Montag, 24 November 1958

Phidias an seinen Athleten / Translatio Sti. Marci

Du sollst zu mir kommen, heut nacht,
in die Halle
unter den Schatten,
die Gedanken des Standbilds.
05 Im Ring seiner Hand
steht dein Name.
Der Gott liebt dich.
Du sollst zu mir kommen heut nacht.

Aber in Alexandrien haben sie
ein Grab geöffnet heut nacht.
10  Ein Duft weht über das Wasser,
weht über das Meer bei Cypern. // 015
Kommt der Duft aber nach Kreta,
öffnen sich die Gräber auch dort.
Springt dort das Grab auf des Gottes
15 Im Ring seiner Hand steht mein Name.

In Alexandrien haben sie ein Grab geöffnet,
Der Wind von Süden treibt den Duft über
die Dächer, die Pharen aufs Meer. 
Schon weht er, ein unsichtbares
Beet hinüber nach Cypern,
20 schon weckt er den Hirten auf einem Wipfel
Kretas: ein Grab // 016
hat man in Alexandrien geöffnet.

Den Leichnam des heiligen Markus stahl man,
trug man zum Hafen.
25 Der Duft aber verriet ihn,
verriet ihn zu spät.
Der Duft, ein blühendes Segel,
verrät ihn den Inseln.
Dann schwillt er auf über dem neuen
30 Grab, tief in der Adriabeuge
und bleibt und bildet und wölbt
die Kuppeln Venedigs.


Seite 014 (A-5-d_04_014.jpg)

Phidias an seinen Athleten
Translatio Sti. Marci

Du sollst zu mir kommen, heut nacht,

in die Halle

unter den Schatten,

die Gedanken des Standbilds.

05 Im Ring seiner Hand

steht dein Name.

Der Gott/liebt dich.

Du sollst zu mir kommen heut nacht.

Aber in Alexandrien haben sie

ein Grab geöffnet heut nacht.

10  Ein Duft weht über das Wasser,

weht über das Meer bei Cypern. //

Seite 015 (A-5-d_04_015.jpg)

Kommt der Duftaber
Kommt der Duft  nach Kreta,

öffnen sich

öffnen sich die Gräber auch dort.

Springt dort das Grab auf des Gottes

15 Im Ring seiner Hand steht mein

Name.

komm¿ zu¿

In Alexandrien haben sie ein Grab geöffnet,

der Duft wogt über die

Der Wind von Süden treibt den Duft über

die Dächer, die Pharen aufs

Meer.

Schon ist der¿weht er, ein unsichtbares

Beet hinüber nach Cypern,

20 schon weckt er den Hirten auf einem

Wipfel

Kretas: ein Grab //

Seite 016 (A-5-d_04_016.jpg)

hat man in Alexandrien geöffnet.

Den

Den Leichnam des heiligen Markus

stahl man,

trug man zum Meer. Hafen.

25 Der Duft aber verriet ihn,

verriet ihn zu spät.

Schon¿Der Duft, ein blühendes Segel,

verrät ihn den Inseln.

Dann schwillt er auf über dem neuen

30 Grab, tief in der Adriabeuge

und bleibt und bildet und wölbt

die Kuppeln Venedigs.

24.XI.1958

 

  • Details:

    V. 18 Emendation: Schon ist → Schon weht

  • Besonderes:

    Text hier noch nicht als Zyklus-Teil (Miraculi Sti. Marci) gekennzeichnet.

  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Datierung: Vollständiges Datum
  • Fassung: Erste Fassung
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/04
  • Seite / Blatt: 014, 015, 016
  • Werke / Chronos: Dieses enorme Gedicht, 109-110

Inhalt: 87 Entwürfe zu 82 Gedichten (3 Endfassungen), Motiv-Notizen
Datierung: 18.6.1958 – 15.1.1961
Textträger: Schwarzes Notizbuch, karierte Seiten, Bleistift, S. 188 (V.4) - 189 blauer Stift
Umfang: 192 beschriebene Seiten
Publikation: GEDICHTE (28), Flussufer (18 Gedichte), Verstreutes (1)
Signatur: A-5-d/04 (Schachtel 29)

Bilder: Ganzes Buch (pdf)
Spätere Stufen: Manuskripte 1958, 1959-60, 1961, Typoskripte 1958, 1959, 1960, 1961
Kommentar: Ab S. 192 Motiv-Notizen, von hinten her eingetragen
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften (ohne die Motive)

Weitere Fassungen

Notizbuch 1958-61 (alph.)
Notizbuch 1958-61 (Folge)
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