Samstag, 09 Juli 1955

Requiem (K)

Das Mädchen sitzt neben den Schwestern auf dem Sofa
und schiebt die Gardinen vom Fenster zurück
und sieht das Schiff auf dem See, das immer wächst, 
bis es an der Lände anlegt, und sieht die Frau, 

05 sich selbst, die heraus auf den Steg tritt, wo einer 
ihr winkt und sie hart an der Hand fasst: 
„Nein“ schreit sie lippenlos, tonlos
und risse den Knaben mit sich aufs Schiff zurück, 
wenn er ihr nicht ans Ufer entwischte. 

10 So flüchtet sie allein in die Kabine 
und schaut nicht hin auf den Spitz, 
der vor ihr das Männchen macht und sich, 
weil man die Brücke zurückzieht, 
ohne dass sie ihm ihr Lächeln zuwarf, 
15 verärgert fallen lässt und der Prozession in die Kirche nachläuft 
und der Orgel ins „Tantum ergo“ hineinbellt. // 16

Lieber fährt sie allein tiefer ins Gebirg; 
und das Auge im Fenster folgt mit dem Knabenauge, 
das aus dem Hin und Her des Kais 
20 immer noch still blickt, 
dem Dampfer zur Enge, wo sich die Felsen beinah berühren 
und wo die Kellner ein helles Sonnendach übers Deck spannen 
für die Dame, die von der Sommergesellschaft einzig noch da ist: 
Für den Fall, dass sie zur Teezeit herauskommt.


Blatt 15 (A-5-c_11_061.jpg)

K Requiem 

[ Das Mädchen sitzt neben den Schwestern

auf dem Sofa und schiebt die Gardinen vom Fenster

vom Fenster zurück

vom Fenster zurück und sieht das

das Schiff auf dem See, das immer

wächst, bis es an der Lände ]

[ 8.7.55

Das Mädchen sitzt neben den Schwestern auf dem Sofa

und schiebt die Gardinen vom Fenster zurück

und sieht das Schiff auf dem See, das immer wächst,

bis es an der Lände anlegt, wo einer der Frau und sieht die Frau, 

05 sich selbst, wie sie die heraus auf den Steg tritt, wo einer

ihr winkt und sie hart an der Hand fasst:

„Nein“ schreit sie ↔ tonlos, ↑lippenlosenMundes

und risse den Knaben mit sich aufs Schiff zurück,

wenn er ihr nicht ans Ufer entwischte. 

10 So flüchtet sie allein in die Kabine

und schaut nicht hin auf den Spitz,

der vor ihr das Männchen macht und sich,

weil man die Brücke zurückzieht,

ohne dass sie ihm ihr Lächeln zuwarf,

15 verärgert fallen lässt und der DorfpProzession in die Kirche nachläuft

in die Kirche nachläuft und der Orgel ins „Tantum ergo“ hineinbellt. //

Blatt 16 (A-5-c_11_062.jpg)

K Requiem

Lieber fährt sie allein tiefer ins Gebirg;

und das Auge des Mädchens im Fenster folgt mit dem Auge des Knaben,

Knabenauge,

das aus dem Hin und Her des Kais |    20 immer noch still bli blickt,

dem Dampfer zurl Enge
dem Dampfer zur Lücke, wo sich die Felsen beinah berühren

und wo die Kellner ein helles Sonnendach übers VerdDeck spannen

für die Dame, die von der Sommergesellschaft einzig noch da ist:

Für den Fall, dass sie zur Teezeit herauskommt.

9. 7. 55

 

  • Besonderes:

    Verso: Typoskripte↑ (Sebastian Franck, S. 141 / Hs.: Fuster, S. 9)

  • Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
  • Textart: Verse
  • Strophen: ja
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/11_007
  • Seite / Blatt: 15-16
  • Status Text: Definitiv
  • Umschrift: Definitiv
  • Priorität: Normal

Inhalt: 135 Manuskripte und 21 Typoskripte zu 24 Gedichten (keine Endfassung)
Datierung: 14.11.1954-21.11.1955
Textträger: 200 Einzelblätter (A4-Format); v.a. durchscheinende Makulatur von Dissertation und Gedichttyposkripten
Umfang: 25 Dossiers, 213 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (12 Gedichte), GEDICHTE (1 Gedicht), Verstreutes (2)
Signatur: A-5-c/11 (Schachtel 36)
Herkunft: Nr. 1-15: braune Mappe EG 55 I; Nr. 16-25: rote Mappe EG 55 II

Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Diplomatische Umschriften

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    Änderung: Donnerstag, 07 März 2019
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