Datiert: 1958

Giorgio Orelli. Andante für Egeria

Doch heute, ohne Begehren, trage ich dich
in der Brieftasche als ein Ikon
und folge mit unglaublichem Gefallen 
der grünen Sternbahn der Schlange, 
05 die die Hand eines Knaben hinausschoß: 
fest sitzt er auf Klettermasts 
halber Höhe, vollauf dort zufrieden. 
Die rosige Luft, die sich sammelt in seinem Hemd, 
die Vesperstunde hat sie mählich, allmählich 
10 hingegossen über den ganzen Hügel. 
Kräht ein Truthahn seine Korallen, scheint es,
daß der Rauch auf den Dächern zittert davon. 
Nonnen, ausgegangen ohne die Zöglinge, stehn 
über einem Felshang wie Ziegen: verlorne Gesichter,
15 gebeugt über verlorene Blumen.

  • Besonderes:

    Gedicht von Giorgio Orelli; Aus dem Italienischen von Kuno Raeber

  • Zeitschrift: Hortulus 8 (Oktober 1958), S. 157
  • Letzter Druck: Verstreutes
  • Textart: Verse
  • Endfassung: ja
  • Status Text: Definitiv
  • Priorität: Hoch

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