Mittwoch, 29 Juni 1955

Der Prinz zieht sich, nach dem Tod seiner Gattin, für einige Wochen in ein Kloster zurück. (D)

Wenn er die Orange zerteilt,
achtet er drauf, dass ihm der Saft
nicht den weissen Kragen und die Manschetten, 
die er ohnehin jeden Tag wechselt, bespritzt. 

05 Denn er ist nervöser als sonst schon: 
weil er die Stadt so plötzlich verlassen 
musste und in dieses Kloster herausziehn, 
wo es nur Mönche gibt, die mit Blicken 
seine Seele zu retten versuchen. 

10 Aber das ist doch besser, 
als in dem feuchten 
Palast zu bleiben und sich 
wie Pastetenfleisch immer von neuem 
von der Jammertunke von fünfzig 
15 Frauen übergiessen und ganz 
durchtränken zu lassen. 

Hier ist es wenigstens trocken, 
und niemand verlangt von ihm Trauer 
um das Mädchen, das er nur förmlich gekannt hat 
20 (im Bett braucht man, gottseidank, nicht zu sprechen) 

Hier kann er, nachdem die 
Sonne hinter den baumlos erstarrten 
Wogen unterging, zusehn, // 05v
wie man das einzige Rosenbeet mitten im Kohlplatz 
25 wässert und kann dann, damit man sein Gähnen nicht sieht, 
hineingehn und genau darauf achten, 
dass ihm die Orange 
beim Zerteilen den Kragen und die Manschetten 
nicht bespritzt, 
30 die er ohnehin jeden Tag wechselt.


Blatt 05r (A-5-c_11_083.jpg)

DDer FürstPrinz zieht sich, nach dem Tod seiner Gattin,
für einige Wochen in ein Kloster zurück

Wenn er die Orange zerteilt
Wenn er die Orange zerschneidet,

achtet er drauf, dass ihm der Saft

nicht den weissen Kragen und die Manschetten,

die er ohnehin jeden Tag wechselt, bespritzt. 

05 Denn er ist nervöser als sonst schon:

weil er die Stadt so plötzlich verlassen

musste und in dieses Kloster herausziehn,

wo es nur Mönche gibt, die mit Blicken

seine Seele zu retten versuchen. 

10 Aber das ist doch besser,

als in dem feuchten

Palast zu bleiben und sich

wie Pastetenfleisch immer von neuem

von der Ja Jammertunke von fünfzig

15 Frauen übergiessen und ganz

durchtränken zu lassen. 

Hier ist es wenigstens trocken,

und niemand verlangt von ihm Trauer

um das Mädchen, das er nur förmlich gekannt hat

20 (im Bett braucht man, gottseidank, nicht zu sprechen)

Hier ists trocken und er kanner
Hier ists trocken und er kann  , nachdem die

zusehn, wie man, nachdem die

Sonne hinter den baumlos erstarrten

erstarrten Wogen unterging, zusehn, //

Blatt 05v (A-5-c_11_084.jpg)

wie man das einzige Rosenbeet mitten im Kohlplatz

bewässert
wässert (berieselt) und kanndann
25 wässert (berieselt) und kann  , damit man sein Gähnen nicht sieht,

sein Gähnen nicht sieht, hineingehn und genau drauf darauf achten,

[ dass ihm beim Zer(llteilen
[ dass ihm beim Zer(schneiden)

die Orange den weissen Kragen und die Manschetten,

Manschetten, die ]

dass ihm die Orange

beim Zerteilen den Kragen und die Manschetten

nicht bespritzt,

30 die er ohnehin jeden Tag wechselt.

29.6.55

 

  • Besonderes:

    Blatt beidseitig beschrieben; verso: Typoskript (Titelblatt "Anmerkungen" Sebastian Franck)

  • Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
  • Textart: Verse
  • Datierung: Vollständiges Datum
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/11_009
  • Seite / Blatt: 05r/v

Inhalt: 135 Manuskripte und 21 Typoskripte zu 24 Gedichten (keine Endfassung)
Datierung: 14.11.1954 – 21.11.1955
Textträger: 200 Einzelblätter (A4-Format); v.a. durchscheinende Makulatur von Dissertation und Gedichttyposkripten
Umfang: 25 Dossiers, 213 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (12 Gedichte), GEDICHTE (1 Gedicht), Verstreutes (2)
Signatur: A-5-c/11 (Schachtel 36)
Herkunft: Nr. 1-15: braune Mappe EG 55 I; Nr. 16-25: rote Mappe EG 55 II

Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften

Manuskripte 1955 (alph.)
Manuskripte 1955 (Datum)
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