Montag, 22 Januar 1945

Lied im Winter. / Für M. Sch.

Fällst du hernieder,
hell geflügelter Vogel,
du des Lichtes freundlich Erinnern
des Nachts,
05 dort über schwarzen,
einsamen Bäumen?

Aber das Dunkle ist immer
dem Gedächtnis des Lichtes geweiht.
Und der Sturm,
10 wenn wogend auch, brausend,
opfert doch stets
der heiligen Ruhe.

Nie noch riss einer
ganz aus der Mitte
15 die Seele: dort wo Gedächtnis
oder Erwartung ihr wohnt
und des Unsäglichen
Sehnsucht brennt auf
der Feuerstätte des Herzens: // 02

20 o, dort bleibt sie
unberaubt und
unverraten auf immer.
Dort auch wächst
in die lohende Liebe der Geist,
25 spornend, glühend empor,
ganz bis hinaus in den gelben
Saum, ja weiter noch, bis in
die unsichtbare, äusserste,
heisse Hülle der Flamme.

30 Das nur ist Liebe.
Lang aber währt ihre
mühsame Lehrzeit,
und mancher zerbrach, noch
bevor das glänzend
35 gebrannte Geschirr die
Werkstatt verliess.

Dennoch sollst du versuchen,
das Schöne zu leisten,
dass, findet einer
40 in alten Schichten später
die Scherben, er Ornamente bewundre,
die formende Hände gezogen:
wenn du dich einmal verschenktest,
gilt gleichviel, was stets dir geschah.

Weitere Informationen

  • Details:

    Strophe 2 gestrichen:

    Wind aus dem Hohlweg
    schreckt den Wandrer,
    weiterhin fährt er
    über die Aecker.

  • Besonderes:

    Durchschlag (datiert); Korrektur

  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Endfassung: ja
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Schreibmaschine
  • Signatur: A-5-b/01_008
  • Seite / Blatt: 01-02
  • Status Text: Kontrolliert
  • Priorität: Hoch
    Änderung: Donnerstag, 07 Dezember 2017
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