Donnerstag, 01 März 1945

Mit den Gedichten Hölderlins.

Leidenschaft immer grösserer Sehnsucht warf seine Sterne,
warf seine Berge zum grenzenlosen, zum nie geschlossenen
Himmel: und nicht lange pflog er der Ruh' in den Gärten.
Wasser, springend hoch aus den Brunnen, mahnte ihn immer,
05 dass sich alles bewegt zur feuriger liebenden Mitte.
Konnte er da noch stehen, noch warten und müssig sich sparen,
wenn sein eigenes Herz, wie ein Ross im hemmenden Zügel,
heftig drängte zum Ziel? Ja, aufgerichtet inmitten
müder, weigernder Seelen singen und klagen die Oden
10 noch den verlorenen Gott. 0, klammern wir sturer als Bäume
uns an die ärmliche Stelle und sind wir toter als Felsen,
dass er uns noch nicht bewog, das graue Gewand zu verlassen
ängstlich umklammernden Daseins, durch die Dinge zu springen,
(gleich wie die Löwen im Zirkus mutig durch feurige Ringe)
15 kühn in den Schoss der Welt, zu springen ins Urbild der Schöpfung?
Alles ruht rein dort geeint in ewig steigender Flamme,
wie dieser Jüngling es sah in der liebenden Nacht seiner Seele:
ganz erlosch nicht das Licht, ob er im Finstern auch irrte,
immer glomm ihm ein Docht, ein Funken göttlichen Geistes.

Weitere Informationen

  • Besonderes:

    Typoskript (beschädigtes Farbband) + Durchschlag; Hexameter; Datierung: Anfang März 1945.

  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Endfassung: ja
  • Schreibzeug: Schreibmaschine
  • Signatur: A-5-b/01_009
  • Seite / Blatt: 01
  • Werke: 25
  • Status Text: Kontrolliert
  • Priorität: Hoch
    Änderung: Donnerstag, 07 Dezember 2017
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