Synopse

(11)
Samstag, 15 Januar 1955    (    )

Der Schnabel ist nun begraben …*

Der Schnabel ist nun begraben
und voll von Erde, immer gesättigt,
während die von Sonnenwachheit gequälten
Augen nun tröstet der Erdschlaf.
05 Die Flügel stehn, an den alten Flug
von den Winden zitternd erinnert,
allein noch im Himmel.
Des Umarmung aber hindert jetzt
das Laub für eine Weile.

In: Notizbuch 1954-55
Dienstag, 25 Januar 1955    (    )

Vogelbaum (A)

Die Flügel stehn, jetzt im Laub
allein noch im Himmel, 
an Gefieder und Flug von den Winden 
zitternd erinnert. 
05 Der Schnabel, begraben, 
bleibt aufgesperrt, von der Krume  
gesättigt, gesättigt. 
Und die vom entrollenden 
Spielball lange gequälten 
10 Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Manuskripte 1955
Donnerstag, 10 Februar 1955    (    )

Die Zehntausend (a*)

„Die Aktienmärkte lagen behauptet“
unter dem Puder der Blüten,
dem Wimperschatten der Zweige,
aber als die Zehntausend
05 knieten in den Bächen enthauptet,
in den Bächen, die
schmutzig und grau, voll von Blüten,
in den Rinnsteinen, die Trottoirs
entlang flossen. Und das
10 Blut mischte sich ihnen,
und rötete sie nochmals, nochmals.
Die Aktienmärkte lagen mühsam behauptet,
als der Wind und der Sturm fuhr durch das
Glockenspiel des Turms, herab von den schneeigen Kuppen.
15 Herab von den schneeigen Kuppen fuhr durch das
wirrstimmige Glockenspiel des Turms
der Sturmwind auf den Platz, wo unter
dem Rand des Trottoirs im schmutzigen // 088
Wasser des Rinnsteins knien
20 die zehntausend Enthaupteten:
Ihr Blut färbt nochmals rot
die bräunliche Ermüdung der Blüten.
Und das Glockenspiel, gestört ausser der Zeit,
erhebt wirre Stimmen.
25 Während die Märtyrer,
herabgestürzt vom Felsen auf den Platz
röteten nochmals mit ihrem Blut .....
Die Passanten, ergrauend
vom plötzlichen Anblick, und frierend
30 im Sturm, von den in die Nase
gewehten Blüten süss zum
Brechen gereizt,
flohn mit emporgeschlagenem
Kragen und vorgehaltnen
35 Schirmen in die Häuser
und schalteten, aufatmend, ein den
Fernsehempfänger, zu sehen,
gereinigt, entrückt der
frierenden, blutigen Nacktheit des offenen // 089
40 Platzes das Spiel vom
Martyrium der Zehntausend. Und so 
vergassen sie, was sie gesehn.
Und so, so wurden gerührt ihre Herzen.

In: Notizbuch 1954-55
Freitag, 11 Februar 1955    (    )

Die Wirtschaftsseite II (b*)

„Auch der Stahl steht im Markt“
und blendet allein noch, wenn der
Sturmwind von der Schneekuppe
herab durch das wirrstimmige
05 Glockenspiel des Turms bläst –
man hat es zur Unzeit geweckt.
Er wischt die von Ermüdung gebräunten
Blüten hinein in die schmutzigen
Bäche, die quollen heraus aus den Regenrohren
10 in die Rinnsteine und dort fliessen am Rande
des Trottoirs. 
Aber nochmals röten sich, nochmals
die Blüten, erhaschen ihren Morgen zurück 
vom Blut, das nun mit dem Regen 
vermischt, langsam herrinnt
15 von den Leibern der Märtyrer,
die man auf den Stahl,
der steht mitten im Markt
hinabgestürzt hatte vom Felsen,
die er nun, allein blendend, // 091
20 durchdrang. Und ihr
Blut rötet die braun
ermüdeten Blüten in den Regenbächen des
Rinnsteins.

