Entstanden: 25. August 1957

Die Wolke, die dunkel dort am Horizont steigt, 
wirft das Heer des persischen Königs sie auf? 
Wenn die Lanzenträger heran 
stöben, wären sie freilich enttäuscht, 
05 denn sie fänden hier nicht den Kaiser 
im Purpurzelt, sondern nur einen 
ungewaschenen, unrasierten 
Reisenden, von dem sich kein Genius mehr 
abwendet mit verhülltem Gesicht: 
10 Genien verhüllen und wenden sich nur in purpurnen Zelten. 
Aber die Luft entwich schon lang aus den Reifen. 

Und schösse auch eine Lanze hervor aus der Wolke, 
sie träfe einen rostigen Kühler: das löste // 01v
zwar vielleicht die Ordnung des Heers auf, es sammelte 
15 sich vielleicht um den Wagen: die Marke, das Alter<,>
die Zahl der Pferdekräfte zu erfahren. 

Doch wahrscheinlich schiesst niemand mehr Lanzen, 
wahrscheinlich haben alle schon neuere Wagen gesehen, 
fahren mit ihren Panzern vorüber, beachten ihn gar nicht.

20 Übrig bleibt die Wüste, 
der Durst, die Angst des Reisenden für eine Weile. 
Das purpurne Zelt, der Genius, die Lanzenreiter, 
steht das nur noch in seinem hitzeberauschten 
Hirn?: Dort steht noch die Wolke<.>
25 Ist er nicht Julian, hier? Erzwingt er sich Julians Ende? 
Was bringt wohl die Wolke?

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Details: V. 23 Emendation: im → in
  • Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt beidseitig beschrieben
  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/02_024
  • Seite / Blatt: 01r/v