Montag, 23 Juni 1958

Das Ohr des Dionysos (B)

Oben im Saal presst Dionys sein Ohr an den Mund der ehrnen Sibylle:

Die Gefangenen unten im Kerker werfen kleine Kiesel ans Ei, 
das im Gewölb hängt. Das macht Klick, klick! 
Aber sie sprechen kein einziges Wort. 

05 Das Ei ist voll Gift, und wenn es zerbricht, 
röcheln unten im Kerker sofort die Gefangenen verkrümmt an den 
Wänden. 
Aber das Klick, klick ist vielleicht ihre geheime Sprache, 
und Dionys hört zwar, wie sie sich gegen ihn verschwören, 
doch er versteht nicht: Es ist wohl besser, 
10 er lässt das Ei wegnehmen. Nichts nützt ihm der Tod der Gefangnen, // 03v
wenn er nicht weiss, was sie gegen ihn mit dem Klick, klick beredet. –

Dionys presst vergeblich sein Ohr an den ehernen Mund der Sibylle.


Blatt 03r (A-5-d_05_059.jpg)

Das Ohr des DionysosB 

Oben im Saal presst Dionys sein Ohr an den Mund

der ehrnen Sibylle: 

Klick, klick machen die Gefangenen

Die Gefangenen unten im Kerker werfen kleine

Kiesel ans Ei, 

das im Gewölb hängt. Das macht Klick, klick! 

Aber sie sprechen kein einziges Wort. 

05 Das Ei ist voll Gift, und wenn es zerfällt zerbricht, 

röchelnunten
röcheln  im Kellrker unten sofort die Gefangenen

verkrümmt an den Wänden.

Aber das klick, klick ist vielleicht ihre
Aber das Klick, klick ist vielleicht eine geheime

Sprache, 

und Dionys hört zwar, wie sie sich gegen ihn verschwören, 

doch er versteht nicht: Es ist wohl besser, 

er lässt das Ei wegnehmen. Nichts
10 er lässt das Ei wegnehmen. Was nützt ihm der Tod der

\ Gefangnen, //

Blatt 03v (A-5-d_05_060.jpg)

wenn er nicht weiss, was sie gegen ihn mit dem Klick, klick,

beredet. – 

Dionys presst vergeblich sein Ohr an den ehernen Mund

der Sibylle.

23. VI. 58

 

  • Besonderes:

    Bräunliches Papier; schwarze Tinte; Blatt beidseitig beschrieben

  • Letzter Druck: Verstreutes
  • Textart: Verse
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Tinte
  • Signatur: A-5-d/05_010
  • Seite / Blatt: 03r/v
  • Status Text: Definitiv
  • Umschrift: Definitiv
  • Priorität: Normal

Inhalt: 76 Manuskripte und 1 Typoskript zu 24 Gedichten (keine Endfassungen)
Datierung: 30.1.-7.9.1958
Textträger: Einzelblätter (A4-Format), z.T. Typoskriptmakulatur; Bleistift, schwarzer und z.T. blauer Kugelschreiber
Umfang: 24 Dossiers, 144 beschriebene Seiten
Publikation: GEDICHTE (7 Gedichte), Verstreutes (3 Gedichte)
Signatur: A-5-d/05 (Schachtel 37)
Herkunft: Grüne Mappe EG 1958 I

Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Diplomatische Umschriften:

Weitere Fassungen

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