Sonntag, 23 Oktober 1955

Mit Vorsicht

Das was einem gefällt tun können,
wenn auch immer mit der nötigen Vorsicht,
das ist das Glück, das überhaupt ist der
Sinn dieses Lebens.
Durch die Strassen zu gehen, wenn es einen treibt,
05 von innen her, von einem unbekannten und
undurchschaubaren Zentrum her gesteuert:
darin besteht das Glück und der Sinn dieses Lebens.
Sich irgendwohin zu setzen unter fremden Menschen,
durch die Fenster den Aufgang der Strassen- // 019
lichter zu sehen,
dem Anzünden von Alabasterlampen
in fremden Schlafzimmern beizuwohnen
und dem Gespräch
10 alter verschwatzter Freundinnen über die Einsargung
einer Bekannten,
darin besteht das Glück und der Sinn dieses Lebens.

Einsam sich zu erinnern an Augen und Stimmen der Freunde,
die verloren, verloren und da sind
auf dem Gang durch fremde Viertel und
sitzend in unbekannten Lokalen,
15 einige Verse hinzukritzeln, inwendig lautlos // 020
zu singen:
wenn auch immer diskret und mit der nötigen Vorsicht,
damit mich der feiste Beamte nicht zur Rechenschaft zieht,
weil ich die 40 Wochenstunden vertrödle
und für mein Gehalt statt zu arbeiten dichte:
20 darin besteht das Glück und der Sinn dieses Lebens.


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Mit Vorsicht.

Das was einem gefällt mit Vorsicht tun

können,

wenn auch immer mit der nötigen Vorsicht,

das ist das Glück, das überhaupt ist der

Sinn dieses Lebens.

Durch die Strassen zu gehen, wenn es einen

treibt,

05 von innen her, von einem unbekannten und

undurchschaubaren Zentrum her

gesteuert:

darin besteht das Glück und der Sinn dieses

Lebens.

Sich irgendwohin zu setzen unter fremden

Menschen,

durch die Fenster den Aufgang der Strassen- //

Seite 019 (A-5-c_10_019.jpg)

lichter zu sehen,

denm Alabasterschalen Anzünden von Alabaster-

lampen in fremden Schlafzimmern bei-

zuwohnen und dem Gespräch

10 alter verschwatzter Freundinnen über die Ein-

sargung einer Bekannten,

darin besteht das Glück und der Sinn dieses Lebens.

Einsam zu sich zu erinnern an Augen und Stim-

men der Freunde,

die verloren, verloren und da sind

auf  dem
auf einem Gang durch fremde Viertel und

sitzend imn fremden unbekannten

Lokalen,

15 einige Verse hinzukritzeln, inwendig lautlos //

Seite 020 (A-5-c_10_020.jpg)

zu singen:

wenn auch immer diskret und mit der nö-

tigen Vorsicht,

damit mich der feiste Beamte nicht zur Re-

chenschaft zieht,

weil ich die 40 Wochenstunden vertrödle

und meinen

und für mein Gehalt statt zu arbeiten dichte:

20 darin besteht das Glück und der Sinn dieses

Lebens.

23.10.55

 

  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: Vollständiges Datum
  • Fassung: Erste Fassung
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/10
  • Seite / Blatt: 018, 019, 020

Inhalt: Notizen, 42 Entwürfe zu 37 Gedichten (1 Endfassung)
Datierung: 6.10.1955 – 7.4.1957
Textträger: schwarzes Notizbuch (Krokodil, Plastik), Bleistift
Umfang: 130 beschriebene Seiten
PublikationDie verwandelten Schiffe (10 Gedichte), GEDICHTE (5 Gedichte), Verstreutes (3 Gedichte)
Signatur: A-5-c/10 (Schachtel 29)

Bilder: Ganzes Buch (pdf)
Spätere Stufen: Manuskripte 1955, 1956, 1957, Typoskripte 1955, 1956, 1957
Kommentar: Die Prosanotate, von hinten her bis S. 117 eingetragen, entstammen der Legenda aurea des Jacobus de Voragine und den religionswissenschaftlichen Studien von Mircea Eliade
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Diplomatische Umschriften (auch von den Prosanotaten)

Weitere Fassungen

Notizbuch 1955-57 (alph.)
Notizbuch 1955-57 (Folge)
Suchen: Notizbuch 1955-57