Freitag, 24 Dezember 1943

An einen Meister und Lehrer.

Wie denn wollte
Dich erreichen
meiner Seele
zage begonnenes
05 und noch weit in den
Tälern zerstreutes,
dämmerndes Lied?
Denn einer langen
Frist bedurften
10 immer die Menschen,
auszutragen den
Samen der Götter
und zu bilden im
sterblichen Schosse die
15 ewige Frucht.
Ja, ich stand, schon
selber entzündet,
in der flammenden
Ankunft des Gottes.
20 Und wem dank' ich's,
dass ich nicht lang schon
schmolz und verbrannte,
ausser Dir, meinem
weiseren Lehrer?

25 Aber es gibt noch
stille Wälder,
glitzernde Teiche
und den Flug der
lichten Libellen
30 in meinem Herzen.
Hier singt stille,
meine Sehnsucht ihr
reineres Lied.
Sieh, entgegen
35 schlägt es Dir Flügel
und seinen Schimmer,
heute erwacht.
O der Geduld, der
lange geschmähten,
40 dieses zarte zu
Ende zu tragen
über die Stürze, die
grundlosen, hin!

Nun aber will es,
45 will Dich erreichen,
auch wenn Du ständest
hinter sieben
wehrenden Bergen.
Siehst Du dort, wie es
50 sicher die Schwingen
spannt in die klare,
leuchtende Luft,
wie es bald der
anderen süssre,
55 aller andern
stolzre Gesänge,
froh übersteigt,
gipfelwärts kreisend?

Weitere Informationen

  • Besonderes:

    Typoskript (datiert)

  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Endfassung: ja
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Schreibmaschine
  • Signatur: A-5-b/01_003
  • Seite / Blatt: 01
  • Werke: 23
  • Status Text: Kontrolliert
  • Priorität: Hoch
    Änderung: Donnerstag, 07 Dezember 2017
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