PETER PAUL RUBENS: DER HEILIGE SEBASTIAN

Wer es vermöchte,
dich hinauszuführen zum Schilfplatz,
wo der schlammbärtige Greis einen Moment
innehielte im Ausgießen des Flußkrugs,
05 um, wenn auch umsonst, zu entdecken,
warum du hier stöhnend am Baum stehst:

Wer dies vermöchte,
dem bliebe erspart,
in der Lapislazulihöhle der Kirche
10 aufzuzucken unter dem Schwirren
eines jeden einzelnen Pfeils,
der aus dem Hinterhalt der Gebete
deinen Leib trifft.

Dort draußen schwängen die Engel
15 sich von den Zweigen, zu trocknen
mit Linnen dein Blut,
so daß noch stummer stünde das Staunen des Greises.
Wenn er dich auch vielleicht, mit Mühe, endlich erkennte,
so erkennten dich kaum je die verdrängten
20 Luftgeister, Flußfrauen, Dryaden:

Wer es vermöchte …

Weitere Informationen

  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Endfassung: ja
  • Strophen: ja
  • Seite / Blatt: 09
  • Werke: Bd.1, 090
  • Textnr.: 005
  • Priorität: Hoch
    Änderung: Donnerstag, 09 Februar 2017
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