In: Notizbuch 1954-55
Samstag, 12 Februar 1955    (    )

Die Wirtschaftsseite oder Die zehntausend Märtyrer (A')

„Die Aktienmärkte lagen behauptet“
unter dem Wimperschatten der Zweige des Vogels
unter dem Puder der Blüten, 
die in den schmutzigen Bächen das Trottoir 
05 entlang in den Rinnstein flossen. Und das 
Blut rötete sie nochmals, nochmals. 

Die Aktienmärkte lagen nur noch mühsam behauptet, 
als der Sturmwind von der Schneekuppe 
durch die wirren Stimmen des Glockenspiels 
10 – aufgeweckt hat ers zur Unzeit – 
stürzte und in die Bäche, die die Fallrohre 
herabprasselten und das Trottoir entlang in den 
Rinnstein flossen, wischte die von Ermüdung 
gebräunten Blüten zusammen: // 03
15 vom Blut sind sie jetzt 
nochmals gerötet, gerötet. 

„Auch der Stahl steht im Markt“ 
und blutet von den Leibern der Märtyrer, 
die man herabwarf vom Felsen, 
20 und die er anzog magnetisch und auffing, 
am Regenabend allein noch blendend durchdrang 

„Auch der Stahl steht im Markt“ 
und der Regen wäscht ihm der Märtyrer 
Blut ab und rötet nochmals 
25 die von Ermüdung schon braunen 
Blüten in den Bächen des Rinnsteins. 

Der Sturm hat sie von den Wimpern der Zweige 
des Vogels gewischt, 
des Flügel jetzt schon im Laub stehn, 
30 an Gefieder und Flug von den Winden 
plötzlich erinnert. 

Der Schnabel, begraben, 
bleibt aufgesperrt, von der Krume 
gesättigt, gesättigt. 

35 Und die vom entrollenden 
Spielball lange gequälten 
Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Manuskripte 1955

„Die Aktienmärkte liegen behauptet“
unter des Vogelbaums Wimperschatten
unter dem Puder der Blüten, 
die das Trottoir entlang im schmutzigen 
05 Bach in den Rinnstein fliessen: wo sie 
nochmals rötet, nochmals das Blut. 

Die Aktienmärkte liegen nur noch mühsam behauptet 
unterm Sturmwind, der von der Schneekuppe herabstürzt 
durch die wirren Stimmen des zur Unzeit erregten 
10 Glockenspiels und in den schmutzigen 
Regenbach, der das Trottoir 
entlang in den Rinnstein fliesst, wischt die 
von Wochen des Lächelns ermüdet 
gebräunten Blüten zusammen: aber vom Blut 
15 sind sie jetzt nochmals gerötet, gerötet. 

„Auch der Stahl steht im Markt“ 
und blendet allein noch im Regen und blutet
aus der Märtyrer Leibern, die man 
herabwarf vom Felsen und die er 
20 anzog magnetisch und auffing // 05
Der Stahl steht mitten im leeren 
Markt, und der Regen wäscht ihm 
das Blut der Märtyrer ab und rötet 
nochmals die von Wochen des Lächelns 
25 ermüdet gebräunten Vogelbaumblüten<,>
nochmals im Rinnstein. 

Der glockenstimmige Sturm von der Kuppe 
hat sie von den Wimpern der Zweige 
des Vogels gewischt und die Flügel 
30 die jetzt abseits im Laub stehn, 
an Gefieder und Flug plötzlich erinnert. 

Aber der Schnabel, begraben, 
bleibt aufgesperrt, von der Krume 
gesättigt, gesättigt. 

35 Und die vom entrollenden 
Spielball lange gequälten 
Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Manuskripte 1955

„Die Aktienmärkte liegen behauptet“
unter des Vogelbaums Wimperschatten, 
unter dem Puder der Blüten, 
die mit dem schmutzigen Bach das Trottoir 
05 entlang in den Rinnstein fliessen: wo sie nochmals, 
nochmals rötet das Blut. 

Die Aktienmärkte liegen nur noch mühsam behauptet 
unterm Sturmwind, der von der Schneekuppe
durch die 
wirren Stimmen des zur Unzeit erregten 
10 Glockenspiels herabstürzt und in den schmutzigen 
Regenbach, der das Trottoir 
entlang in den Rinnstein fliesst, wischt die 
von Wochen des Lächelns ermüdet gebräunten 
Blüten zusammen: aber vom Blut 
15 wird sie jetzt nochmals gerötet, gerötet. 

