DER PRINZ ZIEHT SICH NACH DEM TOD SEINER GATTIN FÜR EINIGE WOCHEN IN EIN KLOSTER ZURÜCK

Wenn er die Orange zerteilt, achtet er darauf,
daß ihm der Saft nicht den weißen Kragen und die Manschetten,
die er ohnehin jeden Tag wechselt, bespritzt.

Denn er ist nervöser als sonst schon,
weil er die Stadt so plötzlich verlassen und in dieses Kloster
herausziehen mußte,
05 wo es nur Mönche gibt, die mit Blicken seine Seele zu retten
versuchen.

Aber das ist doch besser, als in dem feuchten Palast zu bleiben
und sich wie Pastetenfleisch von der Jammertunke von fünfzig
Frauen immer neu übergießen und ganz durchtränken zu lassen.
Hier ist es wenigstens trocken,
10 und niemand verlangt von ihm Trauer um das Mädchen, das er
nur förmlich gekannt hat.
(Im Bett braucht man gottseidank nicht zu sprechen.)

Hier kann er, wenn die Sonne hinter den baumlos erstarrten
Wogen unterging, zuschaun,
wie man das einzige Rosenbeet mitten im Kohlplatz wässert,
und kann dann, damit man sein Gähnen nicht sieht, hineingehen
und genau darauf achten,
15 daß ihm beim Zerteilen der Orange der Saft nicht den Kragen
und die Manschetten bespritzt,
die er ohnehin jeden Tag wechselt.


 schiffe 050

  • Details:

    V. 08: Danach in den vorangehenden Fassungen Strophenende, hier wohl durch Layout verhindert

  • Besonderes:

    Langzeilen-Gedicht

  • Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
  • Textart: Verse
  • Endfassung: ja
  • Strophen: ja
  • Seite / Blatt: 50
  • Werke: Bd.1, 070
  • Status Text: Provisorisch
  • Textnr.: 040
  • Priorität: Hoch
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