Montag, 07 Mai 1956

7.5.56

Der Rhythmus in „Eisnacht“ z.B., ergibt sich nur aus dem Gedicht selbst. Sobald man ihn nach einer allgemeinen Regel misst, empfindet man eine Disharmonie, die stört. Dabei kommt es aber darauf an, dass die Disharmonien als Bestandteile und Voraussetzungen jener Ordnung, die das Gedicht ist, verstanden werden: es wäre ein Leichtes, das Gedicht zu glätten, es im üblichen Sinn fehlerlos musikalisch zu machen. Dann aber wäre es sinnlos, mindestens ärmer, weniger genau. Es geht // mir darum, die einzelnen Elemente, die Klänge, Bilder zu einem möglichst genau gestimmten Ganzen zu komponieren. Ich muss also darauf achten, dass die Milde hier durch die Schärfe dort, die Glätte hier durch die Rauhheit dort ausgewogen, grundiert ist. Anders kann ich mir im Augenblick einen Mikrokosmos, der das Gedicht ja sein muss, nicht vorstellen. Ohne die Tendenz wenigstens zur Vollständigkeit kommt man da nicht aus.

  • Textart: Prosanotat
  • Signatur: C-2-a/09
  • Werke: Bd. 6, 226, 227
  • Status Text: Provisorisch
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