„Auch der Stahl steht im Markt“ 
und blendet allein noch im Regen und blutet 
aus den Märtyrerleibern, die man 
herabwarf vom Felsen und die er 
20 magnetisch anzog und auffing. // 07

Der Stahl steht mitten im leeren 
Markt, und der Regen wäscht ihm 
das Blut der Märtyrer ab und rötet
nochmals die von Wochen des Lächelns 
25 ermüdet gebräunten Vogelbaumblüten, 
nochmals im Rinnstein. 

Der glockenstimmige Sturm von der Kuppe 
hat sie von den Wimpern der Zweige 
des Vogels gewischt und die Flügel, 
30 die abseits jetzt im Laub stehn 
an Gefieder und Flug plötzlich erinnert. 

Aber der Schnabel, begraben, 
bleibt aufgesperrt, von der Krume 
gesättigt, gesättigt. 

35 Und die vom entrollenden 
Spielball lange gequälten 
Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Manuskripte 1955

„Die Aktienmärkte liegen behauptet“
unter des Vogelbaums Wimperschatten, 
unter dem Puder der Blüten, 
die mit dem schmutzigen Bach das Trottoir 
05 entlang in den Rinnstein fliessen: wo sie 
nochmals, nochmals rötet das Blut. 

Die Aktienmärkte liegen nur noch mühsam behauptet, 
wenn der Sturmwind von der Schneekuppe 
durch die wirren Stimmen des zur Unzeit erregten 
10 Glockenspiels herabstürzt und in den 
schmutzigen Regenbach, der das Trottoir 
entlang in den Rinnstein fliesst, wischt die
von Wochen des Lächelns bräunlich 
ermüdeten Blüten zusammen; aber vom Blut 
15 sind sie jetzt nochmals gerötet, gerötet.

„Auch der Stahl steht im Markt“ 
und blendet allein noch im Regen und blutet 
aus den Märtyrerleibern, die man 
herabwarf vom Felsen und die er 
20 magnetisch anzog und auffing. // 09

Der Stahl steht mitten im leeren 
Markt, und der Regen wäscht ihm 
das Blut der Märtyrer ab und 
rötet die von Wochen des Lächelns bräunlich 
25 ermüdetetn Vogelbaumblüten 
nochmals, nochmals im Rinnstein. 

Der glockenstimmige Sturm von der Kuppe 
hat sie von den Wimpern der Zweige 
des Vogels gewischt und die Flügel, 
30 die abseits jetzt im Laub stehn, 
an Gefieder und Flug plötzlich erinnert. 

Aber der Schnabel, begraben, 
bleibt aufgesperrt, von der Krume 
gesättigt, gesättigt. 

35 Und die vom entrollenden 
Spielball lange gequälten 
Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Manuskripte 1955

„Die Aktienmärkte liegen behauptet“
in des Vogelbaums Wimperschatten, 
unter dem Puder der Blüten, 
die mit dem schmutzigen Bach das Trottoir 
05 entlang in den Rinnstein fliessen: wo sie 
nochmals, nochmals rötet das Blut. 

Die Aktienmärkte liegen nur noch mühsam behauptet, 
wenn von der Schneekuppe der Sturmwind 
durch die wirren Stimmen des zur Unzeit erregten 
10 Glockenspiels herabstürzt und in den 
Regenbach, der das Trottoir 
entlang in den Rinnstein fliesst, wischt die 
von Wochen des Lächelns bräunlich ermüdeten 
Blüten zusammen: aber vom Blut 
15 sind sie jetzt nochmals gerötet, gerötet. 

„Auch der Stahl steht im Markt“ 
und blinkt im Regen und blutet 
aus den Märtyrerleibern, die man 
vom Felsen herabwarf und die er 
20 magnetisch anzog und auffing. // 11

Der Stahl steht mitten im leeren 
Markt, und der Regen wäscht ihm 
das Blut der Märtyrer ab und 
rötet die von Wochen des Lächelns bräunlich 
25 ermüdeten Vogelbaumblüten 
nochmals, nochmals im Rinnstein. 

