Sonntag, 06 Februar 1983

6.2.1983

Der Titel des Buches „Neue Gedichte – teils in Hochdeutsch teils in Luzerner Alemannisch – mit einigen Bemerkungen zur sprachlichen Situation der deutschen Schweiz". – Eine Begründung steht an zum beabsichtigten Austritt aus dem <deutschen> Schriftstellerverband. Schon lange hatte ich ihn mir vorgenommen, aber ihn aus Ängstlichkeit – ich fürchtete Feindschaften, Intrigen, ökonomische Nachteile – nicht gewagt. Jetzt, da so viele bekannte Leute ausgetreten sind, habe ich solche Befürchtungen weniger, dafür eine neue: mich lächerlich zu machen, unter Niveau zu gehen, indem ich den Eindruck erwecke, ich liefe den anderen nach. Einen Vorwand gäbe mir im Moment // eine Umfrage des Verbandes, wie man zu ihm stehe. Sicher ist, dass ich die permanente ideologische Indoktrination und Inanspruchnahme für politische Ziele gründlich satt habe. Ich kämpfe für niemandes Befreiung, fühle mich keiner Klasse oder Gruppe verpflichtet, der „Fortschritt“ der Menschheit, im Sinn der Linken zumindest, ist nicht mein Anliegen. Als Dichter jedenfalls bin ich weder für noch gegen jemanden, und erlaube niemandem, in meinem Namen politisch Stellung zu beziehen und Erklärungen abzugeben. Und dann hasse ich den kumpelhaften Umgangston, der in diesem Verein herrscht. Ich habe keine „Kollegen“, bin niemandes „Kollege“.

  • Textart: Prosanotat
  • Signatur: C-2-c/05
  • Werke: Bd. 6, 534
  • Status Text: Provisorisch
  • Priorität: Normal
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