerli obe em Village
alles alles esch glichlig ond de // 
Gschmack dä komisch dä süesslech
Gschmack us de Schächte use ond us de
Hüsere use ond dor alli
30 Fenschter ine e d Hüser
esch glichlig wener
emmer gsi esch ond esch
ganz andrisch alles 
esch ganz andrisch ond ech
35 ha Angscht öbercho
öb ech öppe nömme
de glichlig sig ond öb ech öppe of einisch
e andere sig e
grusigi Angscht.
 

      )

AMSCHTERDAM

O die choge
Grachte vo
Amschterdam wie
grau ond trurig die
05 riesige
Chele ond alli
zue ond dromome e allne
Fenschtere blotti
Liber oder au nome
10 Schtöck vonene Schwänz
ond Votze ond Bröscht ond
Chöpf met
offene Mülere suber
e Zelofan ipackt.

15 O die choge
Grachte vo
Amschterdam wie
grau ond
trurig muesch nome die ganz
20 Nacht drof fahre a kener
Ländi usschtige de töndsdi
velecht ned verschtöckle ond ned
usschtelle ond ned
eis Teil oms ander voder töndsi
25 de ned verchaufe
velecht.

Vor ein paar Jahren wohnte ich im Schweizer Institut in Rom …

Typoskripte 1983 (alph.)
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Typoskripte 1983 (Folge)
(Total: 89 )
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