Der glockenstimmige Sturm von der Kuppe 
hat sie von den Wimpern der Zweige 
des Vogels gewischt und die Flügel, 
30 die abseits jetzt im Laub stehn, 
an Gefieder und Flug plötzlich erinnert. 

Aber der Schnabel, begraben, 
bleibt aufgesperrt, von der Krume 
gesättigt, gesättigt. 

35 Und die vom entrollenden 
Spielball lange gequälten 
Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Manuskripte 1955

"Die Aktienmärkte liegen behauptet"
im Wimperschatten des Vogelbaums,
unter dem Puder der Blüten,
die mit dem schmutzigen Bach das Trottoir
05 entlang in den Rinnstein fliessen: wo sie
nochmals, nochmals rötet das Blut.

Die Aktienmärkte liegen nur noch mühsam behauptet,
wenn von der Schneekuppe der Sturmwind
durch die wirren Stimmen des zur Unzeit erregten
10 Glockenspiels herabstürzt und in den
Regenbach, der das Trottoir
entlang in den Rinnstein fliesst, wischt die
von Wochen des Lächelns bräunlich ermüdeten
Blüten zusammen: aber vom Blut
15 sind sie jetzt nochmals gerötet, gerötet.

"Auch der Stahl steht im Markt"
und blinkt im Regen und blutet
aus den Märtyrerleibern, die man
vom Felsen herabwarf und die er
20 magnetisch anzog und auffing.

Der Stahl steht mitten im leeren
Markt, und der Regen wäscht ihm
das Blut der Märtyrer ab und
rötet die von Wochen des Lächelns bräunlich
25 ermüdeten Vogelbaumblüten
nochmals, nochmals im Rinnstein. // 02

Der glockenstimmige Sturm von der Kuppe
hat sie von den Wimpern der Zweige
des Vogels gewischt und die Flügel,
30 die abseits jetzt im Laub stehn,
an Gefieder und Flug plötzlich erinnert.

Aber der Schnabel, begraben,
bleibt aufgesperrt, von der Krume
gesättigt, gesättigt.
35 Und die vom entrollenden
Spielball lange gequälten
Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Typoskripte 1955
Datiert: 1957    (    )

DIE WIRTSCHAFTSSEITE

Der Vogelbaum oder die zehntausend Märtyrer


«Die Aktienmärkte liegen behauptet»
im Wimperschatten des Vogelbaums,
unter dem Puder der Blüten,
die mit dem schmutzigen Bach das Trottoir
05 entlang in den Rinnstein fließen: wo sie
nochmals, nochmals rötet das Blut.

Die Aktienmärkte liegen nur noch mühsam behauptet,
wenn von der Schneekuppe der Sturmwind
durch die wirren Stimmen des zur Unzeit erregten
10 Glockenspiels herabstürzt und in den
Regenbach, der das Trottoir
entlang in den Rinnstein fließt, wischt die
von Wochen des Lächelns bräunlich ermüdeten
Blüten zusammen: aber vom Blut
15 sind sie jetzt nochmals gerötet, gerötet.

«Auch der Stahl steht im Markt»
und blinkt im Regen und blutet
aus den Märtyrerleibern, die man
vom Felsen herab warf und die er
20 magnetisch anzog und auffing.

Der Stahl steht mitten im leeren
Markt, und der Regen wäscht ihm // 35
das Blut der Märtyrer ab und
rötet die von Wochen des Lächelns bräunlich
25 ermüdeten Vogelbaumblüten
nochmals, nochmals im Rinnstein.

Der glockenstimmige Sturm von der Kuppe
hat sie von den Wimpern der Zweige
des Vogels gewischt und die Flügel,
30 die abseits jetzt im Laub stehn,
an Gefieder und Flug plötzlich erinnert.

Aber der Schnabel, begraben,
bleibt aufgesperrt, von der Krume
gesättigt, gesättigt.
35 Und die vom entrollenden
Spielball lange gequälten
Augen betrügt nun der Erdschlaf.

In: Die verwandelten Schiffe 1957
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